Falsche Freunde

Viren und Trojaner bei Facebook

18.11.2011 von Cathrin Günzel

Online-Kriminelle beuten Vertrauen, Unwissenheit und Neugier der Nutzer von Facebook, Twitter & Co. aus, um Trojaner zu verbreiten oder die Anwender zu betrügen.

ca. 2:15 Min
Ratgeber
  1. Viren und Trojaner bei Facebook
  2. Spam und Schad-Software
  3. Interview Prof. Dr. Hannes Federrath
Viren und Trojaner bei Facebook
Viren und Trojaner bei Facebook
© Hersteller/Archiv

Kaum war die Nachricht vom Tod des Apple-Gründers Steve Jobs um die Welt gegangen, machten sich auch schon Betrüger ans Werk. Fünfzig iPads würden sie angeblich zum Gedenken an den Computer-Pionier verschenken, behaupteten sie auf der Facebook-Seite R.I.P. Steve Jobs.

Interessierte sollten sich bei einem SMS-Dienst anmelden, Kosten pro Nachricht: 1,42 Euro. Danach gab es statt des begehrten Tablets nur noch Spam. Bereits in den ersten acht Stunden nach Veröffentlichung der Seite haben laut Informationen der Sicherheitsfirma Panda Security über 20 000 Nutzer auf den Win-Button geklickt.

Der Trick ist kein Einzelfall. Als im Mai der Tod Osama bin Ladens über die Ticker der Nachrichtenagenturen lief, lockten Cyberkriminelle Facebook-Anwender in eine tückische Falle: Sie verschickten eine Chat-Nachricht mit einem angeblichen Video über die Tötung des Al-Kaida-Anführers.

Das Video existierte nicht, aber als Link getarnt fand sich Schadcode im Chat. Besonders perfide: Die Mitteilung kam von einem guten Kontakt, war aber gefälscht. Denn die Malware las automatisch alle Freunde des betroffenen Facebook-Nutzers aus und schickte sich selbst per Chat weiter.

Sicherheits-Albtraum

"So viele Kriminelle nutzen soziale Netzwerke für sehr schlimme Dinge", konstatierte Eugene Kaspersky, Gründer von Kaspersky Lab, bei einer Diskussion zu Sicherheitsbedrohungen im Oktober in New York. Und für Kasperskys Senior Security Researcher David Jacoby sind Social Media ein "Sicherheits-Albtraum".

Innerhalb einer Minute würden zum Beispiel 50 000 Links geteilt, 74 000 Freunde zu Events eingeladen, 231 000 Nachrichten gesendet und 382 000 Likes vergeben, so Jacoby auf einem Kaspersky Security Symposium im Herbst.

Viele Experten gehen davon aus, dass über soziale Netzwerke verbreitete Malware bereits die am schnellsten wachsende Internet-Gefahr ist - und dass Social Media zusehends zum Hauptverbreitungsweg für Schad-Software werden.

So gaben 71 Prozent von beinahe 2000 Befragten einer Erhebung von Sophos an, dass sie oder einer ihrer Kollegen Spam auf einer Social-Networking-Website erhalten habe. Laut Sophos hielten rund 81 Prozent Facebook für das risikoreichste Netzwerk. Allein die Zugangsdaten der mehr als 800 Millionen Facebook-Nutzer wären eine wertvolle Beute für Identitätsdiebe sowie Versender von Spam und Trojanischen Pferden.

Da sind Computerwürmer wie KoobFace, über den sich bösartige Dateien verbreiten, oder der erstmalige Missbrauch der beliebten Kommunikationsplattform Twitter als Steuerzentrale für ein Botnetz Anfang des Jahres nur ein Vorgeschmack. Das Trojanische Pferd Nickspy zum Beispiel, das sich als Anwendung des sozialen Netzwerks Google+ tarnt, infiziert Smartphones, schneidet die Gespräche als Audio-Dateien mit und versendet sie.

r.i.p, steve jobs, verlosung
Nichts heilig: Betrüger haben eine Facebook-Seite mit einer angeblichen Verlosung von 50 iPads im Gedenken an Steve Jobs aufgesetzt.
© Hersteller/Archiv

Das Vorgehen der Übeltäter in sozialen Netzwerken ähnelt sich: Sie tarnen sich als nette Frauen oder Männer auf der Suche nach Kontakten. Über Fake-Profile werden zum Beispiel Chatbeiträge automatisch generiert oder automatisiert Nachrichten sowie Pinnwandeinträge vermeintlicher Privatpersonen versendet.

Diese locken zu Links auf Seiten, die Videos oder andere Dateien anbieten und heimlich Software installieren wollen. Oder der Klick auf den Link aktiviert zahlreiche, schnell hintereinander geschaltete Marketingseiten, über deren Pay-per-Click-Bezahlung die Betreffenden Geld verdienen.

Ebenso sind Phishingsites beliebt, die das Design des sozialen Netzwerks kopieren und Zugangsdaten erbeuten wollen. Damit werde in den Accounts nach Brauchbarem geschnüffelt oder unter falschem Namen Nachrichten-Spam verschickt.

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