Digitale Fotografie - Test & Praxis
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Pol- und Graufilter - Bildoptimierer

Optische Filter gehören auch zu Zeiten digitaler Bildbearbeitung noch immer zur Standardausrüstung vieler Fotografen - zu Recht, wie dieser Beitrag zeigt. Denn mit digitaler Filtersimulation lässt sich eine vergleichbare Wirkung nur zum Teil erzielen.

© maximilian mutzhas

Mit den Mitteln der Bildbearbeitung lässt sich in einem Foto vieles verbessern, aber nicht alles nachholen, was man bei der Aufnahme versäumt hat. Neben exakter Fokussierung und Belichtung gehört dazu auch der Einsatz von Pol-, Grau- und Grauverlauffiltern. Erhältlich sind diese Filter in zwei Formen: als Rundfilter zum Einschrauben in die Objektivfassung und als Steckfilter mit Filterhalter.

Zu den bekanntesten Filterherstellern gehören B+W, Heliopan und Hoya. Das am weitesten verbreitete Steckfiltersystem stammt von Cokin und ist in den Größen A und P erhältlich. Die dazugehörigen Filterhalter haben einen lichten Durchmesser von 55 mm (A) bzw. 75 mm (P); die Breite der Filterscheiben beträgt 66 mm (A) bzw. 84 mm (P). Daneben bietet auch Heliopan einen drehbar gelagerten Halter für Steckfilter (75 mm), der ins Filtergewinde des Objektivs geschraubt wird.

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Polfilter lassen sich nach dem Einschrauben in das Frontgewinde des Objektivs drehen und so in ihrer Wirkung steuern.

PolarisationsfilterPolarisationsfilter (Polfilter) besitzen eine Drehfassung, mit der sich die Filterwirkung steuern lässt. Die Wirkung besteht im Ausschalten von reflektiertem (polarisiertem) Licht, das Motivfarben überlagert und trübt. Polfilter können das Himmelsblau verstärken und Reflexionen auf nichtmetallischen Oberflächen beseitigen. Wasser- oder Glasoberflächen werden dadurch wieder transparent und lassen erkennen, was sich hinter der Oberfläche befindet. Bei Landschaftsaufnahmen äußert sich die Polfilter-Wirkung vor allem in satteren Grüntönen, weil blaue Reflexionen des Himmelslichts unterdrückt werden. Bei Polfiltern unterscheidet man zwischen linearen und zirkularen Versionen. Ein zirkulares Polfilter wird bei allen Kamerasystemen mit Innenlichtmessung benötigt, bei denen das Licht über Spiegel und Strahlenteiler geleitet und damit polarisiert wird. Für Digitalkameras wird ausschließlich dieser Filtertyp empfohlen.

Lineare Polfilter können unter anderem die Belichtungs- und AF-Messung beeinträchtigen. Ein Nachteil konventioneller Polfilter ist der damit einhergehende Lichtverlust von 1 bis 1,5 Blendenstufen, je nach Einstellung. Heliopan setzt dem ein neues Zirkular-Polfilter mit dem Zusatz "High Transmission" entgegen; bei ihm beträgt der Lichtverlust maximal eine halbe Blende. Eine um "25 Prozent höhere Lichtdurchlässigkeit" und speziell gehärtetes Glas schreibt Hoya den HD-Polfiltern aus eigenem Hause zu (konnte im Rahmen dieses Beitrags nicht überprüft werden). Polfilter werden zudem in Normal- und Slim-Version angeboten. Die dickeren Normalversionen lassen sich etwas besser bedienen und erlauben durch das Vorhandensein eines Filtergewindes das Aufsetzen eines Objektivdeckels. Die dünneren Slim-Versionen neigen dafür weniger zu Vignettierungen. Die früher als Referenz gehandelten "Polfilter nach Käsemann" unterscheiden sich heute weder preislich noch qualitativ entscheidend von anderen hochwertigen Polfiltern.

Grau- & VerlauffilterWährend der Lichtverlust bei Polfiltern ein meist unerwünschter Nebeneffekt ist, werden Graufilter genau aus diesem Grund gekauft. Man braucht sie, wenn man mit einer größeren Blende oder einer längeren Belichtungszeit arbeiten will, als es bei den aktuellen Lichtverhältnissen möglich wäre. Beispiel: ein Porträt, das mit großer Blende und geringer Schärfentiefe fotografiert werden soll, damit es sich vom Hintergrund trennt. Oder ein Wasserfall, bei dem eine lange Belichtungszeit die Fließbewegung sichtbar macht. Für die digitale Fotografie sind Graufilter mit zwei-, vier- und achtfachem Verlängerungsfaktor sinnvoll, die einer Lichtreduzierung von einer, zwei und drei Blendenstufen entsprechen. Neu bei Heliopan sind Variograufilter mit stufenloser Lichtreduzierung zwischen ND 0,3 (1 Blendenstufe) bis ND 2,0 (6,66 Blendenstufen). Dabei handelt es sich um zwei zirkulare Polfilter, die gegeneinander verdreht werden. Praktisch dabei: Zur Bildgestaltung und zum Fokussieren kann man das Filter mit einem Handgriff "auf hell stellen".

Bei Grauverlauffiltern ist das Filterglas nicht komplett, sondern nur etwa zur Hälfte durchgefärbt. Ein typischer Anwendungsfall für Grauverlauffilter sind Außenaufnahmen, bei denen der Himmel im Vergleich zum Vordergrund zu hell ist. Auch Farbverlauffilter dunkeln Bildpartien ab, färben sie aber zusätzlich ein. Zu den dezenteren Varianten dieses Typs gehört das Tabak- oder Sepiafilter, das etwa den Horizont rotbraun einfärbt und so für Sonnenuntergangsstimmung sorgt (oder eine vorhandene unterstützt).

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