Haustechnik der Extraklasse

Modernes Wohnen im Bestand

Der Gerling-Komplex im Herzen Kölns wird renoviert. Frei nach dem Motto "das Beste ist gerade gut genug" verwandeln Architekten die Altbauten in aparte Geschäftsräume und smarte Luxus-Wohnungen. Ein Einblick in die Haustechnik der Extraklasse.

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Wirtschaftswunder trifft Neogotik. Auf diese knappe Formel lässt sich der Gerling-Komplex herunterbrechen. Nicht ganz unbescheiden heißt es im Firmen-Video: "...dass hier jeder Stein Geschichte atmet."

Den urbanen Mittelpunkt ließ Hans Gerling in den 50er-Jahren erbauen. Der Versicherungsunternehmer hatte als Kunst-Mäzen stets besondere Ansprüche und die haben die damaligen Architekten grandios umgesetzt.

Schon damals wurde alte Bausubstanz, wie das historische Stadtarchiv, ins Konzept integriert. Nun haben sich die FRANKONIA Eurobau und die IMMOFINANZ Group der Modernisierung gewidmet. Sie sind dabei, aus dem Gerling-Quartier eine "neue Mitte" mit Wohnungen und Geschäften zu gestalten.

So viel wie nötig, so wenig wie möglich

Dabei gehen sie genauso vor wie seinerzeit Hans Gerling: Der historische Bestand wird erhalten und zugleich wird modern und luxuriös umgebaut. Für diese gigantische Aufgabe - es handelt sich immerhin um das größte private Baudenkmal aus der Wirtschaftswunderzeit - haben sich die Bauherren kompetente Hilfe geholt.

Zum Schnäppchenpreis sind die Wohnungen indes nicht zu haben. Bei rund 5.000 Euro pro Quadratmeter sind es vor allem zahlungskräftige Kunden, die als neue Eigentümer der Häuser mit klangvollen Namen wie "Haus von Werth", "Gereon Lofts", "Agrippina Palais" oder "Haus Gerling" gesucht werden.

Dafür bekommen sie aber auch einiges geboten: angefangen beim Tiefgaragenstellplatz über einen Concierge-Service bis hin zu einer der elegantesten Heimvernetzungen, die es zu kaufen gibt.

Haustechnik vom Feinsten

EURONICS XXL Nixdorf aus Paderborn hat bei Teilen des Projekts die Koordination von Gebäudevernetzung und Multimedia übernommen. So haben die Planer sichergestellt, dass die von ihnen gelieferten Komponenten auch funktionieren. Bei der standesgemäßen Ausstattung setzten sie auf das Duo Loewe und Gira.

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Individuel Sound: Der Multi-Room Receiver aus der edlen Individual-Serie beherrscht alle Spielarten komfortablen Musikgenusses: vom Netzwerk, aus dem Internet oder per USB.

Loewe lieferte die Fernseher, Audio-Server, Lautsprecher und die Multi-Room-Empfänger. Gira als Spezialist für Gebäudeautomation und Haustechnik sorgte für die Technik abseits der Unterhaltungselektronik und zeichneten für Lichtschalter, Steckdosen, Bewegungsmelder, Haustelefon und viele weitere Assessoires verantwortlich.

KNX statt konventioneller Verkabelung

Um dem High-End-Anspruch der Kunden gerecht zu werden, setzten die Entwickler statt auf konventionelle Verkabelung auf das etablierte Bussystem KNX. Das schon bei der Installation sehr anspruchsvolle System unterscheidet sich von der herkömmlichen Technik durch eine Trennung zwischen der Steuerungsebene einerseits und der Energieversorgung andererseits.

Ein Lichtschalter beispielsweise unterbricht bei KNX nicht selbst die stromführende Phase zur Lampe, sondern sendet das Abschaltsignal über Niedervolt-Leitungen an einen zentralen Server, der dann je nach Programmierung auch das Licht mehrerer Lampen schaltet oder herunterdimmt. Je nach Kundenwunsch lassen sich so alle möglichen Szenarien implementieren.

Der Gira-Server sorgt dafür, dass Steuerbefehle von den Schaltern und Sensoren in Netzwerk-Signale umgesetzt werden. Dadurch sind prinzipiell alle Gerätschaften steuerbar, die dies über ihre Netzwerkbuchse oder den WLAN-Transponder zulassen. Das gilt für die Unterhaltungselektronik ebenso wie auch schon für viele Haushaltsgeräte.

Auch energetisch bietet KNX jede Menge Sparpotenzial. Meldet etwa ein Sensor ein geöffnetes Fenster, weist der Server das im Raum befindliche Heizungsthermostat an, die Wärmezufuhr zu stoppen. Durch die intelligente Vernetzung kann zudem ein Sensor gleich mehrere Funktionen übernehmen.

Ein Bewegungsmelder schaltet das Licht automatisch ein, wenn jemand den Raum betritt, und lässt es wieder erlöschen, wenn er keine Bewegung mehr feststellt. Gleichzeitig dient derselbe Bewegungsmelder aber auch als Sensor für die Alarmanlage. Stellt er nach dem Scharfstellen eine Bewegung fest, löst er einen Alarm aus.

Das kann eine Sirene sein, ein Hinweis an den vermeintlichen Einbrecher, dass ein Alarm abgesetzt wurde, oder schlicht eine SMS an den Wohnungseigentümer.

KNX-Systeme sind deutlich teurer. Beispielrechnungen gehen bei diesem Projekt von dem Zehnfachen dessen aus, was eine konventionelle Verkabelung kosten würde. Zudem ist eine sehr akribische Planung erforderlich, um alle Kundenwünsche umsetzen zu können. So müssen an den zentralen Stellen der Wohnung bereits alle wichtigen Kabelverbindungen liegen, da eine nachträgliche Installation nur noch schwierig machbar ist.

Installation aus einem Guss

Die Unterhaltungselektronik steuert der Kronacher TV-Spezialist Loewe bei. Dessen Produktpalette reicht von Fernsehern über Radios bis hin zu Standboxen. Darüber hinaus sind die meisten Geräte auch Multi-Room-tauglich. Gira liefert als Kooperationspartner von Loewe auch die passenden Blenden für die Multi-Room-Displays.

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Die "Follow Me"-Funktion erlaubt es dem Zuschauer, eine Sendung anzuhalten und an einem anderen Loewe-Fernseher weiterzuschauen. Er braucht dazu lediglich "Pause" und "Play".

Die gesamte Installation wirkt dementsprechend technisch sowie optisch wie aus einem Guss. In der Musterwohnung des Komplexes kamen die hervorragend ausgestatteten Modelle Individual 55 Compose DR+ zum Einsatz. Sie lassen sich durch Austausch der Intarsien und durch diverse Aufstellvarianten an verschiedene Raumsituationen anpassen.

Die Technik ist ebenfalls auf Top-Niveau. Aufgewertet mit allerlei Bildverbesserungsschaltungen, liefern die Loewe-Fernseher der Top-Klasse ein kontrastreiches Bild.

Es sind jedoch die Feinheiten, die das System so gut in eine solche Umgebung passen lassen: Der eingebaute Doppel-Tuner etwa und die dazu implantierte Festplatte erlauben es, ein Programm anzusehen, während ein zweites aufgezeichnet wird. Die Festplatte dient zudem als Server für weitere Loewe-TVs. Der TV streamt dann auf Wunsch die Videosignale an ein anderes Gerät im Netzwerk.

Der Vorteil: Der müde gewordene Hausherr kann den Film im Schlafzimmer zu Ende schauen. "Follow Me" heißt dieses Feature. Ein weiteres Highlight des DR+Streaming: Eine Aufnahme der Festplatte wird auf einen weiteren Loewe-Fernseher übertragen, ohne das laufende TV-Programm zu unterbrechen.

Und sollte ein Fernseher mal nicht ins Netzwerk eingebunden sein, nimmt der Benutzer kurzerhand das mobile Speicherarchiv MovieVision DR+ zur Hand. Damit kann er Aufzeichnungen in HD-Qualität zu jedem geeigneten Loewe-Fernseher mit USB-Anschluss mitnehmen und gegebenenfalls sogar archivieren.

Die Netzwerk-Anbindung - über LAN oder WLAN - erlaubt aber noch weitere Spielarten. MediaNet etwa ermöglicht das Surfen im Internet oder das Stöbern in einem der in CE-HTML programmierten Applikationen. Außerdem kommuniziert der Fernseher darüber mit den Servern im Netz. Das kann ein spezieller Medien-Server oder auch der eigene PC sein.

Der Benutzer ruft dann einfach dort gespeicherte Filme, Fotos oder Musikstücke ab. Der Fernseher selbst ist auch in die Haustechnik eingebunden und steuert sogar Teile mit. Seine PiP-Funktion (Picture in Picture) etwa blendet ein Mini-Video von der Haussprechanlage auf dem Schirm ein, wenn es an der Tür klingelt. Per Fernbedienung kann der Besucher sogar hereingelassen werden.

Den guten Sound zum Bild liefert Loewe gleich mit. Zur Auswahl stehen Sound-Projektoren, Wandlautsprecher, Standboxen oder Subwoofer. Je nach Wunschkonstellation spielt der Fernseher Stereo-Sound oder auch 7.1-Raumklang.

Purer Sound

Von den Audio-Anlagen können sich vor allem die kompakten SoundVision-Geräte dank ihrer austauschbaren Intarsien an den jeweiligen Standort anpassen. Auf Druck des 7,5 Zoll großen Touchscreens spielen sie wahlweise Signale vom FM-Radio, Internet-Radio, von CD, iPod oder iPhone ab. Vier Lautsprecher und zwei Subwoofer sorgen für den nötigen Druck.

Da auch die SoundVision-Anlage ins Netzwerk eingebucht werden kann, hat sie ebenfalls Zugriff auf die dort gespeicherten Musikstücke. Der integrierte Musikerkennungsdienst Gracenote identifiziert unbekannte Musikstücke, während der Song noch läuft. Via Bluetooth lassen sie sich zudem vom Mobiltelefon an das SoundVision-Audiosystem senden. Über das gleiche Verfahren kann der Zuhörer auch seine Kopfhörer betreiben.

Noch minimalistischer geht der Air Speaker zu Werke: Er besteht nur aus einem mit Intarsien verzierbaren Quader. Im Innern werkeln zwei Subwoofer sowie zwei Hoch- und Mitteltonlautsprecher mit insgesamt 80 Watt Leistung. Via AirPlay überträgt ein iPod, iPhone oder iPad die Musik drahtlos an den Lautsprecher.

Teamwork

Die Klammer für alle vernetzten Audio- und Videogeräte bildet das Individual Mediacenter. Das Multi-Room-System mit dem kontrastreichen VFD (Vakuum-Fluoreszenz-Display) ist für mehrere Aufgaben zuständig. Ein CD- oder ein DVD-Laufwerk liefert Musik und Filme von der Konserve. Dazu kommen ein Radio-Tuner, ein analoger Eingang sowie ein iPod-/iPhone-Interface. Daten können per USB-Stick an einen der beiden Ports zugespielt werden.

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Ein Fernseher aus der Individual-Serie lässt sich mit Center-Speaker platzsparend an der Wand montieren. Seine Zuleitungen müssen zuvor gelegt werden.

Dank seiner Integration ins Netzwerk kann das Mediacenter auch auf freigegebene Dateiordner im heimischen Netzwerk zugreifen. All diese Quellen kann es innerhalb des Netzwerks an verschiedene Spieler verteilen, im Party-Modus auch an alle gleichzeitig.

Außerdem dient das Mediacenter als Relais-Station. DVB-Radio von einem ebenfalls eingebuchten Loewe-Fernseher kann es abspielen und weiterleiten.

Als Nebenraum-Komponente kommt ein Fernseher mit Netzwerk-Anschluss oder integriertem WLAN-Modul ebenso infrage wie ein Individual Sound Multi-Room Receiver. Letzterer lässt sich wegen seiner geringen Abmessungen besonders dezent platzieren.

Er hat zwei 50-Watt-Endstufen intus und kann so die großen Aluminium-Standboxen ebenso bedienen wie die für die Wandmontage geeigneten Individual Universal Speakers. Neben den Signalen des Mediacenters kann der Receiver auch eigene Quellen beisteuern. Er besitzt einen eigenen analogen Eingang sowie einen USB-Port. Darüber hinaus spielt er Internet-Radio ab.

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Multi-Room-Receiver und Touchpanel-Konsole schmiegen sich optisch in die Raumlandschaft ein. In Brusthöhe platziert, sind sie bequem erreichbar.

Den Befehl dazu bekommt er über die Fernbedienung Assist Media oder Multi-Room Display. Die handlichen Steuerungen mit implantiertem OLED-Display arbeiten bidirektional. Spielt etwa der Musikliebhaber seine MP3-Dateien ab, zeigen Assist Media und Multi-Room Display - sofern die Daten verfügbar sind - das entsprechende Cover an. Ganz nebenbei steuert die Assist Media auch die Fernseher von Loewe.

Bequeme multimediale Steuerung

Eine noch umfassendere Steuerung bietet sich dem Heimanwender über die Apple-Produkte iPhone und iPad. Mit ihnen ist die Steuerung aller Komponenten im Netzwerk, angefangen beim Gira-Server für Licht und Heizung bis hin zum Loewe-TV ein Klacks. Je nach Ausführung und Programmierung kann der Hausherr beispielsweise über eine Gira-App Jalousien herunterfahren, Leselampen einschalten oder sogar einzelne Steckdosen abschalten.

Die Assist Media App von Loewe fürs iPad beherrscht darüber hinaus alle multimedialen Steuerungsfunktionen. Der Zuschauer kann damit Programme umschalten oder Aufnahmen starten. Ein Tastendruck genügt, um die Besetzungsliste des abendlichen Spielfilms zu bekommen. Dem Zuschauer werden sogar thematisch ähnliche Sendungen empfohlen. Für die Lieblingsprogramme gibt es überdies eine Erinnerungsfunktion.

Auf die Festplatte des Fernsehers kann die App ebenfalls zugreifen. Aufnahmen in SD-Qualität lassen sich so bequem auf dem iPad anschauen. Auch Premium-Dienste wie etwa die Online-Videothek Maxdome kann der Kunde darüber einfach durchforsten und markieren. Anschließend braucht er sie nur über die "Merkliste" im Fernseher abzurufen. Eine Android-Version der Assist Media App ist in Arbeit.

Mit der neuen VideoNet App bietet sich dem Zuschauer eine gigantische Bibliothek mit Video-Inhalten, die sich darüber bequem verwalten lassen. Lieferanten können die großen Fernsehanstalten, Institutionen oder Amateurfilmer sein. In Favoriten-Listen werden die Lieblings-Videos organisiert. Per "Send to TV"-Option kann sich der Zuschauer die Videos bequem auf den Fernseher streamen lassen.

Einfacher geht es nicht. Zwar sind derlei Anwendungsszenarien mit der Vielfalt an Komponenten und der aufwendigen Installation recht kostspielig, dafür bekommt der Kunde aber eines der komfortabelsten Systeme, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind.

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