Gefiltertes Internet

Stoppschilder im Web: Das Verbot und die möglichen Folgen

28.8.2009 von Redaktion pcmagazin und Matthias Metzler

Seit Anfang August wird in Deutschland erstmals das Internet gefiltert. Zwar werden bislang nur kinderpornographische Seiten gesperrt, doch schon bald könnten auch andere unliebsame Inhalte vom Bildschirm verschwinden.

ca. 1:45 Min
Ratgeber
  1. Stoppschilder im Web: Das Verbot und die möglichen Folgen
  2. Teil 2: Stoppschilder im Web: Das Verbot und die möglichen Folgen
  3. Teil 3: Stoppschilder im Web: Das Verbot und die möglichen Folgen
  4. Teil 4: Stoppschilder im Web: Das Verbot und die möglichen Folgen
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© Archiv

Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist es bereits so weit: In Deutschland wird das Internet erstmals zensiert. Doch ist "zensiert" überhaupt das korrekte Wort für die Internetsperren? Allein schon darüber herrscht Streit und zeigt, wie sehr sich Befürworter und Gegner des neuen Gesetzes in ihre Positionen verbissen haben. Doch worum geht es eigentlich? Aufgrund des "Gesetzes zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen" erscheint ab 1. August auf entsprechenden Seiten im Internet ein rotes Stoppschild. Das Gesetz kam vor allem auf Initiative von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zustande, die nach eigenem Bekunden den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung zum Schwerpunkt ihrer Politik erklärte hat. Anlässlich der Vorstellung des Unicef-Reports 2009 erläuterte sie: "...wir dürfen nicht länger das Massengeschäft dulden, das mit diesen grauenhaften für jedermann zugänglichen Bildern über das Internet betrieben wird. Deshalb ist es so wichtig, die Seiten mit Kinderpornographie im Internet zu sperren."

Weltweiter Missbrauch

In der Tat ist der sexuelle Missbrauch ein weltweites Geschäft. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden weltweit jährlich rund 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen unter 18 Jahren zum Sex gezwungen. Nach Recherchen von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, werden etwa auf den Philippinen zwischen 60.000 und 100.000 Kinder als Prostituierte ausgebeutet und in den Touristenhochburgen an den Küsten Kenias etwa 15.000 Kinder. Die große Mehrheit der Kunden sind wohlhabende Touristen aus den Industrieländern - darunter viele Deutsche. Solche Verbrechen gegen Kinder werden auch in Deutschland begangen, hier meist in den eigenen Familien. Viele Kinder müssen ein Martyrium sexueller Gewalt über sich ergehen lassen, weil Angehörige, Freunde und Nachbarn wegschauen.

Die überwiegende Mehrzahl aller dieser Straftaten wird nicht bildlich festgehalten. Fakt ist jedoch, dass das Internet es ermöglicht, Bilder eines Missbrauchs weltweit zu verbreiten, was eine neue Form der Ausbeutung darstellt. Allein in Deutschland gibt es nach Unicef-Angaben rund 50.000 regelmäßige Konsumenten von Kinderpornographie. Die Anonymität des Internets mache es Nutzern leicht, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Internetseite mit kinderpornographischem Material, so Unicef, bringe ihrem Betreiber im Durchschnitt 30.000 US-Dollar Gewinn pro Monat, was derzeit etwa 21.000 Euro entspricht.

Warum der Filter eigentlich uneffektiv ist, lesen Sie auf Seite 2...

Wir haben nach Rücksprache mit Internetexperten den Eindruck gewonnen, dass das verabschiedete Gesetz nicht effektiv ist. Der Missbrauch von Kindern wird dadurch keinesfalls verhindert.
Kai Hanke, Medienreferent, Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

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