Genialer Online-Betrug

Wie ein Häftling per Smartphone seine Freilassung erwirkte

In London hat sich ein Häftling per Smartphone selbst aus dem Gefängnis befördert. Selbst der Richter und der Staatsanwalt sind baff.

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E-Mail per Smartphone
Lesen Sie, wie ein Häftling per Smartphone seine Freilassung erwirken konnte.
© venimo - shutterstock.com

Im Wandsworth-Gefängnis im Süden Londons hat sich offenbar im vergangenen Jahr ein Vorfall abgespielt, der wohl in die Annalen der Justizgeschichte eingehen wird. Laut einem aktuellen BBC-Bericht habe sich der  britische Häftling Neil Moore (28) mit einem Smartphone eine E-Mail-Adresse mit einer Endung eingerichtet, die der Domain des zuständigen Gerichts täuschend ähnlich sah. Er habe sich in der Folge als leitender Gerichtsbeamter ausgegeben und Anweisungen versendet, die am 10. März 2014 zu seiner Freilassung geführt haben sollen.

Der "Ausbruch" sei erst aufgefallen, als Moores Anwälte drei Tage später mit ihm sprechen wollten. Der Brite stellte sich laut BBC und kam wieder ins Gefängnis. Laut des Londoner Southwark Strafgerichtshofs habe Moore die notwendige Domain unter dem Namen eines Kriminalbeamten registriert und als Adresse die des Londoner Royal Court of Justice angegeben. Nach dem spektakulären "Ausbruch" erwartet Moore für den 20. April 2015 sein Urteil: für den jetzt herausgekommenen E-Mail-Betrug sowie natürlich die Vergehen, für die er ursprünglich festgenommen wurde.

Lesetipp: Sicheres E-Mail-Passwort erstellen

Vor dem hier geschilderten E-Mail-Betrug soll Moore unter falschen Angaben verschiedene Banken um knapp über 2,5 Millionen Euro erleichtert haben. Er habe sich dabei ähnlich ausgeklügelt wie jetzt als vier verschiedene Bankangestellte ausgegeben. Er konnte sich dabei dem BBC-Bericht zufolge sogar derart überzeugend als Frau ausgeben, was in ersten Ermittlungen zu einer Verdächtigung seiner Lebensgefährtin Kristen Moore führte. Die Anschuldigungen gegen sie wurden im Verlauf des Falls zurückgezogen.

Lesetipp: E-Mails verschlüsseln

Die BBC zitiert den zuständigen Staatsanwalt: "Moores Verstand birgt eine Menge krimineller Genialität. Dieser Fall zeugt von außergewöhnlichem Erfindungsreichtum, Arglist und Kreativität des Angeklagten." Auch der Richter habe das kriminelle Verhalten Moores als "genial" beschrieben.

Was lernen wir aus der Geschichte?

E-Mail-Betrug baut in den meisten Fällen auf die Unachtsamkeit des zu Schädigenden auf. Hätten die Gefängnismitarbeiter unter anderem die Domain der E-Mail-Adresse genauer geprüft, wäre Moore nicht so einfach freigekommen. Anstatt Phishing, Malware oder ähnlichem führte das typische Vorgehen des Cyberkriminellen zu einer Aufhebung seiner Haft. Erfreulicherweise hat sich der Häftling gestellt, und hoffentlich nimmt die Justiz die richtigen Erkenntnisse aus dem Fall mit.

30.3.2015 von The-Khoa Nguyen

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