Kaufberatung

Ryzen-Mainboard kaufen: Welcher AMD-Chipsatz ist der richtige?

AMD setzt mit Ryzen-CPUs auf den AM4-Sockel. Mit diesem warten die Chipsätze X570, X470, X370, B450, B350 und mehr. Welcher Chipsatz ist für Sie der Richtige?

Inhalt
  1. Ryzen-Mainboard kaufen: Welcher AMD-Chipsatz ist der richtige?
  2. X570, X470, B450 und mehr: Empfehlungen für Ryzen-Mainboards
AMD Ryzen

© AMD

Die starken und sparsamen Ryzen-Prozessoren können Sie auf etliche AM4-Mainboards mit verschiedenen Chipsätzen einsetzen. Wir helfen bei der Orientierung.

AMDs Ryzen-CPUs sind in vielen Fällen eine günstige Alternative zu Intel-CPUs und vor allem bei Gamern sehr beliebt. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt und Kinderkrankheiten der Plattform sind weitgehend ausgebügelt. Bei der Zusammenstellung eines AMD-PCs gilt es, das richtige Mainboard zu finden. Dessen Hauptbestandteil ist der Chipsatz und davon bietet AMD den Mainboard-Herstellern derzeit gleich sechs verschiedene an.

Unterteilt sind die Chipsätze in drei Klassen. Laut AMD bilden die „A“-Chipsätze die Einsteigerklasse und die „B“-Chipsätze die Mittelklasse. Die X-Serie richtet sich an besonders anspruchsvolle Nutzer. Erhältlich sind derzeit drei Generationen der Chips. Zur ersten Generation aus dem Jahr 2017 gehören die „300er“, also A320, B350 und X370.

Die zweite Generation mit den Modellen B450 und X470 hat AMD 2018 auf den Markt gebracht. 2019 erschien dann die dritte Generation, vertreten durch das aktuelle Top-Modell, den X570. Er ist AMDs erster selbst entwickelter Chipsatz für die Ryzen-CPUs, die vorherigen stammten von ASMedia.

Die gleichfalls für Ryzen-CPUs geeigneten Chipsätze X300 und A300 klammern wir bewusst aus, denn sie sind für Mini-PCs gedacht. Dort ist kaum mehr als eine Handvoll Boards erhältlich. Deswegen konzentrieren wir uns auf klassische Desktop-Systeme.

Ryzen: Die Specs der Chipsätze

Die folgende Tabelle zeigt den Funktionsumfang der „Ryzen-Chipsätze“. Anhand der Informationen zur Zahl der Grafikkarten, RAM-Taktrate und Overclocking können Sie grundsätzlich zwischen den Chipsatz-Familien entscheiden. Auch wenn ein Mainboard den gewünschten Chipsatz enthält, sollten Sie seine Beschreibung aufmerksam lesen.

Für Mainboard-Hersteller ist der Chipsatz nämlich nur die Ausgangsgrundlage. Sie müssen nicht alle Chipsatz-Funktionen umsetzen, können die vom Chipsatz angebotenen Ressourcen unterschiedlich nutzen (insbesondere bei der Zahl und Leistungsfähigkeit von USB-, SATA- und NVMe-Anschlüssen) und können weitere Funktionen durch zusätzliche Chips hinzufügen. ​

Ryzen-Mainboards: Chipsatz-Specs

© Tim Kaufmann / pc-magazin.de

Das sind die Fähigkeiten der Ryzen-Chipsätze im Überblick.

Erklärungen zur Chipsatz-Übersicht

Die Tabelle enthält viele technische Daten auf einen Blick. So lesen Sie sie:


  • PCIe-Verson: PCIe (PCI Express) ist der Standard, nach dem die internen Leitungen Daten zwischen CPU, OnBoard-Controller (zum Beispiel USB) und anderen Geräten (zum Beispiel Netzwerkadapter, Grafikadapter) übertragen. Faustregel: Von Version zu Version verdoppelt sich die Geschwindigkeit in etwa. PCIe 4.0 ist also ungefähr doppelt so schnell wie PCIe 3.0. Offiziell unterstützt wird PCIe 4.0 derzeit nur vom X570-Chipsatz. Für ältere Chipsätze finden sich zwar BIOS-Versionen im Netz, mit denen sich PCIe 4.0 freischalten lässt. AMD warnt aber ausdrücklich vor deren Einsatz - also „Finger weg“! Das "x" ist die Abkürzung für "Lane", d.h. eine einzelne Leitung. "x4" bedeutet, dass es vier Leitungen der entsprechenden PCIe-Version gibt.
  • Hochgeschwindigkeits-Lanes: Als Hochgeschwindigkeits-Lanes bezeichnet AMD die Summe der PCIe-Lanes, SATA-Ports und USB-Ports von Chipset und Prozessor, die gleichzeitig verwendet werden können. Je höher die Zahl, um so mehr Möglichkeiten bietet der Chipsatz den Mainboard-Herstellern zur Realisierung von Funktionen.
  • PCIe-GPU: Die Zahl der PCIe-Lanes, die dem Anschluss von Grafikadaptern dient. Dank der Bifurcating-Funktion können die X-Chipsätze die insgesamt 16 Lanes optional auch auf zwei Grafikadapter verteilen.
  • CrossFire / SLI: Crossfire und SLI (Scalable Link Interface) sind einander ähnliche Techniken von AMD beziehungsweise NVIDIA. Sie dienen der Kombination von zwei Grafikadaptern im selben PC. Das kann speziell bei grafisch anspruchsvollen Spielen von Vorteil sein, spielt aber eine immer geringere Rolle. Bei den A- und B-Chipsätzen ist Crossfire kein Chipsatz-Feature. Es wird aber häufig von Mainboard-Herstellern auf den mit diesen Chipsätzen ausgerüsteten Hauptplatinen implementiert. SLI hingegen funktioniert häufig auch auf den B-Chipsätzen, ist aber kein offiziell unterstütztes Feature.

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  • RAM-Taktrate: Je höher die Taktrate, um so schneller der Arbeitsspeicher.
  • Übertakten CPU / RAM: … Durch Übertakten von CPU und RAM können Sie die Leistung der Hardware steigern. Maßvoll angewendet kann das sehr nützlich sein, führt aber auch zu Nebenwirkungen wie höherem Stromverbrauch, mehr Abwärme und damit häufig auch mehr Lüfterlärm.
  • AMD StoreMI: StoreMI erlaubt die Verknüpfung von schnellem, aber teurem SSD-Speicher mit langsamem, aber preiswertem Festplatten-Speicher, ähnlich wie Intels Optane Memory. Unter gleichzeitiger Zuhilfenahme eines Teils des Arbeitsspeichers sind laut AMD bis zu 9,8-fach schnellere Anwendungsstarts möglich. Den 400er-Chips liegt die entsprechende Software bereits bei. Für die 300er-Chipsätze erzielen Sie vergleichbare Ergebnisse mit Hilfe von FuzeDrive (ab 20 USD), auf dem StoreMI basiert.

Kompatibilität von CPU und Mainboard

AMDs Ryzen-CPUs gibt es mittlerweile ebenfalls in drei Generationen. Den Anfang machten die CPUs auf Basis der Zen-Architektur (2017). Im Jahr 2018 stellte AMD die etwas verbesserten CPUs der Zen+-Serie vor. 2019 sind dann die ersten Zen-2-CPUs in den Handel gekommen. Seither müssen Sie auch bei Ryzen-Mainboards darauf achten, dass sich CPU und Mainboard miteinander vertragen. Zum Beispiel laufen auf Mainboards mit X570-Chipsatz nur CPUs mit Zen+- und Zen-2-Architektur. Umgekehrt funktionieren Zen-2-CPUs auf älteren Chipsätzen nur, wenn der Hersteller dafür ein BIOS-Update anbietet, also die Software, die das Mainboard steuert, für die neue Technik aktualisiert. Mit welchen CPUs ein Board funktioniert steht in der Mainboard-Beschreibung auf der Hersteller-Website.

B450 ist der neue Gold-Standard

Ryzen-Chipsatz B450

© Screenshot / AMD

Der B450 bietet AMDs StoreMI und Übertaktungsmöglichkeiten. Erst beim Einsatz mehrerer GPUs und weiterer anspruchsvoller Hardware wird es eng.

Boards mit B450-Chipsatz dürften für die Mehrzahl aller Ryzen-Käufer die richtige Wahl sein. Als das bessere der beiden Mittelklasse-Modelle bietet er alle Funktionen, die für einen guten Büro-PC oder einen nicht allzu teuren Spiele-PC wichtig sind. Die Produktauswahl ist groß, es gibt auch viele Boards für platzsparende PCs (Mini-ITX, µATX) und preislich geht es ebenfalls gesittet zu. Wenn Sie auf AMD StoreMI verzichten können, dann reicht eventuell auch der noch etwas günstigere B350. Aber aufgepasst: Die älteren 300er-Chipsätze benötigen mehr Strom. Der Preisvorteil beim Kauf kann dadurch auf Dauer zum Nachteil werden.

Bei den X-Chipsätzen ragt der X570 mit PCIe 4.0 heraus. Das erlaubt den Aufbau extrem performanter PCs. NVMe-SSDs, die in der Praxis nahezu 5 Gigabyte/s übertragen, sind bereits erhältlich, das Limit liegt bei 8 Gigabyte/s. Mit der Radeon RX 5700 gibt es auch eine zugehörige Grafikkarte (GPU), so dass Sie ein vollständig auf PCIe 4.0 basierendes System aufbauen können. Passende Boards starten aber erst bei 165 Euro (Stand: Juli 2019) und auch die übrigen Komponenten sind teuer. Zum Vergleich: Platinen mit X470 gibt es schon für 115 und solche mit X370 ab 65 Euro.

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