Kaufberatung

Ryzen-Mainboard kaufen: Welcher AMD-Chipsatz ist der richtige?

AMD setzt mit Ryzen-CPUs auf den AM4-Sockel. Mit diesem warten die Chipsätze X470, X370, B450, B350 und A320. Welcher Chipsatz ist für Sie der Richtige?

Inhalt
  1. Ryzen-Mainboard kaufen: Welcher AMD-Chipsatz ist der richtige?
  2. X470, X370, B450, B350 oder A320: Empfehlungen für Ryzen-Mainboards
AMD Ryzen

© AMD

Die starken und sparsamen Ryzen-Prozessoren können Sie auf etliche AM4-Mainboards mit verschiedenen Chipsätzen einsetzen. Wir helfen bei der Orientierung.

AMDs Ryzen-CPUs sind in vielen Fällen eine günstige Alternative zu Intel-CPUs und vor allem bei Gamern sehr beliebt. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt und Kinderkrankheiten der Plattform weitgehend ausgebügelt. Bei der Zusammenstellung eines AMD-PCs gilt es, das richtige Mainboard zu finden, das dessen Grundlage bildet. Dessen Hauptbestandteil ist der Chipsatz und davon bietet AMD den Mainboard-Herstellern derzeit gleich fünf verschiedene an.


Konkret handelt es sich um die etwas älteren Chipsätze X370, B350 und A320 (die „300er“) sowie die Mitte 2018 vorgestellten X470 und B450 (die „400er“). Laut AMD richten sich die beiden X-Chipsätze an besonders anspruchsvolle Nutzer. Die „B“-Chipsätze bilden die Mittelklasse und die A-Klasse den Einstieg. Die gleichfalls für Ryzen-CPUs geeigneten Chipsätze X300 und A300 klammern wir bewusst aus, denn sie sind für Mini-PCs gedacht. Wir konzentrieren uns jedoch auf klassische Desktop-Systeme.

Es kommt darauf an, was das Mainboard daraus macht

Die folgende Tabelle zeigt den Funktionsumfang der „Ryzen-Chipsätze“. Damit ist - grob - abgesteckt, was mit entsprechenden Boards maximal möglich ist. Der konkrete Leistungsumfang eines Mainboards hängt davon ab, welche Chipsatz-Funktionen der Hersteller tatsächlich nutzt. Auch können Hersteller mehr Funktionen bereitstellen, indem Sie zusätzliche Chips verbauen.

Ryzen-Chipsätze

© pc-magazin.de

Das können die Ryzen-Chipsätze. Sie geben einen Überblick, was maximal möglich ist.

Erklärungen zur Chipsatz-Übersicht

Die Tabelle enthält viele technische Daten auf einen Blick. So lesen Sie sie:


  • PCIe 3.0 / 2.0 allgemein: PCIe (PCI Express) ist der Standard, nach dem die internen Leitungen Daten zwischen CPU, OnBoard-Controller (zum Beispiel USB) und anderen Geräten (zum Beispiel Netzwerkadapter, Grafikadapter) übertragen. PCIe 3.0 ist dabei doppelt so schnell als PCIe 2.0. Das „x“ ist die Abkürzung für „Lane“, d.h. eine einzelne Leitung. „x4“ bedeutet, dass es vier Leitungen der entsprechenden PCIe-Version gibt.

  • PCIe 3.0 / 2.0 GP: „GP“ steht für „General Purpose“, d.h. die PCIe-Leitungen, die üblicherweise mit den PCIe-Erweiterungsplätzen auf dem Board verbunden sind. Faustregel: Je mehr GP-PCIe-Lanes der Chipsatz bietet, um so mehr beziehungsweise um so schnellere Geräte können Sie an das Board anschließen.
  • PCIe 3.0 GPU: Die Zahl der PCIe-Lanes, die dem Anschluss von Grafikadaptern dient. Dank der Bifurcating-Funktion können die X-Chipsätze die insgesamt 16 Lanes optional auch auf zwei Grafikadapter verteilen.

  • CrossFire / SLI: Crossfire und SLI (Scalable Link Interface) sind einander ähnliche Techniken von AMD beziehungsweise NVIDIA. Sie dienen der Kombination von zwei Grafikadaptern im selben PC. Das kann speziell bei grafisch anspruchsvollen Spielen von Vorteil sein, spielt aber eine immer geringere Rolle. Bei den A- und B-Chipsätzen ist Crossfire eigentlich kein Chipsatz-Feature. Es wird aber häufig von Mainboard-Herstellern auf den mit diesen Chipsätzen ausgerüsteten Hauptplatinen implementiert. SLI hingegen funktioniert häufig auch auf den B-Chipsätzen, ist aber kein offiziell unterstütztes Feature.


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  • USB 3.1 G2 + G1 + 2.0: Die Zahl der seitens des Chipsatzes möglichen USB-Anschlüsse entsprechend der jeweiligen Generation des USB-Standards.

  • SATA 6G + NVMe: SATA- und NVMe-Laufwerke werden über PCIe-Lanes (s.o.) mit dem System verbunden. Wie viele Lanes für die besonders schnellen und dadurch datenhungrigen NVMe-Laufwerke verbleiben, hängt davon ab, wie viele SATA-Laufwerke Sie anschließen. Die Tabelle zeigt für jeden Chipsatz zwei mögliche Kombinationen, zum Beispiel „6 SATA-Laufwerke und ein NVMe-Gerät, das zwei Lanes benötigt oder 4 SATA-Laufwerke und ein NVMe-Gerät mit einem Bedarf von 4 Lanes“ beim X470.

  • RAM-Taktrate: Je höher die Taktrate, um so schneller der Arbeitsspeicher. Bei den 400er-Chipsätzen ist das ein offizielles Feature während …

  • Übertakten CPU / RAM: … den 300er-Chipsätzen AMDs entsprechender Segen noch fehlte. Das Übertakten von RAM hat aber auch dort schon in der Regel problemlos funktioniert. Beachten Sie, dass sich die CPU mit dem kleinsten Chipsatz A320 nicht übertakten lässt.

  • AMD StoreMI: StoreMI erlaubt die Verknüpfung von schnellem, aber teurem SSD-Speicher mit langsamem, aber preiswertem Festplatten-Speicher, ähnlich wie Intels Optane Memory. Unter gleichzeitiger Zuhilfenahme eines Teils des Arbeitsspeichers sind laut AMD bis zu 9,8-fach schnellere Anwendungsstarts möglich. Den 400er-Chips liegt die entsprechende Software bereits bei. Für die 300er-Chipsätze erzielen Sie vergleichbare Ergebnisse mit Hilfe von FuzeDrive (ab 20 USD), auf dem StoreMI basiert.

B450 ist der neue Gold-Standard

Ryzen-Chipsatz B450

© Screenshot / AMD

Der B450 bietet AMDs StoreMI und Übertaktungsmöglichkeiten. Erst beim Einsatz mehrerer GPUs und weiterer anspruchsvoller Hardware wird es eng.

Boards mit B450-Chipsatz dürften für die Mehrzahl aller Ryzen-Käufer die richtige Wahl sein. Die Nachteile gegenüber den Boards mit X470 fallen kaum ins Gewicht. Wer hingegen ein wirkliches High-End-System plant, den bringen die zwei zusätzlichen PCIe–2.0-Lanes des X470 auch nicht wirklich weiter. Dank der Preisersparnis ist bei einem B450-Board eventuell ein leistungsstärkerer Prozessor drin.

Boards mit 300er-Chipsatz können sich lohnen

Die neuen AMD-Ryzen-CPUs laufen auf den neuen wie auf den alten Chipsätzen. Das gilt prinzipiell auch für die Overclocking-Techniken Precision Boost 2 und XFR 2, die AMD mit den neuen Zen+-Ryzens eingeführt hat. Voraussetzung dafür ist aber die Bereitstellung eines BIOS-Updates durch den Board-Hersteller.


Unterschiede zwischen den 300er- und den 400er-Chipsätzen muss man also mit der Lupe suchen. Von daher schadet es nicht, wenn Sie zu einem Schnäppchen-Board mit älterem Chipsatz greifen. Allerdings könnte der geringere Stromverbrauch der neuen Chips den Preisvorteil auf Dauer zunichte machen. Das selbe gilt auch, wenn Sie StoreMI/FuzeDrive nutzen möchten und dementsprechend noch eine Lizenz für die Software kaufen müssen. Außerdem sollte es sich bei dem Schnäppchen nicht um alte Lagerware handeln. Die benötigt nämlich erst ein BIOS-Update, damit sie die neuen CPUs erkennt. Das Update lässt sich aber nur einspielen, wenn Sie noch über eine alte CPU verfügen - ein Henne-Ei-Problem droht.

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