Einfach anonym mit Incognito

Live-Linux Incognito: Booten von CD und damit anonym surfen

1.3.2010 von Redaktion pcmagazin und Wolf Hosbach

Von CD booten und sofort völlig anonym surfen. Das ermöglicht das Live-Linux Incognito, das fertig konfiguriert den Internet-Verkehr spurenlos verschleiert.

ca. 2:30 Min
Ratgeber
  1. Live-Linux Incognito: Booten von CD und damit anonym surfen
  2. Sichere Datenübertragung
Spuren im Schnee
Spuren im Schnee
© Archiv

Es ist kaum möglich, durch eine verschneite Wiese zu laufen, ohne tiefe Spuren zu hinterlassen. Nicht weniger schwierig ist es, unbemerkt einen Rechner zu bedienen oder unerkannt im Internet zu surfen. Nur wer sich sehr gut auskennt, kann alle sichtbaren Rückstände vermeiden.

Live-Linux Incognito
Ktor bietet dem Anwender einen guten Überblick über das aktuelle Tor-Netz, mit dem der Rechner verbunden ist.
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Windows merkt sich jeden Start, jedes Login, und der Besitzer des Rechners hat viele Möglichkeiten, die Anwendung seines Computers zu überwachen. Er lässt Windows detaillierte Logfi les anlegen oder installiert spezielle Software zur totalen Überwachung.Auch eine Reise im Internet hinterlässt Spuren auf dem Rechner und im Web, selbst der Anonymisierungsdienst Tor (www.torproject.org) ist kein Allheilmittel, denn Webserver können per JavaScript oder Flash die richtige IP-Adresse abfragen. Eine sehr gute, kugelsichere und einfach zu handhabende Lösung gibt es in Form einer Live-Linux-Distribution, die komplett für alle Bedürfnisse der Anonymität vorkonfiguriert ist: Incognito Linux (anonymityanywhere.com/incognito.

Es basiert auf der Distribution Gentoo mit KDE, bootet von CD, DVD oder USB-Stick und startet alle Einstellungen und Tools, die zum absolut anonymen Surfen notwendig sind. Tor ist fest im System verankert, so dass es der Anwender nicht aus Versehen umgehen kann. Aktuell ist die Version 2008.1-r1, es gibt auch eine Beta 2009.0, die im Test allerdings eine Reihe von Problemen verursachte. Wer ungestört surfen will, sollte die stabile 2008er verwenden.

Sicher on- und offline

Incognito lässt die Festplatte des Rechners komplett in Frieden, sodass sich dort während der Arbeit mit dem Linux nicht ein Bit ändert. Es liegt komplett im fl üchtigen Arbeitsspeicher und selbst den überschreibt es am Ende einer Sitzung mit Zufallszahlen. Nur wer wirklich will, kann Partitionen der Festplatte von Hand mit dem Konsole-Befehl mount öffnen, das lässt sich dann aber nachvollziehen.

Der Nachteil der flüchtigen Methode ist, dass das System beim nächsten Start alle persönlichen Informationen und Einstellungen verloren hat, was zum Beispiel bei E-Mail-Konten auf Dauer sehr umständlich ist. Abhilfe schafft entweder ein verschlüsseltes Truecrypt-Laufwerk auf einem USB-Stick, in das der Anwender die persönlichen Einstellungen legt, oder er installiert Incognito komplett auf dem Stick (über das K-Menü Incognito) und legt dann ein dauerhaftes Home-Verzeichnis an.

Nach dem Booten von Scheibe oder Stick loggt sich der Anwender unter dem vorgeschlagenen Standard-Anwender (oder als root) ein und findet im Normalfall eine fertige Internet-Verbindung samt Anonymisierung durch Tor vor. Die meisten Anwender besitzen heutzutage einen DSL-Router mit DHCP und eine LAN- oder WLAN-Verbindung dort hin. Zur manuellen Einwahl gibt es das Tool KPPP. Informationen zum Netzwerkstatus zeigt KNetworkManager an.

Sofort geht es los mit dem anonymen Surfen über Firefox. Tor läuft immer im Untergrund und ist als Proxy fest eingestellt. Weil es den Internetverkehr anonymisiert, bekommen die Webserver die IP-Adresse des Anwenders nicht zu sehen - bis auf die oben schon erwähnten Ausnahmen.

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Spuren im Schnee

Einfach anonym mit Incognito

Live-Linux Incognito

Spuren im Schnee

JavaScript oder Plug-ins wie Flash können die IP-Adresse und weitere Daten direkt abfragen und umgehen Tor und andere Proxies auf diese Weise. Auch Cookies erlauben ein Wiedererkennen. Wer seine Besucher ausspionieren will, wird darauf nicht verzichten.

Abhilfe schafft Tor-Button, ein Firefox-Add-on, das solche Übergriffe herausfiltert. Tor-Button ist bei Incognito standardmäßig eingeschaltet, was aber zur Folge hat, dass manche Seiten nicht richtig funktionieren, YouTube (Flash) beispielsweise.

Will der Anwender solche Seiten dennoch besuchen, muss er auf einen Teil seiner Anonymität verzichten und den Tor-Button mit einem Klick auf den grünen Schriftzug Tor aktiviert rechts unten im Browser-Fenster deaktivieren. Tor an sich, wie gesagt, bleibt bei Incognito in Untergrund aktiv.

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