Pinguin als virtueller Weltenbummler

Google Earth unter Linux

25.3.2008 von Redaktion pcmagazin

Der digitale Globus Google Earth bringt Satellitenbilder und 3D-Stadtmodelle auf den heimischen PC. Doch die unfreie Software bereitete Linux-Nutzern häufig Kopfzerbrechen. Eine Alternative sind die zahlreichen freien Clients. Wir nehmen die Linux-User mit auf die Weltreise.

ca. 2:40 Min
Ratgeber
  1. Google Earth unter Linux
  2. Teil 2: Google Earth unter Linux
  3. Teil 3: Google Earth unter Linux
Google Earth mit Linux
Google Earth mit Linux
© Nikolas Becker

Den Boom der Erdbetrachter brachte 2004 die amerikanische Weltraumbehörde NASA ins Rollen. Sie veröffentlichte ihren eigenen 3D-Globus auf Basis wissenschaftlicher Satellitendaten unter dem Namen World Wind. Doch die kommerzielle Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten.

Google hatte das Unternehmen Keyhole inklusive seiner 287 Satelliten übernommen und stattete die gleichnamige Software mit zugekauften Geodaten aus. Mitte 2005 ging Google Earth ans Netz.

World Wind hatte derweil mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Server, von denen das Kartenmaterial nachgeladen wurde, waren dauerhaft überlastet. Der Windows-Client erreichte mit 180 MByte eine stolze Größe und machte sich so unattraktiv für die noch zahlreichen 1-MBit-DSL-Leitungen. ISDN-Nutzer schließlich konnten sich einen Erdüberflug gänzlich abschreiben. Denn beim Zoomen und Überfliegen des Geländes müssen beständig Daten gestreamt werden - und das nicht zu knapp: Etwa 5 MByte macht ein Landeanflug auf eine mittelgroße Stadt aus. Zwar ist es möglich, größere Datenmengen zwischenzuspeichern, doch bereitet dieses Unterfangen nicht nur durch den ebenfalls langsamen Download Schwierigkeiten.

Auch die heimische Festplatte wäre mit den vielen Terabytes an Daten maßlos überfordert. Googles Client hingegen brachte es gerade einmal auf 10 MByte, lediglich eine Installationsdatei war notwendig, und das Streamen der Daten ging ebenfalls in einer erträglichen Geschwindigkeit vonstatten.

Linux vernachlässigt?

Einen Fehler aber machten beide Hersteller: Sie unterschätzten die Bedeutsamkeit eines großen Teils der technisch interessierten Nutzerschaft: Linux- und Mac-Nutzer waren lange Zeit nicht in der Lage, sich die Software auf den Bildschirm zu holen. Bei World Wind lag das in der Natur des Programms, das auf Microsofts .NET-Bibliotheken basiert. Bei Google hatte der anfängliche Ausschluss der UNIXe eher organisatorische Gründe.

WW2D: Javaclient für NASA World Wind
WW2D ist leider nur noch auf Mirrors zu finden.
© Nikolas Becker

Doch die Nutzer wussten sich zu helfen: Die NASA hatte ihre Software wie üblich unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht, die Satellitenbilder gar für die Allgemeinheit freigegeben. So ist es problemlos möglich, die Daten in einen anderen Client zu implementieren. Genau dies versuchte der Programmierer Vitaliy Pronkin. Er schrieb WW2D, einen Java-Client, der das NASA-Material nutzt, auf Grund seiner Plattformunabhängigkeit jedoch auf sämtlichen Betriebssystemen lauffähig ist. Die Daten streamten vier ausgediente IBM-Server. Zudem baute er gegenüber Google Earth einige interessante Features in seine Software ein: Mit wenigen Klicks lassen sich so auf den Karten in Echtzeit große Waldbrände verfolgen oder Informationen aus der UNESCO-Datenbank des Weltkulturerbes zeigen. WW2D scheint jedoch Probleme zu haben, denn die Website des Projekts () ist kaum noch zu erreichen.

Ein weiterer Programmierer machte sich daran, einen freien Linux Client für Google Earth zu erstellen. Das Gaia getaufte Projekt des russischen Informatikers musste jedoch zwischenzeitlich - auf Grund einer Klage Googles - eingestellt werden. Mit gaia-clean steht nun eine neue, bereinigte Version auf der Projektseite () als Quellcode bereit. Sie enthält ausschließlich das freie Kartenmaterial aus dem Hause der NASA. Auch eine GPS-Anbindung wurde realisiert. Bisher bekommt der Anwender allerdings lediglich das nackte Bildmaterial zu Gesicht. Testweise wurde jedoch schon die 3D-Funktionalität implementiert, die das Bildmaterial auf einen imaginären Globus projiziert.

Gaia: Linuxclient für Google Earth
Gaias Oberfläche ist spartanisch.
© Nikolas Becker

Zur Installation muss neben den Paketen scons, libcurl3-dev, libsdl1.2-dev, libjpeg-dev und libpng3 noch der Quellcode von der Website heruntergeladen werden. Das Kompilieren der Binärdatei erfolgt mit dem Befehl scons im entpackten Gaia-Ordner. Für die GPS-Funktionalität wird zusätzlich noch die Bibliothek libgps benötigt. Parameter für zusätzliche Kartenlayer sowie eine Anleitung zur systemweiten Installation finden sich in der Datei Readme. Die Bedienung erfolgt mit Maus oder Tastatur. Mit gedrückter rechter Maustaste lässt sich durch vertikale Bewegungen der Zoomgrad einstellen. Die linkte Maustaste verschiebt den Kartenausschnitt.

Doch inzwischen haben auch die beiden Platzhirsche systemübergreifende Versionen ihrer Programme veröffentlicht. Google stellt auf seiner Projektseite nun auch ein Binärpaket für Linux zur Verfügung, die NASA entwickelte gar einen gänzlich neuen Client auf Java-Basis.

Bildergalerie

Google Earth mit Linux

Software

Google Earth mit Linux

Google Earth: Mit drei Klicks zur 3D-Ansicht.

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