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"TV noch nicht smart genug"

IFA 2015: Interview mit Youtube-König Bertram Gugel

Wir haben Bertram Gugel im Interview. Er ist Youtube-König und Video-Experte und spricht über die Techniktrends der IFA 2015.

© Foto: Annette Koroll

Bertram Gugel, YouTube-König und Video-Experte

video: Ist die IFA für Sie als YouTube-Experte relevant?
Gugel: Bisher war ich immer da. Mal sehen, ob ich es in diesem Jahr schaffe. Ich finde es jedenfalls immer spannend, über die Messe zu laufen. Ich war die letzten Jahre nur etwas irritiert, wie viele Kaffeemaschinen dort ausgestellt werden. Wir erleben gerade, wie sich die Innovationsentwicklung immer mehr von der Hardware zur Software verschiebt. Das ist der Bereich, in dem die IFA nicht besonders stark ist. Wir sehen dort die Basis für viele Softwareinnovationen, aber nicht die großen Trends. Dafür wird gezeigt, wie die Inhalte bei den Nutzern und im Wohnzimmer ankommen. Auch werden Smartphones und Tablets immer wichtiger. Da hat sich viel gewandelt, dennoch ist die IFA hierfür nicht die erste Adresse.

video: Welche wichtigen Trends sehen Sie derzeit?
Gugel: Technologien, die dafür sorgen, dass ich Geräte wie den Fernseher vom Handy oder Tablet aus steuern kann, womit viel Logik in flexiblere Produkte wandert, wie etwa in ein Apple TV oder einen Chromecast (Test). Wir haben eine sehr hohe Verbreitung von Smartphones, auf denen bereits die meisten Services zu finden sind, daher macht die Verknüpfung Sinn.

Lesetipp: Streaming-Boxen im Vergleich

Ich will etwa am Fernseher für einen Dienst, den ich mobil nutze, nicht noch mal ein Passwort eingeben müssen. Dafür muss es smartere Lösungen geben. Ebenso wichtig finde ich, dass wir schnell standarisierte Plattformen für die Smart-TV-Lösungen bekommen sollten, damit nicht für jede TV-Generation wieder andere Software entwickelt werden muss.

video: Halten Sie Letzteres wirklich für realistisch?
Gugel: (lacht) Es wäre zumindest mein Wunsch.

video: Die IFA hat UHD, HDR und 3D-Sound als Trends ausgerufen. Wie ist Ihr Blick darauf?
Gugel: Ich verstehe gut, warum Hersteller Ultra-HD und noch weitere Bild- und Klangverbesserungen anbieten. Ich glaube nur, dass irgendwann ein „Gut genug“-Effekt eintritt. Ich halte die Unterschiede der Bildqualitäten für schwer vermittelbar. Ich sehe in diesen Technologien, wenn, dann wieder den Vorteil, dass ich die Geräte ans Internet anschließen kann, weil dies momentan der einzige vernünftige Weg ist, 4K- und andere Inhalte auf den TV zu bekommen.

video: Noch sind viele dem linearen TV verhaftet. Aber YouTube etwa hat inzwischen auch eine massive Bedeutung. Welche Trends sehen Sie bei den Inhalten?
Gugel: YouTube hat neue Formate hervorgebracht, die auf der Plattform gut funktionieren und vor allem Zielgruppen zwischen zwölf und 24 Jahren aktivieren. Wir werden hier aber noch eine größere Differenzierung erleben. Zum Beispiel Videos, die nur für die Nutzung auf dem Smartphone gemacht werden und keinen Ton haben, weil sie nur fürs Anschauen in der U-Bahn gedacht sind. Es wird nicht mehr nur ein Bildseitenverhältnis, einen Übertragungsstandard geben. Ich sehe aber nicht, dass wir kein lineares Fernsehen mehr haben werden.

video: Beliebt sind derzeit Livestreams über Apps wie Periscope. Ein weiterer Trend?
Gugel: Ich glaube an Live, auch an Live-Events. Die Herausforderung bei Periscope ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn ich unvorbereitet aus dem Büro streame, ist das für alle Nutzer Zeitverschwendung. Wenn ich aber Breaking News liefere oder bei einem Star am roten Teppich mitlaufen kann, ist das super interessant. Die Range zwischen belanglos und hoch relevant ist groß. Die Livestreams vom Abbruch der Topmodel-Show auf ProSieben haben gezeigt, wohin die Reise gehen kann.

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