US-Überwachungsskandal

US-Geheimdienst bestätigt und verteidigt Prism

Die Enthüllungen um die Internet- und Telefonüberwachung des US-Geheimdienstes schlagen weiter hohe Wellen. Offizielle Stellen nennen die jüngsten Enthüllungen verantwortungslos, bestätigen die Existenz des Überwachungsprogramms Prism und betonen seine Rechtsstaatlichkeit.

© Hersteller / Archiv

Prism verteidigt: Das Überwachungsprogramm habe seine Berechtigung.

Die Enthüllungen um das riesige Überwachungsprogramm "Prism" des US-Geheimdienstes für Internet und Telefonverbindungen sorgt weiterhin für Aufregung. In England und Deutschland wollen sich die Parlamente mit der Thematik befassen. Auch die USA meldete sich zu Wort. Der Geheimdienstkoordinator James Clapper kritisierte scharf die Berichterstattung der Medien über das Programm. Obwohl er, wie es sich fast von selbst versteht, den Journalisten "bedeutende Fehldarstellungen" vorwarf, bestätigt er die Existenz des gewaltigen Schnüffelprogrammes. Angeblich prüft die US-Regierung juristische Schritte gegen die Veröffentlichungen.

Auch US-Präsident Barack Obama betonte, dass das Programm "Prism" vom Kongress gebilligt wurde und seit 2006 "wiederholt erneuert" worden sei. Obama erkärte weiter, es diene dazu, "potenzielle terroristische Aktivitäten vorab zu entdecken und zu verhindern". Eine gewisse politische Pikanterie erhalten die Abhör-Enthüllungen auch dadurch, dass Obama sich gerade zu einem Gipfeltreffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jingping traf, wo unter anderem die chinesischen Cyber-Angriffe auf US-Institutionen und -Firmen Thema sein sollten.

Das Programm "Prism" wird von US-Offiziellen lediglich als ein ein "internes Computersystem der Regierung" bezeichnet, mit dem diese Informationen bearbeiten könne, die sie von Internet-Dienstleistern erhalte. Somit haben sich die Dementis der großen IT-Konzerne bezüglich ihrer Daten-Zulieferung als wenig  stichhaltig erwiesen.

Außerdem hat der "Guardian" am vergangenen Samstag (8. Juni 2013) berichtet, welche enormen Datenmengen ein anderes  System des Militärgeheimdienstes NSA, das unter dem Namen "Boundless Informant", saugt. Danach sollen allein im März 1013 über 97 Milliarden Dateien abgegriffen worden, mit Inhalten wie E-Mails, Filmen, Fotos und sonstigen Dokumenten. Auf den Iran entfielen dabei 14,1 Milliarden Dateien, auf Pakistan 13,5 Milliarden, Jordanien lieferte 12,7 Milliarden Dateien, Ägypten 7,6 Milliarden und Indien 6,3 Milliarden. Auf die USA sollen 2,9 Milliarden Datenzugriffe entfallen sein.

Tipp: Wer angesichts des Überwachungsskandals im Internet künftig anonymer und sicherer unterwegs sein will, der sollte das PC Magazin, Ausgabe 08/13 abwarten. Unsere Kollegen aus der Print-Abteilung bringen Sie ab jedem ersten Freitag des Monats auf den neuesten Stand. Das besagte Heft erscheint also am 5. Juli 2013.

Mehr zum Thema

Millionen gestohlene Datensätze

Mit seiner E-Mail-Adresse kann man beim Hasso-Plattner-Institut testen lassen, ob eigene Daten Hackern zum Opfer gefallen sind und im Internet…
Telekom-Rechnung

Die Deutsche Telekom warnt wieder vor E-Mails, die sich als Telekom-Rechnungen tarnen. Mittlerweile existieren sogar Schreiben, in denen Betroffene…
Chrome, Firefox & Opera

Auch wenn User im Internet per Inkognito-Modus unterwegs sind und keine Cookies speichern, können Nutzer nachverfolgt werden.
WhatsApp, iMessage & Co.

Der britische Premierminister David Cameron will Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und damit auch Message-Dienste, wie WhatsApp und iMessage, die diese…
Verbraucherzentrale reicht's

Die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen verstoßen laut Verbraucherschützern gegen deutsches Recht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband mahnt Facebook…