Die Grafikkarte hat einen enormen Einfluss auf die Leistung des PCs. Nicht nur Spiele, auch immer mehr Anwendungen profitieren von der Beschleunigung durch die Grafikkarte. Wir verraten, welche neue Grafikkarte am besten zu Ihrem Rechner passt.
Wer gelegentlich oder öfter 3D-Spiele neueren Datums starten möchte, kommt an einer diskreten, höherwertigen Grafikkarte nicht vorbei. Selbst die aktuellen Onboard-Grafiklösungen in den CPUs von AMD oder Intel kommen über das Niveau einer Einsteiger-Grafikkarte nicht hinaus. Für eine flüssige Darstellung muss ein Spiel mit mindestens 25 fps dargestellt werden, ansonsten kommt es zu Rucklern: Das können bei grafisch anspruchsvollen Games weder integrierte GPUs noch Einsteiger-Grafikkarten leisten.
Nicht jeder kann oder will viel Geld in eine neue Grafikkarte investieren. Aus diesem Grund haben wir das Testfeld diesmal weit aufgespannt mit Modellen von rund 100 bis 250 Euro. Die günstigen Grafikkarten im Test richten sich an Multimedia-Anwender und Gelegenheitsspieler, die auf eine gute und meist flüssige Darstellung Wert legen.
AMD-Karten wie die Zweitplatzierte Sapphire HD 7850 OC 2GB erlauben Multimonitor-Betrieb mit bis zu vier Displays.
Die restlichen Karten wenden sich an Anwender, die gerne aktuelle Spiele zocken und diese in sehr guter Bildqualität auf ihrem Full-HD-Display genießen wollen. Ein wichtiger Faktor, ob ein Programm flüssig läuft oder nicht, ist die eingestellte Grafikqualität. Ein hoher Detailgrad zusammen mit optischen Verbesserungen wie Kantenglättung fordert der Grafikkarte mehr Leistung ab. Auch die eingestellte Auflösung ist ein entscheidender Punkt.
Nach den Highend-Modellen (GTX 670 bis 690) bringt Nvidia die neue „Kepler“-Grafikchipgeneration auch in den umsatzstarken Preisbereich bis 250 Euro: Zotac hat einen neuen Chip (Codename GK106) auf seiner Karte zusammen mit zwei GByte GDDR5 verbaut. Der Leistungssprung zur Vorgängergeneration ist beachtlich: Eine derzeit etwa gleich teure GeForce GTX 560 Ti erzielt etwa nur 4927 Punkte im 3DMark 11, die GeForce GTX 660 (ohne Ti) bringt es dagegen auf 6744 Punkte – bei einer deutlich geringeren Leistungsaufnahme.
Die Spieleleistung ist sehr gut - und das bei einem geringem Stromverbrauch. Es reicht trotz fehlendem Software-Bundle für den Testsieg.
Sapphire hat seine Radeon HD 7850 mit einer selbst entworfenen Kühlkonstruktion mit zwei Lüftern versehen. Zudem ist die Karte bereits ab Werk übertaktet. Mit 920 MHz Chiptakt und 1250 MHz Speichertakt bewegt sich die Sapphire-Karte weiter weg vom Referenzdesign, das mit 860 und 1200 MHz arbeitet. Das macht sich in den Benchmarks bemerkbar, die die HD 7850 OC in der Mehrheit für sich entscheidet.
Wie effizient AMDs GPU-Architektur ist, zeigt sich bei der Leistungsaufnahme der Sapphire-Karte. Selbst bei Volllast verbraucht die HD 7850 OC nur 161 Watt – deutlich weniger als eine Karte etwa mit GTX-560-Ti-Chip. Die von uns getestete Retail-Version strotzt nicht gerade mit Zubehör, so dass man ohne schlechtes Gewissen zur baugleichen, aber günstigeren "Light-Retail"-Version ohne Zubehör greifen kann.
Die Asus HD7850-DC2-2GD5 ist eine von zwei Asus-Grafikkarten im Test. Sie ist mit dem Radeon HD 7850-Grafikprozessor ausgestattet und kostet mit 250 Euro mehr als das Doppelte der GT640-2GD3 (folgt in der Galerie). Die GPU mit dem Codenamen Picairn gehört zu AMDs neuer 28-Nanometer-Familie. Auch diese Grafikkarte verfügt über einen Videospeicher von 2.048 MByte, allerdings vom schnelleren GDDR5-Typ und über ein 256-Bit-Interface angebunden.
Als Schnittstellen besitzt die Karte DVI, HDMI sowie zweimal Mini-DisplayPort und ermöglicht den Multimonitorbetrieb zum Arbeiten oder Spielen. Die Kühlung der Karte ist eine Asus-Eigenentwicklung. Da die Kühlkonstruktion deutlich länger als die Platine ist, muss man das mitgelieferte Verlängerungskabel für den Stromanschluss am Netzteil verwenden.
Asus hat den Chip- und den Speichertakt um sehr moderate 10 MHz erhöht. Im Performance-Test liefert die HD7850-DC2-2GD5 trotzdem tadellose Werte. Alle Spiele liefen flüssig bei Full-HD-Auflösung mit hohen Detaileinstellungen.
Die Radeon HD 7850 (Codename „Pitcairn“) gab es anfangs nur mit zwei GByte Grafikspeicher, jetzt ist zusätzlich eine Variante mit einem GByte GDDR5 verfügbar. Die Reduktion, die vor allem einen günstigeren Gesamtpreis ermöglichen soll, zeigt in unseren Tests unter Full HD keine negativen Effekte auf die Leistung der Grafikkarte: Erst wer Auflösungen jenseits von 1920 x 1080 Pixeln auf seinem Bildschirm bewundern möchte, ist mit einer Zwei-GByte-Karte besser bedient.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut, ebenso wie das Testurteil. Die Leistungsaufnahme ist gering, jedoch gibt es kaum Zubehör.
Wie andere AMD-Boardpartner hat auch Sapphire mehrere Varianten mit Radeon HD 7770 im Sortiment. Darunter befindet sich die HD 7770 Vapor-X, bei der sowohl Chip als auch Speicher mit höheren Taktraten laufen. Die Karte besitzt vier Signalausgänge (2x DVI sowie je 1x HDMI und DP) und unterstützt dank AMD Eyefinity ebenso wie die anderen AMD-Karten im Test den Multi-Monitor-Betrieb mit bis zu vier Bildschirmen. Von allen Radeon HD 7770 im Test liefert die Sapphire-Variante die beste Performance, allerdings verlangt der Hersteller dafür auch einen um etwa 25 Euro höheren Preis.
Auf der MSI-Karte mit der kryptischen Bezeichnung R7770-2PMD1GD5/OC verrichtet ein Radeon-HD-7770-Grafikprozessor seinen Dienst, der mit 1020 MHz getaktet ist. Ähnlich wie die HD 7770 Vapor-X erweist sich das MSI-Modell als voll spiele- und multimediatauglich. Über alle Benchmarks hinweg bietet die R7770 die beste Leistung fürs Geld und hat sich unseren Spartipp-Award redlich verdient. Für Gelegenheitsspieler und Zocker mit begrenztem Budget ist die R7770 eine empfehlenswerte Wahl.
Die HIS-Karte wird von einem AMD-Radeon-HD-7770-Grafikprozessor angetrieben, der mit 1 GHz getaktet ist. Ihm zur Seite steht ein 1024 MByte GDDR5-Speicher mit 1125 MHz. Die hier verwendete Cap-Verde-GPU besteht auch aus 28-Nanometer-Transistoren, verfügt aber im Gegensatz zum Radeon HD 7850 nur über 640 statt über 1024 Recheineinheiten. Auch die Speicheranbindung ist mit 128 Bit nur halb so breit, wie bei der allerdings auch deutlich kostspieligeren Pitcairn-GPU.
Die HIS-Karte verrichtet unauffällig ihren Dienst, was an dieser Stelle positiv gemeint ist: Der Lüfter bleibt auch unter Last leise. Außer einem DVI-auf-VGA-Adapter spendiert HIS der Karte keine Extras. Wie alle getesteten HD 7770 liefert das HIS-Modell ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Aufpreis gegenüber einer GeForce GT 640 macht sich spürbar in der Leistung bemerkbar. Im direkten Vergleich zur gleich teuren MSI-Karte zieht das HIS-Modell den Kürzeren, denn die Leistung ist niedriger und die Garantiefrist mit 24 statt 36 Monaten kürzer.
Die technischen Daten der Asus GT640-2GD3 klingen vielversprechend. Die Mainstream-Grafikkarte mit GeForce GT 640 basiert auf Nvidias neuer Kepler-Architektur mit 28 Nanometer Strukturbreite. Sie unterstützt DirectX 11.1 und besitzt mit 2048 MByte GDDR3 viel Grafikspeicher. Im Leistungsvergleich stellt sich allerdings schnell eine gewisse Ernüchterung ein.
Immer wieder kommt es zu Rucklern beim Spielen, vor allem wenn man höhere Qualitätseinstellungen wählt. Der Grund dafür ist, dass der GT 640 die Schmalspurvariante von Kepler darstellt. Im Gegensatz zum High-End-Kepler GTX 680 verfügt er nur über 384 statt 1536 Recheneinheiten. Zudem ist die Speicherschnittstelle nur 128 Bit breit.
Punkten kann die Karte beim Energieverbrauch. Die Leistungsaufnahme im Windows-Betrieb liegt bei 75 Watt (gemeint ist hier, wie auch im Folgenden, immer die Gesamt-Leistungsaufnahme des Testsystems). Selbst unter Volllast steigt der Verbrauch nur auf 102 Watt – der niedrigste Wert im Testfeld. Ein separater Stromanschluss ist bei der GT640-2GD3 nicht erforderlich. Abgesehen vom DisplayPort bietet die Karte mit VGA, DVI und HDMI alle gängigen Schnittstellen, Adapter liegen folglich nicht bei.
Die beiden teuersten Grafikkarten im Test, die Zotac GeForce GTX 660 und die HD 7850 OC 2GB von Sapphire , haben erwartungsgemäß die Nase vorn. Sie sind jedem Spiele-Fan, der sein System mit einer zeitgemäßen Grafikkarte aufrüsten will, wärmstens zu empfehlen. Im günstigen Preissegment unter 150 Euro liefern die Sapphire HD 7700 Vapor-X, die MSI R7770-2PMD1GD5/OC und die HIS 7770 iCooler 1GB eine überzeugende Leistung, die für die meisten Anwender ausreichen dürfte. Allerdings sollte man sich im Klaren sein, dass für zukünftige Spiele mit gesteigerten Anforderungen möglicherweise nicht genügend Leistungsreserven vorhanden sind. Bei aktuellen DX11-Titeln schon jetzt zu kämpfen hat die letztplatzierte Asus GT640-2GD3. Auch der niedrige Preis macht das nicht wett.