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Kurzfilmwettbewerb Kaliber 35

Interview mit Regisseurin Sabina G. Kufner

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Sabina G. Kufner hat zum dritten Mal in Folge am Kurzfilmwettbewerb Kaliber35 in München teilgenommen und auch in diesem Jahr mit "Abseits der Grillzone" einen der begehrten Preise abgeräumt. Mit ihr sprach Peter Knoll, Redakteur unseres Schwestermagazins PC Magazin.

© Archiv Sabina G. Kufner / Micha Kufner

Am Set von "Abseits der Grillzone"

Peter Knoll: Frau Kufner, wie kommen Sie zum Film?

Sabina G. Kufner: Bei mir war es die große Lust am Geschichtenerzählen und -hören, verknüpft mit einem stark ausgeprägten Spieltrieb. Solange ich denken kann, habe ich Theater gespielt, später Literatur in München studiert. Über die Literatur kam ich zum Film, dem Medium, das mich dann einfach nicht mehr losgelassen hat. In der New York University bekam ich direkt im Anschluss ans Literaturstudium einen der begehrten Studienplätze für Drehbuch und Regie.

Peter Knoll: Sie haben jetzt drei Jahre lang am Kaliber35-Wettbewerb teilgenommen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Sabina G. Kufner: Ich habe durch Zufall die Facebook-Seite mit der Ausschreibung gesehen und mich kurzfristig für die Teilnahme entschieden. Den Ausrichter, die Münchner Filmwerkstatt, schätze ich für sein Engagement zugunsten unabhängiger Filmemacher.

Beim ersten Mal haben wir keinen Preis bekommen, der Film heißt "Nachhaltigkeitskontrolle". Ich stehe aber voll hinter dem Film, mein Team und ich finden ihn nach wie vor gelungen. Er ist technisch und vom Licht her sicher einfacher gemacht als "Diaper Viper" (zu den Siegervideos 2012) vom Jahr darauf.

Peter Knoll: Was reizt Sie an diesem Wettbewerb?

Sabina G. Kufner: Zum einen gefällt mir die Arbeitsweise, viel Raum für spontane Kreativität ist hier gefragt - was für den kreativen Prozess durchaus sehr fruchtbar sein kann. Im Profibereich gibt es Arbeits-Modelle, die mich sehr inspirieren, z. B. von Regisseuren wie Mike Figgis, die die Improvisationstechnik verwenden oder Michael Winterbottom oder Wong Kar-wai. Oder die Muppet Show. Die Muppet Show hat zwar ein Konzept gehabt, doch jede Sendung wurde dann mit den Gästen dynamisch entwickelt. Das finde ich von der Arbeitsweise sehr ansprechend. Meine Arbeitsweise ist dem ähnlich.

Deadlines sind auch sehr wichtig, weil sonst ein Film nie fertig würde und sie sind eine Riesen-Motivation fürs gesamte Team. So seh'n sie den Film gleich am übernächsten Tag, nicht erst nach Wochen oder Monaten. Die Ergebnisse des Kaliber35-Wettbewerbs, in dem alle Filme binnen 35 Stunden entstehen mussten, waren durchweg sehr hochwertig, viele Filme haben mir wahnsinnig gut gefallen.

Peter Knoll: Wie und wann haben Sie heuer Ihr Team zusammengestellt?

Sabina G. Kufner: Ich kam gerade aus dem Urlaub und wollte erst gar nicht mitmachen, da ich gerade wahnsinnig viele andere Projekte am Laufen habe. Dann kam halt doch mein Spieltrieb durch und dann habe ich mit einigen Leuten telefoniert - die Entscheidung fiel über Nacht, nachdem fast alle Angesprochenen begeistert mitmachten.

Filmgeschichte: 25 ungeplante Filmszenen

In diesem Jahr haben wir mit einem Kleinstteam gearbeitet, wir waren zu Acht. Ich arbeite persönlich lieber mit einem normal aufgestellten Team von ca. 20 Leuten. Wenn man das Team schon kennt, ist man halt auch schon eingespielt. Mit einem Team wie letztes Jahr könnte ich auch einen Spielfilm machen.

Peter Knoll: Was würden Sie heute bei einem so kurzen Dreh anders machen?

Sabina G. Kufner: Heute würde ich mir unbedingt eine Schlecht-Wetter-Alternative ausdenken und so bald wie möglich für die Location sorgen, weil wir dieses Jahr aufgrund des Regenwetters erst nach Verzögerung gegen 14 Uhr anfangen konnten. Und da wird ein Drehtag schon verdammt kurz.

Peter Knoll: Welche Ziele verfolgen Sie als Regisseurin?

Sabina G. Kufner: Als Regisseurin möchte ich meine Handschrift verwirklichen, ob das jetzt bei einem Kurzfilm ist oder bei einem abendfüllenden Spielfilm. Wenn man kreativ zusammenarbeitet, wie jetzt bei unserem Spielfilm demnächst, den ich mit meinem Wiener Kollegen Philipp Kaindl zusammen schreibe und auf die Beine stelle, dann ist natürlich eine gemeinsame Vision essentiell wichtig. Dass man am selben Strang zieht künstlerisch und was vor allem den Humor betrifft, denn soviel darf ich schon verraten: Es wird eine Comedy!!

Mir persönlich ist immer Authentizität sehr wichtig. Ich will das Publikum mit einer "Vision" begeistern, unterhalten und nichtzuletzt die Leute aus ihrem normativen Alltag und Lebenskontext entrücken. Es ist immer wieder wahr: We are still sitting around that campfire - Und darum geht s doch im Kino!

Bildergalerie

Galerie

Ausgezeichnet: Sabina G. Kufner im Interview mit Festival-Leiter Martin Blankemeyer.

© Pau Cordeiro

Teamwork: ausgezeichnete Teams bei der Siegerehrung des Kaliber35-Wettbewerbs, ganz links: Regisseurin Sabina G. Kufner.

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