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4K-Fernseher und Senderpläne

Ultra-HD-Fernsehen: Deutsche TV-Sender geben Statements ab

Wir möchten Ultra-HD und die megasatten Kontraste nicht mehr missen. US-Streaminganbieter preschen voraus. Doch wie lange wird es bei den heimischen TV-Sendern noch dauern? Wann kommt 4K-Fernsehen nach Deutschland?

Treffen Deutscher TV-Sender

© Video

Im April lud die deutsche TV-Plattform nach Wien zur „Media Innovation Platform 2019“. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden Andre Prahl gab es viele Präsentationen zu Bestandsaufnahme und Zukunftschancen von Ultra-HD/HDR.

Jüngst war es es endlich so weit und eine weitere Erfolgsmeldung über technische Innovationen der Sendelandschaft ließ den Äther erzittern. Die DVB-Organisation, zuständig für die technische Normierung unserer digitalen TV-Ausstrahlungen, erweiterte ihre Spezifikationen um drei Methoden zur Anwendung von dynamischen Metadaten.

Kurz gesagt ist die Aussage, dass sich alle TV-Sender auf das HDR-Verfahren „Hybrid Log Gamma“ konzentrieren sollen, damit Schall und Rauch. Nun ist sozusagen PQHDR erlaubt, ergänzt um die dynamischen Metadaten von HDR10+ und– man höre und staune – DolbyVision.

Ferner gelten nun Vorgaben für eine dritte Variante: das dynamische Anpassen von HDR10 auf die native Helligkeit des TV-Panels (ETSI 103.433-2). Damit haben wir jeglichen Format-Wirrwarr, an den wir uns beim Streaming oder der Ultra-HD Bluray gewöhnen mussten, endlich auch auf TV-Ausstrahlungen übertragen.

Naja, irgendwie ist es auch gut, wenn nun alles möglich ist, denn Konkurrenz soll ja bekanntlich das Geschäft beleben. Jedenfalls werden HDR10-Inhalte potenziell stark durch diese Ergänzungen aufgewertet, soll es dadurch deutlich weniger zu Clippings und Absumpfen kommen sowie sich die Durchzeichnung erhöhen.

Konkurrenz gibt es übrigens auch im Audiopart, der für die neuen TV-Normen voll immersiv und objektorientiert sein soll. Wir zählen nicht weniger als zwölf Audio-Codecs, die zur Wahlstehen, inklusive MPEG-H, DTSHD und Dolby AC-4 (Atmos).

Wo steht Deutschland in Sachen UHD?

Die Roadmap der Ultra-HD-Einführung wurde 2014 veröffentlicht, ihre erste Phase aber sehr schnell abgearbeitet. Es ging einzig um die erhöhte Auflösung und Implementierung des Codecs HEVC in 10 Bit.

Kurz darauf kamen bereits 4K-TV-Geräte auf den Markt, die zusätzlich fast alle Anforderungen der Phase 2 erfüllten. Sie erkannten zwei Arten von HDR (HDR10-PQ, HLG) sowie den erweiterten Farbraum BT.2020 (jetzt BT.2100). Schon jetzt finden wir Dolby Atmos (AC-4) neben den meisten der erwarteten Toncodecs in vielen TV-Geräten.

Auch verschiedene Verfahren an dynamischen HDR-Metadaten werden seit Jahren für die US-amerikanischen Streaminganbieter Netflix und Amazon umgesetzt, lange bevor sie jetzt auch für lineares Fernsehen festgeschrieben wurden. Und die Topgeräte der UHD-Fernseher unterstützen selbstverständlich auch 100 Hertz – jedenfalls theoretisch. Einige Exemplare spielen nämlich Filme mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde über die USB Schnittstelle oder per Netzwerk ab.

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Aktuelle HDMI-2.0-Buchsen bringen genauso wenig 100 Hz in UHD wie wahrscheinlich die eingebauten TV-Tuner es tun. Für die DVB-Ausstrahlungin 100 Hz hatte man sich ein geniales rückwärtskompatibles Dual-Layer-System einfallen lassen, dessen Filme ältere TVs dann einfach in 50 Hz empfangen können.

Schätzungsweise sind alle brandneuen TVs, die ansonsten voll der Phase 2 (oder schon Phase 3) entsprechen, somit „älter“, denn wir haben noch keine 100-Hz-Quelle bei unseren Labortests einfangen können, und Hersteller geben sich bei Nachfragen extrem zugeknöpft.

Die technische UHD-Phase 3 bringt das Ganze in die 8K-Auflösung und erlaubt sogar mehr als 10 Bit. Die ersten Ausstrahlungen in Japan laufen, doch ob das komplett seitens der Fernsehsender so zu uns kommt, ist mehr als fraglich.

Lizenzfragen Codecs

© Jonatan Samuelsson

Ein Hindernis beim UHD-Durchbruch sind offene Lizenzfragen des Codecs HEVC (H.265). Mehr als 50 Firmen könnten Patente halten. In Zukunft wird vielleicht auf Codecs wie AV1 oder EVC gesetzt statt auf den HEVC-Nachfolger VVC.

Erfolge in Ultra-HD HDR

Dabei gibt es eine Handvoll Referenz-Events, bei denen Shows oder Sport live in Ultra-HD mit HDR übertragen wurden und einigen Produzenten viel Erfahrung sowie ordentlich Ruhm einbrachten. Das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ gehörte genauso dazu wie Spiele der Fußball-WM und die Formel 1. Zu den Erfahrungen gehörte auch, wie man die unterschiedlichen Dynamiken aller Kameras aufeinander anpasst und gleichzeitig bestes UHD-HDR und tolles HD-SDR abliefert.

Das scheint mit gehörigem Aufwand verbunden zu sein, wie wir auf der „Media Innovation Platform 2019“ in Wien in Vorträgen und persönlichen Gesprächen erfahren konnten. Dieser Event der deutschen TV-Plattform brachte Produzenten und Lieferanten von Medieninhalten sowie Gerätehersteller zusammen. Gemeinsam sollte an einer glorreichen Zukunft der deutschen Fernsehwelt gearbeitet werden. Am runden Tisch sah Armando Romagnolo von Panasonic den Teil der TV-Hersteller als geleistet an, indem jetzt über 10 Millionen Ultra-HD-Geräte, die größtenteils HDR-fähig sind, in deutschen Wohnzimmern stehen.

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Viele Millionen Deutsche wollen also UHD schauen, werden aber von den Öffentlich-Rechtlichen mit nicht einmal Full-HD beliefert. Die haben ja immerhin die Bergretter, Mythos Wolfskind und ein Wagenrennen im alten Rom in HDR produziert und als HbbTV streamen lassen – vielleicht deren bevorzugter Distributionsweg der Zukunft.

Sky als bekennender Qualitäts-Innovator arbeitet auch daran, alle Ultra-HD-Aufzeichnungen mit HDR schmücken zu können, während ARD und ZDF laut darüber nachdenken, ob nicht die Kombination aus HLG mit Full-HD-Auflösung die wirtschaftlichste Variante für ein besseres Bild sei. Einzig der Pay-TV-Anbieter HD+ kann ein Vollprogramm in Ultra-HD mit HDR auf der Habenseite verbuchen.

Dabei ist er eigentlich selbst kein Produzent, sondern kombiniert einige eigene Inhalte mit ultrascharfen Events beispielsweise der RTL-Gruppe. Auf der Media Innovation Platform 2019 waren sich immerhin alle einig, dass UHD/HDR toll ist und für qualitativ hochwertigen Inhalt mehr Geld ausgegeben wird – leider nicht nur konsumenten-, sondern auch senderseitig.

Treffen deutscher TV sender 2

© video

Als krönender Abschluss der „Media Innovation Platform 2019“ kam es zum runden Tisch, an dem Produzenten, Sendeanstalten und die Geräteindustrie ihre nicht ganz einheitlichen Roadmaps und Vorstellungen zur TV-Zukunft diskutierten.

Schon anfangs, als die Durchdringung von UHD-HDR-Inhalten im deutschen Markt aufgegliedert wurde, sah man allerdings, dass Streaminganbieter deutlich agiler sind, wenn es um die Einführung neuer Bild- und Tonformate geht. Natürlich gibt es bei uns dann auch erheblich mehr Filme auf Disks zu kaufen, als man UHD-HDR-Inhalte im klassischen Fernsehen genießen kann. Wohin die Reise also wirklich geht und wie schnell wir unterwegs sind, werden wir sehen. 

Für TV-Sender ist eine parallele Ausstrahlung von UHD-HDR und HD-SDR erst einmal unvermeidlich, aber teuer. Man arbeite an Workflows, die das Ganze effizienter gestalten, und wenn Studioequipment neu angeschafft wird, achte man darauf, die kommenden Anforderungen damit abdecken zu können. Doch die Infrastruktur aller deutscher Sendehäuser auf die TV-Zukunft einzurichten, ist ein extrem teures und langwieriges Unterfangen. Aber die Standards sind verabschiedet, TV-Geräte vorhanden, also her mit dem Content!

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