Himmlisches Vergnügen

Prozessor-Intelligenz

3D-Sound für Musik-Fans

Seit einiger Zeit begeistern 2+2+2-Aufnahmen Freunde klassischer Musik. Für die Beschallung sorgen zwei Lautsprecher vorne, zwei hinten und zwei über den Front-Lautsprechern. Es gibt also nur sechs Kanäle, die auf der Disc gespeichert werden müssen. DVD-Video, DVD-Audio, SACD und Blu-ray erfüllen diese Anforderung. Musikproduktionen im 2+2+2-Format erscheinen jedoch vornehmlich auf SACD und DVD-Audio - etwa von Dabringhaus und Grimm (www.mdg.de ) und vom norwegischen Label 2L (www.2l.no ).

Wer meint, das seien zu viele Lautsprecher, der kann für 3D-Sound auch Kopfhörer verwenden. Headphone-Surround-3D-Aufnahmen liegen im gewöhnlichen Stereo-Format vor, benötigen also keine besonderen Wiedergabegeräte und erzeugen trotzdem Surround-Sound aus allen Richtungen.

Ausprobieren kann man das auf der Website www.hpsr3d.de. Hier findet man auch eine Liste der Film- und Musikaufnahmen, die in Headphone Surround 3D produziert wurden, darunter auch die Blu-ray mit dem Ensemble-Actionfilm The Expendables.

Beim Großteil aller erhältlichen Filmtitel auf Blu-ray oder DVD fehlt 3D-Sound jedoch bis heute. Doch es gibt Möglichkeiten, ihn virtuell zu erzeugen. Relativ weit verbreitet sind solche Technologien in AV-Receivern. Dolby Pro Logic IIz und Audyssey DSX etwa benötigen dazu mindestens zwei zusätzliche Lautsprecher zum 5.1-Set.

Eigene Technologien zum Errechnen von virtuellem 3D-Sound kommen zum Teil in Kopfhörern zum Einsatz, die speziell für den Heimkino-Einsatz gedacht sind. Wir haben ein Exemplar dieser Spezies, den Sony MDR-DS6500, ausprobiert.

Raumplatzierung

© Josef Bleier, Stefan Rudnick, Hersteller/Archiv

Für die adäquate Wiedergabe von 3D-Audio-Aufnahmen im 2+2+2-Format sind zwei zusätzliche Lautsprecher über den Frontboxen nötig.

Um den passenden Sound zu ihren 3D-Fernsehern zu erzeugen, haben einige TV-Hersteller dreidimensionalen Klang in ihre 3D-Blu-ray-Komplettanlagen integriert: also in Systeme, die Player, AV-Receiver und Lautsprecher als Gesamtpaket bieten. Panasonic hat mit dem SC-BTT770 gezeigt, dass dafür nicht zwangsläufig zusätzliche Lautsprecher nötig sind.

Die Anlage nutzt die eingangs erwähnten Grundlagen der Psychoakustik: Der digitale Soundprozessor analysiert das Eingangssignal und verändert in der Höhe positionierte Schallquellen im Film so, dass sie auch im Wohnzimmer oben erklingen. Dadurch erhält die Soundkulisse tatsächlich mehr Raum nach oben, führt aber auch zu etwas spitzem Klang.

Sony nutzt dagegen nicht nur die Prozessor-Intelligenz für virtuellen 3D-Klang. Um im 2.1-Blu-ray-Komplettsystem BDV-L800 Ton von oben zu erzeugen, strahlen die Hochtöner der Zwei-Wege-Box nicht in Richtung Zuhörer, sondern hoch zur Decke. Bei aktiviertem 3D-Sound öffnet sich die Soundkulisse deshalb nach oben, eine klare Ortung ist jedoch nicht möglich. Auch führt diese Maßnahme zu Klangverfärbungen, die vor allem bei Musik stören.

Samsung integriert wiederum beim HT-D6759W in den Front-Lautsprecher je einen nach oben neigbaren Breitband-Treiber, der in Richtung Decke strahlt. Anders als beim Sony-System wird er separat vom Receiver mit Ton versorgt.

Das Chassis strahlt also Schall ab, der eigens vom Prozessor für die Höheninformation errechnet wurde. Der Nutzer kann deshalb auch in zwei Stufen wählen, wie stark der vertikale Sound-Effekt sein soll. Auch in der höchsten Stufe ist Schall aber nur leicht von oben wahrnehmbar.

LG besitzt eine ganze Serie an Blu-ray-Komplettsystemen für virtuellen 3D-Sound. In all diesen Systemen sorgt eine Technik für Sound aus allen Richtungen. Der Kunde kann jedoch zwischen Kompakt- und Standlautsprechern wählen. Unser Testmuster besitzt vier Satelliten-Lautsprecher. Darin befinden sich neben einem Hoch- und Tief-/Mittel-Töner je ein zusätzliches Breitband-Chassis, das nach oben abstrahlt. Wie bei der Samsung-Anlage erhält jedes Chassis ein eigenes Tonsignal vom Soundprozessor in der Zentrale.

Im Vergleich zu den anderen Blu-ray-Anlagen ist die 3D-Wirkung hier am größten. Wenn also ein Hubschrauber von oben zur Landung ansetzt, lässt er sich auch relativ gut orten. Richtungsinformationen kann das menschliche Gehör aber vor allem hohen Frequenzen entnehmen.

Und davon besitzt das LG HX906SX im 3D-Sound-Modus überproportional viele. Bei Filmen verzeiht man das, der geneigte Musikhörer wird Aufnahmen wohl aber als etwas zu frisch empfinden.

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