Abschaltung als Protest gegen Artikel 13 und 11

Wikipedia auf Deutsch offline: Dieser Trick umgeht die Sperre

Aus Protest gegen die EU-Urheberrechtsreform ist Wikipedia auf Deutsch für 24 Stunden abgeschaltet. Mit diesem Trick lässt sich Wikipedia trotzdem nutzen. +++Update: Wikiwand-Trick ergänzt +++

Wikipedia deutsch abschaltung umgehen

© Screenshot: Wikipedia.de

Wer am Donnerstag, 21. Februar, die Wikipedia auf Deutsch öffnet, sieht nur diese Nachricht der Wikipedia-Autoren.

Wer heute eine Seite von Wikipedia auf Deutsch öffnen will, kommt nicht zum gewünschten Eintrag. Stattdessen wird er von einer schwarzen Warntafel begrüßt, auf der die deutschen Wikipedia-Autoren in einer Nachricht die vorübergehende Abschaltung begründen. So wurde die deutsche Wikipedia aus Protest gegen die stark umstrittene EU-Urheberrechtsreform offline genommen.

Wikipedia-Apps funktionieren trotzdem

Die Abschaltung der Wikipedia auf Deutsch stellt jedoch viele Nutzer vor Probleme - auch jene, die mit dem Protest gegen die EU-Reform sympathisieren. Schüler und Studenten etwa sind auf die Enzyklopädie angewiesen.

Nun kann man stattdessen etwa auf die englische Wikipedia ausweichen - oder man nutzt kleine Tricks, um auf das Internetlexikon trotz Abschaltung zuzugreifen: die mobilen Apps oder die Browser-Erweiterung Wikiwand.

Für den ersten Trick installieren Sie einfach die Wikipedia für Android oder iOS und nutzen Sie Wikipedia dort auf Deutsch. Hier die Links zu den offiziellen Apps:

Wikipedia im Browser lesen mit Wikiwand

Ein zweiter simpler Trick, um die deutsche Wikipedia während der Abschaltung zu lesen, ist der Wikipedia-Reader Wikiwand. Dieser dient eigentlich dazu, die Wiki-Webseiten in einem schicken, modernen Layout zu betrachten. Damit umgeht er aktuell aber auch das schwarze Protest-Layer und ist am Desktop-PC oder Mac die einfachste Lösung.

Wikiwand können sie als Addon für Chrome und Firefox installieren. Danach öffnen sich alle deutschen Wikipedia-Seiten ohne Sperrtafel.

Warum ist Wikipedia offline?

Die deutsche Wikipedia protestiert mit seiner Abschaltung gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform, über die am 26. März im EU-Parlament abgestimmt werden soll. Im Fokus der Kritik stehen zwei Teile der Gesetzesvorlage: Artikel 13 und Artikel 11.

Artikel 13: Upload-Filter

Durch Artikel 13 des geplanten Gesetztes werden alle Internetplattformen dazu verpflichtet, Inhalte von Nutzern präventiv auf Urheberrechtsverletzungen zu prüfen und diese zu unterbinden. Diese Forderung erscheint Experten und Branchenvertretern als in der Praxis kaum umsetzbar und schädlich vor allem für kleine Anbieter mit wenig Ressourcen für diese Prüfungen. Dazu sieht man in diesen Upload-Filtern die Gefahr der Zensur. 

Artikel 11: Leistungsschutzrecht für Presseverlage 

Neben Artikel 13 steht auch Artikel 11 in der Kritik. Dieser richtet sich gegen Angebote wie "Google News", die über Überschriften und kurze Teaser-Texte auf Artikel von anderen Online-Publikationen verweisen. Laut dem Gesetzentwurf sollen die Online-Publikationen für diese Nutzung über den Erwerb von Lizenzen entschädigt werden - ähnlich dem wenig erfolgreichen Leistungsschutzrecht in Deutschland. Gegner der EU-Reform befürchten durch Artikel 11 wiederum lediglich Hindernisse für kleine Plattformen sowie eine neu geschaffene Rechtsunsicherheit.

Neben Wikipedia beteiligen sich zahlreiche andere Organisationen an dem Protest. Dazu zählen etwa der Chaos Computer Club, die Bitkom, der Deutsche Bibliotheksverband und die Kampagne #SaveYourInternet.

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