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Kommentar von Joachim Sauer

Adobes Creative Cloud: Der Weg in die Wolke

Photoshop und Co. nur noch als Abo - mit dieser Ankündigung hat Adobe für viel Aufregung gesorgt. Das neue Angebot über die Creative Cloud bringt viele Vorteile - aber pokert Adobe dennoch zu hoch? Ein Kommentar von Joachim Sauer.

© Adobe

Adobe Creative Cloud - Photoshop nur noch im Abo

Adobe hat eine klare Vision und Strategie: Alle Programme der bisherigen Creative Suite werden künftig nur noch in einem Abo-Modell angeboten und über die Creative Cloud vernetzt. Ist der Schritt von Photoshop CS6 zu Photoshop CC der Anfang vom Ende?

Keine Frage: Der Schritt von Adobe ist mutig, kommt aber keinesfalls überraschend, denn bereits mit der Creative Suite CS6 hat Adobe den Weg in die Cloud vorbereitet. Seit eineinhalb Jahren kann man Photoshop nicht nur in einer Box kaufen, sondern wahlweise in einem Monats- oder Jahresabo buchen. Dass Adobe Anwender bevorzugt, die ihre Software via Abo bezahlen, war schon vor einem dreiviertel Jahr klar, denn da veröffentlichte der Branchenprimus die "Verflüssigen Filter" exklusiv für Abonnenten. Klar war aber auch: Trotz Creative-Cloud-Abo wird die Software weiterhin lokal installiert - der Internetanschluss wird nicht permanent benötigt, sondern nur für Updates.

Genau hier liegt der Vorteil des Abo-Modells: Adobe macht künftig keine neuen Versionen mehr, sondern veröffentlicht Funktionen dann als Updates, wenn diese serienreif entwickelt sind. Das klingt logisch, zumal Software bisher eher Bananen-Produkt (Produkt reift beim Kunden) war. So steht bei nahezu allen Herstellern in der Regel bis kurz vor der Veröffentlichung nicht der exakte Funktionsumfang fest. Da werden Funktionen, die nahezu fertig sind, aber sich im Beta-Test als kritisch erweisen, kurz vor der Pressung wieder aus der Installation genommen. Nächster Veröffentlichungszeitpunkt: In einem Jahr mit der nächsten Version. Wirklich sinnvoll ist das nicht - das muss man zugeben. Entsprechend passt hier die Argumentation des Vorteils der Cloud.

Nicht jede neue Funktion ist ein Argument für ein Upgrade auf eine neue Version.

Doch die Anwender sehen das zum Teil ganz gelassen: Nicht jede neue Funktion ist ein Argument für ein Upgrade auf eine neue Version. Egal ob Profi oder Amateur, die Kosten für eine Software spielen eine wichtige Rolle. So schreibt etwa Heiko Reckert auf unserem Facebook-Kanal: "Ich setze eine Lehrerversion ein und habe mir alle paar Jahre eine neue Version zugelegt. CS2, CS5 und dann sollte CS8 dran kommen. Wenn ich von vier Jahren ausgehe, die ich diese Software einsetzen werde, dann sind das pro Jahr also 62,50 Euro bzw. 5,20 Euro im Monat. Nun soll ich 20 Euro im Monat zahlen?"

Fraglich, ob die neuen Funktionen hier die klare Kalkulation der Anwender ins Wanken bringt. Auch wenn Adobe mit dem verbesserten Schärfewerkzeug, Camera Raw 8 und der Integration von Camera Raw als Filter in Photoshop CC sowie dem intelligenten Hochrechnen der Auflösung durchaus gute Funktionen anbietet. Für viele, und ganz besonders für Amateure, dürfte derzeit klar sein: Erstmal eine Version von Photoshop CS6 sichern, solange es die Software noch zu kaufen gibt - und dann abwarten. Vielleicht besinnt sich Adobe noch eines anderen - oder es findet sich ein Hersteller, der in die Lücke springt. Der Markt bei Bildbearbeitungsprogrammen ist hart, auch wenn Adobe diesen bisher klar beherrscht hat.

Der Autor: Joachim Sauer

Pokert Adobe zu hoch?

Eventuell pokert Adobe tatsächlich etwas hoch und geht zu sehr von professionellen Anwendern aus, die nicht nur den Photoshop, sondern gleich mehrere der Kreativ-Programme benötigen. Dann sieht die Kalkulation schon etwas besser aus. Zudem steckt der eigentliche Vorteil der Creative Cloud nicht in den permanenten Updates, sondern im Teamwork-Gedanken des Cloud-Speicherplatzes. Hier werden Daten gespeichert, so dass sie für andere Teammitglieder verfügbar sind - egal ob diese im Nachbarraum oder weit entfernt sitzen. So lassen sich Geräte sehr leicht synchronisieren - im Zeitalter von Laptop, Tablet und Smartphone wird das immer wichtiger.

Keine Frage: Damit kommt man dem Trend der Medienbranche nach, dennoch: Auch Filmproduktionen, Werbeagenturen und Verlagshäuser kalkulieren hart. Auch hier werden sich wohl einige nach Alternativen umschauen.

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