Deutschland-Start

Netflix CEO Reed Hastings im Interview

Anlässlich des Deutschland-Starts von Netflix stellte sich Reed Hastings den Fragen der Redaktion zum deutschen Markt, technischen Details, über weitere Serien sowie UHD-Inhalte.

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Netflix, Deutschlandstart, Reed Hastings, Interview
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Netflix ist endlich auch in Deutschland gestartet. Aus diesem Anlass hat die Redaktion einmal bei Netflix-CEO Reed Hastings nachgehakt und zahlreiche Fragen für Sie beantwortet. Es wurde zum Beispiel über den deutschen Markt und technische Details gesprochen. Lesen Sie das komplette Interview hier.

Video: In Deutschland wurde Netflix lange erwartet, Wettbewerber wie Maxdome oder Amazon haben sich auf Ihr Angebot vorbereitet. Wie hat sich Netflix auf den Wettbewerb gerüstet?

Hastings: Wir konkurrieren nicht in erster Linie mit den anderen Onlinevideotheken, wir konkurrieren mit allen möglichen Angeboten um die Zeit der Menschen. Wenn Sie abends da sitzen und sich entspannen wollen, dann haben Sie alle möglichen Angebote zur Auswahl: Kommt etwas Gutes im Fernsehen? Eine DVD gucken? Oder eben Netflix. Oder eine andere Onlinevideothek. Wir wollen diesen Wettbewerb um die Zeit der Menschen möglichst oft gewinnen. Wenn jemand mehrmals pro Woche in dieser Situation Netflix wählt, dann behalten wir ihn als Kunden.

Video: Und warum ist gerade Deutschland für Netflix ein so schwieriger Markt?

Hastings: Wir haben lange mit unseren Start in Deutschland gewartet, denn Deutschland ist ein sehr großer Markt, was unter anderem auch hohe Preise für Rechte und den Betrieb von Netflix bedeutet. Aber Deutschland ist auch der härteste TV-Markt. Nirgends sonst gibt es so viele Free-TV-Sender. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat ein Budeget von rund 8 Milliarden Euro. Das ist sogar das anderthalbfache der BBC.

Und Free-TV sehen wir als einen unserer Haupt-Konkurrenten, denn wir zeigen ja Inhalte, die auch im Free-TV laufen könnten. Dazu kommt aber auch die Mentalität: Anderswo sind die Leute stolz darauf, wenn sie viel fernsehen, erzählen gern von den neuesten Shows und Serien. Die Deutschen schauen auch, aber sie reden weniger darüber. Es ist nicht so prestigeträchtig. Es ist eher cool, wenn man aktiv und ständig draußen unterwegs ist.

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Video: Und was wollen Sie in Deutschland erreichen?

Hastings: Wir müssen hier nicht unbedingt Marktführer werden. Das sind wir auch in den USA nicht. HBO hat dort 130 Millionen Nutzer, wir 35 Millionen. Wir wachsen, leisten gute Arbeit und das tut auch HBO. In Deutschland wollen wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein Drittel aller Haushalte erreichen. Wenn wir das schaffen, dann ist das Klasse. Wenn Maxdome in der selben Zeit die Hälfte aller deutschen Haushalte erreicht - auch gut. Vielleicht nutzen dann auch schon zwei Drittel aller Haushalte Spotify. Es gibt Platz für ganz viele Angebote.

Video: Warum bieten Sie im Gegensatz zu den anderen Onlinevideotheken keine Download-Funktion auf Mobilgeräte? Ist Netflix nur für die Nutzung im WLAN gedacht?

Hastings: Wir bieten keine Downloads an, weil wir Netflix ganz einfach halten wollen. Downloads machen alles nur kompliziert. Man muss Speicher auf dem Mobilgerät frei halten, im Zweifelsfall ältere Downloads löschen. Dann verfallen die Downloads irgendwann, und so weiter. Streaming funktioniert natürlich auch im Mobilnetz, doch das wird aus Kostengründen wenig genutzt.

Deshalb ist Netflix schon vor allem für die Nutzung im WLAN geeignet. Das gibt es ja auch an immer mehr öffentlichen Orten oder in Hotels. In Zügen oder Flugzeugen ist WLAN zwar noch selten verfügbar, das stimmt. Doch auch das wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren ändern. Dann braucht niemand mehr Downloads. Bis dahin überlassen wir das iTunes und Anderen, die das gut können.

Video: Was können wir über das Startangebot hinaus an besonderen Inhalten von Netflix erwarten?

Hastings: Wir haben ja schon zum Start eine ganze Reihe Netflix-Originals und lizensierte Titel, die es nur auf Netflix gibt. Was wir weiter anbieten werden, das entscheidet sich daraus, was in Deutschland besonders stark nachgefragt wird. Wir schauen genau hin, welche Filme und Serien erfolgreich laufen und welche weniger. Passend dazu wird es weitere Inhalte geben. Dabei sorgen wir natürlich dafür, dass für jeden etwas dabei ist - für Kinder ebenso wie für Teenager, Eltern und Großeltern.

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Video: Warum ist Netflix teurer als etwa Amazon Prime oder Sky Snap?

Hastings: Das liegt unter anderem daran, dass unsere Inhalte teurer sind, weil sie zu einem Großteil nur bei Netflix laufen. Nur bei uns gibt es Netflix-Originals wie "Orange is the new Black", die animierte Serie "BoJack Horseman", "Hemlock Grove" oder "From Dusk 'till Dawn". In Deutschland zeigen wir auch lizenzierte Serien wie "Fargo" oder "Deadwood" als einziges Streamingportal.

Solche Exklusiv-Angebote bauen wir weiter aus. Außerdem wird man in der Praxis feststellen, dass unser Streaming besser funktioniert und Netflix eine sehr gute Bild- und Tonqualität bietet. Wir streamen derzeit etwa fünf Milliarden Stunde pro Monat und haben dadurch in diesem Feld einfach sehr viel Erfahrung.

Video: Wird es in absehbarer Zeit auch deutsche TV-Serien von Netflix geben?

Hastings: Wir haben ja in den USA mit Netflix-Original-Produktionen angefangen, inzwischen produzieren wir auch Serien in Mexiko, in Kolumbien und in Europa. "Lilyhammer" etwa entsteht in Norwegen, und gerade erst haben wir eine französische Netflix Original Serie angekündigt, die in Marseille spielen wird. Bisher ist noch keine deutsche Serie geplant, aber wir sind offen dafür. Es sollte eine deutsche, eine menschliche Geschichte sein, die sich auch weltweit vermarkten lässt. Wir sind offen für gute Drehbücher, für wirklich gute Geschichten.

Video: Netflix hat ja schon die Art geändert, wie Serien veröffentlich werden - alle Episoden sind am selben Tag verfügbar. Wann wird es Kino-Blockbuster geben, dei zeitgleich mit dem Kinostart bei Netflix zu sehen sind?

Hastings: Mit Filmen aus klassischen Studios wird es das nicht geben, da machen die Kinobetreiber nicht mit. Die Leute wollen diese Freiheit aber durchaus. Wir produzieren ja schon einige dokumentarische Filme. Und wir denken auch darüber nach, selbst Spielfilme zu produzieren. Die würden wir weltweit am selben Tag startet - und sie gerne auch in Kinos zeigen. Das funktioniert aber nur, wenn wir den Film produzieren und ihn natürlich auch selbst finanzieren.

Video: Das Angebot an UHD-Inhalten ist ja derzeit mit einer Staffel von "House of Cards" und der Serie "Breaking Bad" noch recht dünn. Wann wird es mehr UHD-Titel geben?

Hastings: Alle künftigen Netflix Originals werden in UHD produziert - zum Beispiel die dritte Staffel von "Orange is the new Black" oder die neue Serie "Marco Polo", die Ende 2014 startet. Immer mehr Filmemacher produzieren auch in UHD und bieten ihre Inhalte an. Da ist also noch Einiges zu erwarten.

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19.9.2014 von Reinhard Otter

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