Bridge-Kamera-Duell

Panasonic Lumix FZ1000 und Sony RX10 im Vergleichstest

Die neue Panasonic Lumix FZ1000 bietet ein festverbautes 16fach-Zoom, 1-Zoll-Sensor, 20 Megapixel Auflösung und 4K-Videoaufzeichnung. Hier tritt sie im Test gegen die Sony RX10 an, die mit gleichem Sensor, aber lichtstarkem 8fach-Zoom ausgestattet ist.

Panasonic, Sony, Panasonic Lumix FZ1000 vs. Sony RX10

© Panasonic, Sony

Panasonic, Sony, Panasonic Lumix FZ1000 vs. Sony RX10

Mit der Lumix DMC-FZ1000 hat nun auch Panasonic eine Bridge-Kamera im Programm, die mit großem Sensor, viel Auflösung und Superzoom eine SLR-Ausrüstung ersetzen will - allerdings zum Preis von 900 Euro. Die Idee kennt man von Sony, die mit der Cybershot RX10 für 1.200 Euro vor einem halben Jahr ein sehr ähnliches Modell vorstellte.

Jedoch deckt die Lumix FZ1000 mit ihrem 16fach-Zoomobjektiv den doppelten Brennweitenbereich ab wie eine Sony RX10. Ein weiteres Highlight ist die Aufnahme von 4K-Videos. In den übrigen Eckdaten ähneln sich beide Kameras: Sie besitzen statt eines SLR-typischen APS-C-Sensors den gleich großen 1-Zoll-CMOS-Chip mit rund 20 Megapixeln Auflösung und kein Wechsel-, sondern ein festverbautes Zoomobjektiv.

Panasonic Lumix FZ1000

© Panasonic

Die FZ1000 besitzt rechts oben ein extragroßes Programmrad, das neben den PSAM-Modi Zugriff auf 33 Szenen und Kreativfilter, Video und eine intelligente Automatik sowie zwei Custom-Funktionen bietet. Auf der linken Seite findet sich ein Wahlrad für den Zugriff auf die Auslösemodi Intervall, Selbstauslöser, Reihe- und Serien- sowie Einzelbild.

Im Vergleich zu Kompaktkameras sind sie mit knapp 800 Gramm Nettogewicht regelrechte Schwergewichte, und von außen sehen sie mit ihrem angedeutetem Sucherhöcker, den kolossalen Maßen und wulstigem Handgriff aus wie eine typische SLR. Die neue Panasonic FZ1000 ist in ihren Abmessungen sogar noch etwas bulliger als die Sony RX10. Auch die FZ1000 testen wir wie alle Modelle ab 1-Zoll-Sensor nach dem SLR-Testverfahren.

Superzooms

Die Verarbeitung des FZ1000-Kunststoffgehäuses wirkt solide, dennoch vermittelt es nicht die Robustheit einer RX10, die zu großen Teilen aus Magnesium gefertigt und spritzwassergeschützt ist. Hervorstechendes Merkmal an beiden ist ein auffällig großes Zoomobjektiv.

Sony RX10

© Sony

Auf der "Fn"-Taste der Sony RX10 lassen sich sieben bevorzugte Einstellungen auslagern. Über das Display eingeblendet kann der Fotograf darauf schnell zugreifen.

Die Sony RX10 kann mit einem hochwertigen 8,3fach-Zoom der Marke Carl Zeiss Sonnar T* mit durchgängig lichtstarker Offenblende von 2,8 und einem auf Kleinbild umgerechneten Brennweitenbereich von 24 bis 200 mm punkten. Panasonic legt das Doppelte drauf: Das Leica DC Vario-Elmarit bietet eine flexible KB-Brennweite von 25 bis 400 mm bei f2,8 bis f4,0. Allerdings kann das Objektiv die große Anfangsöffnung nicht lange halten: Bereits ab rund 60 mm (KB) sind nur mehr Blendenwerte von f 3,5 drin.

Gehäuse und Bedienung

Beide Kameras besitzen viele Bedienelemente; wobei die RX 10 davon weniger hat und durch eine übersichtliche Anordnung gefällt. Es gibt belegbare Anpassungsmöglichkeiten, darunter eine "Fn"-Taste, und auch der butterweich laufende Blendenring lässt sich mit Individualfunktionen konfigurieren.

Sony RX10

© Sony

Sony kommt mit etwas weniger Tasten, bietet aber ein eigenes Rad für die Belichtungskorrektur. Mit zur Ausstattung gehört ein eigenes Status-Display an der Gehäuseoberseite.

Optional kann damit gezoomt oder fokussiert werden. Außerdem hat die RX10 ein eigenes Einstellrad zur Belichtungskorrektur. Auch das zweite Statusdisplay auf der Oberseite vermittelt die Professionalität einer hochwertigen SRL. Bei Panasonic muss man sich zunächst unter mehreren Tasten, Hebeln und zwei Rädern zurechtfinden, profitiert dann aber von einem ebenso flexiblen Konzept, darunter fünf programmierbare "Fn"- Tasten und ein praktisches Quick-Menü. Das hintere Rändelrad ist, wie von der G-Reihe bekannt, dreh- und drückbar, um schnell zwischen zwei Belichtungsparametern zu wechseln, zwischen Blende und Belichtungszeit oder der Belichtungskorrektur je nach Programm.

Sony RX10

© Sony

Die Full-HD-Videoaufnahme der RX10 erfolgt im Stereoton, die Pegel lassen sich im Menü steuern.

Per Zoomhebel am Auslöser kann optional zum Fokusring am Objektiv kontinuierlich gezoomt werden und das in fünf Geschwindigkeitsstufen. Bei Sony wird das Zoom wahlweise über den Objektivring oder ebenso über die Zoomwippe am Auslöser gesteuert. Die Wippe erlaubt zwei Geschwindigkeiten.

OLED-Sucher & Klappdisplay

Mit zur Ausstattung der FZ1000 gehört ein mit 786 333 RGB -Pixeln sehr hochauflösender OLED-Sucher mit einer effektiven Vergrößerung von 0,7x. Die Arbeit damit macht richtig Spaß, was auch an der angenehm großen Okularmuschel liegt. Es lassen sich Gitterlinien, eine Belichtungsvorschau, Histogramm, Wasserwaage, Spitzlichter und ein Zebra-Muster einblenden.

Zur besseren Beurteilung von Kontrasten kann das Live-Bild auch monochrom dargestellt werden. Sonys OLED bietet ähnlichen Komfort und eine gestochen scharfe Darstellung, meistert aber mit 480 000 RGB-Pixeln nur eine niedrigere Auflösung bei ebenfalls 0,7facher Vergrößerung. Was die Displays betrifft, bietet Sony etwas mehr und dies nicht nur aufgrund seines zweiten Statusdisplays, das der FZ1000 fehlt.

Panasonic Lumix FZ1000

© Panasonic

Die FZ 1000 nimmt Videos in Full-HD oder im noch höher auflösendem 4K-Modus mit 3840 x 2160 Pixeln, bis zu 25 B/s, MP4-Format und Stereoton auf.

Sony stattet sein Modell mit einem 3-Zoll-Monitor mit 307 200 RGB-Pixeln und zusätzlichen Weißpixeln aus. Der Monitor ist nach oben und abwärts neigbar. Damit lassen sich bodennahe und Über-Kopf- Bilder gut realisieren. Panasonics Modell mit großem Betrachtungswinkel lässt sich um 90 Grad aufklappen und nochmals um 270 Grad drehen. Die Auflösung liegt bei 307 000 RGB-Pixeln. Eine spezielle Anti-Reflex-Beschichtung soll hier die Erkennbarkeit bei hellem Umgebungslicht verbessern.

Videos in Ultra-HD

Panasonic hat einen echten Leckerbissen zu bieten: Die FZ1000 beherrscht 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) im MP4-Format mit 25 B/s und Stereoton mit manueller Belichtungssteuerung. Praktisch für Fotografen: Aus den Filmen lassen sich auch einzelne, acht Megapixel große Fotos ziehen. Das ist genug für hochaufgelöste DIN-A4-Drucke.

Damit die Aufnahme funktioniert, muss eine SD-Speicherkarte des Typs UHS Speed Class 3 oder eine andere Karte verwendet werden, die mindestens eine Schreibgeschwindigkeit von 30 MByte/s erreicht. Wer in herkömmlichen Full- HD filmt, kann Zeitlupen mit 100 B/s aufnehmen, und es gibt die Optionen Intervall und Stop-Motion-Animationen inklusive manueller Belichtungsund Tonpegelsteuerung. Ein Mikroeingang ist ebenfalls dabei.

Panasonic Lumix FZ1000

© Panasonic

Die FZ 1000 nimmt Videos in Full-HD oder im noch höher auflösendem 4K-Modus mit 3840 x 2160 Pixeln, bis zu 25 B/s, MP4-Format und Stereoton auf.

Was fehlt, ist allerdings ein Kopfhörer-Ausgang. Diesen bietet dafür Sony. Die RX10 meistert allerdings "nur" Videos in Full-HD Qualität (1980 x1080 Pixel) mit 25 oder 50 Vollbilder/s im AVCHD-Format, inklusive und kann diese mit Zeit-, Blenden oder manuellen Einstellungen aufnehmen. Der Audiopegel lässt sich ebenfalls in der Kamera steuern, und es gibt Buchsen für ein externes Mikrofon.

Schneller Autofokus

Beide Kameras arbeiten mit einem Kontrast- AF, im Fall der FZ 1000 mit 49 AFFeldern, Sony muss mit 25 Messfeldern auskommen. Der Fotograf hat die Wahl zwischen Einzelfeld, Spot und selektivem Mehrfeld-AF. Neben Bewegungserkennung und Gesichter- mit Augenerkennung gibt es bei Panasonic einen PinPoint-Autofokus, der Fokussieren auf kleinste Details verbessert, indem der anvisierte Punkt in einem eigenen Lupenfenster vergrößert dargestellt wird.

Mittels "Low-Light"-AF kann noch bei Dunkelheit bis zu -3 EV fokussiert werden. Bei der Kontrolle der Scharfstellung hilft bei beiden eine Fokuslupe und Peaking- Funktion. Beim Tempo halten die Hersteller ihre Versprechungen: Die FZ1000 übertrumpft nochmals die ohnehin schon schnellen Ergebnisse der RX10 und ist mit einer Einschaltzeit von 0,9 s schneller startklar (RX10 1,9 s).

Kaufberatung: So finden Sie die richtige Digitalkamera

Beide glänzen bei hellem Licht mit schnappschusstauglichen Zeiten von 0,16 s (FZ1000) und 0,18 s (RX10). Die FZ1000 meistert auch bei wenig Licht 0,23 s. Sony lässt hier mit 0,68 s ordentlich nach. Im Labor schafften beide JPEG-Serien von 9,7 und 9,6 B/s (FZ1000/RX10), Panasonic ganze 75 in Reihe, bei der RX10 ist nach 23 Bildern Schluss. Annähernde Leistungen bei den RAWs mit 9 B/s und 6 B/s und 12 bzw. 10 in Serie.

Bildqualität

Die neuen Bridge-Kameras erreichen für die Kompaktklasse überdurchschnittlich hohe Auflösungswerte. Die FZ1000 liegt in den niedrigsten ISO-Bereichen, was die Auflösung angeht, gleichauf mit der Sony, fällt aber ab ISO 400 zurück. Das Bild der Panasonic wirkt generell etwas weich. Dagegen versucht die RX10 die ebenfalls sichtbaren Detailverluste durch eine härtere Abstimmung zu kaschieren.

Grundsätzlich schärft die Sony die Kanten etwas zu sehr. Ab ISO 800 werden die Detailverluste bei beiden deutlich, wobei die RX10 die Werte etwas besser hält; bei der FZ1000 sind die Bilder stärker verrauscht. Beide Kameras zeigen zudem bereits bei ISO 400 erste leichte Artefakte - wenn man auf 100% am Monitor zoomt.

Wer maßvoll vergrößert, wird in beiden Fällen mit ISO 800 noch zufrieden sein. Einem Vergleich mit Systemkameras können die 1-Zoll-Modelle nicht standhalten, doch herkömmliche Megazoommodelle bleiben deutlich zurück.

Fazit

Mit der neuen FZ1000 bietet Panasonic eine Bridge-Kamera der Luxusklasse für 900 Euro mit umfassender Ausstattung und sehr guten Autofokus-zeiten. Der hochauf-lösende Sucher, die Videoqualitäten mit 4K-Modus und das festverbaute 16fach-Zoomobjektiv gefallen ebenso wie das individuell konfigurierbare Bedienkonzept. 

Einzeltests lesen

Megazoom-Kamera

Die Sony RX10 ist mit 1200 Euro teurer in der Anschaffung, der Sucher bietet etwas weniger Auflösung, und sie schafft auch "nur" Full-HD"-Videos. Dafür kann sie nicht nur mit einem wertiger anmutenden Gehäuse inklusive Spritzwasserschutz punkten. Betrachtet man die Ergebnisse bei der Bildqualität, gehört der Sieg der Cybershot. Sie liefert gute, rauscharme Bilder auch bei ISO 400, die insgesamt knackiger und farbintensiver sind als bei der FZ1000.

Das lichtstarke Zoom bietet zwar den kleineren Brennweitenumfang, überzeugt aber ab der mittleren Brennweite mit der besseren Abbildungsleistung. Unterm Strich sind beide sehr gute Kameras im Vergleich zu herkömmlichen Megazoom-Kompakten: Die RX10 punktet beimFotografieren, die FZ1000 offeriert die besseren Videoqualitäten und meistert den schnelleren Autofokus bei schlechtem Licht.

Mit SLRs können aber beide trotz ihrem relativ hohen Preis und ähnlichen Maßen nicht mithalten, hier fordert der in diesem Vergleich kleinere Sensor seinen Tribut bei der Bildqualität. Zugleich ermöglicht aber auch nur der kleinere Sensor lichtstarke Zooms derart kompakt zu bauen.

Mehr lesen

Newsletter -

Mehr zum Thema

Test Digitalkameras bis 200 Euro
Kaufberatung

Vom Geheimtipp zum Testsieger: Wir haben für Sie die besten Kompakten für unter 200 Euro zusammengestellt. Einige Modelle sind echte Schnäppchen.
Beste spiegellose Systemkamera
Kaufberatung

Spiegellose Systemkameras verbinden Kompaktheit mit großen Sensoren und guter Bildqualität. Wir stellen die besten Spiegellosen 2016 vor.
Outdoorkameras - Test
Robuste Kompakte

Mit Schutz vor Wasser, Sand und Stürzen bieten sich Outdoorkameras als robuste Begleiter für harte Einsätze an. Wir testen sechs aktuelle Modelle.
Sony Alpha 77II
SLR-Kameras im Vergleich

Die Sony Alpha A77II tritt in diesem Test gegen den Platzhirsch Nikon D7100 an. Außerdem vergleichen wir die beiden mit den anderen zwei…
Panasonic Lumix DMC-GF7
Systemkamera

Panasonics neueste Systemkamera mit 16-Megapixel-Sensor für rund 500 Euro bietet sie mehr Selfie-Funktion denn je.