Mehr Leistung

Grafikkarten-Tuning statt Neukauf: Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

Viele Grafikkarten werden immer noch zu Mondpreisen gehandelt. Umso verlockender ist es deshalb, die alte Grafikkarte durch Tuning schneller zu machen. Wir zeigen, wie es funktioniert.

© Shutterstock / Aleksandr Grechanyuk

Keine Lust, eine neue Grafikkarte zu kaufen? Mit ein paar Tricks könnten Sie mehr Leistung aus Ihrer aktuellen Hardware herausholen.

Anwender, die nach einer neuen Grafikkarte Ausschau halten, brauchen seit Herbst 2020 starke Nerven. Befeuert vom Boom der Krypto-Währungen stiegen die Preise für die PC-Pixelfabriken zu diesem Zeitpunkt rasant an.

Wer unbedingt neue Hardware haben möchte, kommt nicht drumherum, Zeit und Geld zu investieren. Für alle anderen bietet es sich aber an, das Tunen der aktuellen Hardware in Erwägung zu ziehen. Mit einigen Tricks können Sie deutlich mehr Leistung aus ihrem aktuellen System herausholen.

Wir zeigen, wie's geht und was Sie dabei beachten müssen. Außerdem geben wir Hinweise auf nützliche Tools und Anwendungen, die das Overclocking, Undervolting oder CPU-Tuning erleichtern.

Ein Grund für Tuning: Mondpreise bei Grafikkarten

Ein gutes Beispiel für den rasanten Preisanstieg bei GPUs ist die Asus TUF Gaming GeForce RTX 3080 OC, denn ihre Preisentwicklung ist stellvertretend für die fast aller Grafikkarten bis heute. Die High-End-Karte von Asus kam im September letzten Jahres zu Preisen um die 800 Euro auf den Markt.

Im Januar war die GeForce RTX 3080 OC mit 1600 Euro jedoch schon doppelt so teuer. Dieser traurige Rekord wurde in Folge noch zwei weitere Monate getoppt. Der Preiswahnsinn erreichte im Mai sein Maximum, als die Asus-Grafikkarte 2200 Euro kostete und an einzelnen Tagen sogar auf über 3400 Euro hochschoss.

Seit Kurzem entspannt sich die Marktsituation zwar wieder etwas, doch die meisten Grafikkarten liegen preislich immer noch etwa 50 bis 70 Prozent über dem Niveau vom September 2020, teilweise auch noch deutlich darüber. Viele Modelle sind zudem schwer zu bekommen und haben nicht selten Lieferzeiten von mehreren Wochen.

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Overclocking statt Neukauf

Aufgrund der nach wie vor stark überzogenen Preise für Grafikkarten halten sich viele Anwender beim Kauf zurück und verwenden ihre alte Grafikkarte weiter. Dabei liegt natürlich der Gedanke nahe, durch Übertakten mehr Performance aus ihr herauszuholen. Mit Overclocking-Tools klappt das auch ohne Probleme.

Beim Performance-Zuwachs darf man die Erwartungen allerdings nicht allzu hoch ansetzen. Im Idealfall können Spiele jedoch einige Frames schneller laufen, üblicherweise im einstelligen Bereich. Dieses Leistungsplus gibt es zum Nulltarif.

Der MSI Afterburner gehört zu den beliebtesten Overclocking-Tools für Grafikkarten. Die Gratis-Software bietet viele Tuning-Einstellungen, ist übersichtlich aufgebaut und lässt sich sowohl mit AMD- als auch mit Nvidia-Grafikkarten verwenden.

MSI Afterburner ist vor allem für erfahrene Anwender geeignet. Mit unserem folgenden Lesetipp erhalten Sie genauere Infos zum Tool und können auch Anfänger damit punkten.

Mehr Performance

Um mehr Leistung in Spielen rauszuholen, können Sie Ihre Grafikkarte übertakten. Wie Sie das mit MSI Afterburner erledigen, zeigen wir Ihnen hier.

Stellschrauben: Chip- und Speichertakt

Die wichtigsten Tuning-Parameter für Ihre Grafikkarte sind der Chiptakt und der Speichertakt. Beide können Sie direkt mit MSI Afterburner anpassen. Je höher die Taktraten, desto mehr Rechenoperationen kann die Grafikkarte im gleichen Zeitfenster erledigen, arbeitet also schneller.

Ist der Leistungszuwachs hoch genug, zeigt sich das dann nicht nur an besseren, aber letztlich wenig greifbaren Benchmark-Ergebnissen; auch Gamer merken dann direkt im Spiel, dass es etwas flüssiger läuft.

Chiptakt und Speichertakt lassen sich nicht beliebig erhöhen, denn ab einer bestimmten Grenze wird das System instabil. Beispielsweise kann Windows abstürzen, oder auf dem Monitor tauchen Bildartefakte auf, die im Normalbetrieb nicht zu sehen sind. Wann die Limits für Chip- und Speichertakt erreicht sind, ist bei jeder GPU anders.

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Einmal, weil Grafikprozessoren wie jedes Massenprodukt einer gewissen Serienschwankung unterliegen und eine bestimmte GPU daher durchaus etwas höhere Frequenzen vertragen kann als eine andere aus der gleichen Produktionscharge; zum anderen entscheidet auch der Hersteller der Grafikkarte mit, wie viel Overclocking-Potenzial zur Verfügung steht.

Einige Modelle wie die eingangs genannte Asus TUF Gaming GeForce RTX 3080 OC sind schon ab Werk übertaktet, zu erkennen am OC im Produktnamen. Diese Grafikkarten verwenden einen höheren Chip- und Speichertakt als Standard-Modelle, was leider kaum Spielraum für weiteres Overclocking zulässt.

Setzen Sie den Chip- und Speichertakt herauf, erhöht das auch den Stromverbrauch der Grafikkarte. Normalerweist ist das kein Problem. Ein unterdimensioniertes Netzteil, das bereits im Normalbetrieb am Anschlag arbeitet, kann davon aber überfordert sein. Bemerkbar macht sich das, wenn die Grafikkarte den meisten Strom zieht – während der Benchmarks oder beim Spielen. Dann können sich Ruckler einschleichen, oder der PC schaltet sich einfach aus.

© PC Magazin

AMD und NVIDIA bieten auch automatisches Tuning an. Die Tools sind in den jeweiligen Treibern integriert. Sie müssen lediglich in GeForce Experience das Auto-Tuning aktivieren.

Kein Garantieverlust zu befürchten

Im Blick behalten sollten Sie auch die GPU-Temperatur, denn ein dauerhafter Betrieb am Temperaturlimit der Grafikkarte verlängert nicht unbedingt deren Lebensdauer. Direkten Schaden nehmen moderne Grafikchips durch das Justieren von Chip- und Speichertakt aber nicht. Sie verfügen über Sicherheitsmechanismen, mit denen sie ihre Leistung bei zu hohen Taktfrequenzen und Temperaturen automatisch drosseln.

Deshalb muss man auch nicht befürchten, dass die Garantie der Grafikkarte erlischt. Auch deshalb nicht, weil AMD und Nvidia in ihren Grafikkarten-Treibern sogar Auto-Tuning-Tools integriert haben, die ebenfalls Chip- und Speichertakt anpassen.Anders sieht es aus, wenn man die Kernspannung erhöht (bei MSI Afterburner im Feld Core Voltage (MV) zu finden).

Das kann zwar auch die Leistung steigern, doch zu hohe Spannungen beschädigen schnell die Karte. Hinzu kommt, dass Temperatur und Stromverbrauch schon bei geringen Spannungszuwächsen rapide ansteigen und in keinem gesunden Verhältnis mehr zum Performancegewinn stehen.

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Beim Undervolting reduzieren Sie die GPU-Spannung. Die Folge: weniger Stromverbrauch, kühlere Temperaturen, leisere Lüfter. Die Leistung bleibt aber so gut wie gleich. Die Spannungskurve von MSI Afterburner zeigt, bei welcher Frequenz welche Spannung anliegt.

Undervolting

An der Kernspannung der Grafikkarte kann man aber sehr wohl drehen, wenn es um das Undervolting geht: Setzt man sie herunter statt herauf, spart das Energie und verschlechtert die Performance im Idealfall nicht.

Ein weiterer Übertaktungs-Baustein ist die Geschwindigkeit, mit der sich die GPU-Lüfter drehen. Je schneller, desto besser wird der Grafikprozessor gekühlt, was aber auch einen höheren Geräuschpegel bedeutet.

Wasser- und Stickstoffkühlungen sind hier im Vorteil, weil sie, im Gegensatz zum Luftkühler, Wärme viel effektiver abführen können und damit weitaus mehr Overclocking-Potenzial besitzen. In diesem Fall können Sie in MSI Afterburner im Feld Temp Limit (°C) auch mit dem Hochsetzen des Temperatur-Limits experimentieren. Bei einer Luftkühlung sollte man davon absehen.

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Vor dem Tuning: Ist-Zustand ermitteln

Machen Sie vor dem Tuning eine Bestandsaufnahme. Wichtig ist zu wissen, wie viel Strom die Grafikkarte normalerweise verbraucht, wie schnell ihre Lüfter drehen und in welchem Temperaturbereich sie arbeitet. Dafür leistet das kostenlose Tool GPUZ gute Dienste.

Im Register Sensors liefert es Ihnen alle wichtigen Eckdaten. Die beiden obersten Einträge sind der Chiptakt (GPU Clock) und der Speichertakt (Memory Clock). Dann folgen die GPU-Temperatur und etwas weiter unten die Lüfterdrehzahl (Fan Speed (%) und Fan Speed (RPM)) sowie die Gesamt-Leistungsaufnahme der Grafikkarte (Board Power Draw), also inklusive dem Stromverbrauch des Speichers sowie der Lüfter und Spannungswandler.

In der Standardeinstellung zeigt GPU-Z zu jedem Eintrag den gerade aktuellen Wert an. Klicken Sie auf das Pfeil-Symbol daneben, gibt das Tool alternativ das Minimum, Maximum oder den Durchschnitt aus. Weil beim Übertakten vor allem die Extremwerte interessieren, empfiehlt es sich, jeweils zum Maximum umzuschalten.

Tipps mit und ohne Programme

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Um das nicht für jedes Feld einzeln machen zu müssen, klicken Sie auf das Menü-Symbol (drei horizontale Linien), dann auf das Register Sensors, und wählen Sie unter Sensor display mode den Eintrag Highest aus.

Als Vorbereitung zum Tuning schlagen wir folgendes vor: Lassen Sie GPU-Z im Hintergrund weiter laufen, und starten Sie den Spiele-Benchmark Ihrer Wahl. Für die Performance-Messung bieten sich Tools wie 3DMark an. Genauso gut passt aber auch jedes Spiel, das über einen integrierten Benchmark verfügt.

Lassen Sie den Test durchlaufen, und notieren Sie das erzielte Resultat. In GPU-Z sehen Sie nun die während des Benchmarks aufgezeichneten Maximalwerte. Die bilden zusammen mit den Benchmark-Resultaten die Ausgangswerte, die sich durch das Tuning verbessern sollen.

Gratis-Software

Mit der passenden Software können Sie Ihre Grafikkarte ausgiebig benchmarken. Wir stellen eine Auswahl an passenden, kostenlosen Tools vor.

CPU-Tuning ohne BIOS-/UEFI-Eingriff

Um mehr Leistung aus Ihrem System herauszuholen, kann es sich auch lohnen, den Prozessor zu übertakten. Dafür bieten AMD und Intel jeweils passende Tools an.

Die Leistungsreserven Ihres Prozessors reizen Sie mit den Tuning-Tools von AMD und Intel aus. Das UEFI/BIOS können Sie links liegen lassen, denn das Übertakten führen Sie bequem unter Windows durch.

AMD

Bei jeder Ryzen-CPU ist werksseitig der Multiplikator freigeschaltet. Das nutzt das Tool AMD Ryzen Master aus. Sie haben die Wahl zwischen einer vereinfachten Ansicht mit Auto-Tuning und einer erweiterten Ansicht. Dort können Sie alle wichtigen CPU-Parameter anpassen und in vier Profilen speichern.

Intel

Das Intel Extreme Tuning Utility kann Intel-CPUs übertakten, die einen freien Multiplikator besitzen. Wie bei AMD Ryzen Master lassen sich Profile anlegen. Zusätzlich enthält die Intel-Freeware auch einen Stresstest zum Überprüfen der Tuning-Einstellungen.

© PC Magazin

Mehr Leistung auf Knopfdruck: Bei AMD Ryzen Master kann man in der vereinfachten Ansicht das Auto-OC einschalten. Dann läuft die CPU automatisch leicht übertaktet.

Fazit

Tools wie MSI Afterburner machen das Grafikkarten-Overclocking durch das Anpassen von Tuning-Parametern wie Chiptakt und Speichertakt sehr einfach. Eine gute Alternative sind die Auto-Tuning-Funktionen, die in MSI Afterburner genauso enthalten sind wie in den aktuellen Grafikkarten-Treibern von AMD und Nvidia.

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