Vollformatkameras bis 3.000 Euro

Canon EOS 5D Mark III, Nikon D800 und Sony SLT-A99: Vollformat-Trio im Vergleich

Die Platzhirsche im Revier semiprofessioneller Vollformat-SLRs, Canon EOS 5D Mark III und Nikon D800, haben mit der Sony SLT-A99 starke Konkurrenz bekommen. ColorFoto vergleicht die Vollformatkameras im Test.

Canon EOS 5D Mark III, Nikon D800 und Sony SLT-A99 Vollformat Test

© Nikon/Sony/Canon

Canon EOS 5D Mark III, Nikon D800 und Sony SLT-A99 Vollformat Test

Erfreulich für den Käufer: Alle drei Vollformatkameras sind inzwischen für weniger als 3.000 Euro zu haben. Mit etwa 2.900 Euro bildet die Canon 5D Mark III derzeit die Preisspitze, gefolgt von der Sony SLT-A99 mit 2.800 Euro und der Nikon D800. Die Nikon sichteten wir zuletzt für 2300 bis 2500 Euro. Normaler Preisverfall? Wohl kaum, schon eher eine Preis offensive mit dem Ziel erhöhter Marktanteile. Ganz vorne ist die D800 auf jeden Fall im Megapixel-Rennen: Mit 36 Megapixeln übertrifft sie ihre Konkurrentinnen von Canon (22 MP) und Sony (24 MP) deutlich, was aber noch wenig über die Bildqualität als Ganze aussagt.

Gehäuse & Ausstattung

Wie in dieser Klasse üblich, bestehen die Gehäuse der drei Kameras aus einer Magnesiumlegierung und sind gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Die Canon- und Nikon-Modelle wiegen um 1.000 g, die Sony ist mit 850 g die leichteste, ohne deshalb weniger Wertigkeit zu vermitteln. Ein Ausklappblitzgerät (LZ 11), auch als Master zum drahtlosen Auslösen externer Systemblitzgeräte, hat nur die D800 an Bord, einen integrierten Bildstabilisator in Sensor-Shift-Ausführung nur die Sony.

D800

© Nikon

Das Gehäuse der Nikon D800 besteht großenteils aus Magnesium.

Automatische Sensorreinigung bieten alle drei. Zur Bildspeicherung stellen Canon und Nikon einen CF-Karten-Slot, ergänzt durch einen Steckplatz für SDHC/SDXC-Karten, bereit. Bei der Sony SLT-A99 findet man zwei Slots für SDHC/SDXC-Karten; einer davon nimmt auch Memory-Sticks vom Typ Pro Duo auf. Eine Besonderheit ist die USB-3.0-Schnittstelle der Nikon D800.

Sony A99

© Sony

Auf ein eingebautes Blitzgerät muss man bei der Sony A99 verzichten.

Als einzige des Testtrios ist die Sony SLT-A99 mit einem verstellbaren TFT-Monitor ausgestattet; dieser lässt sich aus dem Gehäuse klappen und um seine Achse schwenken. Die Auflösung beträgt 307.200 RGB-Bildpunkte; dank RBGW-Technologie mit zusätzlichen Weißpixeln ist das Bild besonders kontrastreich. Die bei Canon und Nikon verbauten Monitore lösen 346.667 (5D Mark III) bzw. 307.000 (D800) RGB-Bildpunkte auf und sind mit 3,2 Zoll Diagonale etwas größer als der Bildschirm der Sony (3 Zoll).

Zur Motivsuche stehen bei Canon und Nikon Pentaprismensucher bereit, mit 100 Prozent Bildfeldabdeckung und einer effektiven Vergrößerung um 0,7x. Bei beiden gibt es zudem die Möglichkeit, Gitterlinien in den Sucher einzublenden; einen eingebauten Okularverschluss hat nur die D800 (Canon legt eine Gummi-Aufsteckkappe bei).

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Elementar sind die Unterschiede im Vergleich zur Sony SLT-A99. Bei dieser ist der Spiegel im Gehäuse starr eingebaut und teiltransparent. Er lässt permanent Licht in Richtung Bildsensor passieren und lenkt nur etwa ein Drittel davon auf die Phasen-AF-Module um. So kann der Sensor ständig ein Signal für das Live-View erzeugen, während zugleich der schnelle Phasen-AF aktiv bleibt. Live-View ist bei den SLT-Modellen wahlweise am Monitor oder im elektronischen Sucher (EVF) möglich.

EOS 5D Mark III

© Canon

Der Design-Klassiker Canon EOS 5D Mark III wirkt wohlproportioniert.

Der EVF der Sony SLT-A99 löst 786.432 RGB-Pixel auf, bietet 100 Prozent Bildfeldabdeckung und eine effektive Vergrößerung von 0,71x. Damit kommt er der Darstellungsqualität guter SLR-Sucher sehr nahe; Rauschen und Ruckeln bei wenig Licht bleiben moderat. Bei sehr hellem Umgebungslicht nimmt man das Sucherbild jedoch dunkler war, als man es vom SLR-Sucher kennt. Zudem ist der Stromverbrauch höher als bei einer SLR. Die wohl innovativste Technik bietet in Summe Sony; ein eindeutiger Sieger lässt sich bei Gehäuse und Ausstattung aber nicht ermitteln.

Belichtung & Autofokus

Zur Belichtungsmessung mobilisiert Nikon die bekannte 3D-Color-Matrixmessung auf Basis eines RGB-Sensors mit 91 000 Pixeln, Sony spricht von einer 1200-Zonen-Bewertungsmessung, während sich Canon auf einen Dual-Layer-Sensor mit 63 Feldern beruft. Canon unterscheidet außerdem zwischen Selektivmessung (ca. 6,2 Prozent des Sucherfelds) und Spotmessung (ca. 1,5 Prozent, entspricht auch der Nikon-Angabe). Eine Besonderheit bei Nikon ist wiederum, dass die mittenbetonte Messung exakt definiert ist - 75 Prozent Gewichtung auf das kreisförmige Segment in der Bildmitte - und man den Messkreisdurchmesser zwischen 8, 12, 15 und 20 mm variieren kann.

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Canon EOS 5D Mark III

© Canon

Das Quick-Info-Menü ist bei der EOS übersichtlich. Die meisten Parameter lassen sich direkt mittels Einstellrad verändern.

Canon und Nikon begnügen sich mit Programm-, Blenden- und Zeitautomatik (auch Auto+ bei 5D Mark III), ergänzt durch manuelle Belichtungssteuerung, während die A99 auch Motivprogramme (Scenes) bereithält. HDR-Modus und zuschaltbare Dynamik-Expansion bieten alle drei. Für Individualkonfigurationen stehen bei Canon und Sony drei Speicherplätze bereit, bei Nikon sogar vier.

Zur Fokussierung verwendet die Canon EOS 5D Mark III das gleiche AF-Modul wie das Profimodell Canon EOS 1Dx: Von den 61 Messpunkten sind 41 als Kreuzsensoren und davon fünf als (Stern-)Doppelkreuzsensoren ausgelegt. Letz teres hält man bei Nikon für verzichtbar, was im Praxistest ohne spürbare Nachteile blieb. Die NIkon D800 bedient sich des AF-Moduls Multi-CAM3500FX der Profischwester D4 mit 51 AF-Sensoren (15 Kreuzsensoren).

Ein Novum stellt bei Sony das duale AF-System dar: Zum Phasendetektionsmodul mit 19 AF-Punkten (11 Kreuzsensoren) im Kameragehäuse gesellt sich ein weiteres Phasen-AF-System mit 102 Messpunkten direkt auf dem Bildsensor; so ergibt sich eine Messmatrix von 121 Feldern. Speziell auf das duale AF-System zugeschnitten ist der Fokussierungsmodus AF-D für sich schnell bewegende Objekte, was jedoch nicht von allen Sony-Objektiven unterstützt wird.

Bei der Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit steht die Nikon D800 mit 0,19/0,29 s bei 1.000/30 Lux an der Spitze; die 5D Mark III schafft 0,3/0,46 s. Im Live-View-Modus, mit Kontrastmessung auf dem Sensor, lässt sich die D800 allerdings 0,92 s Zeit, die 5D Mark III sogar 1,77 s (alternativ ist bei der 5D Mark III im Live-View auch Phasen-AF mit Dunkelpause möglich).

Die A99, als SLT-Modell permanent im Live-View-Modus, schafft das Fokussieren mit 0,40/0,42 s. Zudem kann der AF-Bereich eingegrenzt werden, um das automatische Scharfstellen zu beschleunigen. Bei Serienbildern haben Sony SLT-A99 und Canon EOS 5D Mark III mit 5,8 bzw. 5,7 B/s im Vergleich zur Nikon D800 (4 B/s) die Nase vorn, wenngleich das Serientempo der Nikon angesichts der hohen Datenmengen beachtlich ist. Pro JPEG variierte die Dateigröße im Test zwischen 9 und knapp 24 MB; RAWs brachten es im Schnitt auf 45 MB.

Nikon D800

© Nikon

Zum Erscheinungsbild der Nikon D800 gehört der Multifunktionswähler links oben.

Videos zeichnen alle drei Vollformat-Modelle in Full-HD (1920 x 1080 Pixel) auf. Der Ton lässt sich dank Kopfhöreranschluss (Miniklinke) abhören und bei Bedarf auch manuell aussteuern. Nennenswerte Unterschiede gibt es bei der AF-Funktion: Die 5D Mark III fokussiert beim Filmen immer nur auf Tastendruck, die D800 zieht die Schärfe wenig zuverlässig nach. Am besten schlägt sich die A99 beim Filmen; der kontinuierliche Autofokus arbeitet mit einer in drei Stufen schaltbaren Objektverfolgung. Unterm Strich sammelt die Sony damit beim Autofokus die meisten Punkte.

Menüs & Bedienung

Alle drei Vollformat-Modelle bieten ein monochromes LC-Display an der Oberseite für aufnahmerelevante Einstellungen. Ansonsten setzen die Hersteller beim Bedienkonzept unterschiedliche Akzente. Zu den Nikon-Spezialitäten gehören etwa die Mode-Taste zum Wählen der Belichtungsprogramme in Verbindung mit einem Einstellrad und der Multifunktionswähler oben links. Dort stehen vier Tasten für Bildqualität, Weißabgleich, Reihenbelichtungen und ISO bereit; durch Drücken einer Taste und gleichzeitiges Drehen am hinteren Rad werden Einstellungen verändert. Am Multifunktionswähler selbst befindet sich ebenfalls ein Einstellrad, mit dem man zwischen Einzel-/Serienbild, Selbst auslöser, Spiegelvorauslösung und Quiet-Modus (reduzierter Spiegelschlag) wählen kann.

Nikon D800

© Nikon

Die Menülisten sind lang bei der D800 - hier ein Teil des Aufnahmemenüs. Folglich ist der Weg zum gewünschten Eintrag häufig mit viel Scrollen verbunden.

Wie üblich bei Nikon verbergen sich in den Tiefen der Menüs eine Menge Möglichkeiten, die Kamera zu konfigurieren. Der Info-Monitor erlaubt Einstellungen nur über den Umweg von Untermenüs. Die EOS 5D Mark III bietet neben Bedientasten, Drehrädern und Joystick einen besonders ansprechend gestalteten Quick-Info-Monitor, über dessen Funktionsfelder man Einstellungen direkt mittels Drehrad verändern oder das betreffende Untermenü aufrufen kann. Um das Funktionsfeld zu wechseln, verwendet man den Joystick oberhalb des Daumenrads an der Rückseite. Die Menüstruktur ist Canon-typisch: klar und übersichtlich.

Sony A99

© Sony

Der 3-Zoll-Monitor lässt sich aus dem Gehäuse klappen und anschließend drehen, so dass er in praktisch jeder sinnvollen Position verwendet werden kann.

Viel Augenmerk haben die Sony-Konstrukteure auf die Ergonomie gelegt: Position und Formgebung der Bedienelemente erleichtern die "blinde" Bedienung. Zwei Einstellräder und ein Joystick ermöglichen schnelle Einstellungen und das Navigieren in den Menüs. Zudem findet sich vorne unterhalb der Bajonett-Entriegelungstaste ein weiteres Einstellrad. Dieser sogenannte Multi-Controller arbeitet nicht rastend und somit fast geräuschlos, praktisch vor allem beim Filmen. Außerdem schafft der Multi-Controller dank integrierter Bestätigungstaste eine weitere Einstellebene neben dem Quick-Menü. Dort navigiert man mittels Joystick auf den gewünschten Menüpunkt, um dann mit dem hinteren Einstellrad tätig zu werden.

Canon EOS 5D Mark III

© Canon

DEM LCD-Display der Canon EOS 5D Mark III sind verschiedene Funktionstasten für Direktzugriffe zugeordnet.

Unterm Strich kann man Canon die einfachste Bedienung bescheinigen; vor allem das "Daumenrad" ist einfach klasse. Besonders viele Direktzugriffe auf Funktionen und eine sehr hohe Informationsdichte am Monitor bietet die Sony, deren Möglichkeiten aber auch etwas mehr Einübung erfordern. Die Nikon zeigt sich etwas spröder bei der Bedienung als die Konkurrenz, vor allem wegen der recht langen Menülisten, die den Überblick erschweren.

Sensor & Bildqualität

Alle drei Modelle bieten eine bemerkenswerte Bildqualität; der Vorsprung zu früheren Vollformatkameras wurde weiter ausgebaut. Spitze ist die Nikon D800 bei ISO 100: Bei einer Grenzauflösung von 2150 LP/BH gelingt auch die Dead-Leaves-Darstellung mit 1.755 LP/BH überdurchschnittlich gut; das Rauschen ist gering (VN 0,4), die Dynamik mit 10 Blenden hoch und die Kurtosis akzeptabel (0,9).

Ab ISO 400 schließen die Konkurrentinnen auf und liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennnen zu dritt, weil der Auflösungsvorsprung der D800 mit einer höheren Kurtosis erkauft wird - vor allem im Vergleich zur A99, die dafür ab ISO 1.600 etwas mehr rauscht. Die Canon 5D Mark III ähnelt der D800 im Kurtosisverhalten, hat dafür aber ab ISO 800 mehr Dynamik zu bieten. In extrem hohe Empfindlichkeitsbereiche (ISO 102.400) wagt sich nur Canon vor, die beiden anderen begnügen sich mit maximal ISO 25.600.

Sony A99

© Sony

Für Sucher und Monitor kann man separat einstellen, was neben dem Motiv an Informationen angezeigt werden soll - hier das Live-Histogramm.

Die Unterschiede bei den Punkten sind letztendlich gering. Als einzige Ausnahme fällt die Nikon D800 bei ISO 100 auf, da sie mit ihrer höheren Auflösung bei den niedrigen Empfindlichkeiten tatsächlich davonzieht, anschließend aber in den Bereich der beiden Konkurrenten zurückfällt. Umgekehrt bedeutet dies jedoch auch, dass nur Canon und Sony eine fast konstante Bildqualität bis ISO 800 bieten - wobei die Homogenität der Darstellung über die einzelnen ISO-Stufen bei der Sony noch größer ist. Eine weitere kleine Steigerung emöglicht die Nikon D800E bei niedrigen Empfindlichkeiten, da sie keinen Tiefpassfilter vor dem Sensor hat, ansonsten aber identisch mit der D800 ist. Das Ergebnis sind beste Auflösungs- und Dead-Leaves-Werte bei ISO 100: 2313/2061 LP/BH.

Testfazit

In der semiprofessionellen Vollformat-Klasse bis 3.000 Euro treten mit der Canon EOS 5D Mark III und der Nikon D800 zwei klassische SLR-Kameras gegen die Sony SLT-A99 mit elektronischem Sucher an. Die Sony überzeugt durch ihr konsequentes technisches Konzept (Kauftipp) mit feststehendem Spiegel, hochauflösendem EVF und schnellem Phasen-AF beim Live-View - was sich auch beim Filmen positiv auswirkt.

Die Vollformat-SLR-Modelle von Canon und Nikon haben aber deshalb noch lange nicht ausgedient, weil sie ebenfalls Vorteile bieten, darunter den geringeren Stromverbrauch, wenn nicht im Live-View fotografiert wird. Bei der übrigen Ausstattung halten sich die Unterschiede in Grenzen, wenn man vom verstellbaren Monitor der Sony SLT-A99 absieht (den manche bei einem semiprofessionellen Modell wiederum als mechanische Schwachstelle bewerten könnten).

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Einen leichten Vorsprung bei der Bildqualität erspielt sich die Nikon D800 aufgrund ihrer hohen Auflösung. Die größten Fortschritte hat man bei Sony gemacht, wenn es um die Bildqualität geht. Vor allem die Homogenität der Darstellung zwischen ISO 100 und 800 ist ausgezeichnet, Canon hat in dieser Hinsicht das Nachsehen.

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