Sony, Nikon und Canon

Nikon D610, D810, Df & D4s im Vergleich

Wie Canon rundet auch Nikon sein Sortiment an SLR-Vollformatkameras nach unten hin mit einem Consumer-Modell für unter 2000 Euro, nach oben mit einem Profigehäuse samt integriertem Hochkanthandgriff, extraschneller Serienfunktion und moderater Nennauflösung für über 6000 Euro ab: der D610 mit 24 und der D4s mit 16 Megapixeln. Das mittlere (Preis-)Segment, das Canon mit der EOS 5D Mark III für 2700 Euro bedient, deckt Nikon gleich mit zwei Modellen ab: Die D810 für rund 3230 Euro zielt mit 36 Megapixeln und dem Verzicht auf den Tiefpassfilter auf eine extrem hohe Auflösung ab und hat als solche keine direkte Gegenspielerin aus dem Hause Canon, seit Kurzem allerdings eine Konkurrentin von Sony, die spiegellose Alpha 7R.

D810

© Nikon

Nikon D810

Die zweite Nikon-Vollformatkamera in der Preisklasse um 3000 Euro heißt schlicht Df, erbt von Nikons Profiliga den 16-Megapixel-Sensor und von der über 40 Jahre alten, analogen Nikon F2 so manches Gestaltungselement der 1970er-Jahre. Passend zum Retro-Konzept: Die Df hat jede Menge Einstellräder, verzichtet aber auf Video, WLAN und GPS. Dank klappbarem Blendenkupplungshebel lassen sich neben den heute gängigen F-Objektiven auch nostalgische, vor 1977 entwickelte Nikkor-Optiken ohne Blendenübertragung anschließen.

Die Belichtungssteuerung kann dann per Offenblendenmessung erfolgen - vorausgesetzt, der Anwender hat im Menü unter "Objektivdaten" Brennweite und Lichtstärke vorgegeben, unter "Blendenübertragung" die Option "Objektiv ohne AI" aktiviert und per Wahlrad die Blende händisch eingestellt. Dass die Linsenvergütung in den 1970er-Jahren noch nicht so ausgereift war wie heute, dürfte Besitzer solcher Oldtimer-Objektive kaum stören, einmal mehr, weil einige von den guten alten Stücken optisch perfekt mit dem Df-Gehäuse harmonieren.

Gehäuse

Als günstigste der vier Nikon-Vollformatkameras besteht die D610 zum Teil aus Kunststoff - ein Zugeständnis, das angesichts des fairen Preises gerechtfertigt erscheint. Dass Nikon auch die Df nicht vollständig, sondern nur an Ober-, Unter- und Rückseite aus Magnesiumbauteilen fertigt, überrascht. Die D810 kommt wie in dieser Preisklasse üblich im Vollmetallgehäuse, wiegt mit 983 g nur wenige Gramm mehr als die Df, liegt aber dank weiter auslandendem, großflächig gummiertem Griff stabiler in der Hand.

D610

© Nikon

Nikon D610

Alle drei Modelle sind abgedichtet, D810 und Df etwas aufwändiger als die D610. Letztere besitzt Steckplätze für zwei SDHC/XC-Karten, die D810 je einen Einschub für SDHC/XC und Compact-Flash. Nur die Df muss mit einem einzelnen SDHC/XD-Slot vorliebnehmen. Zudem hat das Retro-Modell kein separates Seitenfach für die Speicherkarte parat, sondern nur ein Plätzchen neben dem Lithium-Ionen-Akku.

Obwohl kleiner reicht der Akku hier (1230 mAh, 8,9 Wh) gemäß CIPA-Standard für 1400 Aufnahmen und damit länger als der größere Akku EN-EL15 (1900 mAh, 14 Wh), der entsprechend CIPA in der D610 etwa 900, in der D810 cirka 1200 Bilder schafft. Das Sensorreinigungssystem, das lose Partikel von der obersten Filterschicht abzuschütteln versucht, gehört zur Standardausstattung. Zudem findet sich in beiden Nikons ein Ausklappblitz mit Leitzahl 9 und in der D810 als Besonderheit ein USB-3.0-Anschluss.

Sucher und Monitor

Keine Unterschiede macht Nikon beim großen, klaren Pentaprismasucher mit effektiv 0,7-facher Vergrößerung, der sowohl in der D610 als auch in der D810 auf Wunsch Gitterlinien anzeigt und das gesamte Gesichtsfeld abdeckt. Allerdings lässt sich der Suchereinblick an der D810 bequem per Hebel, an D610 und Df lediglich durch eine separate Kappe mit Befestigungsclip verschließen.

Der große 3,2-Zoll-Monitor arbeitet bei den günstigeren Modellen D610 und Df mit 3 x 307 200 RGB-Pixeln, bei der D810 mit 4 x 307 200 RGBW-Matrix, also mit zusätzlichen Weißpixeln für mehr Helligkeit. Ungewöhnlich, aber praktisch: Wer im Live-View-Fotobetrieb und manuellen Modus eine LV-Belichtungsvorschau zu sehen bekommen will, kann und muss diese an der Df per Abblend-, an der D810 per OK-Taste explizit abrufen.

Autofokus und Performance

Während die D810 den Phasenautofokus mit 51 Feldern und 15 Kreuzsensoren von Nikons Profikameraklasse übernimmt, bekommt die Df wie die D610 nur die abgespeckte Variante mit 39 Feldern, davon 9 Kreuzsensoren. Was das Tempo betrifft, scheint das hier allerdings keineswegs von Nachteil: Mit 0,33 s Auslöseverzögerung bei 1000 Lux arbeitet die Df sogar ein wenig schneller als die D810 (0,37 s) und die D610 (0,38 s). Bei schwachem Umgebungslicht braucht sie zwar mit 0,47 s länger, steht aber im Vergleich zur D810 (0,46 s) und D610 (0,57 s) noch immer recht gut da.

D4s

© Nikon

Nikon D4s

Im Live-View-Betrieb wechseln die Nikons zur AF-Kontrastmessung am Aufnahmesensor, mit der sie 0,97 s (Df), 1,02 s (D810) bzw. 1,24 s (D610) zum Scharfstellen und Auslösen benötigen - wesentlich länger als die drei spiegellosen Sony-A7er-Gehäuse, die ihr AF-Tempo durchgängig und unabhängig vom Sucher- und Monitorbetrieb halten. Dafür sind die Nikons nach dem Einschalten mit 0,2 bis 0,3 s deutlich schneller startklar und erreichen im Serienmodus einen etwas höheren Durchsatz mit 6,1 (D610), 5,1 (D810) und 4,6 B/s (Df).

Dank einer auf geräusch- und vibrationsarmen Betrieb getrimmten Verschluss- und Spiegelmechanik löst die D810 etwas leiser aus als D610, Df und viele andere SLR-Kameras. Schade allerdings, dass alle drei Nikons nicht auch vom Schlitz- auf einen elektronischen Verschluss umsteigen können, um damit mehr oder weniger lautlos auszulösen.

Dafür bietet die D810 im Live-View einen "elektronischen ersten Verschlussvorhang", der in Kombination mit der Spiegelvorauslösung dabei hilft, dass Bilder trotz langer Verschlusszeit nicht verwackeln: Beim ersten Drücken des Fernauslösers öffnet die D810 dabei den Verschluss, um dann beim zweiten Auslösen die Belichtung elektronisch und erschütterungsfrei zu starten.

Belichtungssteuerung

Wie der Phasenautofokus unterscheidet sich auch das mit ihm gekoppelte TTL-Belichtungsmesssystem der D810 mit 91 000-Pixel-RGB-Sensor, von denen der beiden günstigeren Nikons mit 2016 Pixeln. Alle drei Modelle berücksichtigen für die Spot-Methode 1,5 % des Bildfelds und lassen die Wahl, wie groß der für die mittenbetonte Messung mit 75 % gewichtete Bildkreis sein soll (8, 15 und 20 mm). Nur die D610 bietet neben den Aufnahmemodi P, S, A und M eine Vollautomatik sowie Motivprogramme wie Porträt, Landschaft oder Kinder.

Df SL

© Nikon

Nikon Df SL

Sie deckt Empfindlichkeiten von ISO 50 bis ISO 25 600 ab, wohingegen die Df die vergleichsweise großen Pixel für einen erweiterten Einstellbereich bis ISO 204 800 nutzt. Die D810 greift zwar mit maximal ISO 51 200 nicht ganz so hoch wie die Df, unterstützt aber niedrige Empfindlichkeiten bis regulär ISO 64, erweitert sogar bis ISO 32. Außerdem beherrscht sie kurze Verschlusszeiten bis 1/8000 s, die Geschwistermodelle nur bis 1/4000 s.

Videos

Die D810 liefert extrem scharfe Full-HD-Videos mit bis zu 60 B/s. Bei uns wiesen sie auch keine gravierenden Darstellungsfehler wie Farbschlieren oder übermäßiges Rauschen auf, waren jedoch recht hart abgestimmt. Außerdem zog der kontinuierliche Autofokus die Schärfe teils ruckartig und damit störend nach. Die Belichtungssteuerung funktionierte besser und ohne größere Helligkeitssprünge. Den entsprechenden Full-HD-Videos der D610 fehlte es an Dynamik, außerdem traten immer wieder Moire-Effekte und Artefakte auf. Die Df steht ohne Videofunktion in diesem Zusammenhang außer Diskussion.

Direktzugriffe

Nikons Vollformater haben so manche charakteristische Merkmale gemein, so etwa die vielen Bedienelemente, die einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Einstelloptionen gewähren, und die Struktur des Menüs. Letzteres besteht aus sechs Untermenüs, die sich vorwiegend als lange Scrolllisten präsentieren. Eines davon enthält wahlweise die zuletzt genutzten Menü-Einträge oder ein Sammelsurium an benutzerdefinierten Einstelloptionen. Navigiert wird per Richtungswippe und, sofern dies unter "Individualfunktionen, Bedienelemente, Einstellräder, Menüs und Wiedergabe" freigeschaltet wurde, per Daumen- und Zeigefingerrad.

Auf einem speziell dafür vorgesehenen Display an der Oberseite informieren die Kameras über aktuelle Einstellungen und den Akkuladestand. Allerdings fällt dieses Display an der Df sehr klein aus. Gleiches gilt für das Modusrad, das man erst nach oben ziehen muss, um es zu betätigen. Dafür hat die Df links des Sucherbuckels ein großzügig dimensioniertes, doppelstöckiges Einstellrad für ISO-Zahl und Belichtungskorrektur, rechts eines für die Verschlusszeit mit Drehschalter für die Betriebsart.

D4s

© Nikon

Nikon D4s

Bildqualität

Dass die D810 mit ihren 36 Megapixeln eine herausragende Grenzauflösung und mit ihr ein weitaus besseres Ergebnis erreichen würde als die Df mit 16 und die D610 mit 24 Megapixeln, war abzusehen. Trotzdem erscheint uns die Diskrepanz mit einem Plus von bis zu 988 LP/BH gegenüber der Df und bis zu 653 LP/BH gegenüber der D610 bemerkenswert. Das alleine macht die D810 allerdings noch nicht zu einer Top-Kamera.

Dazu muss und kann sie noch mehr positive Eigenschaften vorweisen, beispielsweise gute DL-Werte (bis 2061 LP/BH) und ein schwaches Rauschen (0,5 bis 1,5 VN). Insgesamt betrachtet lassen ihre JPEG-Aufnahmen bis ISO 800 nur minimale, bis ISO 1600 noch akzeptable und erst ab ISO 3200 signifikante Qualitätseinbußen erkennen. Allerdings treten wegen der vielen und dadurch besonders kleinen Pixel beim Abblenden bereits ab f8,0 Beugungsverluste auf.

Bei der Df steigt diese kritische Grenze auf die förderliche Blende 13,0. Abgesehen davon kann die Df aber den Rückstand, den ihr die schwache Grenzauflösung (max. 1449 LP/BH) beschert, nicht ausgleichen: Obwohl ihre Leistungen bis ISO 3200 nur vergleichsweise moderat abfallen, liegt sie in der Punktewertung bei allen gemessenen ISO-Stufen hinter der D810 und im Bereich von ISO 100 bis 800 auch hinter der D610 zurück.

D810

© Nikon

Nikon D810

Letztere punktet vor allem mit einer sehr hohen Dynamik bei ISO 100 (13 Blenden) und ISO 400 (10,3 Blenden), einer guten Textur (0,4 bis 1,2 Kurtosis), die sie mit einem passablen Rauschverhalten (0,5 bis 2,0 VN) und einer soliden Auflösung bis 1784 LP/BH kombiniert. Die niedrigen Dead-Leaves-Werte der D610 gehen auf eine harmonische Kontrastanhebung und die weiche Bildabstimmung zurück.

Fazit

Gegenüber der D610 rechtfertigt die D810 ihren höheren Preis nicht nur mit der besseren Bild- wie Videoqualität, sondern auch dem großzügiger bestückten Autofokus- und Belichtungsmesssystem. Insgesamt holt die D810 einen knappen Testsieg heraus. Die D610 überzeugt als sorgfältig abgestimmte Einsteigerkamera, überholt in der Gesamtwertung ihre Gegenspielerin Canon EOS 6D wie auch das teurere Retro-Modell Df.

Für einen Kauftipp Preis/Leistung ist sie aber dann doch 400 Euro zu teuer. Die Df punktet mit ihrem klassischen Einstellkonzept, das besonders viele Drehräder und Direktzugriffe vorsieht - Kauftipp Bedienung. Allerdings erscheint ihr Preis mit rund 2700 Euro relativ hoch, zumal sie die Ausstattung in wesentlichen Bereichen von der Consumer-Klasse übernimmt.

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