Webpressung

Teil 2: Web-Napping

22.11.2007 von Redaktion pcmagazin und Wolf Hosbach

ca. 1:40 Min
Ratgeber
  1. Web-Napping
  2. Teil 2: Web-Napping
  3. Teil 3: Web-Napping
  4. Teil 4: Web-Napping

Schlechter Ruf

Online-Erpressung zielt nicht nur auf materiellen Schaden, oft ist es auch der Ruf einer Person, den der Erpresser schädigen will. Ein zufälliger Rempler in der Kneipe, kann heutzutage schon dazu führen, dass der in seiner Ehre verletzte den anderen anbrüllt: "Ich kenn Deinen Namen und ich hab Fotos von Dir gemacht und bring Dich ins Internet, Du #*?*!" Eine alberne Attacke, die aber mit der realen Angst vor ernsthafter Rufschädigung spielt.

"Früher war die Drohung immer: Wenn Du nicht das und das tust, gehe ich zum Finanzamt und erzähle dort, was Du für krumme Geschäfte machst. Heute sagt man, wenn Du nicht das und das machst, mach ich einen Blog auf und schreib was über Dich", bestätigt der Münchner Anwalt Arne Trautmann. "Man stolpert als Anwalt regelmäßig über Fälle, wo jemand relativ klar androht: Wenn Du nicht Deine Schulden zurückzahlst, dann stell ich eine Seite ins Netz, auf der beschrieben wird, was Du für ein schlechter Mensch bist." Trautmann wurde selbst Opfer einer Erpressung. In seinem Blog erzählt er, ein Forumsbetreiber hatte versucht, ihn mit folgenden Worten zu erpressen: "Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! In unserem Forum wird angezeigt, dass Sie einen unserer User hintergangen haben sollen. Bitte nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Forum (Webadresse) und nehmen Sie Stellung. Ansonsten rechnen Sie damit, dass man Sie in Zukunft bei Google unter Ihrer Firmierung law-blog.de ganz oben findet, wenn man nach Gangster, Anwalt und law-blog.de sucht."

Erpresserbrief
Ein Online-Skript bei Joshuarey.com erzeugt einen fast perfekten Erpresserbrief mit beliebigem Text.
© Archiv

Ein kleines Geldgeschäft wird ebenfalls angeboten: "Sollten Sie Interesse haben, dass wir den User-Kommentar streichen, ist dies nur durch die Zahlung eines Unkostenbeitrages realisierbar." Wer so versucht, einen offensichtlich mit dem Internet vertrauten Anwalt zu erpressen, kann sich gleich selbst die Schlinge um den Hals legen. Erfolgreich wird so eine Attacke hingegen in einer Umgebung sein, in der die Person sich nicht mit dem Internet auskennt oder nicht dort vertreten ist. Wenn der Name sonst nicht bei Google auftaucht und dann mit einer geschickten, glaubhaften Verleumdung erscheint, kann das den Ruf des Betroffenen ernsthaft schädigen.

Oft finden sich derartige Erpressungen auch im schulischen Umfeld. Schüler wollen sich an Lehrern rächen oder es geht um Noten und Versetzungen. Der Vorwurf ist dann oft Pädophilie. Das reicht ohne Anhaltspunkte aus, um einen Lehrer zu ruinieren.

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