Universal-Gateway

Mit Qivicon und Co. das smarte Zuhause im Griff

Eine Zentrale, die das gesamte Zuhause steuert: Mit Qivicon will die Telekom das vernetzte Heim revolutionieren. Doch der Telekommunikationsriese ist nicht allein. Kleine Start-ups arbeiten ebenfalls an der Universal-App, die das gesamte Smart Home unter Kontrolle hat.

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© Qivicon

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Wer heute sein Zuhause vernetzt, entscheidet sich in aller Regel nur für ein System. Wer einen Fachmann beauftragt, erhält, wenn gewünscht, ein voll vernetztes Heim auf KNX-Basis von Herstellern wie Gira. Darüber kann er sein gesamtes Haus steuern: die Heizung regeln, die Wohnung überwachen oder Musik in jedem Raum genießen - und das alles über ein Bedien-Panel. Nachteile dieser Gesamtlösungen: Sie sind relativ teuer und die Installation lohnt sich nur beim Neubau oder bei der Gebäudesanierung.

Wer eine Mietwohnung besitzt, greift deshalb eher zu Nachrüstlösungen. Im Gegensatzzu den KNX-Lösungen kommunizieren diese Systeme per Funk miteinander.

Was passiert aber, wenn man beabsichtigt, Elemente von Hersteller A und Hersteller B zu kombinieren? Also etwa sein eQ-3 HomeMatic-Paket mit der smarten Lichtlösung Philips Hue zu vernetzen?

Eine Plattform für alle

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© Qivicon

Nichts, denn die Systeme verwenden unterschiedliche Funkstandards. Das will die Deutsche Telekom mit QIVICON ändern. Die Idee: QIVICON fungiert als Dolmetscher, damit Produkte, die verschiedene Sprachen - also Standards - verwenden, sich verständigen können.

Holger Knöpke, Leiter des Bereichs Connected Home bei der Deutschen Telekom, ist überzeugt: "Der Smart-Home-Markt kann nur abheben, wenn es eine gemeinsame Plattform gibt." Diese Plattform ist für ihn eine kleine weiße Box von der Größe eines Routers, mit der sich die einzelnen Komponenten eines Smart Home verbinden lassen. Die zentralen Gateways von eQ-3 HomeMatic und von Philips Hue aus unserem Beispiel wären damit nicht mehr nötig. Erste QIVICON-Produkte sollen in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Zur Bedienung dieser Produkte liefert QIVICON eine Basissteuerung, die sich über einen Web-Browser aufrufen lässt - lokal, aber auch von unterwegs. Dafür muss die QIVICON Home Base per LAN-Kabel mit einem Router verbunden sein. Für weitergehende Funktionen sind Apps von Partnern nötig. Denn QIVICON ist wie Android eine offene Plattform, für die jeder Software entwickeln kann.

eQ-3 könnte also eine eigene App für QIVICON programmieren, damit sich alle Funktionen des Systems nutzen lassen. Gleichzeitig könnte eQ-3 in seine App die komplette Steuerung von Philips Hue aufnehmen. Auch reine Software-Entwickler haben die Möglichkeit, kostenpflichtige Apps für Produkte anzubieten.

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Hier kann der Nutzer QIVICON-Apps aufrufen, neue installieren oder Geräte hinzufügen.

Partner sind gefragt

So schön diese Vorstellung auch aussehen mag, so ist es doch ein weiter Weg dorthin. Denn QIVICON steht und fällt mit den Partnern, die die Plattform unterstützen. Bislang wurden bereits 24 aus verschiedenen Bereichen bekanntgegeben: aus den Bereichen Beleuchtung, Gesundheit, Sicherheit, Haushaltsgeräte, Klima sowie Unterhaltungselektronik. Dazu zählen so namhafte Hersteller wie eQ-3, EnBW, Samsung oder Miele. Doch wie die Zusammenarbeit genau aussieht, ist in vielen Fällen nicht bekannt.

Das Solarunternehmen SOLON arbeitet beispielsweise an einer Lösung zur Steigerung des Eigenverbrauchs von Solarstrom, mit D-Link ist die Zusammenarbeit in Sachen Netzwerkkameras geplant und Miele will mit seiner nächsten Gerätegeneration QIVICON-kompatible Waschmaschinen auf den Markt bringen. Konkrete Ankündigen klingen anders.

Ohne Partner-Produkte lässt sich QIVICON aber schlecht vermarkten. Deshalb dürfte sich auch der Marktstart verzögert haben. Die erste Idee für QIVICON entstand schon Anfang 2011. Gezeigt wurde die Plattforum auch bereits auf der IFA im vergangenen Jahr.

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Konkreter ist die Zusammenarbeit mit eQ-3. In die QIVICON-Zentrale ist ein Funksender eingebaut, der den eQ-3 HomeMatic-Standard unterstützt. Die Entwicklung einer eigenen QIVICON-App ist jedoch nach eQ-3-Vorstand Bernd Grohmann nicht geplant. Das überlasse man lieber anderen Software-Programmierern.

Weitere Funkstandards sollen sich später in der Zentrale nachrüsten lassen. Dafür besitzt die Home Base USB-Schnittstellen, an die sich Funksender in Form von Sticks andocken lassen. Kompatible Produkte sollen zum Marktstart auch über QIVICON vertrieben werden. Der Preis für ein Starter-Paket mit der Zentrale und verschiedenen Komponenten soll laut Holger Knöpke zwischen 600 und 1.000 Euro liegen.

Wie QIVICON funktioniert, konnten wir bereits bei der Deutschen Telekom vor Ort in Darmstadt erleben. Holger Knöpke zeigte, wie einfach sich Komponenten verschiedenerHersteller einbuchen und über den Web-Browser oder physische Schalter steuern lassen. Doch die wahren Vorteile von QIVICON werden sich erst zeigen, wenn die vorgestellten Partner konkrete Anwendungen zeigen und QIVICON mehr Funkstandards unterstützt.

Was wir in Darmstadt erleben durften - das Ein- und Ausschalten von Licht und einem Radio über Kipp-Schalter oder eine App -, ermöglichen heute bereits Starter-Kits wie RWE SmartHome - wenn auch nicht über Komponenten verschiedener Hersteller hinweg.

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Während QIVICON Partnerschaften festzurrt, arbeiten kleine Start-ups ebenfalls daran, das Smart Home zu revolutionieren. Mit einem ähnlichen Ansatz.

Wie etwa Flatout Technologies aus Wien. Die Firma will Ende dieses Jahres ein Universal-Gateway wie QIVICON auf den Markt bringen mit folgendem Unterschied: Die Apps für Web-Browser, Smartphone und Tablets, die alles steuern, programmiert sie selbst und verlässt sich nicht auf Partner. Zum Marktstart Ende dieses Jahres soll das Gateway mit Komponenten auf Z-Wave- und KNX-Basis kommunizieren können.

Homee aus Stuttgart setzt dagegen auf einen USB-Stick, der den DSL-Router zum universellen Smart-Home-Gateway macht. Den Stick verkauft homee bereits auf seiner Website www.homee.de.

Diese beiden Start-ups sind aber bei Weitem nicht die einzigen, die eine Universallösung fürs Smart Home schaffen wollen. Viele nutzen dabei den für diesen Zweck optimal geeigneten Minirechner Raspberry Pi. Auch Hobby-Bastler verwenden ihn, um ihre eigene Smart-Home-Zentrale zu bauen.

Wie das funktioniert, beschreibt das Buch Hausautomation mit Raspberry Pi von E. F. Engelhardt (erschienen im FRANZIS-Verlag). Es erklärt, wie sich die Heizung oder das Garagentor zur Steuerung per Smartphone programmieren lässt. Die Smart-Home-Revolution scheint also unmittelbar bevorzustehen, nur die Initialzündung fehlt noch.

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