Steigende Preise und die Hintergründe

Grafikkarten, CPUs und mehr: Warum wird alles teurer?

26.1.2021 von The-Khoa Nguyen

Einst undenkbar, aktuell quasi normal: Wenn Hardware-UVPs einen kaum erreichbaren Sensationspreis markieren und lieferbare Kontingente Mondpreise bedeuten.

ca. 3:30 Min
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Sichtbare Preisentwicklungen haben unterschiedlichste Ursachen (Symbolbild). Ein Blick auf den Hardware-Markt.
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Corona, Lockdown, Homeoffice und mehr: Alle sitzen zuhause, müssen Kontakte einschränken und sollten ihren Beruf im Idealfall auch in den heimischen vier Wänden ausüben (dürfen). Der sprichwörtliche Rattenschwanz beinhaltet unter vielem anderem vor allem Geräteanschaffungen für Privat und Beruf – die erhöhte Nachfrage sorgt für Engpässe und damit steigende Preise: soweit die einfache Erklärung, die sich mit wenig wirtschaftlichem oder produktionstechnischem Hintergrundwissen schlüssig und einleuchtend runterbeten lässt.

In diesem Artikel sammeln wir Berichte und Nachrichten, die die Hintergründe besser beleuchten und erklären. Denn nicht nur der Handel, bei dem Sie einkaufen oder auf dessen Online-Bestellbutton Sie drücken, ist betroffen. Die ganze Zulieferkette muss ebenso mit der Pandemie kämpfen, kann Fristen nicht einhalten, bestellte Mengen nicht liefern oder kann zwischenzeitlich - wie viele andere Menschen - sogar gar nicht zur Arbeit kommen: mit den Folgen, die Sie und wir seit Monaten beobachten.

Schon früh im vergangenen Jahr berichteten wir von explodierenden Webcam-Preisen. Im April beobachtete Statista eine besorgniserregende Preissteigerung teilweise um den Faktor 4. Die ersten Homeoffice-Offensiven forderten ihren Tribut. Gleichzeitig beobachteten wir unter anderem bei unseren händisch aktuell gehaltenen FreeSync-Monitorpreisen deutliche Schwankungen und Anstiege über Monate, die sich zwischenzeitlich erholten, aber trotz CES-Neuheiten und unverändertem Bedarf derzeit schon wieder steigen. Das setzt sich fort bei Notebooks, sonstigem Homeoffice-Bedaf, Tablets für Homeschooling und mehr.

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Den bisherigen Höhepunkt markieren die Hardware-Neuankündigungen von Nvidia, AMD, Sony und Microsoft von Ende 2020. Vorher schon waren neue Top-Prozessoren von Intel nur knapp verfügbar. Zur Jahresmitte konnte aber niemand ahnen, welche Ausmaße das noch annehmen würde. Der Kampf um lieferbare und bezahlbare Grafikkarten wie die Geforce RTX 3080 oder die Radeon RX 6800 XT, dasselbe mit Ryzen 5000-CPUs und natürlich Playstation 5 oder Xbox Series X sind gut dokumentiert. Noch immer lassen sich gewillte Käuferinnen und Käufer kaum bedienen, ohne das Budget unnötig zu strapazieren.

Fast schon absurd scheint die Tatsache, dass die Roadmaps der Hersteller - beispielsweise von Nvidia - schon bald die nächsten Neuveröffentlichungen versprechen. Über ein mögliches Halten des Versprechens dürften viele Hardware-Käufer wohl nur müde lächeln.

Dazu kommen seit Ende 2020 auch (wieder) Kryptowährungen, die den Markt zusätzlich beeinflussen. Verfechter der digitalen Güter betreiben wieder Mining auf Hochtouren. Wenn sich GPUs „ausschlachten“ lassen, werden massenweise Bestände aufgekauft – kolportierterweise auch noch direkt von den Chip-Herstellern, die sich damit Zwischenstationen und Service-Aufwand sparen – und das Angebot für Verbraucher somit zusätzlich überstrapazieren. Doch Mining ist bei der schiefen Gesamtlage nur einer von mehreren Faktoren. Die Gründe für Engpässe und hohe Preise setzen schon viel früher ein.

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Ende 2020 hat der industrienahe GPU-Spezialist Igor Wallossek von seit Anfang 2020 steigenden Kupferpreisen berichtet. Hersteller beklagen sich über die Kosten für eines der Grundelemente für Elektronik, die im weiteren Verlauf dieses Jahres vermutlich noch weiter steigen werden. Die fortschreitende Globalisierung – beziehungsweise deren aktuell eher rückwärtsgerichteten Entwicklung – kommt an ein Limit. Verschiedene zum Einsatz kommende Währungen sorgen für Kostensprünge, da diese selbst im Preis schwanken und aufgefangen werden wollen. Gerade der US-Dollar als weltwirtschaftliche Leitwährung kämpft seit Mitte 2020 mit einem Wertverlust. Dazu hat auch die allgemeine Logistik eine erschwerte Arbeitssituation durch die Pandemie, die sie sich durch ebenso steigende Transportkosten bezahlen lässt. Gleichzeitig gibt es immer weniger zur Verfügung stehende Kapazitäten, um die sich Hersteller streiten müssen.

Vor rund einer Woche hat Wallossek zusammengefasst, warum gerade der Elektronikmarkt derart „schwierig“ ist. Der von vielen Firmen beauftragte Chiphersteller TSMC etwa kann Bestellungen nicht rechtzeitig bedienen. Auch Einzelkomponenten wie Speichermodule, scheinbar simple PWM-Controller oder LED-Steuerelektronikbauteile können nicht in ausreichenden Stückzahlen produziert werden. Auch PC-Netzteile werden teurer – dort sorgt zusätzlich noch die 80-Plus-Zertifizierung für unnötig steigende Kosten.

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Fazit:

Was Hardware-Käufer seit dem vergangenen Jahr beobachten, fand längst diverse Bestätigungen. Nvidia erhöhte die UVP-Preise, genau wie vorher schon Asus, Zotac und EVGA. Auch AMD lässt aktuell nichts Gutes vermuten. Kosten für Komponenten, Betrieb und Logistik werden als Gründe genannt. Teurere Rohmaterialien, schwanke Wechselkurse, aktuell immer weniger Teile, steigende Kosten durch Anpassungen des Betriebs im Hinblick auf die Pandemie und die Mehrkosten für den Transport greifen vom Anfang des Produktionsprozesses bis hin zum finalen Preisschild. Dabei haben wir noch nicht einmal von sogenannten "Scalpern" angefangen, die die Not der Verbraucherinnen und Verbraucher und das knappe Kontingent schamlos ausnutzen.

Hoffnung kann wie in vielen anderen Fällen des Alltags das früher oder später eintretende Ende der Corona-Pandemie sein. Langsam befriedigter Bedarf bei den Verbrauchern, ein sich wieder legender Run auf Hardware zwecks Krypto-Mining und sich womöglich stabilisierende Wechselkurse könnten dann nach und nach wieder für Normalität sorgen. Ein Zeitfenster gibt es allerdings nicht: nur den bisher unerfüllten Wunsch, dass es nicht mehr lange dauern soll. Unsere nachfolgende Preisbetrachtung etwa zu CPUs und GPUs von Anfang Januar können wir gut drei Wochen später quasi unverändert stehen lassen.

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