Die Uhr für die Eröffnung der neuen gTLDs läuft

ICANN und die neuen generischen TopLevelDomains (new gTLD)

24.6.2009 von Redaktion pcmagazin

In Sidney tagt der oberste Domain-Hüter Icann und berät sich über die Vergabe-Richtlinien für die neuen generischen Top-Level-Domains (new gTLD). Zukünftig könnte es dann theoretisch neben einer Top-Level-Domain (TLD) wie .com auch Namen wie .music, .berlin oder .sex geben. Doch die Hürden sind hoch.

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Ratgeber

In Sidney tagt der oberste Domain-Hüter Icann und berät sich über die Vergabe-Richtlinien für die neuen generischen Top-Level-Domains (new gTLD). Zukünftig könnte es dann theoretisch neben einer Top-Level-Domain (TLD) wie .com auch Namen wie .music, .berlin oder .sex geben. Doch die Hürden dorthin sind hoch. Bevor sich Normalnutzer eine Domain mit einer generischen Endung registrieren können, müssen erst die entsprechenden Registries existieren. In Sydney beraten dazu Industrie und ICANN über die zukünftigen Vergaberichtlinien. Im Interview erklärt Domain-Experte und Insider Bernd Beiser, was es mit den neuen generischen Top-Level-Domains auf sich hat, und wie lange es vermutlich noch dauert, bis die neuen Adressen erhältlich sind.

Interview mit Netnames-Chef Bernd Beiser

magnus.de: Welche Ergebnisse sind von der ICANN-Konferenz in Sydney bezüglich der "new gTLDs" zu erwarten? Bernd Beiser: Bei der ICANN-Konferenz werden die Empfehlungen des 'Implementation Recommendation Team' (IRT) bzgl. der neuen 'Top Level Domains' (new gTLD) diskutiert. Das IRT setzt sich aus Industriespezialisten aller Couleur zusammen. Die Empfehlungen sollen Missbrauch verhindern und reflektieren unterschiedlichste Interessen (vom Markeninhaber bis hin zum Domain-Händler) im Zusammenhang mit den neuen TLDs. So könnten etwa Interessierte Registries für besonders attraktive new gTLD wie zum Beispiel .music oder .eco betreiben wollen. Also Namen, die Themenkreise reflektieren, die im besonderen Interesse verschiedener Gruppen wie Greenpeace, Energiekonzerne oder Automobilhersteller stehen. Für diese Themenkreise hat das 'Implementation Recommendation Team' Vergabeempfehlungen erarbeitet.

Bernd Beiser
Bernd Beiser ist Domain-Experte und Geschäftsführer der international tätigen NetNames GmbH.
© Archiv

magnus.de: Wann schätzen Sie, dass die "new gTLDs" genutzt werden können? Bernd Beiser: Dies hängt vom Ausgang der Diskussionsrunden in Sydney ab. Nach jetziger Sicht der Dinge schätzen wir, dass im ersten Quartal 2010 die Registry-Antragsphase beginnt, also Anträge für die Gründung einer Registry für eine new gTLD eingereicht werden können. Um eine Registry gründen zu können, gilt es relativ hohe Hürden zu nehmen. Genehmigt die ICANN einen solchen Antrag muss die Registry aufgebaut werden. Ist das erfolgt, und eine solche Registry nimmt den Betrieb auf, gibt es mit Sicherheit Sunrise-Periode(n), ähnlich wie das zuletzt beim Start von .eu oder .asia der Fall war. Also einen Zeitraum in denen Personen und Körperschaften mit berechtigten Interesse an einer Domain diese bevorzugt registrieren können. Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, das die ersten Registries in Quartal zwei oder drei 2010 starten werden.

magnus.de: Ist mit den "new gTLDs" eine Klagewelle zu erwarten, wenn sich eine Privatperson beispielsweise den Namen Mercedes eintragen lässt? Bernd Beiser: Wenn die Vergaberegeln entsprechend lasch ausfallen, lässt sich eine Klagewelle um neue TLD nicht ausschließen. Verfasst die ICANN die Regeln entsprechend scharf, ist das zu erwartende Klagevolumen sicher geringer. Da die Vergaberegeln aber noch nicht feststehen, fällt eine Einschätzung schwer. In der Industrie geht man davon aus, dass die ICANN entsprechend hohe Hürden einzieht, um Markenrechtsinhabern zu schützen.

magnus.de: Wie viel muss ein Nutzer für die Registrierung einer "new gTLD"-Domain in Deutschland ihrer Meinung nach bezahlen? Bernd Beiser: "Wir rechnen, dass die Domainpreise letztlich den heutigen Preisen von generischen TLD entsprechen wird. Sollte sich eine Registry wie .music bilden, die ein eigenes Vermarktungskonzept verfolgt, könnte eine Registrierung natürlich entsprechend teuer werden. In Sachen Preisgestaltung haben die jeweiligen Registries eine große Freiheit. Wir erwarten aber eher ein Preisgefüge, wie es auch heute schon der Fall ist.

ICANN-Konferenz in Sydney
Der oberste Domain-Hüter ICANN tagte vom 21. bis 26. Juni in Sydney.
© Ulrich Klein

magnus.de: Für wen eignen sich "new gTLD"-Domains? Bernd Beiser: "Im Prinzip für jeden, vom so genannten Domain-Händler bis zum Markeninhaber. Ähnlich wie bei den .com-Adressen lässt sich eine Vielzahl von Domainnamen vor eine TLD setzen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. So lassen sich vor der TLD .music Bandnamen, oder die Namen von Major Labes setzen. Die Regularien für die Vergabe von Domain-Namen hängen natürlich von den jeweiligen Registrys ab.

magnus.de: Erwarten Sie Missbrauch bei den new gTLD-Registrierungen und was kann man dagegen tun? Bernd Beiser: "Für die Vergabe der new gTLDs müssen Voraussetzungen erfüllt sein, wie Markennamen. Zudem ist ein Antrag für die Gründung einer Registry nicht ganz billig. Wer mit dem Gedanken spielt, muss zirka 180.000 Euro für die Bearbeitung des Antrages auf den Tisch legen. Ohne Garantie auf eine Erlaubnis. Zirka 500.000 bis eine Million Euro dürfte das Betreiben einer Registry im Jahr kosten. Das sind Hürden, die bewusst eingebaut sind, damit nicht jeder z.B. einen Markennamen als new gTLD beantragen kann. Welche Regeln eine Registry für die Domains aufstellt, bleibt dieser nicht ausschließlich selbst überlassen. Sie wird Regeln zum Schutz von Markeninhabern einhalten müssen. Insofern sind Vorkehrungen getroffen, damit Missbrauch nicht Tür und Tor geöffnet sind. Markeninhaber sollten sich über die Entwicklung auf dem laufenden halten und ihre Domainstrategie rechtzeitig den veränderten Gegebenheiten anpassen. Markeninhaber bevorzugen sicher eine kontrolliertere Entwicklung, so dass nicht jeder für alles einen Antrag stellen kann und sie die Entwicklung besser verfolgen können. magnus.de: Wir danken für das Gespräch.

Bernd Beiser ist Geschäftsführer des international tätigen Domainnamen-Management-Service NetNames.

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