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OLED-Einbrennen: Burn-in- und Memory-Messungen

© SID / video

Eine international akzeptierte Norm für standardisierte Bildschirmmessungen ist das 563 Seiten starke Dokument „IDMS“. Die aktuelle Version 1.03 stammt aus dem Jahr 2012, als weder die Eigenarten von OLED noch HDR berücksichtigt werden konnten. Und für viele der dort beschriebenen Messungen ließen TV-Hersteller ihre Geräte optimieren. Eine Version 2.0 der Norm ist also überfällig. Unsere Messungen bauen auf dem IDMS-Standard auf, erweitern die Methoden aber in vielen Details.

Messungen von Burn-in

Dabei konzentrieren wir uns auf den Memory-Effekt. Einbrennen durch Verschleiß tritt wohl erst nach Wochen auf. Die Messnorm IDMS definiert die Messung von „Residual Image“ als Änderung (vorher/nachher) der Schwarz- und Weißdarstellung, nachdem ein 5x5-Schachbrettmuster eine definierte Zeit lang gezeigt wurde. Das Verfahren ist auf ältere Displaytechnologien abgestimmt und liefert kaum verwertbare Ergebnisse. Erstens besitzen alle neuen HDR-TVs eine Standbilderkennung gegen Einbrennen.

Hinzu kommt, dass OLEDs bei einer Quelle mit 50 Prozent Weißfläche wie dem Schachbrett eh schon auf halbe Maximalhelligkeit gehen. Und mit der Belastung eines Panels verhält es sich ähnlich wie mit anderen Technologien: Problematisch wird es erst nahe der angegebenen Maximalleistung. Fährt man mit 150 über die Autobahn, gelingt das relativ unkritisch, bei 300 erscheint das Ganze dann doch mehr als doppelt so schwierig.

Unser Test-OLED lieferte in SDR oder bei großer Weißfläche 150 bis 300 Nits an Helligkeit, bei unserem HDR-Testbild jedoch stolze 700 (Bilder sehen Sie auf der nächsten Seite). Bei solchen Extrembedingungen passiert viel, was die Wärmeentwicklung und damit Nachleuchten betrifft. Wir haben im Vergleich zum IDMS-Original die äußeren Felder des Schachbrettes geschwärzt, Messpunkte und Auswertung haben wir aber übernommen.

Dem zu erfassenden Schwarzbild haben wir einen weißen Rahmen gegönnt, damit dimmende LCDs sich nicht abschalten, das Weiß auf 36 % Fläche begrenzt, damit es nicht abgedunkelt wird. Die Messung des Memory-Effekts nehmen wir an einem Dunkelgraubild (10 Nits) vor. Hier zeigt sich auch im Sichttest eindeutig, wie stark dunkle Pixel aufgehellt werden. Ganz schwarze bleiben auch mit Memory schwarz.

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Memory-Messung (Image Sticking)

Vor dem Test wird die Werkseinstellung des TVs (Home Mode) aktiviert und das Gerät zehn Minuten warmlaufen gelassen. Für die Messung wird zu Beginn und Ende das Graubild an drei markierten Stellen mit unserem Spektrometer gemessen, zwischendrin zehn Minuten lang die Burn-in-Sequenz gezeigt. Sie besitzt neben den zu messenden Rechtecken eine blinkende Schrift und blendet alle zwanzig Sekunden einen Weißrahmen ein, um nicht als Standbild erkannt zu werden.

Zur Auswertung wird das Verhältnis berechnet, nach dem die weiß eingebrannten Rechtecke sich stärker aufgehellt haben als das schwarze. Das ist unser Nachleuchtwert. Um das klingen des Memory-Effekts bewerten zu können, messen wir 60 und 120 Sekunden später nochmals die Grauwerte. Bei vielen Messreihen zum Beispielvergleich links zeigte sich, dass der Memory-Effekt (Image Sticking) bei kalten OLEDs bereits nach einer Minute recht stark und durchaus auffällig sein kann. LCD (hier: QLED) hingegen war völlig unkritisch.

Destruktives Einbrennen

Wie gesagt, führen wir diese Messung überhaupt nur bei Auffälligkeiten bei unseren Sichttests durch. Und potenziell zerstörerische Einbrenntests bleiben im normalen Testbetrieb außen vor. Jetzt hat Samsung aber vor einiger Zeit eine zehnjährige Garantie gegen Einbrennen gegeben und ist extrem zuversichtlich, dass keinerlei Signal deren QLED-Panels gefährlich werden kann. Grund genug, den Hersteller zu fragen, ob wir nicht härter vorgehen und unser maximal brillantes HDR-Signal 24 Stunden lang das Display malträtieren lassen sollen – unter der Gefahr eines Totalschadens.

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Hier erwarten wir echtes Einbrennen, und so erfolgt die Auswertung neben den o.g. Grauwerten klassisch nach IDMS-Vorgaben.Der Proband war wie im Memorytest links unsere LCD-Bildreferenz 65Q9FN, der ja durch eine besonders hohe Lichtleistung besticht. Als Ergebnis lässt sich sagen, dass keinerlei signifikante (Negativ-) Einbrenneffekte gemessen werden konnten. Das nächste Ziel ist eine Woche Testphase.

Fazit

Es ist sehr wichtig, zerstörerisches Einbrennen vom reparablen Memory-Effekt differenzieren zu können. Dann sieht man, dass jeder TV bei vorsichtig korrekter Nutzung unproblematisch zu sein scheint. Wer empfindlich auf Geisterbilder reagiert und keinerlei Risiko für langjährige Nutzung eingehen möchte, scheint bei LCD, respektive QLED auf der sichersten Seite zu sein.​

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