Kaufberatung

Nikon-System: DSLRs der Mittelklasse

Das Nikon-System mischt Tradition und Innovation auf einer sehr breiten Produktplattform. In der Aufsteiger-Gruppe tummeln sich der Dauerbrenner D90 für 650 Euro, die D7000 (1000 Euro) und die semiprofessionelle D300s (1450 Euro).

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Die Tests im Detail

Wer sich im Nikon-Programm nach oben orientieren will, findet drei Modelle vor: die D90, die D7000 und die semiprofessionelle D300s.

Alle drei Modelle haben ihre Berechtigung, wobei die D90 durch ihr Preis-Leistungs-Verhältnis, die D7000 durch gehobene Ausstattung überzeugt. Bilder zeichnet die D90 mit einem engen Verwandten des altgedienten 12-Megapixel-CMOS auf, den man auch von der D300s kennt. Die D7000 verwendet dagegen einen von Nikon neu entwickelten 16-Megapixel-Sensor und baut ansonsten auf Elementen der D300s und D90 auf.

Ausstattung

Die D90 kommt in einem Polycarbonatgehäuse, das spürbar wertiger ist, als bei den Einsteiger-SLRs D3200 und D5100; lediglich auf einen Spritzwasserschutz muss man verzichten. Die D7000 hat von der D90 die kompakten, nahezu identischen Abmessungen, von der D300s den Kunststoff-Leichtmetall-Mix - allerdings mit mehr Kunststoffelementen als beim semiprofessionellen Modell.

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Keine Unterschiede soll es laut Hersteller aber beim Staub- und Spritzwasserschutz geben. Auch das Nikon-typische Selbstreinigungssystem für den Bildsensor haben alle drei an Bord.

Nikon D300s

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Alle drei Kameras bieten einen SLR-Sucher mit Pentaprisma, einblendbaren Gitterlinien und einer effektiven Vergrößerung um 0,6x. Einen Vorteil spielen sich die D7000/D300s durch die 100-Prozent-Abdeckung des Bildfelds heraus, während sich die D90 mit 96 Prozent begnügt. Keine Unterschiede gibt es beim TFT-Monitor mit einer Diagonale von 3 Zoll und 307000 RGB-Pixeln.

Aufnahmefunktionen

Das AF-System der D7000 bietet mit 39 AF-Sensoren (9 Kreuzsensoren) einen klar definierten Mehrwert im Vergleich zur D90 mit 11 AF-Sensoren (1 Kreuzsensor). Ein Hauch von Oberklasse weht bei der D300s mit 51 AF-Sensoren (15 Kreuzsensoren). Bezüglich der Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit bieten D90 (0,30/0,60 s) und D7000 (0,46/ 0,53 s) ordentliche Werte, bleiben jedoch hinter der D300s zurück (0,35/0,46 s).

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Der automatische Kontrastausgleich (ADL) lässt sich bei einigen Nikon-Modellen auch in Form einer Reihenautomatik einsetzen.

Bei der Bildseriengeschwindigkeit hat die D300s mit 7 B/s gegenüber 5,5 B/s (D7000) und 4,4 B/s (D90) ebenso die Nase vorn. D90 und D7000 bieten eine reichhaltige Auswahl an Belichtungsprogrammen: Standards wie Auto, P, A, S, M, ergänzt durch Motivprogramme - sechs bei der D90, 19 bei der D7000. Die Auswahl an Motivprogrammen ist bei der D7000 attraktiver gelöst, weil neben einem Wählrad auch Beispielbilder im Monitor eingeblendet werden.

Bei der D300s hat Nikon dagegen auf Motivprogramme verzichtet, was den semiprofessionellen Anspruch unterstreicht. Beim Videofilmen ist die D7000 gegenüber D90/D300s auf höherem Niveau unterwegs - mit Full-HD gegenüber HD. Fehlende AF-Unterstützung konstatiert man nur bei der D90.

Bedienkonzept

Alle drei Kameras besitzen neben dem Monitor an der Rückseite ein LC-Display oben am Gehäuse zum Einstellen von Aufnahmeparametern, gepaart mit Direktzugriffstasten auf bestimmte Funktionen. Die verfügbaren Belichtungsprogramme werden bei D90/D7000 per Moduswahlrad aktiviert, während man bei der D300s die Belichtungsprogramme (Programm-, Zeit- und Blendenautomatik plus manuelle Einstellung) per Modustaste und Einstellrad vorwählt.

Nikon D7000

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Dank Info-Taste zeigen D90/D300s aufnahmerelevante Daten auch am TFT-Monitor an; drückt man dann eine der über das Gehäuse verteilten Direktzugriffstasten, kann man mit dem Drehrad an der Rückseite auch direkt Einstellungen verändern.

Typisch für die D300s ist zudem der Multifunktionsschalter links oben am Gehäuse, mit dem man die eingestellte Bildqualität, Weißabgleichsmethode oder ISO-Zahl im LC-Display anzeigen lassen und mittels Drehrad verändern kann.

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Das Feintuning des Weißabgleichs in einem grafischen Menü gehört bei den meisten Nikon-Modellen zum Standard.

Auf mehreren Säulen ruht das Bedienkonzept der D7000. Zum einen gibt es Direktzugriffstasten auf häufig gebrauchte Einstellungen wie Bildqualität, Weißabgleich, ISO-Zahl, AF-Konfiguration und Belichtungskorrektur. Man drückt die betreffende Taste, um dann mit einem der beiden Drehräder das Gewünschte am LC-Display einzustellen. Ebenfalls willkommen ist die frei konfigurierbare Funktionstaste.

Zudem hat man auf die wichtigsten Parameter über den Einstellbildschirm Zugriff. Anders als bei der D90 gibt es bei der D7000 zwei Speicherplätze für die individuelle Konfiguration der Kamera (U1/U2), anwählbar über das Modusrad für die Belichtungsprogramme. Zur Wahl stehen die Standards (Auto, P, A, S, M) und 19 Motivprogramme (6 bei der D90), die sich über das Einstellrad an der Rückseite (Daumenrad) anwählen lassen.

Nikon D90

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Bildqualität

In dieser Disziplin ist die preisgünstige D90 die knappe Gewinnerin im Mittelklasse-Trio: Neben der hohen Dynamik zwischen 8 und 10 Blenden bis ISO 6400 glänzt die Kamera mit sehr niedrigen Kurtosiswerten. Die D300s schließt in den meisten Testkriterien dicht auf; nur bei den Dead-Leaves-Werten hat die D90 teils die Nase vorn.

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Die D7000 bietet zwar bei ISO 100 deutlich mehr Auflösung und bessere Ergebnisse bei ISO 6400, muss der D90 aber bei vielen anderen ISO-Stufen knapp den Vortritt lassen. Vor allem die Kurtosiswerte der D7000 sind generell höher als bei den Schwestermodellen mit dem "alten" 12-Megapixel-Sensor.

Fazit

In der Aufsteigerkategorie konkurrieren drei attraktive Modelle: D90, D7000 und D300s. Das hochwertige Kunststoffgehäuse der D90 toppen D7000/D300s mit ihrem Kunststoff-Magnesium-Mix und - vor allem aufseiten der D300s - semiprofessioneller Solidität. Allerdings ist die in die Jahre gekommene D300s mit ihrem 12-Megapixel-Sensor recht teuer, wenn man bedenkt, dass die viel günstigere D90 mit verwandtem Sensortyp sogar noch etwas bessere Bilder macht.

Der Kauftipp "Preis-Leistung" geht also eindeutig an die D90. Entscheiden Sie selbst, wie viel Ihnen Semiprofessionalität und Spritzwasserschutz, ein höherwertiger Autofokus und schnellere Bildserien aufseiten der D300s wert sind.

Die goldene Mitte dürfte für viele Käufer die D7000 darstellen. Mit ihrem 16-Megapixel-Sensor liefert die D7000 eine Bildqualität nahe zu auf dem Niveau der D300s - mit überwiegend höherer Grenzauflösung und besseren Dead-Leaves-Werten, aber höherer Kurtosis. Unterm Strich bietet die D7000 einen schönen Kompromiss aus kompakten Abmessungen, umfangreicher Ausstattung und Solidität, zudem als einzige im Mittelklassetrio Full-HD im Videomodus. Kauftipp "Ausstattung".

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