SocialMedia

Facebook-Datenleck: 50 Mio. gestohlene Nutzerdaten sind "nur die Spitze des Eisbergs"

Trotz Warnungen verschärft Facebook seinen Datenschutz nicht und kämpft nun mit einem Skandal. Daten von mindestens 50 Millionen Nutzern wurden gestohlen.

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© Shutterstock - JuliusKielaitis

Social-Media-Giganten wie Facebook wiegeln ihre Verantwortung in Sachen Sicherheit teilweise auf die Nutzer ab.

Facebook steht unter Beschuss: Verschiedene Medien berichten von mindestens 50 Millionen gestohlenen Nutzerdaten. So sollen Unternehmen private Daten etwa über Umfragen auf Facebook gesammelt haben. Bisher wurde lediglich der Datenklau von 50 Millionen US-Amerikanern bestätigt, doch schätzen Sicherheitsexperten, dass auch andere Länder betroffen sind. Tatsächlich sollen sogar mehrere Hundert Millionen private Daten über Facebook in die Hände von Dritten gelangt sein.

Der aktuelle Skandal bezieht sich laut der "New York Times" und des "Observer" auf den Fall des Professors Aleksandr Kogan.  Dieser startete auf Facebook eine als wissenschaftliche Forschung angemeldete Umfrage. Die 50 Millionen Forschungsergebnisse und gesammelten Nutzerdaten reichte der britisch-russische Professor ohne Wissen der Facebook-Nutzer an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weiter. 

Cambridge Analytica benutzt private Facebook-Nutzerdaten für Wahlmanipulation

Cambridge Analytica führte den US-Online-Wahlkampf für Donald Trump an. Nachdem Trump die Wahl gewonnen hatte, gab es Vorwürfe der Manipulation durch Social-Media-Propaganda, ausgeführt von Cambridge Analytica. Kritik gab es ebenfalls für die engen Verbindungen zwischen Trump und der Datenanalyse-Firma. 

Offenbar ist es Cambridge Analytica durch private Daten möglich, ein psychologisches Profil des Nutzers zu erstellen. Danach können Inhalte von Wahlkämpfen über Facebook auf einzelne Anwender so zugeschnitten werden, dass sie die Meinung manipulieren können. 

Gegen diese Anschuldigungen wehrte sich Cambridge Analyticas CEO Alexander Nix erst im Februar vehement und gab vor Gericht unter Eid an, nie im Besitz von Facebook-Daten gewesen zu sein. Öffentliche Stellen ermitteln nun wegen Falschaussage. Weitere Verdächtigungen erhärten sich um Nix, als sich Reporter von "Channel 4 News" als Politiker ausgeben und den CEO um Hilfe für ihre angeblichen Wahlkampagnen bitten. 

Per versteckter Kamera drehten die Journalisten ihre Treffen mit Nix mit, der Strategien wie Bestechung, Erpressung und Verunglimpfung politischer Gegner vorschlug. Beispielsweise erwägte Nix, dem Konkurrenten "hübsche Mädchen aus der Ukraine" ins Haus zu schicken und zu filmen. Nach Nix' Erfahrung sei diese Methode zielführend. Als Reaktion auf die Geschehnisse suspendierte Cambridge Analytics den CEO Nix vorläufig und führt "unabhängige Ermittlungen" durch.

Mitarbeiter warnt Facebook und wird ignoriert

Der ehemalige Facebook-Plattform-Operations-Manager Sandy Parakilas berichtet dem Guardian gegenüber, er habe seine Vorgesetzten gewarnt. "Meine Bedenken waren, dass Facebook nicht die Zugriffe der Entwickler auf die Facebook-Server überwachen konnte. Daher hatten wir keine Ahnung, was Entwickler mit den Daten machten", so Parakilas. 

Die Aufgabe des Platform Operations Managers war es, Datenverletzungen durch Entwickler zu untersuchen. Um herauszufinden, was vor sich geht, wollte Parakilas Entwickler direkt überprüfen. Ein Facebook-Manager riet ihm mit den Worten "Willst du wirklich wissen, was du finden wirst?" von dem Vorhaben ab. 

Diese Reaktion macht den Eindruck, dass Facebook vom Datenklau seiner Nutzer gewusst und bewusst die Augen verschlossen hat. Aufgrund dieser Firmenpolitik, dürften die bestätigten, gestohlenen Daten von 50 Millionen Nutzern wohl nur ein kleiner Anteil der insgesamt entwendeten Informationen sein. Marc Zuckerberg sieht sich selbst offensichtlich als Opfer: "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden.“

Rechtliche Schritte gegen Facebook

Als Reaktion auf den Skandal crashte die Facebook-Aktie am Montag und verlor zeitweise 35 Milliarden Dollar an Börsenwert. Zudem sind Facebooks Aktionäre über den Umgang mit Nutzerdaten entsetzt und reichten gegen den Social-Media-Giganten Klage ein. 

Ebenso muss sich Facebook bald vor dem EU-Parlament und anderen staatlichen Institutionen der USA und Großbritanniens für den laschen Umgang mit Daten verantworten. So twittert der Präsident des Europäischen Parlaments - Antonio Tajani, man habe Marc Zuckerberg "eingeladen". 

Lesetipp: Facebook, Whatsapp und mehr - Tipps für mehr Datenschutz und Privatsphäre

Bisher überlässt es Facebook seinen Nutzern selbst, Datenschutzbestimmungen einzuhalten und zu überprüfen. Doch sind diese Informationen so umfangreich, dass nicht versierte Einzelpersonen schnell den Überblick verlieren. Wer seine privaten Daten schützen will, sollte vorsichtig sein, welche Angaben er von sich selbst im Internet preisgibt. Ob Facebook künftig mehr Verantwortung für Datensicherheit übernimmt, bleibt abzuwarten.

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Antonio Tajani

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