Vergleichstest

IPTV von Telekom und Vodafone

Telekom und Vodafone haben sich via Internet-Leitung mit Innovationen rund um das Fernsehen für lange winterliche Film- und Fernsehabende fit gemacht. Doch bietet IPTV wirklich mehr als das klassische Fernsehen? Unser Test gibt Aufschluss.

Telekom Entertain

© Hersteller/Archiv

Telekom Entertain

Man braucht weder Kabelanschluss, Antenne noch Sat-Schüssel, um Fernsehen zu empfangen. IPTV (Internet Protocol Television) hat sich in den letzten Jahren einen festen Platz in der Fernsehlandschaft erobert. Der Festnetz-Marktführer Telekom ist seit 2005 auf dem Markt und verzeichnet derzeit nach eigenen Angaben über eine Million Nutzer.

Vodafone, die Nummer zwei im deutschen Telekommunikationsmarkt, bietet seit Frühjahr 2011 ebenfalls ein IPTV-Paket an. Es soll die TV-Aktivitäten von Arcor Digital TV ablösen. Vodafone hatte den Festnetz-Anbieter 2009 gekauft und dessen IPTV-Angebot kurz darauf stillgelegt.

IPTV mit Sat-Empfang

Vodafone TV setzt auf ein neues Empfangsgerät und flexible Empfangswege. Im Fachjargon sagt man, es sei "hybrid" aufgebaut. Das heißt, dass im Vodafone TV Center 1000 mehrere Empfangsteile eingebaut sind. Es verfügt über einen Netzwerk-Anschluss und IPTV-Empfang für normal und hoch aufgelöste TV-Programme. Zudem bietet das Gerät einen Twin-Sat-Empfänger und, etwas antiquiert, einen analogen Kabel-Tuner.

Der Sinn der Übung: IPTV-Empfang erfordert eine recht hohe DSL-Datenrate - vor allem, um HDTV-Sender ruckelfrei zu empfangen. Vodafone bietet IPTV-Empfang mit HDTV ab einer DSL-Geschwindigkeit von 16 Megabit pro Sekunde (Mbps) an. In der Praxis seien dafür laut Anbieter-Angaben mindestens 9,7 Mbps notwendig. IP-Fernsehen mit Sendern in SD-Auflösung gibt es dagegen schon an langsameren DSL-Anschlüssen.

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Vodafone TV Center
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Das Vodafone TV Center zeigt Sendernamen und Filmtitel auf seinem Display in Klartext an.

Für beide Welten entwickelt

Vodafone hat sein Angebot und das zugehörige Gerät für Kunden mit schnellen und für solche mit "langsameren" Anschlüssen ab DSL 6000 konzipiert. Wer genug Bandbreite hat, der empfängt das komplette Programm via IPTV, wer weniger flott angebunden ist, der holt sich vor allem die möglichen Pay-TV-Zusatzangebote, Spartensender und Online-Extras aus dem Internet; das reguläre TV-Programm kommt dann via Sat-Schüssel ins Haus.

Pro

  • Kombination aus Sat-TV und IPTV
  • Filme mit 5.1-/Originalton
  • günstig

Contra

  • träges Menü
  • weder HbbTV noch Smart TV
  • keine Doppelaufnahmen

Der Twin-Tuner fischt auch frei empfangbare HD-Kanäle aus dem Orbit, der ebenfalls integrierte Festplatten- Rekorder nimmt IPTV-Sender ebenso auf wie Sat-Programme. Er schneidet allerdings trotz Twin-Empfänger immer nur eine Sendung mit.

Hybrid-Nutzer müssen noch mehr Zugeständnisse machen: Im IPTV-Angebot überträgt Vodafone insgesamt 15 HDTV-Sender - inklusive der wichtigsten privaten HD-Sender. Bei Sat-Empfang fallen diese Kanäle weg. Der Sat-Tuner hat zwar einen Karteneinschub, dieser unterstützt aber derzeit keine HD-Plus-Entschlüsselung.

Als Internet-Extra bietet Vodafone vor allem eine recht ansehnliche Online-Videothek. Diese liefert viele Filme in HD-Qualität und lässt häufig auch die Wahl zwischen deutscher und Originalsprache. Bei HD-Filmen ist meist auch 5.1-Ton in Dolby Digital dabei. Die Filmauswahl ist aktuell, aber nicht üppig: Von 50 lieferbaren Titeln der DVD-Verleih-Charts waren neun zu haben.

Damit HDTV-Filme ruckelfrei über langsamere DSL-Anschlüsse abrufbar sind, lädt Vodafone sie zuerst auf die Festplatte herunter, bevor man sie starten kann. Das dauerte im Test schon mal über zwei Stunden - der Filmabend will also gut geplant sein.

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Telekom Entertain Media Receiver 303
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Der Media Receiver 303 vom Anbieter Telekom lässt sich über die Gerätefront steuern.

Telekom zieht nach

Eine hybride IPTV-/Sat-Lösung hat inzwischen auch Telekom im Angebot. Unter dem Namen Entertain Sat und mit dem Media Receiver 500 Sat können auch hier Kunden mit DSL 6000 oder noch langsameren Anschlüssen bestimmte IPTV-Angebote nutzen. Wer einen schnelleren Anschluss besitzt, der bekommt reines IPTV und den Media Receiver 303 ohne Sat-Tuner. Mit einem schnellen VDSL-Anschluss (25 oder 50 Mbps) gibt es auch HDTV. Demnächst soll der HD-Empfang auch schon mit DSL 16.000 möglich sein. Dann garantiert Telekom aber nicht mehr, dass der Rekorder zwei HD-Kanäle parallel aufnimmt.

Pro

  • große Online-Videothek
  • gutes Menü
  • mehrere Aufnahmen parallel

Contra

  • kein HbbTV und Smart TV
  • teuer
  • IPTV ohne private HD-Sender

Mit den HDTV-Talenten verhält es sich hier umgekehrt wie bei Vodafone: Bei Telekom können Sat-Kunden die privaten HDTV-Kanäle sehen. Der Media Receiver 500 Sat besitzt dafür einen HD-Plus-Einschub. Im IPTV-Angebot fehlen dagegen Sender wie ProSieben HD oder RTL HD.

Dafür gibt es bei Telekom über IPTV mehr Pay-TV - zum Beispiel das Bundesliga-Angebot LIGA total!, welches IPTV-Kunden für 15 Euro Aufpreis und damit günstiger als die Bundesliga bei Sky bekommen. Das Bundesliga-Angebot, das via IPTV als einziges alle Bundesligaspiele auch in HDTV überträgt, ist allerdings nur für reine Internet-TV-Kunden vorgesehen. Bei Entertain Sat fehlt es - ebenso wie die anderen Pay- TV-Sender.

Auch nur bei HDTV-Empfang über IPTV ist 3D - The Channel zu sehen. Den 3D-Kanal bespielt Telekom mit wiederholten Demoschleifen. Der Filmdienst Videoload ist dagegen für alle Zuschauer geöffnet - egal ob über Entertain oder Entertain Sat. Hier bietet Telekom eine gute Auswahl an aktuellen Filmen, deutschen und internationalen Serien und kostenlosen TV-Archiven. Von den im Test gesuchten 50 aktuellen Filmen fanden die Tester hier die Hälfte - für eine Online-Videothek ein guter Wert. Wer Videoload über einen langsameren Anschluss nutzt, bekommt die Filme wie bei Vodafone auf die Festplatte geladen. Die Wiedergabe kann hier allerdings schon starten, während der Download noch läuft.

Eine teure Lösung

Den zusätzlichen Komfort lässt sich Telekom teuer bezahlen: Entertain mit HDTV-Empfang über VDSL kostet derzeit regulär 54,95 Euro monatlich - plus 4,95 Euro für den Media-Receiver. Neukunden erhalten ein Jahr lang 9,95 Euro Nachlass: fünf Euro weniger für den Monatspreis und keine Miete für das Gerät. Für Entertain Sat ohne HDTV und VDSL werden regulär 39,95 Euro plus 5,95 Euro Receiver-Miete fällig.

Vodafone-Kunden sind etwas günstiger dabei: IPTV mit Telefon- und Internet-Flatrate kostet hier 39,95 Euro pro Monat inklusive Receiver und HDTV, sofern die DSL-Leitung die nötige Bandbreite liefert. Vodafone-Neukunden erhalten das Komplettpaket derzeit sogar dauerhaft für fünf Euro weniger. Wer schon einen Vodafone-Vertrag nutzt, der kann ihn für 10 Euro extra mit IPTV erweitern.

IPTV in der Praxis

Insgesamt sind beide IPTV-Angebote und -Boxen alltagstauglich. Bei Vodafone etwa lassen sich IPTV- und Sat-Kanäle in der Senderliste beliebig mischen. Telekom sortiert alle Sender wohl strukturiert nach Free-TV, Pay-TV und HDTV. Man kann häufig benutzte Kanäle aber mit wenigen Tastendrücken in die eigene Favoritenliste setzen.

Beide Anbieter können mit ähnlich übersichtlichen Programm-Guides aufwarten, in denen sich auch einmalige Aufnahmen und Serien-Timer programmieren lassen. Die Vodafone-Box erwies sich allerdings bei allen Menübewegungen als deutlich träger als der Media Receiver von Telekom - längere Listen durchzuklicken nervte schnell. Dabei haben die Tester auch eine Suchfunktion vermisst, etwa nach Titeln der Online-Videothek.

An beiden Geräten unverständlich: Sie sind mit dem Internet verbunden, bieten aber keine Online-Dienste a la HbbTV, YouTube oder TV-Mediatheken. Das bekommt man bei fast allen aktuellen Premium-TVs und -Sat-Receivern - neben Online-Videotheken und Netzwerk-Streaming. Telekom und Vodafone dagegen übertragen bislang nicht einmal Fotos oder MP3-Dateien von einem Server ins Heimnetzwerk.

Immerhin waren Bild- und Tonqualität kaum zu kritisieren: Sie waren bei beiden Angeboten in HD- und SD-Auflösung gut, wenn auch einen Tick weniger knackig und detailreich als über die vergleichbaren Sat-Kanäle.

Fazit

IPTV ist jetzt für fast jeden erreichbar. Mit Hybrid- Empfang, On-Demand-Downloads und weiteren Tricks sind Telekom Entertain und Vodafone TV auch abseits schneller DSL-Leitungen nutzbar.

Die Frage ist nur: Wer braucht es? Die Bildqualität ist via Satellit am besten. Online-Videotheken wie Maxdome oder Acetrax haben auch Smart TV an Bord - plus HbbTV und TV-Mediatheken. IPTV hat klare Vorteile wie Interaktivität, parallele Aufnahmen oder schnelles Streaming. Die kommen aber nur an schnellen DSL-Leitungen zum Tragen. Überall sonst ist der klassische Empfang derzeit klar im Vorteil.

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