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Kinosterben oder Kinorevolution?

Samsung Cinema LED Screen: Die Kino-Zukunft aus Südkorea

© Samsung / Dolby / Roland Seibt

Im „Arena Cinemas Sihlcity Switzerland“ in Zürich wurde der Samsung Cinema LED Screen das erste Mal in Europa präsentiert.

Der Samsung Cinema LED Screen ist echter Paradigmenwechsel. Das Bild wird nicht mehr projiziert, wie man es seit über hundert Jahren aus dem Kino gewohnt ist. Der Besucher blickt auf einen Screen. Und der hat es in sich. In Zürich wurde Anfang des Jahres der erste Kinossal mit der neuen Technik in Europa präsentiert, im Juli folgte dann der erste Aufschlag für Deutschland in Esslingen. Hier steht jeweils ein 10,3 Meter breiter und 5,4 Meter hoher Screen. 96 Kästen, welche wiederum jeweils aus 24 Einzelmodulen bestehen, wurden hierfür nahtlos aneinander gebaut.

Die einzelnen Kästen können individuell ausgetauscht werden. Geht man ganz nah an den Screen heran, kann man tatsächlich die einzelnen Bestandteile erkennen, sitzt man jedoch in gebührendem Abstand, merkt man nichts von der Modulbauweise. Die einzelnen Panele fügen sich komplett nahtlos in einander.

© Samsung / Dolby / Roland Seibt

Der Umbau des Kinosaals war nicht ganz billig. Laut den Betreibern des Traumpalast Esslingen wurde ca. eine Million Euro investiert.

Der 4K-Screen hat eine Auflösung von 4096 x 2160 Pixeln. Das macht neun Millionen Pixel. In jedem Pixel sitzen drei LEDs, für rotes, grünes und blaues Licht. Nach Adam Riese besteht der Screen also aus 26,4 Millionen LEDs. Der Raum in Esslingen fasst etwas über 100 Personen. Viel mehr geht wohl nicht bei der Größe des Screens. Der Traumpalast Esslingen verlangt einen Aufschlag von zwei Euro für den Besuch des Saals. Es ist wohl noch zu früh um zu sagen, ob die Rechnung für Kinobetreiber aufgeht oder nicht. Einen Versuch ist es defintiv wert.

Samsung jedenfalls wirbt damit, dass man durch den fehlenden Vorführraum mehr Sitzreihen in die Säle verbauen kann, also mehr Tickets verkaufen kann. Darüberhinaus soll das System günstiger in der Wartung sein. Samsung garantiert eine Betriebszeit von elf Jahren, zudem kann der Kinobetreiber einzelne defekte Module selbst austauschen.

Samsung Onyx - Cinema LED Technology

Quelle: Samsung
Offizieller Samsung-Trailer zur Cinema LED Technologie.

Schwarz ist schwarz

Der Cinema LED Screen ist das erste Kinodisplay, das nach dem DCI (Digital Cinema Initiative) zertifiziert ist. Der Screen kommt mit vielen Vorteilen gegenüber der klassischen Projektion daher. Zunächst einmal erlaubt er es, die beiden üblichen Kinoformate „flat“ und „scope“ ohne störende dunkelgraue Streifen an den Rändern wiederzugeben.

Das echte Steckenpferd ist aber die Leuchtkraft. Laut Samsung ist sie zehnmal stärker als bei herkömmlichen Projektoren. Man spricht von 500 Nits. So bleibt die Farbbrillanz sogar in sehr hellen Szenen erhalten und auch sehr dunkle Szenen glänzen noch mit einer hervorragenden Detailtreue. Insbesondere kann der Screen mit einem Schwarzwert aufwarten, den herkömmliche Projektoren schlicht nicht bieten können. Denn die durch den Projektionsstrahl entstehenden Reflektionen verwaschen das Schwarz nur zu gerne. Das fällt bei einem selbstleuchtenden Screen natürlich weg.

Zudem lässt der Screen ein langsam verblassendes Thema wieder aufleben: Er kann für 3D-Inhalte aufgerüstet werden. Hierfür sind zusätzliche Emitter notwendig. Der Besucher kann den Film dann mittels Shutter-Brille genießen. Durch die hohe Leuchtkraft des Screens sollen 3D-Filme deutlich besser zur Geltung kommen. Vielleicht also der Aufschlag zu einem neuen 3D-Siegeszug? Wir sind gespannt.

© Samsung / Dolby / Roland Seibt

Die Screentechnik bietet einige Vorteile gegenüber der herkömmlichen Projektortechnik. U.a. gehören Bildverzerrungen der Vergangenheit an.

Auch der Sound stimmt

Den optimalen Sound hat Samsung sozusagen auch gleich mitgebracht. Denn der Soundspezialist Harman passenden Ton. 2016 wurde Harman bekanntlich von Samsung übernommen. In Esslingen kam ein 7.1 System zum Einsatz. Deckenlautsprecher wurden aber bereits installiert und könnten grundätzlich für 3D-Sound sorgen. Da die Frontlautsprecher in diesem Fall natürlich nicht durch eine akustisch durchlässige Leinwand schallen können, sind sie um das Display herumangeordnet. Durch JBLs sogenanntes „Sculpted Surround“ System wird der Sound im Saal vollkommen gleichmäßig verteilt.

© Samsung / Dolby / Roland Seibt

Durch den nicht vorhandenen Projektor kann der Kinobetreiber weitere Reihen installieren und so mehr Besucher einlassen.

HDR, nur welches?

Klar, das Ganze ist perfekt für HDR-Inhalte ausgelegt. Nun ist HDR aber bekanntlich nicht gleich HDR. Samsung setzt zusammen mit Panasonic und 20th Century Fox auf den Standard HDR10+. Was Inhalte angeht, haben sicherlich die Amerikaner mit ihrem Standard Dolby Vision den Vorsprung. Derzeit ist es aber schwer vorstellbar, dass Dolby Vision Inhalte auf einem Samsung Screen gezeigt werden.

Die Website des Traumpalast Esslingen gibt keine Auskunft darüber, ob die gezeigten Filme in HDR bzw. in welchem daherkommen. Tatsächlich soll der LED Screen aber auch eine Verbesserung von Bildern ohne HDR herbeiführen. Bleibt zu hoffen, dass die sich entwickelnde Kinotechnik zu einer zunehmenden Produktion von HDR-Inhalten führt.

© ARRI

In puncto Helligkeit kommt der Samsung Cinema LED Screen noch nicht an moderne HDR-Fernseher heran. Fehlendes Streulicht führt aber zu einem besseren Schwarz.

Faszination Kino

Wir durften uns im Traumpalast in Esslingen von der neuen Technik überzeugen. Tatsächlich waren wir begeistert. Samsung hatte im Vorfeld nicht zu viel versprochen. Schwarz ist tatsächlich echtes Schwarz, die Farben wirkten wirklich brillant. Bei dem von ARRI gezeigten Film „Faces“, der in echtem HDR produziert wurde, kam dies freilich noch stärker zur Geltung als bei dem anschließend gezeigten Film „Jurassic World: Das gefallene Königreich“.

Ob der Screen eine Aufwertung dieses Contents herstellen konnte, war schwer zu sagen. Vermutlich bräuchte man hierfür den direkten Vergleich zum projizierten Film. Doch auch diese Bilder konnten unsere Faszination nicht hemmen, wir verließen das Kino tief beeindruckt.

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