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Sicher surfen: So maximieren Sie Privatsphäre und Datenschutz

Der Facebook-Datenskandal zeigt, dass persönliche Daten nicht bei jedem Unternehmen in guten Händen sind. Wir geben sieben Tipps für mehr Datensicherheit.

So schützen Sie Ihre Daten im Web

© © tongcom photographer / shutterstock.com

Der aktuelle Facebook-Skandal um die Nutzung privater Daten zu Wahlkampfzwecken hat wieder einmal gezeigt, dass persönliche Daten nicht bei jedem Unternehmen in guten Händen sind.

Zudem sollte sich jeder Nutzer bewusst sein, dass die Verwendung von Daten zu Werbezwecken bei Firmen wie Facebook oder Google ein Geschäftsmodell sind, mit dem sich Milliarden verdienen lassen. Fünf Firmen, neben Facebook und Google sind das die chinesischen Plattformen Baidu, Alibaba sowie Tencent, teilen sich über 70 Prozent des weltweiten Internet-Werbemarktes. Kein Wunder, dass diese Firmen ihre Einnahmequellen mit allen Mitteln verteidigen und mehr denn je auf personalisierte Werbung setzen. 

Gleich 18 Tracker sind auf dieser Webseite aktiv, um Ihre Daten einzusammeln. Über die Schieberegler werden diese deaktiviert. Vermutlich besitzen Sie ebenfalls ein Facebook-Konto und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass zumindest eine Ihrer E-Mail-Adressen ein Google-Konto ist. Prinzipiell ist dagegen nichts zu sagen, doch sollten Sie sich nicht blind auf die Beteuerungen der Unternehmen verlassen, dass mit Ihren Daten wirklich verantwortungsvoll umgegangen wird. Wie Sie PCs und Mobilgeräte und damit Ihre Daten wirksam vor Missbrauch schützen, erfahren Sie in diesem Artikel.

TIPP 1: Blockieren Sie den neugierigen Datensammlern den Weg

Zunächst sei Folgendes gesagt: Werbung im Internet ist eine Notwendigkeit, denn nur über Anzeigen sind die meisten Informationsangebote im Netz überhaupt finanzierbar. Dennoch ist es wichtig zu wissen, welche Werbenetzwerke Ihre Daten eigentlich sammeln. Ein wirksames Tool zu diesem Zweck nennt sich Ghostery, eine Erweiterung für Ihren Browser, die Sie kostenlos auf ghostery.com/de/products erhalten. Ist die Erweiterung installiert, finden Sie in der Symbolleiste des Browsers eine kleine Schaltfläche mit einem Geist-Icon, neben dem bei fast jeder besuchten Webseite eine rote Zahl eingeblendet wird. Diese zeigt die Anzahl der Tracker an, die Ihre Daten beim Besuch dieser Webseite einsammeln. 

Klicken Sie also auf einen Artikel, der Sie interessiert, wird das im Beispiel unten links von 18 Trackern registriert. Klicken Sie auf eine Anzeige, geschieht dasselbe. So entsteht nach und nach ein immer exakteres Profil Ihrer Interessen, das dazu dient, Ihnen möglichst passgenaue Werbung zukommen zu lassen. Klicken Sie auf das Ghostery-Symbol, werden die Datensammler detailliert aufgelistet. 

Auch Facebook und Google, Letzteres zumeist mehrfach, befinden sich oft darunter. Um Facebook auszusperren, bewegen Sie den entsprechenden Schieberegler nach rechts und laden die Seite neu. Nun ist Facebook von der Datengenerierung ausgeschlossen. Wenn Sie sich bei Facebook einloggen, werden Sie feststellen, dass in diesem Netzwerk nur einer Daten sammeln darf: Facebook selber. Auch bei Google ist kein fremder Datensammler aktiv, was teilweise die Werbedominanz dieser Unternehmen erklärt. Es ist also nur fair, gerade diese beiden Datensammler via Ghostery auszusperren.

So schützen Sie Ihre Daten im Web - Ghostery

© Screenshot WEKA / pc-go

Gleich 18 Tracker sind auf dieser Webseite aktiv, um Ihre Daten einzusammeln. Über die Schieberegler werden diese deaktiviert.

TIPP 2: Verwenden Sie beim Surfen einen VPN-Anbieter

Mit einem VPN-Zugang werden die Daten zwischen Ihnen und der besuchten Webseite verschlüsselt übertragen, wodurch sich Ihre Online-Aktivitäten nicht mehr so einfach verfolgen lassen. Zudem ist auch die IP, mit der Sie durchs Internet surfen, eine andere. Die IP ist in etwa mit dem Nummernschild Ihres Autos vergleichbar: Der VPN-Anbieter verpasst Ihnen also quasi ein neues Nummernschild, mit dem Sie theoretisch nicht mehr identifizierbar sind und so anonymer durchs Web surfen können. 

In der Praxis ist Ihr Rechner und damit auch Sie selber aber noch auf andere Weise verfolgbar, nämlich zum Beispiel durch die installierten Cookies oder weil Sie dauerhaft mit Ihrem Rechner beispielsweise bei Facebook angemeldet sind. Wir raten Ihnen zudem, trotz VPN-Zugang auch regelmäßig die Cookies zu löschen. Welche VPN-Anbieter sind empfehlenswert? Völlig kostenlos ist etwa der Opera-Browser, der eine VPN- Erweiterung besitzt.  Bewährt hat sich auch der Anbieter NordVPN (nordvpn.com), der über zahlreiche Server in diversen Ländern und Kontinenten verfügt. Sehr einfach bedienbar ist auch TunnelBear (tunnelbear.com) mit Sitz in Kanada.

So schützen Sie Ihre Daten im Web - NordVPN

© Screenshot WEKA / pc-go

Der Anbieter NordVPN besitzt Server in ganz Europa und in vielen Ländern im Rest der Welt.

TIPP 3: Nutzen Sie zur Registrierung keine Drittanbieter-Anmeldedaten

Vermutlich kennen Sie dieses Phänomen: Sie sind erstmals in einem für Sie neuen Onlineshop oder auf einer anderen Webseite und wenn es an die Bezahlung geht, können Sie die Anmeldung ganz einfach mithilfe Ihres Facebook-, Twitter- oder Instagram-Kontos erledigen. Das klingt praktisch, denn Sie müssen kein neues Konto anlegen und die Bestellung ist wesentlich schneller aufgegeben. Wenn Ihnen Ihre Daten lieb sind, raten wir dringend von dieser Vorgehensweise ab. Denn auf diese Weise erhalten Plattformen genaueste Infos zu den von Ihnen besuchten Shops und Webseiten und eventuell sogar zu der Bestellung, die sie gerade aufgeben möchten. Erstellen Sie also lieber ein neues Konto.

So schützen Sie Ihre Daten im Web - Mit Google-Konto anmelden

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Sich bei Google anzumelden und dann längere Zeit im Web zu surfen, ist keine besonders gute Idee.

TIPP 4: Bleiben Sie während Ihrer Surf- Session nicht angemeldet

Es ist sicher bequem, sich am Anfang einer Surf-Session zum Beispiel bei Facebook, Twitter oder Google anzumelden und dann stundenlang dort angemeldet zu bleiben, während man in anderen Browser-Tabs durchs Internet surft. Sie machen es bestimmten Datensammlern damit allerdings sehr einfach, Ihnen beim Surfen über die Schulter zu schauen. 

Richtigerweise melden Sie sich dann bei einer Plattform an, wenn Sie dort etwas erledigen möchten und gleich danach wieder ab. Das gilt übrigens nicht nur für den PC, sondern in besonderem Maße für Ihr Smartphone. Gerade dort kann man eine geöffnete App schnell einmal vergessen, weil Sie nicht sichtbar ist. Unterdessen sammelt sie fleißig Daten zu Ihren Aktivitäten, natürlich abhängig davon, welche Rechte Sie bei der Installation vergeben haben.

TIPP 5: Verhindern Sie das Tracking über unterschiedliche Geräte

Dieser Tipp ist eng mit dem vorherigen verwandt. Sie können sich bestimmt vorstellen, dass ein Profil weitaus runder wird, wenn die Aktivitäten auf dem PC mit denen desselben Nutzers auf dem Smartphone verknüpft werden. Dieses sogenannte „Cross-Device- Tracking“ ist allerdings kompliziert, weil die IP eine völlig andere ist und man bei Mobil und Stationär im Normalfall bei unterschiedlichen Zugangsanbietern Verträge hat. 

Loggen Sie sich allerdings auf beiden Rechnern zum Beispiel bei Facebook ein, und bleiben Sie dort dauerhaft eingeloggt, wird die Identifikation und die Verknüpfung der Geräte zum Kinderspiel. Für die Werbenetzwerke wandeln sich die Nutzer somit zu einem vollständigen Gesamtkunstwerk inklusive Standortdaten, wenn es optimal läuft. Im Idealfall nutzen Sie zum Beispiel Facebook nicht auf allen Ihren Geräten.

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TIPP 6: Gehen Sie mit Standortdaten besonders sorgfältig um

Für das im Tipp zuvor beschriebene Cross-Device-Tracking sind Standortdaten aus gutem Grund sehr wichtig. Denn anders als beim Surfen am PC bewegen Sie sich mit dem Smartphone durch die Stadt, bleiben vor Schaufenstern stehen, gehen in Geschäfte und kaufen eventuell sogar dort ein. Wer ein Bewegungsprofil erstellen kann, der weiß schnell ebenso viel über Ihre Interessen wie sie selbst.

Natürlich ist es für manche Dienste sinnvoll, Ihren Standort zu ermitteln – beispielsweise wenn Sie per App ein Taxi rufen möchten. Bei der Vergabe der Rechte für Ortungsdienste sollten diese allerdings stets auf die Zeit der Nutzung der App begrenzt sein und nur für Apps vergeben werden, für die diese Nutzung auch wirklich Sinn macht.

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TIPP 7: Auch wenn es lästig ist: Lesen Sie die Nutzungsbedingungen

Kaum etwas ist langweiliger als die Nutzungsbedingungen eines App-Anbieters. Das könnte man zumindest meinen, und doch enthalten Sie oft Interessantes und Vielsagendes zum Thema Datenschutz. In den Bedingungen von Facebook steht beispielsweise folgender Satz: „Du gewährst uns eine nichtexklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz zur Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest.“ Kurzum: Alles, was Sie bei Facebook posten, kann das Netzwerk nutzen – und zwar zu welchem Zweck auch immer. Eine Klausel dieser Art hat Facebook natürlich nicht exklusiv, sondern Sie geben Ihre Daten auch bei anderen Anbietern zur Nutzung frei. Wenn Sie das nicht möchten, bleiben Sie solchen Anbietern fern.

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