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Smart TV: Mit diesen Fernsehern geht es direkt ins Netz

Alle Top-Marken erweitern den Horizont ihrer TV-Geräte durch intelligente Mehrwertdienste, die im Internet geladen werden. Was können die Portale, wo liegen die Unterschiede und wie profitiert man von der neuen TV-Welt?

Smart TV: Mit diesen Fernsehern geht es direkt ins Netz

© Josef Bleier, Stefan Rudnick, Roland Seibt

Smart TV: Mit diesen Fernsehern geht es direkt ins Netz

Fernsehen und Internet wachsen zusammen. Diese Aussage hört man seit Jahren, doch so richtig will die Konvergenz der Medien nicht in unsere Köpfe. Fernsehen verbinden wir eher mit Entspannen am Abend, mit sich berieseln lassen von möglichst hochwertiger Unterhaltung. Das Internet hingegen kommt aus der Arbeitswelt und ist ein sehr aktiver Zeitvertreib, denn die Zahl der Angebote, aus denen man seine Informationen auswählen muss, ist hoch. Es ist unvorstellbar, dass man eine Website aufruft und sich diese dann eine Stunde lang ohne Interaktion anschaut - so wie man das vom klassischen Fernsehen gewohnt ist. Das Surfen ist dazu noch eine eher persönliche Angelegenheit. Mit dem Partner oder mit der Familie schaut man sich gerne einen Film an, gemeinsam twittern oder News-Netze durchsurfen geht aber genauso wenig wie gemeinsam eine Zeitung lesen.

Beim Zusammenwachsen der alten und neuen Medien muss der Nutzer also umdenken und von den Urformen nur das jeweils Beste übernehmen. Smart TV soll für jedermann interessantere Inhalte bieten als die klassische Flimmerkiste. Dabei soll es unterhaltsamer und entspannter funktionieren als das Internet. Die leichte Auswahl der gewünschten Inhalte und deren stressfreie Darstellung für den größeren Sehabstand sind dabei von entscheidender Bedeutung. Außerdem sollte das Handling intuitiv und schnell mit der Fernbedienung funktionieren.

Offensichtlich sind unveränderte Websites auf dem Fernseher nicht sinnvoll, einige speziell aufbereitete Inhalte bringen jedoch deutlich mehr Spaß als am Computerbildschirm. Wir wollen hier zeigen, welche Inhalte aktuell auf vier ausgesuchten Portalen verfügbar sind.

Jedes Portal ist anders

Die wichtige Frage, welche Inhalte in welcher Form auf den TV-Schirm gebracht werden, hat jeder Gerätehersteller für sich selbst beantwortet. Beim Run auf die smarten Inhalte wollte sich keine Firma in die Karten schauen lassen und lieber die Konkurrenz vor vollendete Tatsachen stellen. Ein gut aufbereitetes Portal und die Kooperation mit den richtigen Inhalteanbietern ist entscheidend für die Akzeptanz des Web-TV-Portals. Die Qualität der angebotenen Dienste ist dabei genauso wichtig wie deren Quantität, um jedem Kunden das Angebot seiner Wahl zur Verfügung zu stellen.

Mit diesen neuen Features verspricht man sich bessere Verkäufe der Top-Fernseher und vielleicht sogar etwas Geld von den Inhalteanbietern. Es geht also letztendlich ums Geld, und dabei verstehen die Konzerne keinen Spaß.

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Panasonic Viera Connect
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Daher hat kein Hersteller der ersten Stunde die Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Standard für Smart TV erwogen. Genau das Gegenteil ist die Praxis: Um seine Fernsehgeräte als interaktiv beste verkaufen zu können, ist jeder TV-Hersteller möglichst exklusive Kooperationen mit Inhalteanbietern eingegangen und hat zur Not auch die Hardware an deren Anforderungen angepasst.

Herausgekommen ist in den ersten Generationen der Worst Case für den Konsumenten. Die ARD- und ZDF-Mediatheken waren recht offen für eine schnelle Umsetzung. Hier engagierte sich vor allem Philips. Wer die vielen HD-Filme von Maxdome leihen wollte, durfte das aber nur mit einem LG-Fernseher, weil dort die passende Rechteverwaltung integriert wurde. Fußball- Fans schauten sich tolle Filminhalte vom DFB und von der Weltmeisterschaft an - jedoch nur auf einem Sony-TV. Und Skype-Freunde konnten nur über Panasonic- oder Samsung-Geräte miteinander reden.

Während die meisten Hersteller ihr Web-Portal wie einen zusätzlichen Video-Eingang, also alternativ zum Fernsehen, handhabten, spezialisierte sich Samsung auf Yahoo!-Widgets: kleine Applikationen, die als Infos neben dem TV-Bild eingeblendet werden konnten. Loewe konzentrierte sich als Multimedia-Veteran auf Internet-Radio und Webcasts, ließ aber knallbunte Portale erst einmal außen vor.

Geordnetes Chaos

Das Internet ist Chaos und Anarchie. Diese Weisheit aus den frühen Tagen der Netzwelt gilt insbesondere für die Web-Integration in TV-Geräte: Hier sollte die Medienwelt eigentlich noch in Ordnung, klar überschaubar und gut sortiert sein, und hier darf es keine Hardware-Updates geben.

Hier schreitet die Modell-Evolution jedoch auch besonders schnell voran, denn in jeder Gerätegeneration will ein Hersteller mehr und bessere Features anbieten als die Konkurrenz. Technisch schaut man sich an, was bei den Mitbewerbern besonders gut ist, und übernimmt Ideen, während eine andere Abteilung möglichst viele neue Inhalteanbieter ins Boot holt.

USB-Tastatur

© Josef Bleier, Stefan Rudnick, Roland Seibt

USB-Tastatur: Einige TVs unterstützen Texteingabe und Navigation über USB. Wir haben das mit der Mini-Funktastatur von General Keys getestet. Sie ist nur 28 cm x 11 cm groß und kostet bei www.pearl.de (Art.-Nr.: PX-3362-905) gerade einmal 30 Euro.

Die Angebote der Portale, die wir hier getestet haben, haben sich dadurch in den letzten Jahren etwas einander angenähert. Andererseits führt jede neue Generation wieder ihre eigenen Features ein: etwa die globale Suche über alle Medienquellen hinweg. Oft genug ändert sich gar der Name des Portals; und es kommt auch vor, dass zwei Hersteller denselben Namen für verschiedene Techniken vergeben. Ein Name steht dabei noch im Raum, um das sperrige "HbbTV" zu ersetzen: "Smart TV".

Das Ganze wird noch unübersichtlicher, wenn man erkennt, dass die Fähigkeiten der Smart-TV-Modelle eines Herstellers variieren können. Ein aktueller Fernseher kann andere Applikationen wiedergeben als ein 2010er-Modell, ein Top-Gerät besitzt eventuell andere Hardware (etwa einen SD-Slot, um Videos zwischenzuspeichern, RAM-Speicher oder USB-Mausfähigkeit) als ein Einstiegs-TV. Manchmal werden Kooperationen mit Inhalteanbietern wieder gekündigt und die App-Icons verschwinden vom Portal-Schirm.

Ordnung im Portal

Man sollte sich den smarten Fernseher nicht als abgespeckten Computer vorstellen, der Inhalte direkt von der Internet-Quelle anfordert und darstellt. Das Ganze funktioniert deutlich komplexer, denn die Verwaltung von Anfragen, Inhalten und persönlichen Einstellungen liegt je nach TV-Hersteller mehr oder weniger auf externen Servern. Das nimmt den TV-Geräten Speicher- und Rechenarbeit ab, kostet den TV-Hersteller aber dauerhaft Geld und birgt Sicherheitsrisiken.

Bei teilweise über siebzig Diensten und der mühsamen Eingabe von Kennungen und Passwörtern über die Fernbedienung ist es gut, dass Fernseher geschützte Profile anlegen, die persönliche Zugangsdaten zu Facebook, Twitter, Maxdome und Co. enthalten. Ein Hauch von Unsicherheit bleibt aber, da auch Daten abgelegt werden, mit denen finanzielle Transaktionen abgewickelt werden, etwa beim Leihen eines Kinofilms oder Bestellen einer Pizza.

Den TV-Herstellern geht es darum, den Smart-TV-Genuss möglichst komfortabel zu gestalten. Daher werden die Dienste als App-Icons auf einem Startschirm abgelegt, der auch zusätzliche Infos sowie Werbung enthalten kann. Wie von Smartphones bekannt, kann man diese Apps in einer Gallery (Markt) fast immer kostenlos herunterladen und sortieren, so dass man nur das Interessanteste auf dem Schirm hat.

Normierung tut not

So schön es auch ist, dass jeder Fernseher seine Dienste in anderer Form präsentiert und dass diese Konkurrenz das Geschäft belebt, so ungeschickt ist die Portal-Vielfalt für den Endkunden. Es gibt Gremien zur Zusammenarbeit, und es wurde eine gemeinsame Basis gefunden: HbbTV. Diesem Konsortium gehören alle namhaften Hersteller und TV-Sender an und ausnahmslos wurde die Unterstützung zugesagt.

HbbTV ist jedoch leider nicht die Summe aller Ansätze der Smart-TV-Lösungen, sondern hat eine eher vereinfachte Zielsetzung. Es soll eine TV-Sendung über das Netz mit passenden Zusatz-Informationen versorgen. Dieser interaktive "Videotext der Zukunft" ergänzt das TV-Programm perfekt, denn TV-Sender können Einblendungen am Bildschirm steuern und so die Zuschauer auf TV-relevante Inhalte führen. Direkte Infos, Links, Shopping, Programmhinweise, Mediatheken und Votings werden möglich.

Was HbbTV noch fehlt, sind sendungsunabhängige Inhalte, also prinzipiell die aktuellen Portale der TV-Hersteller. Fänden die Vertreter aller Interessengruppen wie TV-Hersteller, öffentlich-rechtliche und private Sender, Technik-Provider und Internet-Content-Anbieter einen gemeinsamen Konsens, der auch offene Punkte wie Diskriminierungsfreiheit, Jugendschutz, Rechteverwaltung und Lizenzierung einschließt, könnte eine schöne smarte TV-Welt dabei herauskommen, in der jeder gleichberechtigt ist.

Fazit

"Smart TV" - oder wie die Portale der TV-Anbieter auch immer heißen - bietet teils exzellente Unterhaltung. Viele Applikationen wie Mediatheken, News-Dienste oder Video on Demand sind ein Mehrwert, der TV-Informationen eine neue Freiheit zugesteht. Abrunden würde das Ganze ein gemeinsamer Standard.

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