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Smartphone-Kameravergleich

Huawei P10 Plus: Kamera im Einzel-Test

Huawei P10 Plus

© Huawei

Huawei P10 Plus mit Dual-Kamera von Leica.

Der Bildwinkel der P10-Doppelkamera entspricht 27 mm (KB), wobei die reale Brennweite bei rund 4 mm liegt. Während die 20 MP auflösende SW-Kamera durch die fehlenden Farbfilter lichtempfindlicher ist, bringt es die RGB-Farbkamera auf 12 MP Auflösung. Dazu gibt es zwei identische Linsensysteme mit Blende 1,8. Mithilfe eines Algorithmus', bei dem Huawei auf den Kooperationspartner Leica verweist, verrechnet das Huawei schließlich all diese Informationen. Der Fotograf bekommt ein maximal 20 MP auflösendes Farbfoto im JPEG-Format. Hier rechnet die Kamera die Farbinformationen des 12-MP-Sensors in das Schwarzweißbild des 20-MP-Sensors hinein. Umgekehrt basiert das RAW-Bild auf dem Farbsensor und hat maximal 12 Megapixel.​

Im Gegensatz zum Vorgängermodell P9 bzw. P9 Plus ist beim P10 Plus auch ein optischer Bildstabilisator an Bord. Das erweitert die Möglichkeiten gerade im Available-Light-Bereich deutlich. Wahlweise hellt bei Innen- oder Gegenlichtaufnahmen ein Doppel-LED-Blitz den​ Vordergrund auf. Er ist im Menü einfach an- oder auszuschalten. Beim Filmen schafft das P10 Plus eine zeitgemäße 4K-Auflösung, der zweite klare Pluspunkt gegenüber dem Vorgänger, der mit Full-HD und maximal 1920 x 1080 Punkten auskommen musste. Das aus Aluminium und 2.5D-Glas gefertigte Gehäuse macht einen robusten Eindruck, wasserundurchlässige Dichtungen hat es aber keine. Es ist also bestenfalls spritzwassergeschützt. Der interne Speicher des Huawei umfasst neben 4 GB RAM wahlweise 64 oder 128 GB. Wer noch mehr Speicherplatz braucht, kann eine microSD-Karte nachrüsten.​

Huawei P10 Plus Screenshots

© ColorFoto

Das P10 Plus informiert umfassend und nennt Belichtungszeiten, ISO-Wert etc. Doch die Zahlen sind recht klein und stehen im Bild. Zudem drehen sie sich nicht mit, wenn man ins Querformat wechselt. (links) Fokus- und Belichtungsmesspunkt kann man bei beiden Modellen getrennt im Bild festlegen. (rechts)

Die Kamera-App versteckt sich hinter einem Button, der eher an eine Waschmaschine erinnert, doch die App ist übersichtlich und aufgeräumt gestaltet. Zu den wenigen Einstellmöglichkeiten der Schnellmenüleiste gehören Bildstil (Standard, Kräftige Farben, Weiche Farben), Blitzmodus, Porträtmodus und die Funktion „Große Blende“. Von links nach rechts über den Bildschirm streichen öffnet die Modusübersicht, in der die übrigen Funktionen untergebracht sind. Hier findet sich unter anderem die Option „Monochrom“. Ist sie aktiviert, erstellt das Huawei mit seinem 20-MP-Sensor ein zusätzliches Schwarzweißbild, das beim Test mit sehr guter Schärfe und fein abgestimmten Grauwerten zu gefallen wusste. Nicht von ungefähr fühlt man sich an die Leica Monochrom erinnert. Außerdem finden sich hier der HDR-Modus, Modi für Zeitraffer- und Zeitlupenvideos, Panoramen, Nachtaufnahmen, Audionotizen und die sogenannte „Lichtmalerei“. Damit meint Huawei verschiedene Arten von Langzeitbelichtungen: Die Begriffe Rücklichtspuren, Licht-Graffiti, Sternspuren und seidiges Wasser sind nicht wirklich selbsterklärend, und auch das Handbuch, das zum Download bereit​ steht, schweigt sich darüber aus – damit​ herumzuspielen macht aber Spaß und führt mit ein bisschen Übung zu vorzeigbaren Ergebnissen.​

Huawei P10 Plus Kamera

© ColorFoto

Beide Menüs für Einstellungen und Grundeinstellungen sind übersichtlich strukturiert.

Wer Weißabgleich, Tonwerte und ISO-Werte beeinflussen will, wechselt aber lieber in den Pro-Modus. Dazu schiebt man den kleinen Balken oberhalb des Auslösers nach oben. Hier findet man die manuelle Belichtungssteuerung, und nur hier ist der RAW-Modus verfügbar, der sich in Sachen Bildqualität immer bezahlt macht. Etwas fummelig ist allerdings das Aktivieren: Wer nicht gerade spitze Finger hat, schiebt statt des Schalters leicht das ganze Menü zur Seite. Praktisch dagegen, dass sich das P10 Plus die gewählte Einstellung beim Schließen der App merkt und beim nächsten Öffnen – fast immer – wieder aufruft.​

Im Pro-Modus zeigt die Schnellmenüleiste die Belichtungsmessmethode (Matrix, mittenbetont, Spot), den Weißabgleich (AWB, Presets, Kelvin) sowie Regler für ISO-Zahl und Verschlusszeit an. Stellt man beide auf Auto, hat man eine Programmautomatik mit fester Blende, Belichtungskorrekturen sind von -4 bis +4 Blenden möglich. Bei Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen von Belichtungsmessung und manueller Einstellung warnt die Kamera; das kann​ man anschließend annehmen oder ignorieren. Der Autofokus beherrscht kontinuierlichen und Einzelbildmodus (AF-C und AF-S) und erlaubt, manuell zu fokussieren. Das ist mit dem Schieberegler auf dem Bildschirm ohne Vergrößerung nicht immer einfach. Gut funktioniert die Motivverfolgung.​

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