Systemkamera-Test 2016

Sony Alpha 6300

Sony Alpha 6300

© Sony

Kompakt und abgedichtet: Sonys neues Top-Modell der APS-C-Klasse Alpha 6300 präsentiert sich in einem robusten, wettergeschützten, 404 g leichten Magnesiumgehäuse.

Pro

  • Wettergeschütztes Gehäuse
  • Kompakt
  • 4K-Videofunktion
  • Schneller Serienmodus

Contra

  • Langsamer Autofokus im Einzel-AF

Fazit

ColorFoto Testurteil: 57 Punkte; Kauftipp "Video"

Sony findet für die Ankündigung seiner neuen APS-C-Systemkamera jede Menge Superlative: der "schnellste" Autofokus, die "meisten" AF-Punkte, "Spitzenwerte auf dem Kameramarkt". Hält diese Kamera alles, was Sony da verspricht?

Als wir die Alpha 6300 dann endlich in Natura vor uns haben, gefällt uns an ihr zunächst einmal eine andere, von Sony nur am Rande erwähnte Neuerung: Ihr Magnesiumgehäuse hat eine Vielzahl von Dichtungen, damit Staub und Feuchtigkeit nicht mehr so leicht ins Kamerainnere gelangen und sich dort auf dem Sensor absetzen können. Diesen Schutz hat die Sony Alpha 6000 nicht, das mittlerweile zwei Jahre alte Vorbild für 650 Euro, das die fast doppelt so teure A6300 verstärken soll - ein ungleiches Team.

Dafür bietet die A6300 neben dem robusteren Mantel auch einen überarbeiteten APS-C-Sensor. Zwar bleibt die Nennauflösung mit 24 Megapixeln unverändert, doch sollen Kupfer- statt Aluminium-Leitungen die Auslesegeschwindigkeit und die Lichtaufnahme verbessern, was Sony unter anderem für einen auf bis zu ISO 51 200 ausgedehnten Empfindlichkeitsbereich nutzt. Dazu kommen weiterentwickelte Algorithmen des Prozessors, der bereits erwähnte neue Hybridautofokus, eine 4K-Videofunktion und Extras, mit denen sich die A6300 auch Profifotografen und Filmern als kompakte Zweitkamera andienen will.

Handliches Magnesiumgehäuse

Obwohl die A6300 zu den kompaktesten und mit 404 g zu den leichtesten Kandidatinnen dieses Tests gehört, gönnt sie dem Fotografen einen angenehm großen, für unsere Hände perfekt geformten Griff. Seine Anti-Rutsch-Beschichtung erstreckt sich über die Gehäuseseite bis zur rückseitigen Daumenauflage.

Der große OLED-Sucher löst mit 786 432 statt 480 000 RGB-Pixeln (A6000) auf und zeigt ein helles, klares Bild. Außerdem kann er im direkten Vergleich die Schärfe und die Darstellungsqualität bei Kameraschwenks oder schnell bewegten Motiven sichtlich besser halten als die elektronischen Sucher von Fujifilm X-E2S, X-Pro2 sowie Olympus Pen-F.

Sony Alpha 6300 von der Seite

© Sony

Bequem: Dank des ausladenden Griffs liegt die Alpha 6300 besonders angenehm und stabil in der Hand.

Der 3-Zoll-Monitor schien im Test weniger gut entspiegelt zu sein als bei der Konkurrenz, lässt sich aber für bodennahe oder Über-Kopf-Aufnahmen aus dem Gehäuse ziehen und um 90 Grad nach oben oder um rund 45 Grad nach unten klappen. Ein Ladegerät für den mäßig ausdauernden Lithium-Ionen-Akku fehlt, stattdessen liegt ein Netzteil bei.

Mit aktivierter Option "Geräuschlose Aufnahme" wechselt die A6300 zwar zum elektronischen Verschluss, sodass das Geräusch des mechanischen Verschlusses verschwindet; zum komplett lautlosen Betrieb müssen allerdings zusätzlich die Signaltöne deaktiviert werden. Der kabellose Datentransfer klappt via WLAN-Modul, die direkte Verbindung etwa mit dem Smartphone via NFC oder QR-Code.

Mehr AF-Felder, überarbeitete AF-Verfolgung

Sony stattet den Hybridautofokus im Vergleich zu dem der A6000 deutlich großzügiger aus. Die Anzahl der für die Kontrastmessung verfügbaren Felder steigt von 25 (A6000) auf 169, die der Felder für die Phasenerkennung von 179 auf 425. Laut Hersteller decken sie die gesamte Bildfläche ab. Im Einzel-Autofokus-Modus bringen die Neuerungen der A6300 ausschließlich bei schwachem Licht und auch dann nur einen geringfügigen Temposchub.

Die angekündigten Spitzenwerte können wir jedenfalls nicht bestätigen: Die gemessene durchschnittliche Auslöseverzögerung mit zugeschaltetem Single-AF beträgt 0,49/0,5 s (300/30 Lux) - das ist Platz drei hinter Pen-F und X-Pro 2. Die überarbeitete Schärfenachführung machte im Praxistest einen ordentlichen Eindruck. Die Phasenerkennung am Sensor soll übrigens auch mit einem über LA-EA3-Adapter angeschlossenen SAM- oder SSM-A-Objektiv funktionieren.

Bei der Seriengeschwindigkeit hält die A6300, was sie verspricht: Mit den im Labor erreichten 11 B/s und 47 (JPEG) beziehungsweise 22 B/Serie (RAW) führt sie dieses Testfeld als Siegerin an.

4K-Videofunktion mit Extras

Auch für Filmer ist die A6300 in diesem Testfeld die erste Wahl. Nicht nur, weil sie mit ihren 4096 x 2160 Pixeln die vierfache Full-HD-Auflösung beherrscht, und das bei 30 B/s und bis zu 20 Minuten pro Clip.

Sony Alpha 6300 Monitor

© Sony

Schwenkbarer Monitor: Für Aufnahmen aus einer Perspektive, bei der man die Kamera hochhalten muss, lässt sich der rückseitige Monitor der Alpha 6300 aus dem Body ziehen und um rund 45° nach unten kippen.

Sondern auch, weil sie für die Videoaufnahme die Sensorpixel vollständig ausliest, von 20 auf 8 Megapixel herunterrechnet und mit bis zu 100 Mbit/s Bitrate speichert - sofern man eine schnelle SD-Karte der UHS Class 3 verwendet. Davon profitieren vor allem Detailwiedergabe und Schärfe. Für einen größeren Dynamikumfang kann die A6300 im S-Log Gamma Profil aufzeichnen, mit S-Gamut den Farbraum erweitern.

Bedienung

Neben dem Modusrad befindet sich ein gut erreichbar positioniertes Multifunktionsrad, das unter anderem zum Programmshift oder zum Blättern im Hauptmenü dient. Wenn man mit dem mit insgesamt 12 Aufnahmeparametern bestückten Schnellmenü (Fn-Taste) arbeitet, bleibt das Rad dagegen ohne Funktion. Einige Einstelloptionen sind ein wenig schwer zu finden, dazu gehört zum Beispiel die ISO-Reihenautomatik (Belichtungsreihe + ISOAuto); und die Menü-Struktur wollte uns ebenfalls nicht in allen Einzelheiten einleuchten. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase gehen die wichtigen Arbeitsschritte aber schnell von der Hand.

Sony Alpha 6300 von oben

© Sony

Klassisch: Neben Zubehörschuh und Ausklappblitz (LZ 4) hat die Alpha 6300 ein Modus- und ein multifunktionales Wahlrad.

Fazit

Die Sony A6300 ist abgedichtet, klein und liegt besonders bequem in der Hand. Zudem hat sie eine (4K-)Videofunktion zu bieten, von der andere nur träumen können, einen elektronischen Sucher, der seine Stärken vor allem bei Schwenks und schnell bewegten Motiven ausspielt, und den schnellsten Serienmodus im Test.

Lesetipp: Sony Alpha und NEX: Alle Systemkameras im Test

All das macht die Alpha 6300 zum Volltreffer, selbst wenn der Autofokus zumindest im Einzel- AF-Betrieb nicht so schnell funktioniert, wie wir uns das gedacht hätten. Kauftipp Video!

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