IT-Wissen: Geschichte des Computers

Windows: Diese Dateinamen sind seit über 40 Jahren verboten

Noch heute sind bestimmte Dateinamen unter Windows 10 verboten. Die Gründe dafür reichen teilweise bis an die Anfangszeit der PCs zurück.

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Unter Windows sind bestimmte Dateinamen für die Verwendung gesperrt. Warum das so ist, deckt der Artikel auf.

Wir schreiben das Jahr 1974. Die Nationalmannschaft um Franz Beckenbauer wird Fußball-Weltmeister. In Berlin tritt Bundeskanzler Willy Brandt aufgrund einer Spionageaffäre zurück. ABBA gewinnt mit Waterloo den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson. Und die PC-Branche trifft eine Entscheidung, die Milliarden Windows-Nutzer bis heute einschränkt. 

Die Kürzel "CON, PRN, AUX, NUL, COM1, COM2, COM3, COM4, COM5, COM6, COM7, COM8, COM9, LPT1, LPT2, LPT3, LPT4, LPT5, LPT6, LPT7, LPT8 und LPT9" werden als Dateinamen verboten. Groß-Klein-Schreibung spielt dabei keine Rolle, auch "CoN" und "con" sind gesperrt. Probieren Sie es ruhig einmal aus, indem Sie zum Beispiel ein Word-Dokument unter einem der Namen abspeichern. Auf die Dateiendung kommt es nämlich auch nicht an.

Kennen Sie noch CP/M?

Wir müssen weit in der EDV-Historie zurück, um dieses Verhalten zu erklären. Schon 1969 hat Bell Laboratories das Betriebssystem Unix entwickelt. Ein wichtiges Prinzip: "Alles ist eine Datei". So wird zum Beispiel aus dem Drucker eine Datei namens "lp0", die im Verzeichnis "dev" liegt (für "Devices", zu Deutsch "Geräte"). 

Speichert man Text in der Datei lp0, so wird er ausgedruckt und wieder aus lp0 entfernt. Das sehr simple Prinzip kommt noch heute in Unix-ähnlichen Betriebssystemen wie Linux zum Einsatz, wenngleich in deutlich modernerer Form. 1974 erschien mit CP/M ein weiteres, wegweisendes Betriebssystem. Es sollte sich auf Arbeitsplatz-PCs und Heim-Computern weit verbreiten. 

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Der Einfachheit halber übernahmen seine Entwickler das "Alles ist eine Datei"-Prinzip von Unix. Allerdings wurde CP/M für sehr leistungsschwache Computer ausgelegt und unterstützte keine Verzeichnisse. So speicherte es die Dateien von Nutzern Seite an Seite mit den Gerätedateien. Um versehentliches Überschreiben von Gerätedateien zu verhindern wurden die entsprechenden Dateinamen gesperrt. Dateiendungen ignorierte CP/M dabei einfach. Und damit haben wir den Urknall des Problems. 

1980 begann Entwickler Tim Paterson mit der Arbeit an einem neuen Betriebssystem. Was unter dem Titel "QDOS" startete (Quick and dirty OS, schnell und unsauber programmiertes Betriebssystem) wurde schließlich zu MS-DOS und damit zu Microsofts erstem großen Betriebssystem. Technisch lehnte es sich an CP/M an. So ließ sich bereits vorhandene Software leichter portieren, was zu einem rasch wachsenden Software-Angebot für MS-DOS führte. Weil auch MS-DOS 1.0 keine Verzeichnisse kannte, übernahm Microsoft den Umgang mit den Gerätedateien von CP/M.

© Microsoft

Eine Gruppenrichtlinie in der Windows 10 Professional Edition legt die Sortierung von Dateien mit Ziffern im Namen fest.

Absprung verpasst 

1983 hätte Microsoft die gesperrten Dateinamen freigeben können, verpasste aber die Gelegenheit. Das neue MS-DOS 2.0 brachte erstmals Funktionen für Verzeichnisse mit. Microsoft entschied sich jedoch dagegen, die Gerätedateien - wie Unix - in ein eigenes Verzeichnis zu sperren. 

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Damit sich die von CP/M portierten Programme ohne erneute Anpassung weiter nutzen ließen, zeigte MS-DOS 2.0 die Gerätedateien einfach in allen Verzeichnissen an. 1995 erschien Windows 95, das auf MS-DOS basierte. Zu Gunsten maximaler Abwärtskompatibilität behielt Microsoft den eigentümlichen Umgang mit Dateinamen bei. 

1996 erschien Windows NT. Es hatte erstmals keinen MS-DOS-Unterbau mehr. Doch weil dort auch Windows-95-Programme laufen sollten, übernahm NT die gesperrten Dateinamen. Dieses „Festhalten am Alten“ setzt sich bis heute fort, ganz unabhängig davon ob die aktuelle Version nun gerade Windows 98, ME, 2000, XP, Vista, 7, 8, 8.1 oder 10 heißt.

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