Anwendungen, Pro/Contra und mehr

Blockchain: Was ist das - Nur ein Hype oder die Zukunft?

24.10.2018 von Frank-Michael Schlede

Das Thema Blockchain tauchte vielfach in den Schlagzeilen auf. Wir erläutern die Technik und lassen Kritiker sowie Befürworter zu Wort kommen.

ca. 3:40 Min
Ratgeber
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Bockchain: Was ist das
Die Blockchain-Technologie wirft Fragen auf. Wir versuchen, die drängendsten zu beantworten.
© Production Perig / shutterstock

Es gehört zur Welt der IT, dass immer wieder neue Technologien, Entwicklungsansätze und Visionen über Administratoren, IT-Verantwortliche und die Nutzer hereinbrechen. Mit der Blockchain existiert seit geraumer Zeit ein Thema, das über die Grenzen der IT hinaus bekannt wurde. Jedoch springen auch immer mehr angesehene IT-Firmen auf den "Blockchain-Zug" auf und bieten Anwendungen und Dienste an, die durch den Einsatz dieser Technik besser und sicherer werden sollen. Zu nennen sind unter anderem Microsoft, Google oder HP.

Wir haben den Markt durchforstet und uns mit Experten unterhalten, um herauszufinden, was dran ist an Blockchain: Ist es nur ein weiteres Hype-Thema, das durch das "IT-Dorf" getrieben wird, oder eine vielversprechende, ja vielleicht sogar disruptive Technik, die viele Dinge verändern wird? 

Blockchain ist eine noch ziemlich junge Technik, die unter anderem dazu eingesetzt werden kann, Datentransaktion zu verifizieren. Von der technischen Seite her betrachtet sind Blockchains einfach nur Datenblöcke, die zu einer Kette verknüpft sind.

Was Blockchain eigentlich ist ...

Bekannt geworden ist die Blockchain-Technology durch das riesige Medienrauschen rund um die Kryptowährung Bitcoin. Deshalb ist hier zunächst einmal eine klare Trennung notwendig: Blockchain ist die Technik hinter Bitcoin; sie ist das theoretische, aber vor allen Dingen auch das technische Fundament, auf das Bitcoin ebenso wie viele andere Kryptowährungen aufbaut. 

Dabei ist Blockchain deutlich mehr als nur eine "virtuelle Excel-Datei im Web, in die jeder Nutzer etwas eintragen, aber niemand etwas ändern oder gar löschen kann" – eine Beschreibung, die oft zu finden ist. Die Blockchain ist aber auch eine verteilte Datenbank. Weshalb es immer wieder Kritiker gibt, die darauf hinweisen, dass viele der aktuellen Blockchain-Lösungen auch problemlos mit einer eher traditionellen Datenbank zu lösen wären.

Aber im Gegensatz zu diesen Datenbanken befindet sich eine Blockchain nicht auf irgendwelchen Servern, sondern jeder Nutzer hat seine eigene, vollständige Kopie davon. Ein weiterer Pluspunkt der Blockchain: Da jeder neue Block mit dem vorherigen verbunden ist und dabei die Historie in Form von dessen Prüfsumme enthält, ist sie fälschungssicher. 

Zudem ist in jedem Block die Prüfsumme der gesamten Kette abgespeichert, wodurch die Reihenfolge der Blöcke eindeutig ist. Schließlich werden die Daten verschlüsselt gespeichert. So werden Korruption und Manipulation verhindert, und das Netz legitimiert sich gegenseitig.

Ein Begriff darf im Zusammenhang mit den Blockchains nicht fehlen: die Smart Contracts. Es handelt sich bei ihnen um Protokolle, die es unter anderem ermöglichen, dass Verträge teilweise oder auch vollständig automatisch abgewickelt werden können. Eine Transaktion, die über einen solchen Smart Contract läuft, wird dann automatisch ausgeführt, wenn alle daran beteiligten Parteien die zuvor definierten Bedingungen erfüllen. Die Blockchain Ethereum ist beispielsweise ganz besonders darauf ausgerichtet, solche Smart Contracts zu unterstützen und auszuführen.

Pro und Contra: Zwei Experten-Statements

Bockchain: Was ist das
Alexander Ivanyuk, Global Director Business Development Acronis, schätzt die vielen Möglichkeit, die Blockchain bietet.
© Mikhail Panfilov/ Acronis

"Hervorragende Technologie"

Großer Vorteil: Gewährleistung der Unveränderlichkeit von Daten

Viele Möglichkeiten für sehr viele Bereiche: Die Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen samt Transaktionsreihenfolge. Ein großer Vorteil der Blockchain-Technologie besteht darin, dass sie die Unveränderlichkeit von gespeicherten Daten inklusive Zeitstempel gewährleitet und zudem die Möglichkeit eines Public Audit bietet. Somit lässt sich die Technologie hervorragend für Data-Protection-Lösungen und Services verwenden. 

Eine kleine Auswahl von Anwendungsbeispielen macht das deutlich: Nachweis der Urheberschaft von Dokumenten (zum Beispiel das Entstehungsdatum einer künstlerischen Arbeit), Bescheinigung, dass ein Dokument zu einem bestimmten Zeitpunkt existierte sowie Zeitstempel für digitale Verträge, Forschungsdaten, Krankenakten, Beweise, Petitionen, Bestellungen etc.

Bockchain: Was ist das
Udo Schneider, Security Evangelist DACH, Trend Micro, betrachtet Blockchain mit dem Blick auf die Versprechen eher kritisch.
© Alex Schelbert/ Trend Micro

"Feenstaub, Buzzwords und Blockchains"

Wie bei jeder Technik gibt es auch bei Blockchain passende und unpassende Beispiele

Blockchains sind auch nur eine Technologie ...... nicht mehr und nicht weniger. Und wie bei jeder anderen Technologie gibt es passende und durchaus unpassende Anwendungsfälle. Selbst wenn die Anforderungen zu 100 Prozent von der Blockchain-Technologie abgedeckt werden, ist nicht automatisch alles gut! Blockchain, wenn passend eingesetzt, ist eine Technologie mit massiv disruptivem Potential. 

Das bloße "drüberstreuen" von Blockchain als "Feenstaub" auf eigentlich unpassende Produkte, Lösungen und Dienstleistungen ist aber leider reines Marketinggewäsch. Außerdem kommt es wie bei jeder Technologie darauf an, sie korrekt einzusetzen. Dies hindert leider auch niemanden daran, die Technologie "korrekt" für fragwürdige Zwecke einzusetzen.

Technologie ist nicht per se "gut"

Security-Unternehmen wie Trend Micro und Eset bestätigten uns, dass Blockchains leider auch im kriminellen Cyberuntergrund bereits erfolgreich für Zahlungstransaktionen, Warenauslieferung (digital) und Reputation-/Bewertungsfunktionen eingesetzt werden.

Bockchain: Was ist das
Blockchain ist „nur“ eine Technologie, die deshalb auch zu sehr unterschiedlichen Zweckeneingesetzt werden kann. Im Beispiel Augur auch für zweifelhafte Wetten und Glücksspiele.
© Forecast Foundation

Sehr zweifelhaft auch, was die amerikanische Plattform Augur ihren Nutzern anbietet: Sie bietet einen "Vorhersagemarktplatz", auf dem die Nutzer Wetten auf fast alle Ereignisse – dazu zählt beispielsweise auch das Todesdatum von Prominenten – abschließen können. Die Anbieter verwenden nach eigenen Angaben Open-Source-Software für ihre Ethereum-basierte Plattform und arbeiten dabei mit Smart Contracts. 

Illegale Aktion sollen ebenfalls bereits auf der Plattform zu finden sein, und dem Vernehmen nach interessieren sich die Behörden in den USA bereits für Augur. Die Betreiber verweisen derweil darauf, dass sie nicht kontrollieren oder stoppen können, wofür die Nutzer Augur verwenden. Bei dieser Aussage werden bei vielen Menschen in der IT sicher Erinnerungen an MP3 und die Tauschbörse Napster wach werden.

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