Desktop-CPUs und Chipsätze

Intel vs. AMD: Prozessor-Kaufberatung für Gaming, Overclocking & Co.

Intel oder AMD kaufen? Wir geben Prozessor-Empfehlungen für Spieler, Übertakter und mehr. Dazu sorgen wir für Durchblick bei Sockeln und Chipsätzen.

CPU-Labyrinth

© © solarseven / shutterstock

Wir helfen Ihnen aus dem Labyrinth aus CPUs, Chipsätzen und Co.

Mit AMD und Intel gibt es gerade einmal zwei Hersteller von PC-Prozessoren: Da müsste ja eigentlich die Wahl der richtigen CPU und des passenden Mainboards ein Kinderspiel sein. Ist es aber nicht. Allein Intel bietet derzeit an die 100 Desktop-Prozessoren mit Haswell-Architektur an. Die Preisspanne reicht dabei von etwa 35 Euro für einen Dual-Core-Celeron bis hinauf zu mehr als 1.100 Euro für den Core i7-5960X mit acht Kernen. Dabei hat man noch die Wahl zwischen zwei verschiedenen Sockeltypen und einer ganzen Reihe von Chipsätzen.

Auch AMD leistet sich zwei komplett unterschiedliche Prozessorlinien mit verschiedenen Sockeln: die FX-Serie auf Sockel AM3+ und die APUs der A-Serie auf Sockel FM2 und FM2+. Noch eine ganze Ecke konfuser wird die Geschichte, wenn Mainboards ins Spiel kommen. Da ist es nicht leicht, die Übersicht zu behalten. Und die ist beim Kauf eines neuen Rechners oder einer CPU nebst passendem Mainboard für ein Upgrade dringend nötig, damit die neue Hardware auch zu den eigenen Anforderungen passt.

Intel-Desktop-Prozessoren: Verschiedene Wege zum Ziel

Intel nutzt für Desktop-Prozessoren derzeit im Prinzip nur die 22-Nanometer-Haswell-Architektur. "Im Prinzip" deshalb, da noch Prozessoren auf Basis des Haswell-Vorgängers Ivy Bridge verkauft werden und es auch Celeron-J- und Pentium-J-CPUs auf Bay-Trail-Basis gibt. Sie sind Ableger der Atom-Prozessoren und für besonders kleine, günstige und sparsame Rechner gedacht, die nicht viel Leistung benötigen. Diese CPUs kann man nur zusammen mit einem Micro-ATX oder Mini-ITX-Mainboard kaufen, da sie nicht gesockelt, sondern aufgelötet sind.

Prozessoren für den Sockel 1150

Die Haswell-Architektur bildet die Basis der aktuellen Core-Prozessoren der 4000er-Serie, also der vierten Generation. Auch die Pentium-G3000- und Celeron-G1800-Modelle gehören zur Haswell-Familie.

Intel Core i7-5960X Prozessor

© Intel

Das derzeitige Spitzenmodell unter allen PC-Prozessoren ist der Intel Core i7-5960X mit acht Kernen und 20 MByte L3-Cache.

Die Core-i3-Modelle der 4000er-Serie verfügen über zwei Kerne mit Hyperthreading und einer integrierten Grafikeinheit: Das sind bei den kleineren Varianten eine Intel HD 4400, bei den größeren die schnellere Intel HD 4600. Die kommt auch bei allen anderen Desktop-Core-Prozessoren auf Haswell-Basis zum Einsatz. Über dem Core i3 rangieren der Core i5, er ist in den meisten PCs der gehobenen Mittelklasse zu finden, sowie der schnellere und teurere Core i7. Beide können mit vier Cores aufwarten, dem Core i5 fehlt aber die Hyperthreading-Unterstützung des Core i7. Prozessoren, deren Seriennummer den Zusatz "T" trägt, sind Varianten mit reduzierter Thermal Design Power (TDP), also maximaler Leistungsaufnahme. Sie eignen sich etwa für kompakte Business-PCs oder für Multimedia-Rechner im Mini-ITX-Format.

Interessant für alle, die ihre Rechner übertakten wollen, sind die K-Varianten von Core i5 und i7. Denn hier ist der maximale Taktmultiplikator nicht gesperrt, was das Overclocking erleichtert.

Geheimtipps: Xeon für Sockel 1150 und Pentium für Übertakter

Eine Art Geheimtipp ist der Xeon E3-1231 v3 für etwa 270 Euro. Er ist im Prinzip ein Core i7 ohne integrierte Grafikeinheit. Da sich die unter Windows 7 und 8.1 beim Einsatz einer zusätzlichen Grafikkarte sowieso abschaltet, ist der Xeon eine interessante Wahl für ein System, das Spieletauglichkeit und eine hohe Rechenleistung mittels Hyperthreading kombinieren soll.

Für Spieler mit ganz knappem Budget ist der Pentium G3258 eine gute Wahl. Denn diese Pentium-Jubiläumsausgabe lässt sich dank offenem Multiplikator besonders gut übertakten. Allerdings muss man dafür in ein etwas kostspieligeres Mainboard mit Z97- oder Z87-Chipsatz investieren.

Upgrade-Sackgassen

Alle Haswell-CPUs werden in einem 22-Nanometer-Verfahren hergestellt, das von Intel schon beim Vorgänger Ivy Bridge eingeführt wurde. Da Intel bei Haswell einiges an der Architektur und vor allem der Spannungsversorgung der Prozessoren geändert hat, sind sie nicht sockelkompatibel. Ein Upgrade von Ivy Brige auf Haswell erfordert also auch immer ein neues Mainboard mit Sockel 1150 statt dem bei Ivy Bridge und dessen Vorgänger Sandy Bridge gebräuchlichen Sockel 1155.

Den direkten Haswell-Nachfolger Broadwell mit 14-Nanometer-Architektur gibt es momentan nur als Mobilprozessor mit zwei Kernen. Die Desktop-Varianten, dann auch mit vier Kernen, sollen laut Intel noch im Sommer erscheinen und werden ebenfalls auf Sockel-1150-Platinen laufen. Allerdings könnten die Desktop-Broadwells sehr kurzlebig werden. Denn mit Skylake steht bereits die nächste CPU mit neuer Architektur in den Startblöcken. Und für diese CPUs mit Dual-Channel-DDR4-Speichercontroller sind dann schon wieder komplett neue Mainboards fällig: diesmal mit Sockel 1151.

Sockel 2011-3: Für mindestens sechs Cores und viele Grafikkarten

Neben den "kleinen" Haswell-Prozessoren mit zwei oder vier Kernen und Sockel 1150 gibt es auch noch die "großen" Haswell-E-CPUs mit sechs oder acht Cores und Sockel 2011-3. Vorsicht: Trotz ihrer 2011 Pins sind die neuen CPUs nicht kompatibel zum Vorgänger Ivy-Bridge-E. Der ist noch mit einem Quad-Channel-DDR3-Speichercontroller bestückt und läuft auf Mainboards mit X79-Chipsatz. Haswell-E nutzt dagegen den neuen schnelleren DDR4-Speicher und wird auf Mainboards mit X99-Chipsatz eingesetzt. Mit Preisen zwischen etwa 400 und 1.150 Euro sind diese Core-i7-CPUs der 5000er-Serie deutlich teurer als die Modelle mit Sockel 1150. Dazu kommen auch noch die Mehrkosten für den DDR4-Speicher, von dem mindestens vier Module nötig sind. Die passenden X99-Mainboards schlagen mit mindestens 220 Euro zu Buche.

Asus X99 Deluxe

© Asus

Luxus pur: Das Asus X99 Deluxe mit zusätzlicher Thunderbolt-II-Karte für Sockel-2011-3-CPUs.

Haswell-E-Prozessoren sind eher für professionelle Anwender bestimmt, die Prozessoren mit sehr hoher Rechenleistung und extrem schnellem Speicherzugriff brauchen. Einsatzszenarien sind etwa 3D-Rendering, die Bearbeitung von 4K-Videomaterial oder Computer-aided Engineering (CAE).

Eine weitere Zielgruppe für die Sockel-2011-3-Plattform sind sehr anspruchsvolle Gamer, bei denen Geld keine Rolle spielt. Denn sie sind die einzigen Intel-Prozessoren, auf denen sich mehr als zwei Grafikkarten mit voller Leistung per SLI oder Crossfire koppeln lassen. Alle Haswell-CPUs mit Sockel 1150 und auch deren Ivy-Bridge-Vorgänger mit Sockel 1155 verfügen nur über 16 PCI-Express-3.0-Lanes. Der mit 400 Euro günstigste Sockel-2011-3-Prozessor Core i7-5820K wartet dagegen mit 28 PCIe-3.0-Lanes auf. Das reicht für drei Grafikkarten und noch eine PCI-Express-SSD. Die beiden anderen Haswell-E-CPUs mit sechs oder acht Cores verfügen sogar über 40 PCIe-Datenleitungen. Damit ist dann sogar Quad-SLI möglich, da jede Grafikkarte über acht Lanes angebunden ist.

AMD FX: Günstige Multicore-CPUs

Die AMD-FX-Prozessoren der 8000er- und 9000er-Serie können ebenfalls mit acht Cores aufwarten. Sie sind zwar deutlich langsamer, dafür mit Preisen zwischen 130 und 250 Euro aber auch viel günstiger. Bei der Leistung liegen sie eher im Bereich der Core-i5-Modelle von Intel. Nur das Spitzenmodell FX-9590 mit fünf GHz im Turbo-Boost kann in einigen Bereichen mit einem Vierkern-Core-i7 mithalten. Allerdings ist der AMD mit einer maximalen Leistungsaufnahme von 220 Watt ein ungeheurer Stromfresser und daher nur für ausgesprochene AMD-Fans eine Alternative.

MSI Z97A Gaming 6

© Intel

Eines der ersten Mainboards mit schnellem USB 3.1 Gen2 und USB Typ C ist das MSI Z97A Gaming 6.

Die etwas sparsameren FX-Prozessoren der 6000er-Serie mit sechs Kernen liegen bei Preis und Leistung etwa auf Core-i3-Niveau. Das FX-Einstiegsmodell FX-4300 mit vier Cores kostet sogar nur 75 Euro. Damit sind diese CPUs eine empfehlenswerte Basis für einen günstigen Gaming-PC, wenn man sie mit einer guten Mittelklassegrafikkarte kombiniert. Da die AM3+-Plattform schon vier Jahre auf dem Markt ist, eignet sie sich auch gut als Basis für CPU-Upgrades, etwa von einem FX-4100 auf einen deutlich schnelleren FX-8350. Vorsicht: Die FX-Prozessoren der 9000er-Serie laufen nur auf FX-990-Mainboards der Oberklasse und mit neuer UEFI-BIOS-Version.

Bei Systemen mit AMD-FX-Prozessoren hängt die Anzahl der PCI-Express-2.0-Lanes vom Chipsatz ab, denn ein PCI-Express-Controller ist im Prozessor noch nicht vorhanden. Der AMD-990FX-Chipsatz liefert 42 Lanes, der 970 nur 22. PCI-Express-3.0 unterstützt keiner der Chipsätze.

Die Kaveri-APUs von AMD

AMD bezeichnet seine Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit als Accelerated Processing Unit (APU). Die Kaveri-Modelle sind dabei die ersten Prozessoren mit einer heterogenen System-Architektur (HSA), bei der die CPU-Kerne und die GPU gleichberechtigt auf den Speicher zugreifen. Daher spricht AMD bei Kaveri auch großzügig von Compute-Cores und zählt CPU- und GPU-Kerne einfach zusammen. Die 28-Nanometer-Prozessoren sind deutlich sparsamer als die 32-Nanometer-FX-Modelle. Mit passender Software haben Kaveri-Prozessoren das Zeug, in der Performance an Intels Haswell vorbeizuziehen. Allerdings ist die Liste der Programme mit HSA-Unterstützung immer noch recht kurz, und bei konventioneller Software ist Kaveri deutlich unterlegen. Die integrierte Radeon-GPU ist bei den Spitzenmodellen dagegen fast doppelt so schnell wie die Intel-HD-4600-GPU. Für anspruchsvolle DX11-Spiele ist sie allerdings immer noch zu langsam. Die Kaveri-APUs bieten auch einen integrierten PCIe-3.0-Controller mit 16 Lanes.

AMD-APUs der A-Serie

© AMD

Die AMD-APUs der A-Serie mit Radeon-GPU nutzen mit FM2+ einen eigenen Sockel.

Schließlich gibt es noch die Sockel-AM1-Einsteiger-CPUs Athlon und Sempron. Diese APUs auf Kabini-Basis kombinieren zwei oder vier Jaguar-CPU-Cores mit einer Radeon-GPU. Mit Preisen zwischen 25 Euro für den Sempron 2650 und 50 Euro für den Athlon 5330 spielen sie in derselben Liga wie die Celerons und Pentiums von Intel.

Von günstig bis extrem: Mainboards für verschiedene Ansprüche

Bei Mainboards sind die Preisunterschiede beinahe ebenso groß wie die bei Prozessoren. Während etwa die günstigsten Micro-ATX-Platinen mit Sockel 1150 schon für weniger als 50 Euro zu bekommen sind, kosten die teuersten Mainboards mit diesem Sockel mehr als 400 Euro.

Das erste Unterscheidungskriterium ist der Chipsatz, der auch für den Preis eine Rolle spielt. Der günstige H81-Chipsatz von Intel unterstützt zum Beispiel nur einen Speicherriegel pro Speicherkanal der CPU und limitiert damit alle PCI-Express-Slots auf die 2.0-Geschwindigkeit. Schließlich fehlt ihm auch noch die RAID-Unterstützung des SATA-Controllers. Auf der anderen Seite bietet ein Z97-Chipsatz den vollen Funktionsumfang und zudem noch vielfältige Übertaktungsoptionen, die über das UEFI-Setup oder per Software zugänglich sind. Hier sind auch mehr und bessere Spannungsregler-Module vorhanden, mit denen eine übertaktete CPU stabil mit einer höheren Core-Spannung versorgt werden kann. Hochwertige Feststoff-Kondensatoren finden sich dagegen inzwischen auch schon auf günstigeren Mainboards.

Dazu kommen dann bei den Edel-Mainboards auch noch sinnvolle Extras wie Steckplätze für M.2-SSDs, WLAN-Controller, Soundkarten oder zusätzliche USB-3.1-Gen2-Schnittstellen mit 10 GBit/s.

Lesetipp: Alle Infos zu USB 3.1

Neue Boards für alte Prozessoren? Wenn ein Mainboard den Dienst quittiert und die CPU überlebt hat, stellt sich die Frage, ob man nur das Board ersetzt oder gleich auf eine neue CPU nebst Mainboard umsteigt. Bei Ivy-Bridge-CPUs gilt auf jeden Fall das Erstere, da der Leistungsgewinn von Haswell nur wenige Prozent beträgt. Auch bei Sandy-Bridge-CPUs lohnt sich noch ein neues Board, obwohl hier PCIe 3.0 noch nicht geboten wird. Bei älteren CPUs sollte man Board und CPU ersetzen. Eine Ausnahme sind hier allenfalls die ehemals extrem teuren Hexacore-Prozessoren Core i7-980x und 990x mit Sockel 1366, deren Leistung auch nach heutigen Maßstäben noch hoch ist. Hier ist auch ein neues 250-Euro-Mainboard rentabel.

Neue Boards lohnen sich auch für AMD-FX-Prozessoren mit ihren seltenen Modellwechseln und ebenfalls für den 6-Kerner Phenom II X6 1090T mit Sockel AM3.

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