Für DSLRs von Canon, Nikon, Sigma & Co.

Objektivarten

Tamron SP 2,8/70-200 mm Di VC USD

© Tamron

Tamron SP 2,8/70-200 mm Di VC USD

Teleobjektiv

Mit einem Teleobjektiv holt man ein Motiv richtig nah heran - auch wenn der Abstand zur Kamera groß ist. Superteleobjektive mit Brennweiten von 300 mm und mehr kommen vor allen dort zum Einsatz, wo man sich dem Geschehen nicht nähern kann - etwa in der Tier- und Sportfotografie. Sie verdichten nicht nur den Bildausschnitt, sondern auch den Schärfebereich. Das kann man sich zunutze machen, um das eigentlichen Motiv vom unscharfer Hintergrund abzuheben.

Ein nicht immer gewollter Nebeneffekt starker Teleaufnahmen: Die einzelnen Motivteile rücken näher zusammen, der Raum wird scheinbar komprimiert. Dieser grafische Effekt ist für manche Motive als Gestaltungsmittel willkommen, bei anderen aber eher störend.

Für Porträtaufnahmen ist ein kürzeres Teleobjektiv mit einer Brennweite von 80-105 mm (KB) vorteilhafter. Das Tele ist stark genug, um den Hintergrund unscharf werden zu lassen, aber das Gesicht wirkt nicht so flach, wie bei einer längeren Brennweite. Die Proportionen werden vorteilhaft abgebildet und die Verzeichnungen sind minimal - egal ob mit Festbrennweite oder Zoom.

Ein genereller Nachteil von Teleobjektiven: Aufgrund der starken Motivvergrößerung macht sich jede leichte Bewegung während der Aufnahme als verwackeltes Bild bemerkbar. Deshalb ist ein stabiles Stativ ein genialer Partner des Teleobjektivs, auch wenn ein optischer Bildstabilisator im Objektiv oder in der Kamera das Problem schon reduziert. Teleobjektive, vor allem lichtstarke, sind groß und schwer. Die Kamera wirkt da eher wie ein Zubehörteil, dass dran hängt. Solche Objektive sollten ein eigenes Stativgewinde haben, das auf den Schwerpunkt des Objektivs ausgerichtet ist. Sonst kippt alles zusammen um.

Bei Teleobjektiven ist das Angebot an verschiedenen Lichtstärken und Brennweiten besonders hoch. Während Profis hier lieber zu sehr lichtstarken (und teuren) Festbrennweiten greifen - jeder kennt die Bilder vom Fotografenpulk neben dem Tor beim Länderspiel - sind im Amateurlager vor allem vergleichsweise lichtstarke Zooms beliebt. Etwas das Tamron 2,8/70-200 mm oder das Sigma 2,8/50-150 mm.

Wer nur ab und zu ein längeres Teleobjektiv benötigt, ist mit einem Telekonverter auf jeden Fall günstiger beraten, der die Brennweite um den Faktor 1,4 oder 2 verlängert. Allerdings verliert das Objektiv dabei auch eine bzw. zwei Blenden Lichtstärke. Deswegen macht es Sinn, Konverter mit lichtstarken Objektiven zu kombinieren.

Sigma EX 2,8/180 mm DG OS HSM Macro

© Sigma

Sigma EX 2,8/180 mm DG OS HSM Macro

Makroobjektiv

Um einen Gegenstand aus nächster Nähe fotografieren zu können, muss das Objektiv noch scharfstellen können, wenn man schon sehr nah herangeht. Objektive die das kennen, heißen Makro. Sie sind speziell für extreme Nahaufnahmen gerechnet, geben aber auch in fast jeder anderen fotografischen Situation eine hervorragende Figur ab. Zwar bringen auch Nahlinsen kleine Dinge groß aufs Bild, aber früher oder später kauft sich jeder, der gerne Nahaufnahmen macht, ein Makroobjektiv, das stufenlose Abbildungen vom der Ferne bis zum Maßstab 1:1 erlaubt. Und zwar eine Festbrennweite, da gibt es keine zwei Meinungen. Deren Abbildungsleistung ist im Vergleich zur Nahlinse Klassen besser.

Makroobjektive gibt es mit unterschiedlichen Brennweiten. Mit einem 50- oder 60 Millimeter-Makro muss man sich der "Beute" viel mehr nähern als mit einem 100 Millimeter-Makro. Noch längere Makrobrennweiten erlauben auch noch größeren Abstand. Mit der Brennweite und dem Arbeitsabstand wächst aber auch die Gefahr des Verwackelns, so dass Bildstabilisator oder Stativ dann eigentlich Pflicht sind.

Viele Makroobjektive von praktisch allen Herstellern gehören aufgrund ihrer natürlichen Abbildung zu den Spitzenreitern im Objektiv-Testfeld von ColorFoto. Nicht umsonst setzt das ColorFoto-Testlabor solche Optiken bevorzugt ein, wenn es darum geht, die Abbildungsleistung einer Kamera zu messen - weil die Abbildungsleistung des Objektivs kein limitierender Faktor ist.

Eine hohe Lichtstärke ist bei einem Makroobjektiv nicht zwangsläufig von Nutzen. Um eine bessere Tiefenschärfe zu erreichen, verwendet man oft eine kleinere Blende, etwa 11 oder 16. Bei geöffneter Blende beträgt die Tiefenschärfe nämlich nur Millimeter.

walimex pro 3,5/24 mm T/S

© walimex

walimex pro 3,5/24 mm T/S

Spezialobjektive

Vor allem bei der Architekturfotografie kommt es auf gerade und rechtwinklige Linien an. Sonst sehen Häuser leicht einsturzgefährdet aus. Dazu braucht es ein spezielles Objektiv, das horizontal und vertikal parallel zur Sensorebene verschoben werden kann, damit die Perspektive im Bild korrigiert wird. Man spricht von Perspektivkorrektur, englisch perspective correction und ein Objektiv mit solchen Eigenschaften heißt dann PC-Objektiv oder Shift-Objektiv. Kann das Objektiv auch anders als parallel zur Sensorebene verschoben werden, spricht man von Tilt-Objektiven. Solche Objektive sind in der Regel sehr teuer, die Anschaffung lohnt nur, wenn man viel Architektur fotografiert.

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Spezialobjektive. Etwa Spiegeltele, die sehr lange Brennweiten in einem sehr kompakten Objektivgehäuse unterbringen, indem sie den Strahlengang mithilfe von zwei Spiegelflächen "falten". Sie müssen konstruktionsbedingt ohne Blende auskommen.

Es gibt noch weitere Exoten wie Lupenobjektive die man - nomen est omen - mit der Lupe suchen muss. Das Canon MP-E 65mm 1:2.8 1-5x Macro Photo fällt beispielsweise in diese Kategorie. Andere Lupenobjektive wie Luminare von Zeiss oder Photare von Leitz findet man nur noch gebraucht bei eBay. Wer tatsächlich häufiger mit Abbildungsmaßstäben größer als 1:1 arbeitet, tut das am besten mit einem Balgengerät.

Sinnvolle Ausrüstung - einige Beispiele

Beim Zusammenstellen der Ausrüstung ist es wichtig, dass Ihr hauptsächlicher Motivbereich mit guter Lichtstärke vertreten ist. Für exotische Brennweiten wie Fischauge und Supertele hat man dagegen nur selten Verwendung, daher sollte man nicht zu viele Gedanken in diese Richtung verschwenden.

Als klassische Ausstattung sehen viele Fotografen zwei Zoomobjektive mit anständiger Lichtstärke: Eins für den Bereich vom Weitwinkel (ab etwa 24 Millimeter Kleinbild) bis zum leichten Tele mit etwa 70 Millimeter KB, dazu ein Telezoom von 70 bis 200 Millimeter KB. In APS-C sind das dann 17-50 und 50-150 mm. Eine konkrete Empfehlung sind hier das Tamron AF 2,8/17-50 mm und das Sigma 2,8/50-150mm EX. Beide sind speziell für das APS-C-Format gerechnet und haben eine konstante Lichtstärke über den gesamten Zoombereich.

Wer wenig Teleaufnahmen macht, erhält mit drei Festbrennweiten fürs gleiche Geld bessere Lichtstärke und höhere Qualität. Etwa mit einem lichtstarken Weitwinkel (z.B. Nikon Nikkor  2,8/28 mm,  Canon EF2/35 mm), einem Makroobjektiv (z.B. Tamron AF 2/60 mm) und einem mittleren Tele (z.B. 1,4/85 mm von Walimex oder Sigma).

Sehr flexibel ist man mit drei Zooms durchgängiger Lichtstärke, die einen weiten Brennweitenbereich abdecken. Eine solche Kombination erhält man z.B., wenn man zum Tamron AF 2,8/17-50 und zum Sigma 2,8/50-150 EX noch ein Weitwinkelzoom anschafft, wie das Tokina AT-X 4/12-24 mm.

Brennweite, Lichtstärke, Abbildungsfehler

Es sind vor allem zwei Angaben, die ein Objektiv eindeutig kennzeichnen. Die Brennweite und die Lichtstärke. Die Brennweite wird in Millimetern angegeben und bedeutet, streng genommen die Entfernung zwischen der Aufnahmeebene (Sensor) und der Hauptebene des Objektivs. Durch bewegliche Linsengruppen in den Objektiven sind Brennweite und Baulänge eines Objektives aber nicht mehr wirklich aneinander gekoppelt.

Brennweite auf Objektiv

© philippe Devanne - Fotolia.com

Brennweiten auf einem Objektiv - angegeben in Millimeter.

Je größer die Brennweite, desto enger wird der Bildwinkel und somit der Bildausschnitt. In anderen Worten: Mit zunehmender Brennweite nimmt auch der Vergrößerungsfaktor zu. Objektive, bei denen die Brennweite verändert werden kann, heißen Zoomobjektive oder einfach Zoom. Bei Zoomobjektiven geben die Hersteller jeweils die Werte für die kleinste und die größte einstellbare Brennweite an, etwa 28-85 mm.

Die Lichtstärke ist die zweite Zahl, die ein Objektiv charakterisiert. Die Lichtstärke des Objektivs entspricht dem Kehrwert der kleinsten Blendenzahl, also der größten relativen Öffnung. Eine kleine Zahl steht also für eine große Lichtstärke. Alle möglichen Blendeneinstellungen eines Objektivs zusammen nennt man eine Blendenreihe. Benachbarte Werte stehen immer im Verhältnis 1:V2, da sie sich auf den Durchmesser der Öffnung beziehen. Die offene Fläche ändert sich also im Quadrat dieser Werte.

Als "ganze Blendenstufen" bezeichnet man folgende Reihe: 1 - 1,4 - 2 - 2,8 - 4 - 5,6 - 8 - 11- 16 - 22 - 32. Von jeder Stufe zur nächsten wird die einfallende Lichtmenge halbiert. Ein Objektiv mit der Lichtstärke 2,8 ist also 4mal lichtstärker als eins mit der Lichtstärke 5,6.

Der dritte Wert, der ins Spiel kommt, ist der Crop-Faktor. Er hat nichts mit dem Objektiv selbst zu tun, aber mit dem Kameragehäuse oder besser gesagt dem dort verbauten Sensor. Ein Sensor im APS-C-Format ist kleiner als der Sensor bei Vollformat-Kameras, aber größer als ein Four-Thirds- oder 1-Zoll-Sensor. Da man bei kleinerer Sensorfläche nur einen Ausschnitt des Bildes erhält, das bei gleicher Brennweite auf einen Vollformatsensor  aufgenommen würde, spricht man auch von einer Brennweitenverlängerung. 

Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, denn die Brennweite selbst ändert sich nicht, nur ihre Wirkung. Wir bevorzugen deshalb die englische Bezeichnung Crop-Faktor (Beschnittfaktor). Für das klassische Vollformat konstruierte Objektive liefern auch an Kameras mit kleinerem Sensor eine gute Abbildungsqualität, umgekehrt geht es aber nicht. APS-C-Objektive füllen keinen Vollformatsensor mit ihrem Bild aus, können aber wie Vollformatobjektive mithilfe eines Adapters oft an Kameras mit noch kleineren Sensoren eingesetzt werden.

Neben den Zahlen gibt es noch eine ganze Reihe von Kürzeln, mit denen die Hersteller die Eigenschaften ihrer Produkte beschreiben. So heißen Objektive, die speziell für das APS-C-Format gerechnet wurden, bei Canon EF-S, bei Nikon DX oder bei Sigma DC. OS, IS, VC  oder VR stehen für einen optischen Bildstabilisator, APO für eine besonders hochwertige (apochromatische) Korrektur von Bildfehlern und USM, S, USD oder HSM für schnelle und leise Ultraschallfokussierung. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, ein Blick auf die jeweilige Herstellerseite verrät, was die Buchstabenkürzel bedeuten.

Auch Wechselobjektive sind nicht frei von Abbildungsfehlern. Objektive biegen gerade Linien durch. Je nach Motiv stört das mal mehr, mal weniger. Werden gerade Linien am Bildrand nach außen gebogen, heißt die Verzeichnung tonnenförmig, sind die Linien nach innen durchgebogen spricht man von einer kissenförmigen Verzeichnung.

Lesetipp: So entstehen Verzeichnung und Vignettierung

Ein weiterer typischer Abbildungsfehler ist die Vignettierung, eine unerwünschte Abdunkelung zum Bildrand hin. Während das Problem der Verzeichnung bei jeder Blendeneinstellung gleich ist, kann der Grad der Vignettierung durch eine Änderung der Blendeneinstellung abgeschwächt werden. Bei offener Blende ist die Randabschattung für gewöhnlich am stärksten; durch Abblenden um ein bis zwei Stufen reduziert die Vignettierung.

Weitere Abbildungsfehler sind ein Schärfeverlust an den Bildrändern und unschöne Farbsäume (chromatische Aberration) an Kanten im Bild.

Zoom oder Festbrennweite?

Ein Objektiv mit Festbrennweite hat nur eine einzige Brennweite; der Bildausschnitt kann nur durch Wechsel der  Position erreicht werden. Soll das Motiv größer abgebildet werden, muss man näher ran.

Ein Zoomobjektiv ist praktisch, weil es mehrere Brennweiten im gleichen Objektiv vereint. Aufgrund ihrer Allround-Eigenschaften ermöglichen Zoomobjektive maximale Flexibilität, sie sind aber in der Regel schwerer und unhandlicher als ein Objektiv mit fester Brennweite. Trotzdem gewinnt man Komfort und Zeit, weil man statt mehrere Festbrennweiten nur ein Zoom mitnehmen muss und keine Zeit beim Objektivwechsel verliert.

Die Zoomleistung der Objektive ist dabei sehr unterschiedlich. Neben Standardzooms mit drei- bis vierfachem Brennweitenbereich werden Superzooms zunehmend populärer, die einen 10-fachen oder größeren Brennweitenbereich abdecken. Verbreitet fürs APS-C-Format sind 18-200 Millimeter Brennweite. Solche, oft als Reisezoom bezeichnete, Objektive sind allerdings in der Regel weniger lichtstark. Generell gilt bei Zooms: Je größer der Brennweitenbereich ist, desto größer sind die Kompromisse, die man eingehen muss.

Festbrennweiten sind vor allem dann empfehlenswert, wenn besonders hohe Lichtstärke gefragt ist - sei es für die Available-Light-Fotografie oder für Porträts, die von selektiver Schärfe bei weit geöffneter Blende 1,2 oder 1,4 leben. In diesen Bereich kommt ein Zoom nicht. Eine sinnvolle Lösung muss also keinesfalls Zoom oder Festbrennweit heißen. Zoom plus Festbrennweite macht auch eine Menge Sinn.

Mehr lesen

Newsletter -

Mehr zum Thema

Sigma 18 200 Test Nikon Canon
Objektiv für Canon, Nikon und Co.

Die Sigma-Objektive mit 18-200 mm Brennweite sind beliebte Reisezooms für DSLRs von Canon, Nikon und Co. Unsere Tests auf einen Blick.
Nikon, Kamera, Objektiv
Nikon Objektive

Zusammen mit der neuen spiegellosen Systemkamera Nikon 1 V3 mit schnellem Hybrid-Autofokus, stellt Nikon zwei neue 1-Nikkor-Zoomobjektive vor.
Fuji Fujinon XF18-135mm an T1
Objektive

Mit dem Fujinon XF3,5-5,6/18-135 mm R LM OIS WR bringt Fuji ein staub- und spritzwassergeschütztes Reisezoom entsprechend 27-206 mm KB-Brennweite…
Canon EOS 5DS und 5DS R
50-Megapixel-DSLR

Canon hat neue Spiegelreflexkameras mit einem 50,6-Megapixel-Vollformat-Sensor vorgestellt. Die beiden Modelle Canon EOS 5DS und EOS 5DS R…
Canon EF 50mm F1.8 STM
Vollformat-Objektiv

Das Vollformat-Objektiv Canon EF 50mm F1.8 bekommt einen Nachfolger. Die Festbrennweite unterscheidet sich vor allem durch den Stepping Motor (STM)…