Medienzentrale

Kodi und Plex im Vergleichstest: Welches Media-Center ist besser?

Robuste Lösung oder offenes System? Wir haben die beiden beliebten Medienserver Kodi und Plex einem Vergleichstest unterzogen.

Kodi vs. Plex

© Weka Redaktion

Kodi vs. Plex: unser Vergleichstest.

Smarte Fernseher, kabellose WLAN-Lautsprecher, Google Chromecast und unzählige Mobilgeräte – in nahezu jedem Haushalt kommt inzwischen streamingfähiges Equipment zum Einsatz. Was noch fehlt, ist eine pfiffige Komplettlösung, mit der sich die gesamte Multimediasammlung verwalten, aufbereiten und im heimischen Netzwerk bereitstellen lässt. Und obwohl die Auswahl in Sachen Medienserver ziemlich groß ist, spielen in der Praxis eigentlich nur zwei Lösungen eine Rolle: Plex Media Server​ und Kodi (ehem. XBMC)​.

Wir lassen die beiden Probanden gegeneinander antreten, um herauszufinden, welcher Medienserver aktuell die Nase vorne hat. Wichtiger Hinweis: Beide Medienserver lassen sich kostenlos nutzen. Wer allerdings in den Genuss des kompletten Funktionsumfangs von Plex Media Server kommen will, muss sich für den kostenpflichtigen Plex Pass entscheiden. 

Ein PC ist kein Server

Die mit Abstand wichtigste Frage, die bei der Nutzung eines Media-Servers zu beantworten ist: Auf welcher Plattform soll er laufen? Sowohl Plex Media Server als auch Kodi lassen sich auf Windows-PCs, Macs und Linux-Rechnern installieren.

Für Gelegenheitsanwender, die nur ab und an einen Film oder eine Serie streamen, stellt dies die optimale Lösung dar, da sie kein Geld in zusätzliches Equipment investieren müssen. Soll der eigene Medienseerver hingegen rund um die Uhr erreichbar sein – und genau das zeichnet einen Server ja aus –, macht die Installation auf dem Computer keinen Sinn. Zum einen sind Rechner nicht für den Dauerbetrieb konzipiert, zum anderen kann das angesichts exorbitant hoher Strompreise sehr schnell sehr teuer werden.

Lesetipp: Kodi auf Raspberry Pi einrichten​​

Wesentlich besser geeignet sind NAS-Systeme und der Kleinstcomputer Raspberry Pi. Plex Media Server steht für Netzwerkspeicher der gängigsten Hersteller als native App zur Verfügung – ein gewichtiges Argument. Kodi kann wiederum auf Raspberry Pi und Nvidia Shield installiert werden. Dass der letztgenannte Medienserver auch für Android zu haben ist und sich auf iOS-Geräten mit Jailbreak einspielen lässt, ist eher eine Randnotiz.

Plex Mediaserver

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Alles im Blick: Aus dem Hauptmenü des WebInterfaces greifen Sie auf alle mit Plex Media Server verwalteten Multimediainhalte zu.

Nahezu fehlerfreie Erkennung

Keinerlei Blößen geben sich die Duellanten in Sachen Verwaltung von Multimediainhalten: Nach Auswahl der Speicherorte und Definition der jeweiligen Inhalte – Musik, Fernsehserien oder Filme – scannen Kodi und Plex Media Server die Ordner, laden Informationen wie Inhaltsangaben, Bewertungen und Poster automatisch aus dem Web herunter und stellen die Musik-, Serien- und Filmsammlungen auf überaus ansehnliche Art und Weise dar.

Die Erkennungsrate ist in beiden Fällen sehr hoch – vorausgesetzt, dass die Dateinamen den gängigen Konventionen folgen. Verwunderlich ist dies aber nicht, da Kodi und Plex Media Server auf die gleichen Quellen zurückgreifen: TheTVDB.com für Fernsehserien und The Movie Database (TMDb) für Filme. Probleme gab es im Test ausschließlich mit TV-Serien, die mehrfach in der TheTVDB-Datenbank auftauchen, zum Beispiel House of Cards, The Killing und The Bridge. Ausgezeichnet: Nicht erkannte oder falsch zugeordnete TV-Serien und Filme lassen sich ganz einfach manuell bearbeiten.

In Sachen Aktualisierung der Datenbank hat Plex Media Server die Nase vorne. Während Kodi diese Tätigkeit ausschließlich nach einem Neustart durchführt, überwacht Plex Media Server auf Wunsch alle Quellverzeichnisse, liest neue Inhalte automatisch ein und bereitet sie auch gleich auf.

Streaming im ganzen Haus

Sowohl Plex Media Server als auch Kodi spielen alle gängigen Formate ab. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Musik oder Videos handelt. Noch besser: Dank Unterstützung von UPnP, DLNA, AirPlay und Chromecast lassen sich die Inhalte nicht nur auf dem lokalen Gerät wiedergeben, sondern im ganzen Netzwerk streamen. Zudem gestatten beide Media-Server die Auswahl der Tonspur, das Aktivieren von Untertiteln und das Anlegen von Wiedergabelisten. Auch merken sich Kodi und Plex Media Server die zuletzt gesehene Stelle und bieten an, die Wiedergabe fortzusetzen. Auf Wunsch lassen sich vor dem Abspielen eines Films sogar Trailer abspielen, was das Kinofeeling verstärkt.

In Sachen Clients hat Plex Media Server die Nase ganz weit vorne. Angefangen bei den Streaming-Sticks von Amazon und Google über Xbox und Playstation bis hin zu Apple TV und WLAN-Lautsprechern von Sonos – die Plex-App, die die Verbindung zwischen Endgerät und Server herstellt, steht für zahlreiche Geräte zur Verfügung. Bemerkenswert ist, dass Design und Bedienerführung der Apps an die jeweiligen Endgeräte angepasst wurden. Nettes Detail: Sofern in den Servereinstellungen aktiviert, ertönt nach der Auswahl einer TV-Serie am Android- oder iOS-Gerät die Titelmelodie.

Lesetipp: NAS-Geräte im Media-Center-Test

Ein weiteres Plus: Plex Media Server kümmert sich um das Transkodieren der Inhalte. So etwas spielt etwa dann eine Rolle, wenn ein Full-HD-Streifen mit DTS-Tonspur auf einem iPhone wiedergegeben werden soll. Kodi beherrscht das serverseitige Transkodieren hingegen nicht – ein deutlicher Nachteil. Aus diesem Grund müssen sich Kodi-Nutzer mit den offiziellen Apps für Android und iOS begnügen, die sich mangels Wiedergabefunktion ausschließlich als Fernbedienungen einsetzen lassen.

Kodi Mediaserver

© Weka Redaktion

Steht das entsprechende Equipment zur Verfügung, empfängt Kodi auch das Live-TVProgramm. Das Aufnehmen von Sendungen ist ebenfalls möglich

Kodi bietet mehr Zusatzfunktionen

Enorme Unterschiede gibt es aufseiten des Funktionsumfangs: Während sich Plex Media Server auf das Wesentliche beschränkt, ist Kodi unter anderem auch in der Lage, das Live-Fernsehprogramm wiederzugeben, EPG-Informationen zu verwalten und Sendungen mitzuschneiden – sofern das passende Zubehör vorhanden ist. Zusätzliche Funktionen, unter anderem zum Streamen von Spotify-Musik, zur Anzeige von Songtexten und zum Empfang weiterer Web-TV-Sender, lassen sich ganz einfach per Addons nachrüsten – kostenlos. Der Nachteil der Funktionsvielfalt: Kodi ist nicht ganz so einfach zu bedienen. Und da die Erweiterungen von unabhängigen Programmierern entwickelt werden, sind Fehler oder – nach einem Kodi-Upgrade – Inkompatibilitäten nicht auszuschließen.

Interessant ist, dass Plex ein offizielles Add-on zur Verfügung stellt, das die Verbindung zu Kodi herstellt: Plex for Kodi. Nach der Installation der Erweiterung können Nutzer, die sich für den kostenpflichtigen Plex Pass entschieden haben, direkt aus Kodi heraus auf das Web-Interface von Plex Media Server zugreifen und Inhalte wiedergeben.

Fazit

Auch wenn sich die beiden Media-Server in vielerlei Hinsicht gleichen, ist das Fazit unseres Vergleichstests eindeutig. Plex Media Server ist die Rundumsorglos-Lösung, die im Idealfall auf einem NAS-System eingespielt wird. Nach der erstmaligen Konfiguration kümmert sich der Medienserver automatisch um das Einlesen, Aufbereiten, Transkodieren und Streamen von Musik, TV-Serien und Filmen – Sie müssen sich um nichts mehr kümmern. Ein dickes Plus stellt die Vielzahl der unterstützten Clients dar. Um aber von allen Funktionen zu profitieren, müssen Sie Geld ausgeben.

Lesetipp: Kodi installieren und einrichten

Kodi bietet hingegen einen wesentlich größeren Funktionsumfang und kostet keinen Cent. Dafür müssen Sie jedoch ein wenig mehr Arbeit investieren, um den Medienserver optimal zu konfigurieren. Echtes Server-Feeling kommt zudem nur dann auf, wenn Kodi auf Raspberry Pi oder einer ähnlichen Hardware eingesetzt wird.

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