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Bundestagswahl 2017: Vorsicht vor Fake-News

18.9.2017 von Fabian Bambusch

Fake-News sind Bestandteil unserer digitalen Medienwelt, mit Einfluss auf Politik und öffentlicher Meinung. Auch die Bundestagswahl 2017 ist betroffen.

ca. 2:30 Min
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  1. Bundestagswahl 2017: Vorsicht vor Fake-News
  2. Bundestagswahl 2017 und Fake-News: Folgen, Wahlkampf und freie Meinung
Bundestagswahl 2017: Fake-News
Fake-News machen häufig die Runde. Zur Bundestagswahl 2017 sollten Sie vorsichtig sein.
© cbies / shutterstock

Selbst etablierte Parteien lassen sich im Bundestagswahlkampf zur Verbreitung von Fake-News hinreißen. Der Twitter-Account der Jungen Union Bayern sendete im Juli einen manipulierten Screenshot, der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ein falsches Zitat zum G20-Gipfel in den Mund legte. Per einstweiliger Verfügung wurde die CSU zur Löschung des Tweets gezwungen.

Wenig später ließ Grünenpolitiker Jürgen Trittin FDP-Wahlkampfplakate auf Twitter mit erfundenen Zitaten des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner ausstatten. Die FDP missbilligte den Tweet, während Trittin dies als „Spaß im Vorwahlkampf“ abtat.

Auch die AfD steht dem in nichts nach. Parteivorsitzende Frauke Petry verbreitete einen angeblichen Bericht des BKA, nach dem die Kriminalitätsquote von Einwanderern deutlich höher sei als die unter Deutschen. Einen solchen Bericht hatte es aber nie gegeben. Außerdem verkündete der AfD-Twitter-Account im März eine falsche Einreisewarnung nach Schweden aufgrund angeblicher Gewalt durch Flüchtlinge. Das Auswärtige Amt widersprach vehement.

Bundestagswahl 2017: Fake-News
Per Einstweiliger Verfügung verboten: Die Junge Union verbreitete Fake News über Martin Schulz (SPD).
© Screenshot / Facebook

Trend aus den USA

Fake News wurden erstmals im US-Wahlkampf 2016 als gesellschaftliches Problem mit Einfluss auf die öffentliche Meinung wahrgenommen. Das Phänomen hat nun Deutschland erreicht und muss hierzulande ebenso ernst genommen werden.

Fake-News-Meldungen sind Nachrichten mit wenig bis keinerlei Wahrheitsgehalt, die üblicherweise über Social-Media-Kanäle schnelle und weite Verbreitung finden. Im Gegensatz zu Falschmeldungen sind Fake News nicht nur schlecht recherchiert, sondern der falsche oder irreführende Inhalt ist konzipiert, um beim Leser eine bestimmte emotionale Reaktion auszulösen.

Fake-News bedienen sich hier der Taktiken des Clickbaiting, das auch in seriöseren Publikationen zur Anwendung kommt. Der Clickbait-Titel einer Nachricht möchte den Leser ähnlich wie bei Fake-News emotional manipulieren und zum Weiterverbreiten (Teilen) anregen – der Artikel, der sich dahinter verbirgt, ist allerdings nicht zwangsläufig unwahr bzw. politisch verzerrt.

Beispiele hierfür fanden sich etwa bei der Huffington Post mit Artikeln wie "1000 Fälle im Jahr: Das machen Einwanderer mit deutschen Kindern". Der Autor erzeugte Empörung und implizierte bewusst unlautere, kriminelle oder gewalttätige Handlungen gegen Kinder. Tatsächlich behandelt der Artikel aber nur die Namensstatistik neugeborener Kinder, die zwangsläufig auch die veränderte Demografie widerspiegelt. Dies ist ein Beispiel fragwürdigen und fehlgeleiteten Journalismus, nicht jedoch ein Beispiel für Fake-News.

Bundestagswahl 2017: Fake-News
Unmoralischer Clickbait, aber keine Fake News: Huffington Post machte Profit mit Fremdenhass.
© Screenshot / Facebook

Verbreiter von Fake-News bewegen sich allerdings in demselben Medium wie Clickbait-Seiten und wenden ähnliche Taktiken an. Sie entstehen in sogenannten Content Farms oder Content Mills, die so alt sind wie das Internet: Es handelt sich größtenteils um anonym betriebene Nachrichtenseiten, die mit werbeträchtigen Inhalten vollgestopft sind.

Streit ist gut fürs Geschäft

Entscheidend für Fake-News ist die Tendenz zur Polarisierung, die so gut wie immer zur Verzerrung der Wahrheit führt. Benutzer sozialer Netze lesen diese Nachrichten und signalisieren durch das Teilen von Inhalten ihrem Bekanntenkreis einerseits die Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe und verärgern andererseits gleichzeitig Anhänger der gegnerischen Gruppe. Besonders kontroverse Artikel profitieren zusätzlich vom Streit innerhalb der Kommentarspalte. Jeder neue Kommentar bedeutet schließlich, dass der Artikel wieder in den Newsfeeds aller beteiligten Freundesgruppen angezeigt wird.

Quellenüberprüfung gerät im Eifer des Gefechts ebenfalls schnell in Vergessenheit. Einer Studie der Columbia Universität und des französischen Instituts CCSD zufolge werden 59 Prozent aller Links in sozialen Netzwerken nur aufgrund der Überschrift geteilt, ohne auf die Artikel zu klicken.Ein Fake-News-Artikel mit dem Titel "1000-Mann-Mob setzt Deutschlands älteste Kirche in Brand", wie er im Januar 2017 vom ultrarechten Blog Breitbart verbreitet wurde, sorgte mit strategischer Platzierung von Begriffen für maximalen Absatz.Nachdem der Link Tausende Male verbreitet wurde, interessiert leider nur die wenigsten, dass es sich tatsächlich um eine verirrte Silvesterrakete handelte, die versehentlich das Dach einer Dortmunder Kirche in Brand setzte.

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