Für DSLRs von Canon, Nikon, Sigma & Co.

Anschlüsse und Ausstattung

Objektiv Bajonett

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Die Objektivanschlüsse werden Bajonett genannt.

Anschlüsse - auf was muss man achten?

Als offensichtlich wichtigste Funktion muss das Bajonett ein Objektiv sicher an der Kamera befestigen. Zum Wechseln des Objektivs sollte sich diese Verbindung auf der anderen Seite aber auch schnell und unkompliziert lösen lassen. Hierzu haben sich seit den 1970er-Jahren Bajonettverbindung durchgesetzt und die älteren Schraubverbindungen abgelöst. Dabei wird das Objektiv ins Gehäuse gesteckt und durch Drehen befestigt. Nach Lösen der Verriegelung und Drehen in die Gegenrichtung kann das Objektiv so auch wieder entfernt werden.

Lesetipp: So funktionieren moderne Objektive

Man kann aber leider nicht jedes am Markt erhältliche Objektiv mit jeder Kamera betreiben. Denn beim Bajonett und den Steuerkontakten kochen die Kamerahersteller ihr eigenes Süppchen. Folglich muss man bei der Auswahl des Objektivs darauf achten, dass es mit dem eigenen Gehäuse kompatibel ist. Die gängigsten Anschlüsse von SLRs sind EF- und EF-S-Bajonett (Canon), F-Bajonett (Nikon), K-Bajonett (Pentax), A-Bajonett (Sony) und Micro Four Thirds (Olympus, Panasonic). Die größte Auswahl an Objektiven gibt es für die Marktführer Canon und Nikon. Aber auch für andere Kameras gibt es ein zufriedenstellendes bis gutes Angebot an leistungsfähigen Objektiven.

Außerdem gibt es eine Reihe von Herstellern, die Objektive mit verschiedenen Bajonettanschlüssen herstellen und die oft eine günstigere Alternative zu den Objektiven des Kameraherstellers sind. Sigma und Tamron sind die größten dieser Fremdhersteller, weitere sind Tokina, Zeiss, Walimex und Schneider Kreuznach. Und wie die ColorFoto-Objektiv-Teste zeigen, können diese Objektive es in der Abbildungsleistung gut mit den Originalen aufnehmen.

Ausstattung von Objektiven

Die Preisspanne für Objektive ist groß. Ein Objektiv mit sehr einfacher Ausstattung ist schon für unter 200 Euro zu haben, ein lichtstarkes Teleobjektiv für Profis kann sich dagegen schon mal der 10.000 Euro-Marke nähern oder sie auch deutlich überschreiten. So kostet das Sigma 2,8/200-500 mm mit knapp 24.000 Euro ungefähr soviel wie ein fabrikneuer VW Golf. Die wichtigste Frage lautet daher immer: Welche Ansprüche soll das Objektiv erfüllen? Hier gibt es neben Lichtstärke und Brennweite auch andere Unterscheidungsmerkmale.

Ein Autofokusmotor gehört fast immer zur Ausstattung, als Ultraschallmotor arbeitet er aber schneller und leiser. Gerade wenn es auf Tempo ankommt, wie bei der Sport- und Tierfotografie, kann eine solche Optik also punkten. Auf dem Vormarsch sind aktuell die sogenannten Steppermotoren - kleine Schrittmotoren, die ebenfalls schnell und leise sind und besser mit der Kontrastautofokusmessung der spiegellosen Modelle zusammenarbeiten.

Trotz hervorragendem Autofokus stellen manche Fotografen lieber von Hand scharf - auch wenn es keine logischen Argumente dafür gibt. In diesem Fall ist es wichtig, dass der Fokusring am Objektiv griffig ist, sich leicht bewegen lässt und keinesfall zuviel Spiel hat.

Ein integrierter Bildstabilisator ermöglicht verwacklungsarme Aufnahmen auch bei schlechteren Lichtverhältnissen. Verfügt die Kamera selbst über einen Bildstabilisator, ist er in den Objektiven verzichtbar, ansonsten vor allem bei langen Brennweiten ein Muss. Linsenelemente, die besonders geformt sind (sogenannte asphärische Linsen) können helfen, Bildfehler zu vermeiden. Hinzu kommt eine aufwendige Beschichtungen, die Reflexionen unterdrückt, ohne dabei Licht zu schlucken (Vergütung).

Die mechanische Wertigkeit sollte vor allem dann ein Thema sein, wenn ein Objektiv häufig benutzt wird. Ein Bajonett aus Metall fasst sich nicht nur besser an und rastet schöner als eins aus Plastik - es hat auch weniger Abrieb und ist daher haltbarer. Ein durchaus nicht unerhebliches Kriterium beim Objektivkauf ist auch die Naheinstellgrenze - die kürzeste Entfernung, bei der ein Motiv noch scharf abgebildet wird. Eine geringe Naheinstellgrenze kann die fotografischen Möglichkeiten erheblich erweitern. Makroobjektive sind speziell darauf optimiert, auch Motive, die sehr nahe am Objektiv sind, noch scharf abzubildern.

Naheinstellgrenze

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Die Naheinstellgrenze bezeichnet die kürzeste Entfernung, bei der ein Motiv noch scharf abgebildet wird.

Um es noch einmal klar zu sagen: Auch hochwertige Objektive sind nicht frei von Abbildungsfehlern - die Fehler sind nur viel kleiner. Und ob die Objektive vom Hersteller der Kamera kommen oder einem Fremdhersteller wie Sigma oder Tamron, Zeiss oder Tokina, spielt genausowenig eine Rolle. Fremdhersteller haben oft spezielle Brennweiten (vor allem Zooms) im Angebot, die Sie selbst in den opulenten Sortimenten von Canon oder Nikon vergeblich suchen und können durch die Fertigung größerer Serien mit den unterschiedlichsten Anschlüssen ihre Produkte oft noch günstiger anbieten. Einen generellen Qualitätsunterschiede gibt es jedenfalls nicht, auch hier steht Ihnen im Einzelfall die ColorFoto-Objektivdatenbank bei der Auswahl zur Seite - die jeden Hersteller gleich objektiv bewertet.

Was bringen lichtstarke Objektive?

Eine Möglichkeit bei wenig Licht ohne Blitz zu arbeiten ist die Erhöhung der ISO-Zahl, allerdings nimmt damit auch das Bildrauschen zu. Einzige Alternative ist ein lichtstarkes Objektiv. Hiermit kann man selbst in relativ dunklen Räumen noch gute Bilder schießen. Viele normale Zoomobjektive haben eine Lichtstärke von 1:4, ein lichtstarkes Normalobjektiv mit einer Festbrennweite von 50 mm hat hingegen eine Lichtstärke von 1:1,4. Da sich die Lichtmenge pro ganzer Blendenstufe immer verdoppelt, gelangt dann bei offener Blende achtmal soviel Licht auf den Sensor.

Lichtstarke Objektive haben fast nur Vorteile, der wichtigste Nachteil wird aber schnell zum KO-Kriterium: Sie sind teuer. Schon ein 50-Millimeter-Objektiv kostet mit Lichtstärke 1.4 mit 300 Euro etwa doppelt soviel wie ein Objektiv mit Lichtstärke 1,8. Und im Telebereich wird es richtig teuer, wenn man für Tier- oder Sportaufnahme hohe Lichtstärken benötigt. Für ein 300er Tele mit einer Lichtstärke von f/2.8 zahlt man oft mehr als 4.000 Euro, für ein 500er Tele mit f/4.0 meist mehr als 8.000 Euro. Bei den langen Brennweiten sind lichtstarke Objektive konstruktionsbedingt auch deutlich größer und schwere als solche mit geringer Lichtstärke

Bei vielen lichtstarken Objektiven ist die Abbildungsqualität in den Ecken nicht optimal, wenn mit offener Blende fotografiert wird. Abblenden verbessert die Qualität deutlich. In der Praxis hat es sich bewährt, die Blende möglichst um eine Stufe zu schließen. Da weniger lichtstarke Objektive bei der Anfangsöffnung mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, bleibt der Vorsprung bei der Lichtstärke trotzdem erhalten.

Durch lichtstarke Objektive fällt in der Regel auch mehr Licht auf den AF-Sensor, was der Autofokusgeschwindigkeit zugute kommt. Und natürlich bieten lichtstarke Objektive dem Fotografen mehr gestalterische Freiheiten, etwa beim Arbeiten mit selektiver Schärfe.

Lesetipp: So funktionieren moderne AF-Antriebe

Es ist oft ein Kennzeichen hochwertiger Zoomobjektive, wenn die Lichtstärke über den gesamten Brennweitenbereich gleich bleibt. Bei günstigeren Modellen nimmt sie bei steigender Brennweite ab.

Labortests bestätigen immer wieder, dass ein Objektiv seine Bestleistung dann erreicht, sobald es um etwa zwei Stufen abgeblendet wird. Ein Spitzenzoom mit einer durchgehenden Öffnung von 1:2,8 ist zwar bereits bei offener Blende bedenkenlos einzusetzen, die Abbildungsleistung erreicht jedoch etwa bei Blende 5,6 Spitzenwerte.

Alte Objektive an modernen Kameras

Wer alte Objektive besitzt, kann diese an einer digitalen Spiegelreflexkamera der gleichen Firma in der Regel weiterverwenden. Wer eine größere Objektivpalette sein Eigen nennt, wird bei der Wahl eines neuen Gehäuses sicher explizit auf diese Kompatibilität achten. Dagegen ist auch prinzipiell nichts einzuwenden, man sollte sich allerdings über die damit verbundenen Einschränkungen im Klaren sein.

Geht mit dem neuen Gehäuse ein Formatwechsel einher (z.B. vom analogen Kleinbild zum APS-C-Format), ist der Crop-Faktor zu bedenken. Fehlende Kontakte zur Steuerung des Objektivs schränken außerdem oft die Automatikfunktionen ein, so dass man bei älteren Objektiven oft alle Einstellungen per Hand vornehmen muss. Das gilt natürlich auch fürs Scharfstellen. Besitzt ein altes Objektiv keinen Autofokus oder lässt er sich nicht über die Kamera steuern, muss man manuell fokussieren.

Auch ein anderes Problem alter Optiken sollte man nicht unterschätzen. Da es beim Film unerheblich war, in welchem Winkel ein Lichtstrahlen auf die Silberhalogenidkristalle trifft, treffen Lichtstrahlen hier oft nicht senkrecht auf die Filmeebene. Heute sitzt hier aber ein Sensor, dessen Pixel Licht dann am besten erkennen, wenn es im rechten Winkel auftrifft. Dieser Effekt sorgt für eine etwas schlechtere Abbildungsleistung eines Objektivs im digitalen Setting. Last not least waren die alten Objektive für Film gerechnet, ihre Auflösung ist für moderne Sensoren einfach zu schlecht.

Um es also klar zu sagen: An eine moderne DSLR gehört ein passendes Objektiv und kein Oldie. Das sollte man zumindest für die Brennweiten beachten, mit denen man am häufigsten arbeitet. Angenehmer Nebeneffekt: Moderne Optiken sind dank verbesserter Materialien und Konstruktionen oft kleiner und leichter. Spezialobjektive, etwa für die Mikrofotografie oder manche Supertele wurden schon immer über Adapter angeschlossen. Solche Optiken kann man in der Regel auch an der neuen DSLR weiter verwenden.

Lesetipp

Beste APS-C-DSLRs
Digitale Spiegelreflexkameras

Um sich ein Bild von den Unterschieden zu verschaffen, lohnt oft ein Gang zum Fachhändler. Nehmen Sie Ihr altes Objektiv mit und bitten Sie ihn, im Laden ein paar Aufnahmen mit diesem alten Objektiv und einem aktuellen Objektiv machen zu dürfen. Schauen Sie sich die Bilder zuhause in Ruhe bei 100% Darstellungsgröße auf dem Monitor an. Wenn Sie dort keine großen Unterschiede erkennen, ist es gut - vermutlich werden die Unterschiede aber deutlich sein. Schauen Sie sich danach auch eine Gesamtansicht der jeweiligen Bilder an, denn nur so erkennen sie Randabdunklungen des Objektivs. Idealerweise machen Sie alle Testaufnahmen vom Stativ mit Fernauslöser, das verhindert Verwackler.

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