Vergleichstest

Preiswerte Netzteile im Vergleich

Nachdem wir zuletzt teure 80-Plus-Gold-Netzteile getestet hatten, wollten wir diesmal wissen, wie sich Stromspender auf dem anderen Ende der Preisskala schlagen. Das Ergebnis war mehr als nur ernüchternd.

  1. Preiswerte Netzteile im Vergleich
  2. Billigangebote
  3. Fazit
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© PC Magazin

Während effiziente und leistungsfähige Netzteile für echte PC-Freaks ein unverzichtbares Statussymbol darstellen (siehe auch Vergleichstest von 80-Plus-Gold-Netzteilen hier bei magnus.de), können all jene, die einen möglichst billigen Rechnern aufbauen wollen, den sündhaft teuren Stromspendern nichts abgewinnen. Statt dessen ist preiswerte Ware gefragt. Und die gibt es zu Hauf - vor allem im beliebten Schnäppchen-Jagdrevier namens ebay.

Wir haben uns eine Reihe besonders billiger Netzteile besorgt und im Testlabor des PC Magazins auf Herz und Nieren geprüft. Ergänzend besorgten wir uns zudem zwei besonders günstige Markengeräte.

Denn schließlich wollten wir wissen, ob man als Kunde bei bekannten Brands besser bedient wird oder aber einfach nur mehr Geld für die gleiche Leistung bezahlt. So kamen insgesamt neun Netzteile mit Nennleistungen zwischen 350 und 750 Watt zu Preisen zwischen 7,99 und 49,90 Euro in die Redaktion.

Bildergalerie

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Galerie

Testurteil:Sharkoon SH-55049,90 Euro; www.sharkoon.com Gesamtwertung: befriedigend 56 %Preis/Leistung: befriedigend

Dubiose Daten

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Das echte CE-Zeichen folgt exakten geometrischen Vorgaben. Für Netzteile ist diese Kennzeichnung pflicht.

Schon beim ersten Augenschein zeigten die meisten eBay-Kandidaten Auffälligkeiten, die auch ohne aufwändige Marter im PC-Magazin- Testlabor stutzig machen. Dafür genügt mitunter schon ein Blick auf die aufgedruckten, technischen Daten. Der zeigt, dass die teilweise beachtliche Leistung der Billigheimer in der Praxis kaum auf die Straße zu bringen ist.

Denn dann müssten die versprochenen Watt hauptsächlich auf den 12-Volt-Leitungen bereitstehen. Denn just nach 12 Volt verlangt es den Hauptverbrauchern Chipsatz, Prozessor und Grafikkarte. Statt dessen aber versprechend die Typenschilder der eBay-Schnäpchen geradezu unglaubliche Leistungen auf den 3,3-und 5-Volt-Leitungen. Diese Spannungen werden aber von halbwegs modernen Rechnern nur mehr in überschaubarer Menge verlangt.

Dass dem so ist, dürfte auch den Herstellern bzw. Vertreibern solcher Netzteile bekannt sein. Entsprechend drängt sich der Verdacht auf, dass eine unrealistisch hohe Nennleistung mit hohen Stömen auf Versorgungsspannungen erschwindelt wird, die in der Praxis kein Mensch abrufen wird.

Auf diese Weise wird dann ein 300-Watt-Netzteil per neuem Aufkleber zu einem deutlich teureren 500-Watt Netzteil - eine Herangehensweise, die in Insiderkreisen als "umlablen" bezeichnet wird. So liefert ein Netzteil, das vom Händler mit "460 W" beziffert wird, gerade mal schlappe 15 Ampere - also 180 Watt - auf der 12-Volt-Versorgung, während für 3,3 Volt üppige 28 Ampere und für 5 Volt sogar 33 Ampere versprochen werden.

Risikoabschätzung

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Dieses CE-Zeichen entspricht nicht den EU-Vorgaben. Möglicherweise handelt es sich um das gefürchtete "China Export-"Logo.

Das Risiko, mit dieser Taktik auf die Nase zu fallen, bleibt für den Anbieter überschaubar. Kaum jemand wird 15 2,5-Zoll-Festplatten in seinem Rechner betreiben, die dann möglicherweise das vorgebliche 5-Volt-Limit von 33 Ampere auf die Probe stellen könnten. Doch was passiert, wenn man das trotzdem tut?

Zum Glück zählt eine Strombegrenzung zur Standardausstattung jedes Netzteils. Zumindest das über eBay erstandende Netzteil von MS-Tech, dessen versprochene 750 Watt allenfalls den Wunschträumen des Händlers oder Herstellers entspringt, schaltete zuverlässig ab - wenn auch bereits beim Überschreiten von 500 Watt.

Das ist einerseits natürlich ärgerlich, schließlich hat man ein um ein Drittel stärkeres Netzteil bestellt und bezahlt. Auf der anderen Seite ist es aber beruhigend, dass die eingebauten Sicherheitsmaßnahmen Schlimmeres verhindern. Gleiches gilt für das eBay-Schnäppchen, das auf den flotten Namen "Z-Power" hört.

Es erreicht zwar mit Müh und Not gerade mal 400 der versprochenen 550 Watt, schaltet aber immerhin ab, sobald mehr als 14,5 Ampere der angekündigten 32 Ampere aus der 12-Volt-Schiene abgerufen werden.

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