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Objektiv kaufen: Darauf müssen Sie achten

Egal für welchen Kamera-Hersteller Sie sich entschieden haben oder entscheiden wollen - ohne vernünftige Objektive ist die beste Systemkamera wertlos. Und beim Objektivkauf gibt es viel zu beachten: Weitwinkel oder Tele? Festbrennweite oder Zoom? Unsere Objektiv-Kaufberatung gibt wichtige Tipps zum Kauf und erklärt alles Wissenswerte zu Lichtstärke, Brennweite und Co.

  1. Objektiv kaufen: Darauf müssen Sie achten
  2. Objektivarten
  3. Anschlüsse und Ausstattung
Objektiv kaufen Ratgeber

© Archiv/hersteller

Sie wollen ein neues Objektiv kaufen für Ihre DSLR oder spiegellose Systemkamera? Unser Ratgeber erklärt, worauf Sie achten müssen.

Wer ein neues Objektiv für seine DSLR oder spiegellose Systemkamera kaufen will, sollte dies mit Bedacht tun, denn das Objektiv ist das "Auge Ihrer Kamera" und damit gleichzeitig das wichtigste Zubehör. Nur zusammen mit dem Kameragehäuse, das den Sensor und die Aufnahmeelektronik beherbergt, bildet es eine fotografische Einheit. Dieses Baukasten-Prinzip erlaubt eine flexible Anpassung der Kamera an praktisch jede fotografische Situationen.

Deshalb sollte man von Beginn an gut überlegen, welchen Teil seines Budgets man beim Kauf ins Gehäuse investiert und welchen in Objektive. Die Produktzyklen sind bei den Gehäusen wesentlich kürzer. Hier macht es also Sinn, immer nach den aktuellen Bedürfnissen zu kaufen. Objektive lassen sich dagegen über Jahre, oft Jahrzehnte, immer wieder an neuen Gehäusen einsetzen. Sie sind so eher eine langfristige Investiton.

Unsere Kaufberatung Objektive gibt Ihnen einen Überblick zu allen Fragen rund um Objektive für SLR. Detailinformationen zu einzelnen Objektiven finden Sie in den Tests der ColorFoto. Von den technischen Daten wie Brennweite und Gewicht der einzelnen Objektive über die wichtigsten Messwerte aus den Tests bei verschiedenen Blendeneinstellungen bis hin zum Preis, der bei den meisten Fotografen die Kaufentscheidung in letzter Instanz beeinflusst - und das für fast jede Kamera-/Objektiv-Kombination.

Um die Qualität der Objektive möglichst exakt zu beurteilen, werden sie an verschiedenen Kameragehäusen getestet, denn die Ergebnisse können erheblich differieren. Die sorgfältige Auswertung dieser Messdaten wird in eine Punktzahl zwischen 1 und 100 umgerechnet.

Das Kit-Objektiv

Das Hobby Fotografie beginnt oft mit einem Smartphone oder einer kleinen Kompaktkamera. Hier ist das Objektiv fest eingebaut und man muss nicht weiter nachdenken, welche Ansprüche man hat. Für Einsteiger ist das sehr praktisch und deshalb bieten die Hersteller auch ihre einfachen SLR-Modelle oft zusammen mit einem Zoomobjektiv.

Meist handelt es sich dabei um ein Objektiv mit einem Brennweitenspektrum vom gemäßigten Weitwinkel bis zum leichten Tele, meist 18-55 mm. Sogar ein schneller Autofokus und ein Bildstabilisator sind oft schon mit an Bord. Das ist einen Mehrpreis von rund 100 Euro gegenüber dem nackten Gehäuse fast immer wert. Zu dieser Gruppe gehören das Canon EF-S 3,5-5,6/18-55 mm, das Nikon AF-S Nikkor 3,5-5,6/18-55 mm DX G ED-II oder das Pentax SMC-DA 18-55 mm/18-55 mm AL II.

Selbst bei Mittelklasse- oder Profikameras lassen sich durch den Kauf eines Kits einige 100 Euro sparen. Allerdings schlagen hier die mitgelieferten hochwertigen Objektive durchaus mit 1.000 Euro oder mehr zu Buche, was bei Preisen zwischen 2.000 und 5.000 Euro aber relativ auch nicht mehr ist.

Als Alternative beim Erstkauf bietet sich statt eines Zoomobjektivs vor allem eine Normalbrennweite mit 50 mm (bzw. 35 mm im APS-C-Format) an, die es von nahezu allen Herstellern günstig gibt und die schon eine Lichtstärke von f/1.8 bieten. Der Vorteil: Diese Objektive haben als lichtstarke Spezialisten auch später in einer größeren Objektivsammlung ihren festen Platz, während die Einsteiger-Zooms dann eher entbehrlich werden.

Wenn Sie bislang noch keine Spiegelreflexkamera hatten, bietet ein Kit-Zoomobjektiv aber deutlich mehr Möglichkeiten und sie sollten es mitkaufen, denn so günstig wird es nicht mehr. Und im Vergleich zu einer Kompaktkamera bieten auch diese Objektive eine überragende Abbildungsleistung, eignen sich zudem aufgrund ihrer geringen Baugröße als "Immer-dabei-Objektiv".

Die Objektivpalette

Welche Brennweiten Sie sich zulegen sollten, hängt im Wesentlichen von ihren Lieblingsmotiven ab. Eine Brennweite von 50 mm (KB) entspricht in etwa dem menschlichen Blickwinkel. Ein 50 mm-Objektiv wird daher als Standard- oder Normalobjektiv bezeichnet. Brennweiten unter 50 mm werden dem Weitwinkel zugeteilt, extrem kurze Brennweiten von 14 bis 24 mm (KB) dem Superweitwinkel.

Verglichen mit dem menschlichen Sehfeld verfügt ein Weitwinkelobjektiv über einen größeren Bildwinkel (daher auch die Bezeichnung Weitwinkel). Das bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass ein Weitwinkelobjektiv mehr vom Motiv sieht als wir. Lange Brennweiten über 50 mm (KB) sind Teleobjektive, die Motive näher heranholen, sprich größer abbilden.

Ferner gibt es noch Objektive für Spezialaufgaben. Etwa solche, mit denen man das Motiv ganz aus der Nähe sehr groß abbilden kann, die Makroobjektive oder solche, die stürzende Linien ausgleichen, die Shift-Objektive. Im Folgenden stellen wir die einzelnen Objektiv-Typen vor.

Zeiss Distagon T* 2,8/15 mm ZE (Canon 5D Mark III)

© Zeiss

Zeiss Distagon T* 2,8/15 mm ZE (Canon 5D Mark III)

Fish-Eye und Superweitwinkel

Das sogenannte Fisheye- oder  Fischaugenobjektiv ist ein extremes Weitwinkelobjektiv, das für starke Verzerrungen sorgt, weil es gerade Linien krümmt, die nicht exakt durch die Bildmitte laufen. Damit kann man ein Motiv aus extrem kurzem Abstand fotografieren und dennoch viel Umgebung erfassen, aber was nicht in der Mitte ist, wird ziemlich klein dargestellt.

Je kürzer die Brennweite, desto stärker werden die Verzeichnungen, das Bild wirkt runder. Man unterscheidet Fisheyeobjektive, die noch das komplette Sensorformat ausfüllen (Vollformat) und solche, die in der Sensormitte ein 180°-Blick auf die Umwelt bieten - wie ein Spiegelbild auf einem glänzenden runden Körper wie einer Weihnachtskugel (zirkular).

Man kann sich an Fisheyebildern schnell sattsehen, wenn alles immer gleich krumm aussieht. Außerdem hat man durch den extrem großen Bildwinkel leicht die eigenen Füße oder die Stativbeine mit auf dem Bild. Mit passenden Motiven und dem richtigen Knowhow bieten Fisheyeobjektive aber einen sehr breiten Gestaltungsspielraum. Die gekrümmten Linien kann man mit der passenden Software übrigen später am PC aus dem Bild herausrechnen - solange es kein zirkulares Fisheye ist.

Als Superweitwinkel bezeichnet man Objektive mit Brennweiten mit über 85° (entspricht Brennweiten unter 24 mm KB), die gerade Linien nicht durchbiegen. Sie sind für die Alltagsfotografie eindeutig praktischer. Gerade Linien bleiben gerade. Allerdings ist der Effekt der stürzenden Linien bei diesen Superweitwinkeln in der Regel stark ausgeprägt, wenn man versucht, mit der nach oben gekippten Kamera trotz wenig Platz viel aufs Bild zu bekommen. Mit solchen Superweitwinkelobjektiven lässt sich eine starke perspektivische Wirkung erzielen, Gegenstände im Vordergrund werden überproportional groß abgebildet.

Neben den Objektiven der Kamerahersteller gibt es hier auch verschiedene Angebote von Fremdherstellern, u.a. von Zeiss (Distagon 2,8 25 mm und 2,8/21 mm) und Sigma (z.B. 3,5/8 mm und 2,8/15 mm). Besonders günstig gibt es den Einstieg in die Fisheye- und Superweitwinkelfotografie mit Walimex-Objektiven, die für viele Kameratypen verfügbar sind. Ein 3,5/8 mm Fisheye und ein 2,8/14 mm Superweitwinkel sind dort für weniger als 400 Euro zu haben.

Tokina 2,8/16-28 mm PRO FX

© Tokina

Tokina 2,8/16-28 mm PRO FX

Weitwinkel

Weitwinkelobjektive sind für das Gefühl von Weite und Tiefe zuständig. Sie erfassen einen größeren Blickwinkel als unser Auge und geben dadurch Stadtszenen und Landschaften einen großzügigen Anstrich. Bei Innenaufnahmen lassen sie Räume größer erscheinen, als sie tatsächlich sind. Alle Brennweiten unter etwa 40 mm (KB) gelten als Weitwinkel, bei Brennweiten von weniger als 28 mm (KB) wird der Effekt dann wirklich deutlich.

Entfernungen wirken im Weitwinkel immer größer, nahe Dinge werden überbetont - . Das kann manchmal auch problematisch werden, zum Beispiel bei Porträts, wo die Gesichter auf den Bildern gerne mal anders aussehen als im wirklichen Leben - mit überproportionierter Nase. Wegen Ihres großen Bildwinkels sind Weitwinkelobjektive in beengten Verhältnissen ein echter Segen.

Gerade bei Weitwinkelobjektiven ist eine hohe Lichtstärke ein gutes Kaufargument. Bei kurzen Brennweiten ist die Tiefenschärfe ohnehin ziemlich hoch. Wenn da ein Objektiv nur mit f5,6 kommt, bleibt für einen Unschärfebereich kaum mehr Luft. Weil schon wenige Millimeter mehr oder weniger Brennweite ein deutlich anderes Bild ergeben, ist hier ein Zoom besonders wertvoll.

Während man im Telebereich für das Vollformat gerechnete Objektive auch an APS-C-Kameras einsetzen kann (und damit sogar den Teleeindruck noch verstärkt), macht das im Weitwinkel keinen Sinn. Ein 28-Millimeter-Weitwinkel fürs Vollformat kommt nämlich an einer APS-C-Kamera schon in den Bereich eines Normalobjektivs.

Auf dem Markt werden viele gute Weitwinkel-Festbrennweiten und -Zooms angeboten. Zu den Objektiven mit sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis gehört hier zum Beispiel das speziell für das APS-C-Format gerechnete Tokina AT-X 4/12-24 mm, das es für Canon- und Nikon-Kamera mit entsprechendem Bauformat gibt und das einer KB-Brennweite von ca. 18-32 mm entspricht..

Natürlich garantiert ein gutes Weitwinkelobjektiv noch keine guten Landschaftsbilder. Wichtiger als die Optik sind die Tages- und Jahreszeit. Geeignetes Licht ist durch nicht zu ersetzen und wenn lange Schatten am Morgen und am Abend ein Landschaft "formen", sieht das immer besser aus als das eindimensionales Tageslicht zur Mittagszeit. Weitwinkelobjektive erfordern eine sorgfältige Komposition des Bildes, die Wesentliches unterstreicht und unnötiges ignoriert.

Canon EF 2,8/24-70mm L II USM

© Canon

Canon EF 2,8/24-70mm L II USM

Normalbrennweite

Ein Normalobjektiv ist der kleinste und beste Begleiter einer DSLR - wie gemacht für spontane Bilder. Im Vollformat handelt es sich um eine feste Brennweite von ca. 50 mm (APS-C ca. 35 mm), Normalzooms decken oft den Bereich von 28-85 mm (KB) ab, reine APS-C-Zooms etwa 18-60 mm. Normalobjektive weisen geringe Verzeichnungen auf und sind vergleichsweise lichtstark. Selbst einfache Festbrennweiten kommen mit f1,8, noblere Modelle sogar mit f1,4 oder f1,2.

Weil der Bildwinkel eines Normalobjektivs in etwa unserem Sehfeld entspricht, eignet es sich ausgezeichnet für spontane Fotografie, wo sich Motive unterschiedlicher Größen und Abstände mischen. Alle werden ohne große Verzerrungen abgebildet, ohne das Bild allzu sehr zu verzerren. So ist das Foto stets wohl proportioniert. Für Familien- und Urlaubsbilder ist das Normalobjektiv allein schon deshalb die richtige Wahl. Am besten lassen Sie es immer auf der Kamera montiert, solange Sie kein anderes Objektiv verwenden möchten. Zoomobjektive mit einer Brennweite von 28 bis 85 mm gelten als Normalzoom.

Normalobjektive sind kompakt und platzsparend, bessere Objektive zudem lichtstark, was vorteilhaft ist, wenn man die ISO-Zahl nicht erhöhen will, um verstärktes Bildrauschen zu vermeiden. Gute Normalzooms haben sowohl die Kamerahersteller in Programm (z.B. Canon EF-S 2,8/17-55 mm; Nikon Nikkor AF-S 2,8/17-55 mm DX, Sony SAL 3,5-4,5/24-105 mm) als auch Fremhersteller wie Sigma (EX 2,8 17-50) und Tamron (AF 2,8/17-50).

Als Alternative zum Normalobjektiv mit Festbrennweite bietet sich ein Makroobjektiv mit gleicher Brennweite an (z. B. das Sigma 50mm F2,8 EX DG). Das ist zwar zwei Blendenstufen weniger lichtstark als das ansonsten vergleichbare 50mm F1,4 EX DG HSM des gleichen Hersteller, erlaubt dafür ohne Zubehör (und ohne weiteren Lichtverlust) Nahaufnahmen bis zum Abbildungsmaßstab 1:1.

Eine alte Fotografenregel sagt: Nur wer gelernt hat, mit einem Normalobjektiv gute Bilder zu machen, kommt auch mit anderen Brennweiten zurecht. Da ist auch heute noch was dran.

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