Digitale Fotografie - Test & Praxis
Spiegellose Systemkamera

Ein Jahr mit der Fujifilm X-T2: Praxis-Tipps & Langzeit-Test

Vor gut einem Jahr löste die X-T2 die X-T1 ab, seither ist Fujifilms Top-Systemkamera mit 24-Megapixel-Sensor im Langzeit-Praxistest. Im Rahmen dieser Serie durchleuchten wir die Funktionalität der X-T2, geben Tipps zur Bedienung, empfehlen sinnvolles Zubehör und helfen Ihnen, die Bildqualität zu optimieren.

Fujifilm X-T2

© Fujifilm

Solides Werkzeug - Mit ihrem robusten und spritzwassergeschütz­ten Magnesiumgehäuse empfiehlt sich die X-T2 als Werkzeug mit aus­gezeichneter Haptik – eine Kamera, die man gerne in die Hand nimmt.

Wer mit der Fujifilm X-T2 liebäugelt, vergleicht sie nicht nur mit spiegellosen Systemkameras der APS-C-Klasse wie der Sony Alpha 6500 oder mit SLR-Modellen wie der Nikon D500. Konkurrenz hat die X-T2 auch im eigenen Haus: Da ist zum einen die X-Pro2, die an klassische Messsucherkameras erinnert und als Alleinstellungsmerkmal einen optisch-elektronischen Hybridsucher hat.

X-Pro2 und X-T2 sind annähernd gleich teuer, um 1.700 Euro ohne Objektiv, beide bieten einen X-Trans-Sensor (CMOS III) im APS-C-Format mit 24 Megapixeln ohne Tiefpassfilter. Beim Filmen begnügt sich die X-Pro2 mit Full-HD-Video, während die Videoauflösung der X-T2 bis 4K reicht. Letzteres gilt auch für das Schwestermodell X-T20, das zudem über ein eingebautes Blitzgerät verfügt und bei annähernd vergleichbarer Funktionalität rund 800 Euro günstiger ist als die X-T2.

Wer semiprofessionell fotografiert und auf den Hybridsucher der Fujifilm X-Pro2 verzichten kann, wird vermutlich der X-T2 den Vorzug geben. Zum Beispiel, weil sie ein besonders robustes Magnesiumgehäuse mit Spritzwasserschutz und zwei Speicherkarten-Steckplätze nach dem UHS-II-Standard bietet – mit einem Lese-/Schreibtempo bis zu 280/250 MB/s (SanDisk Extreme Pro SD UHS II). 

Außerdem hat der Hersteller für die X-T2 gleich zwei optionale Handgriffe im Programm: Der MHG-XT2 für 130 Euro verbessert nur die Haptik, während der Multifunktionsgriff VPB-XT2 (330 Euro) mit zwei Zusatzakkus Kapazität für bis zu 1000 Aufnahmen schafft.

Ausstattung und Bedienung 

Mit ihrem Sucherhöcker steht die X-T2 zumindest äußerlich in der Tradition klassischer Spiegelreflexkameras. Ihre zahlreichen Bedienelemente vermitteln ein gewisses Retro-Flair, das in der aufpreispflichtigen Graphite-Silver-Edition noch stärker wirkt als in Standard-Schwarz. 

Die X-T2 ist etwas größer als ihre Vorgängerin X-T1 – 3,5 mm in der Breite, 2 mm in der Höhe und 2,5 mm in der Tiefe –, was der Haptik durchaus entgegenkommt. Der Gewichtszuwachs von 440 auf 507 Gramm ist moderat. Ein integriertes Blitzgerät besitzt die X-T2 nicht, aber ein kleiner Aufsteckblitz (EF-X8) ist im Lieferumfang. Er lässt sich in den Modi TTL, M (manuell regelbare Blitzleistung von 1/1 bis 1/64) und C (Command) betreiben. Im C-Modus wird ein schwacher Blitz ausgesandt, um beliebige Slave-Blitzgeräte per Lichtimpuls auszulösen.

Fujifilm AF-Joystick

© Karl Stechl, Fujifilm

Der AF-Joystick unterhalb der Q-Taste erlaubt das schnelle Anwählen von AF-Punkten und kann als ergänzender Richtungsschalter verwendet werden. Ein Novum sind die Einstellmöglichkeiten bei kontinuierlichem Autofokus. Die Suchermuschel ist jetzt anders geformt, um Streulicht fernzuhalten.

Für Drahtlosblitzen im TTL-Modus braucht man mindestens zwei Systemblitzgeräte vom Typ Fujifilm EF-X500. Der elektronische OLED-Sucher der X-T2 gehört mit einer Auflösung von 786 666 RGB-Bildpunkten und einer effektiven Vergrößerung von 0,77-fach zu den besten am Markt. 

Dank geringer Anzeigeverzögerung (0,005 s) und einer Bildwiederholrate von 60 B/s (fps) werden Bewegungen völlig flüssig dargestellt, nichts schliert oder flimmert. Im „Leistungs-Verstärkungsmodus“ sind sogar 100 fps möglich, was aber keine sichtbare Verbesserung bringt. 

Was seltener zur Sprache kommt: Das Sucherbild lässt sich bei Bedarf auch verkleinern, sodass sich das Bildfeld besser überblicken lässt. Dafür reicht ein Druck auf die „Disp-/Back“-Taste; nochmal drücken, und das Sucherbild hat wieder die maximale Größe. Diverse Einstellräder und -hebel dominieren das Bild auf der Oberseite, was viele Direktzugriffe verspricht.

Nicht nur die Belichtungskorrektur, sondern auch Betriebsmodus (Einzel-/Serienbild, Bracketing, Video, Panorama und mehr), ISO-Wert, Belichtungsmessmethode (Matrix, mittenbetont, Spot) und Verschlusszeiten werden über Räder bzw. Hebel eingestellt. 

Unerfüllt bleibt der Wunsch nach einem feststellbaren bzw. weniger frei zugänglichen Einstellrad für den Dioptrienausgleich. In der jetzigen Form verstellt man das Rädchen häufig ungewollt, und dann wundert man sich, warum das Sucherbild auch nach dem Fokussieren unscharf bleibt.

Batteriehandgriff VPB-XT2 

Für diesen Beitrag wurde die Fujifilm X-T2 überwiegend in Kombination mit dem Batteriehandgriff VPB-XT2 verwendet. Dieser wird an die Unterseite der Kamera angesetzt und am Stativgewinde mittels Rändelschraube befestigt. Der Griff besitzt einen Auslöser und weitere Bedienelemente für Hochformataufnahmen, darunter einen zweiten Joystick zum Positionieren von AF-Feldern. 

Der Handgriff nimmt zwei Akkus vom Typ NP-W126 bzw. NP- W126S auf; mit dem dritten Akku in der Kamera sind damit im besten Fall bis zu 1000 Aufnahmen möglich. Zudem gewinnt man mit dem Handgriff ein vollwertiges Ladegerät für zwei Akkus und die Möglichkeit, die Kamera dauerhaft am 220-Volt-Stromnetz zu betreiben.

Die Kamera-Anzeige informiert separat über den Ladestand der drei Akkus (Balken- und Prozentanzeige). Während des Betriebs entladen sich die Akkus nach folgendem Muster: erst der linke, dann der rechte im VPB-XT2, zuletzt der Akku in der Kamera. Um gut über den Tag zu kommen, genügen häufig die beiden Akkus im Handgriff. Das heißt, man muss nicht immer den Griff abschrauben, um den leeren Kamera-Akku zum Aufladen herauszunehmen. 

Fujifilm Batteriehandgriff VPB-XT2

© Fujifilm

Der Batteriehandgriff VPB-XT2 nimmt zwei Akkus vom Typ NP-W126S auf; mit dem dritten Akku in der Kamera sind damit im besten Fall bis zu 1000 Aufnahmen möglich. Die Statusanzeige am Monitor informiert – oben rechts – über den Ladestand aller drei Akkus in Prozent.

Wer will, kann den Kamera-Akku auch weglassen, wenn er mit den beiden Stromspendern im Handgriff über die Runden kommt. Mit mindestens zwei ausreichend geladenen Akkus erreicht die Kamera ihr maximales Serienbildtempo mit mechanischem Verschluss (11 B/s, sonst 8 B/s); dafür muss der Leistungswahlschalter am Griff auf „Boost“ stehen. Mit elektronischem Verschluss sind allerdings auch rund 14 B/s drin, und dafür reicht dann auch ein Akku in der Kamera. 

Laut Hersteller soll der Batteriehandgriff im Boost-Modus die kamerainterne Auslöseverzögerung von 50 auf 45 ms reduzieren; die praktische Bedeutung dieser Verkürzung dürfte jedoch eher vernachlässigbar sein, wenn man die AF-Zeit dazurechnet. Allerdings soll durch die erhöhte Energiezufuhr auch die Dynamik des elektronischen Suchers optimiert werden, was sich beim genauen Hinsehen durch leicht verbesserte Schattenzeichnung im Sucher bemerkbar macht.

Abgesehen davon gewinnt das Kamera-Handling enorm durch den Handgriff, vor allem in Kombination mit Telezooms. Wer das zusätzliche Gewicht – rund 370 g wiegt der VPB-XT2 inklu sive Akku-Doppelpack – nicht scheut, sollte den Kauf des Handgriffs auf jeden Fall in Betracht ziehen. Mindestens einen Extra-Akku sollte man bereits beim Kamerakauf einplanen.

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