Vollformat für alle

Canon, Nikon und Sony haben eine neue Kameraklasse definiert: Vollformat für Amateure. Das heißt: Mehr Pixel, weniger Rauschen, Preise ab 2100 Euro. Unser Test vergleicht die drei semiprofessionellen Modelle Canon EOS 5D MK II, Sony Alpha 900 und Nikon D700 mit den Profimodellen: Canon EOS 1Ds MK III und Nikon D3.

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© Archiv

Bei den Bildsensoren digitaler Systemkameras haben sich drei Formate durchgesetzt. Das kleinste ist Four-Thirds mit 17,3 x 13,0 mm, zu finden bei Kameras von Olympus, Panasonic und Leica. Den größten Marktanteil haben Kameras mit Bildsenso-ren im APS-C-Format, benannt nach dem 1996 eingeführten "Advanced Photo System" (APS). Die Größe von APS-C-Chips ist nicht eindeutig definiert. Sie variiert zwischen 22,2 x 14,8 mm (Canon) und 23,6 x 15,8 mm (Nikon). Die dritte Größe im Markt ist der Vollformatsensor mit den Abmessungen des klassischen Kleinbildfilms (36 x 24 mm), eine Randerscheinung dagegen der Bildsensor der Canon EOS 1D Mark III mit dem Sonderformat 28,1 x 18,7 mm.Tendenziell gilt dabei: Je größer der Sensor und je geringer die Packungsdichte an Pixeln, desto leichter lassen sich auch bei hohen Empfindlichkeiten gute bis sehr gute Rauschwerte erzielen, ohne dass man dazu ein starkes Rauschfilter bemühen muss. Denn dieses führt häufig dazu, dass die Detailwiedergabe in kontrastarmen Motivregionen leidet (Texturverlust). Warum das Vollformat vielen als Königsklasse gilt, hängt aber auch mit dem Erfahrungshorizont langjähriger SLR-Fotografen zusammen: Man hat ein Gefühl dafür entwickelt, welche Bildwirkung etwa mit einem 24-mm-Weitwinkelobjektiv oder mit einem 80-mm-Porträtobjektiv zu erzielen ist. Was nicht nur für die Brennweite an sich gilt, sondern auch für das damit erzielbare Maß an Schärfentiefe. Bei Kameras mit kleineren Sensoren muss man nicht nur den so genannten Bildwinkelfaktor (zwischen 1,5 und 2,0) berücksichtigen, sondern auch das allgegenwärtige Plus an Schärfentiefe. Das kreative Spiel mit selektiver Schärfe wird damit nicht unmöglich, aber erschwert. Unser aktueller Test klärt zwei Fragen. Erstens: Wer baut das beste Vollformatmodell in der Amateurklasse? Mit der EOS 5D brachte Canon vor drei Jahren die erste bezahlbare Vollformatkamera. Nun muss sich die Nachfolgerin EOS 5D MK II (2300 Euro) gleich zwei Rivalinnen stellen: der Sony Alpha 900 (2800 Euro) mit ähnlich hoher Auflösung (24,5 Megapixel) sowie der Nikon D700 (2100 Euro) mit nur halb so vielen, aber entsprechend größeren Pixeln. Zweitens: Wie gut schlagen sich die Vollformat-Modelle der 2000-Euro-Klasse gegen die beiden Profikameras Canon EOS 1Ds MK III (6900 Euro) und Nikon D3 (4000 Euro)? Zu deren Attributen gehören besonders schlagfeste Magnesiumgehäuse mit integriertem Batteriehandgriff, zusätzliche Bedienelemente für Hochformataufnahmen, 100-Prozent-Sucher und zwei Slots für Speicherkarten.

Fazit: Den Vergleich semiprofessionelle gegen professionelle Vollformatkameras  entscheiden die günstigen Modelle für sich: Canon EOS 5D Mark II und Nikon D700 glänzen mit der gleichen, zum Teil besseren Bildqualität, wie ihre professionellen Parallelmodelle EOS 1Ds Mark III und Nikon D3. Mit ihren relativ kompakten, aber dennoch robusten Magnesiumgehäusen bieten sie einen hohen Gegenwert im Verhältnis zum deutlich günstigeren Anschaffungspreis. Wer bis zu 4500 Euro weniger für das Gehäuse ausgeben muss, gewinnt Spielraum für den Kauf hochwertiger Objektive, die beim Vollformat auch dringend geboten sind. Trotzdem werden sich nach wie vor genügend Anwender finden, die auf die Profigehäuse mit integriertem Batteriehandgriff für Hochformataufnahmen nicht verzichten wollen. Den Vergleich der semiprofessionellen Vollformater gewinnt die Canon EOS 5D Mark II. Sie bietet dank Full-HD-Videomodus die umfassendste Ausstattung und mit 21 Megapixel genügend Auflösung, um auch bei anspruchsvollen Bildagenturen landen zu können. Hinzu kommt eine sehr gute Bildqualität mit geringem Rauschen auch bei hohen ISO-Werten. Unterm Strich, bei der Bildqualität wie in der Gesamtwertung, setzt sich die Kamera souverän an die Spitze aller bislang getesteten Kameras. Trotzdem haben auch die beiden Konkurrenten ihre Vorzüge: Die Nikon D700 begnügt sich mit 12 Megapixel und um die 400 LP/BH weniger an gemessener Grenzauflösung, zeichnet sich allerdings durch noch geringeres Rauschen bei hohen Empfind-lichkeiten und extrem wenig Texturverlust aus. Die 24,5-Megapixel-Kamera Sony Alpha 900 spielt ihren Auflösungsvorteil bei niedrigen Empfindlichkeiten aus: 400 Linienpaare mehr als die Canon 5D Mark II und 800 mehr als die Nikon D700 sind ein sichtbares Plus. So ist sie für die Studiofotografie bei ISO 100 beispielsweise eine gute Wahl. Auch der ins Gehäuse eingebaute Bildstabilisator ist ein Argument, Allerdings lässt die Alpha 900 bei hohen Empfindlichkeiten nach, die Auflösung sinkt ab, und das Rauschen steigt stärker an als bei den Konkurrenten.

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