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Blu-ray-Bestandsaufnahme

BD-Live: Heilsbringer oder vor dem Aus?

Zu lange Ladezeiten

Die ursprüngliche Idee war gut: Im Gegensatz zum bereits auf der Disc vorhandenen Bonusmaterial wollten die Studios stets aktualisierbare Inhalte oder BD-Live-Portale anbieten.Zumal mittlerweile nahezu alle neuen Player per LAN oder WLAN auf das Web zugreifen können.

Doch dieser Gedanke erwies sich im Lauf der Zeit immer mehr als wenig praktikabel - aus mehreren Gründen. Denn die Frage ist: Welche Inhalte gibt es, die nicht auch problemlos als Extras auf die Scheibe gepresst werden können? Und wie kann man diese Angebote so spannend und aktuell halten, dass Blu-ray-Käufer ein ernsthaftes Interesse daran haben, ihren Player dauerhaft - und nicht nur in großen Intervallen für Firmware-Updates - ans Netz anzuschließen?

Eine Online-Umfrage von Video-HomeVision auf video.magnus.de ergab kürzlich ebenfalls kein gutes Bild: Nur 21,3 Prozent der Teilneh- mer erklärten, dass sie BD-Live für eine sinnvolle Applikation halten. 58,9 Prozent sagten, sie wollen nur Filme in bester HD-Qualität. BD-Live interessiere sie nicht.

Doch wen wundert's? Je länger es die Technologie gibt, desto intensiver dreht sie sich in einen Teufelskreis. Die Filmfans nutzen BD-Live nicht - aus Desinteresse oder wegen unwesentlicher Inhalte. Und die Filmstudios investieren kaum in BD-Live, da die Fans das Feature ignorieren.

Die meisten Programm-Anbieter schweigen inzwischen lieber zum Thema BD-Live: Auf Nachfrage von Video-HomeVision hieß es bei vielen nur: "kein Kommentar."

Nur Ulrike Graupp vom Berliner Medienkonzern Senator Film steht der Applikation positiv gegenüber: "Wir nutzen die Möglichkeiten von BD-Live gern und haben bereits viele Blu-rays damit ausgestattet."

Kinowelt-Vertriebschef Sönke Hinrichsen stellt dagegen fest: "BD-Live wird bisher kaum angenommen."

Highlight, der DVD-Vertrieb von Constantin Film, setzt BD-Live laut Marketing-Chef Michael Habedank "gar nicht ein. Meiner Meinung nach ist BD-Live eine nette Spielerei ohne wirklichen Sinn und Nutzen."

Und Torsten Nobst von Paramount klagt: "Die Ladezeiten sind oft viel zu lang, und viele Features lenken einfach zu sehr ab oder sind zurzeit nur eingeschränkt sinnvoll."

Steht also das einst viel gespriesene Blu-ray-Goody BD-Live schon vor dem Aus? Im Interview warnt Lothar Kerestedjian von der Software-Schmiede Enteractive davor: "Der Nutzer muss spüren, dass BD- Live sich weiterentwickelt. Wenn die Industrie jetzt nicht gemeinsam schnell reagiert, wird BD-Live bald nicht mehr als Feature existieren."

Enteractive hat daher schon im letzten Jahr die Initiative ergriffen und eine neue Anwendung für BD-Live entwickelt: Video on Demand, Spielfilm-Streaming über den Blu-ray-Player. Als Zugangsschlüssel für das videociety-Portal (siehe Absatz "Extras aus dem Web") dient die Blu-ray Disc selbst.

Das Modell könnte funktionieren - vor allem, wenn die Filmstudios es auf ihren Scheiben einsetzen. Der Gedanke, etwa "Iron Man 2" auf Blu-ray zu schauen und danach noch Teil 1 via videociety zu streamen, klingt jedenfalls charmant.

Eine weitere sinnvolle Variante von BD-Live ist MovieIQ: Sony Pictures setzt diese Entwicklung auf seinen Blu-ray-Scheiben ein. Mithilfe dieses Tools lassen sich während des Films Zusatz-Informationen wie Filmografien von Darstellern und Crew ein-blenden. Dies ginge zwar technisch auch ohne BD-Live. Doch nur die Internet-Anbindung macht es möglich, dass die Daten stets aktuell bleiben, auch wenn der Film Monate oder Jahre nach dem Kauf abgespielt wird.

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