Kameras im Test

Fujifilm X30 gegen Panasonic Lumix CM1

Edel-Kompakte trifft auf "Smart Camera": Die Gerätekonzepte der Fujifilm X30 und Panasonic Lumix CM1 sind zwar grundverschieden, doch bei den potentiellen Käufern der Kameras gibt es vielleicht mehr an Schnittmenge, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Wir vergleichen die ungleichen Konkurrentinnen.

Fujifilm X30 gegen Panasonic Lumix CM1

© Hersteller

Fujifilm X30 gegen Panasonic Lumix CM1

Wer bietet die interessantere Alternative zur SLR- bzw. Systemkamera? Vielleicht eine digitale Edelkompakte wie die Fujifilm X30 mit 12-Megapixel-Sensor im 2/3-Zoll-Format? Sie krönt das Konzept der erfolgreichen Schwestermodelle X10 und X20 mit elektronischem Sucher. Oder die Panasonic Lumix Smart Camera CM1? Mit der können Sie nicht nur fotografieren, sondern auch telefonieren, surfen, spielen, twittern und chatten. Der 1-Zoll-CMOS der CM1 bietet ein Vielfaches der Sensorfläche üblicher Smartphone- Kameras und toppt den Fujifilm-Sensor zumindest bei der Fläche sowie der Nennauflösung mit 20 Megapixeln. Welche Akzente setzen die beiden Konkurrentinnen bei Ausstattung und Bildqualität?

Gehäuse & Ausstattung

Das Design der X30 orientiert sich an legendären Sucherkameras von Leica bis Voigtländer. Mit ihrem in Schwarz und Silber verfügbaren Metallgehäuse vermittelt sie Solidität und haptisches Wohlgefühl. Das eingebaute Fujinon-Objektiv bietet KB-äquivalente Brennweiten von 28 bis 112 mm, eine Anfangslichtstärke von 2,0 bis 2,8 und einen integrierten optischen Bildstabilisator. Neu ist der Lithium-Ionen-Akku NP-95, der jetzt für 470 Aufnahmen pro Ladung gut sein soll, während der NP-50 der X20 bereits nach 270 Aufnahmen schlapp macht. Ein Blitzgerät ist eingebaut.

Panasonic Lumix CM1

© Panasonic

Panasonic Lumix CM1 im Outfit einer in die Breite gezogenen Kompaktkamera mit Festbrennweite: An der Oberseite gibt es es einen Schiebeschalter zum Aktivieren der Kamera- App und einen zweistufigen Auslöser. Ein Steuerring am Objektiv findet sich bei beiden Kameras, bei der X30 zusätzlich zum Zoomring.

Die CM1 sieht mit ihrem Gehäuse aus gebürstetem Leichtmetall und Gorillaglas-Display zwar völlig anders, aber ebenfalls edel aus, wirkt robust und hochwertig. Mit 204 g wiegt die CM1 nur halb soviel wie die Fujifilm und ist im Vergleich zu dieser ziemlich flach. Für ein Smartphone erscheint eine Gehäusetiefe von 15 mm ohne bzw. 21 mm inklusive Objektiv wiederum etwas klobig. Das Objektiv (Leica DC Elmarit 2,7/10,2 mm Asph.) bietet eine KB-äquivalente Brennweite von 28 mm.

Fujifilm X30

© Fujifilm

Fujifilm X30 im klassischen Design mit Zoomobjektiv (nur das Sucherfenster fehlt, weil die X30 einen elektronischen Sucher hat)

Das Smartphone bedient sich eines Quad-Core-Prozessors (Qualcomm MSM8974AB), getaktet mit 2,3 Gigahertz; Android 4.4.4 läuft flüssig und stabil. Der Kamerafunktion spendiert Panasonic den hauseigenen Venus-Bildprozessor. Intern stehen 16 GB an Speicherkapazität bereit, dank Micro-SD-Slot schafft man Platz für weitere 128 GB an Bilddaten. Diese kann man aber auch über LTE oder WLAN in die Cloud auslagern.

Der Akku der Panasonic ist mit 2600 mAh recht kräftig und soll pro Ladung 300 Auslösungen schaffen. In der Praxis wird oft deutlich weniger drin sein, wenn man zwischendurch alle Möglichkeiten nutzt, die ein Smartphone nun mal bietet. Der Akku kann zwar laut Bedienungsanleitung vom Anwender selbst getauscht werden; für den schnellen Wechsel zu einem vollen Ersatzakku ist das Procedere aber wohl kaum gedacht, weil das Gerät dafür demontiert werden muss.

Panasonic Lumix CM1

© Panasonic

Als Kamera betrachtet ist, die CM1 auch mit Objektiv ziemlich flach: 21 mm bei eingefahrenem, 25 mm bei ausgefahrenem Tubus.

Sucher & Monitor

Für Motivsuche und Bildbeurteilung stellt die Fujifilm X30 einen Monitor mit höherer Auflösung als bei der X20 bereit und einen ebenfalls hochauflösenden OLED-Sucher mit 786.666 RGB-Bildpunkten, 100 Prozent Bildfeldabdeckung, Dioptrienausgleich und 0,65facher Vergrößerung - das übertrifft sogar den EVF der Sony RX100 III. Der 3-Zoll-Monitor an der Rückseite ist - ein Novum in der X-Serie - verschwenkbar.

Sucher

© Fujifilm

Das optische System des elektronischen Suchers mit 100 Prozent Bildfeldabdeckung und 0,65-facher Vergrößerung; auch ein Dioptrienausgleich (geriffeltes Rad) fehlt nicht.

Bei der CM1 ist das Touch-Display in Full-HD-Auflösung alleine für die Bildbetrachtung und Bedienung zuständig. Mit dem "Camera"-Schiebeschalter an der Oberseite startet man die Foto-App in Sekundenschnelle. Auch im Freien liefert das 4,7-Zoll-Display ein ordentlich helles Bild, nur bei direkter Sonneneinstrahlung ist eher Blindflug als Bildgestaltung angesagt.

Monitor

© Fujifilm

Als erste Kamera der X-Serie bietet die X30 einen Monitor, der sich aus dem Gehäuse klappen und in zwei Richtungen verschwenken lässt.

Praktisch ist, dass man in der Live-Bild-Anzeige einen Softbutton findet, mit dem man schnell zwischen automatisch geregelter und voller Helligkeit umschalten kann. Und wie bei der Fujfilm gibt es eine Display-Taste für unterschiedliche Anzeigemodi - von Live- Histogramm über Gitterlinien bis zum virtuellen Horizont wird einiges geboten. Zum Auslösen verwendet man den Kamera- Button im Display oder den zweistufigen Auslöser oben am Gehäuse.

Autofokus & Belichtung

Die Fujifilm X30 ist mit einem kombinierten Kontrast-/Phasen-AF am Sensor ausgestattet; der Hybrid-AF wechselt seine Betriebsart in Abhängigkeit von Aufnahmesituation und Motiv automatisch. Konfigurieren lässt sich das System als Mehrfeld-, Einzelfeld und Verfolgungs-AF (Tracking); Gesichtserkennung ist zuschaltbar. Bei Einzelfeld-AF kann das Messfeld auf insgesamt 49 Positionen verschoben werden, zudem lässt sich die Größe des Messfelds mittels Einstellrad in fünf Stufen variieren. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ist mit 0,23/0,31 s bei 300/30 Lux erfreulich gering; die Serienbildgeschwindigkeit ist mit fast 12 B/s hoch (allerdings nur 19 Bilder in Folge).

Fujifilm X30

© Fujifilm

Die X30 mit typischen Kamera- Attributen wie Ausklappblitz (hier versenkt), Blitzschuh, Programmwahlrad und rastendem Drehrad für Belichtungskorrekturen

Auch die Panasonic ist mit Blick auf den Autofokus recht üppig ausgestattet: Der Kontrast-AF stellt maximal 23 Felder bei automatischer Messfeldwahl bereit und erlaubt alternativ Einzelfeld-AF sowie Gesichtserkennung. Die Auslöseverzögerung beträgt 0,37/0,38 s bei 300/30 Lux; Touch-AF bzw. Touch-Auslösung lassen sich zuschalten. Abstriche muss man beim Serienbildtempo (JPEG) mit 4 B/s (41 in Serie) machen. Zum manuellen Fokussieren findet man wie bei der Fujifilm einen Steuerring am Objektiv, eine Bildschirmlupe und Peaking-Funktion, die scharfe Kanten farblich hervorhebt.

Fujifilm X30

© Fujifilm

Insgesamt sechs Tasten, darunter die Richtungstasten des 4-Wege- Schalters, lassen sich bei der X30 individuell mit Funktionen belegen. Die Q-Taste ruft das Schnelleinstellmenü auf, das Drehrad darüber hilft beim Einstellen, ist aber zu leichtgängig.

Neben Voll- bzw. Motivautomatik bieten beide Kameras Standardbelichtungsprogramme (P, A, S, M) und manuelle Einstellung, ergänzt durch Motivprogramme (Scenes), Panoramamodus, Filtereffekte und jeweils zwei Individualspeicher. Eine HDR-Funktion gibt's nur bei der Lumix. Doch dafür kann die X30 auch Mehrfachbelichtung und hat bei den Belichtungsreihen mehr zu bieten; die Bracketing-Optionen umfassen neben der Belichtung (AE) auch Weißabgleich, ISO, Dynamikumfang und Filmsimulation.

Panasonic Lumix CM1 im Test

© Panasonic

Bei der CM1 werden sämtliche Einstellungen am Touch-Monitor vorgenommen.

Beim Filmen bieten beide Kameras Full-HD-Auflösung, die Fujifilm mit 50/ 60 B/s, die Panasonic mit 30 B/s. Zwar lässt sich bei der Panasonic sogar 4K-Auflösung einstellen, jedoch nur mit ruckeligen 15 B/s. Anders als bei der Fujifilm muss man beim Filmen per AF-Button nachfokussieren, wenn sich die Entfernung zum Objekt ändert.

Bedienung & WiFi-Funktionen

Das Bedienkonzept der Fujifilm X30 orientiert sich an DSLR- bzw. Systemkameras. Dazu gehören das Moduswahlrad für die Belichtungsprogramme, ein rastendes Drehrad für die Belichtungskorrektur und ein weiteres Einstellrad. Ingesamt sechs Tasten, davon vier am 4-Wege-Schalter, lassen sich frei mit Funktionen belegen. Auch ein Schnelleinstellmenü (Q-Taste) fehlt nicht. Eine willkommene Einrichtung bei der X30 ist der Steuerring am Objektiv, etwas größer als der Zoomring und hinter diesem angeordnet.

Panasonic Lumix CM1 im Test

© Panasonic

Zum Vorwählen des Belichtungsprogramms erscheint am Display ein Moduswahlrad.

Je nach Voreinstellung mittels Taste an der Vorderseite lassen sich damit Verschlusszeit, Blende, ISO, Weißabgleich, Filmsimulation oder Serienaufnahme einstellen. Dank eingebautem WLAN-Modul können Bilddaten drahtlos an ein Smartphone übertragen werden, auch die Fernauslösung der Kamera inklusive Live-Bild am Smartphone ist möglich. Die dafür nötige App "Fujifilm Camera Remote" erlaubt auch Touch-AF im Live-Bild und das Verändern wichtiger Kameraeinstellungen.

Panasonic Lumix CM1 im Test

© Panasonic

Mangels eines optischen Zooms muss man bei Bedarf das Digitalzoom bemühen; die maximale Einstellung ist 4-fach.

Die CM1 lässt sich wie jedes Android-Smartphone bedienen, wobei das große Display einen optimalen Überblick aller Kamerafunktionen bietet, egal, ob man sie im M-(Haupt-), Q-(Quick-) oder F-(Funktionen)-Menü sucht. Und als hätte man sich mit der Konkurrenz abgesprochen, findet sich auch bei der Panasonic ein Einstellring am Objektiv, über den man Blende, Verschlusszeit, Belichtungskorrektur und Fokus einstellen kann. Die Internet-Anbindung ist bei einem Smartphone ohnehin eine Selbstverständlichkeit - nicht nur über WLAN, sondern auch über Mobilfunknetze wie UMTS oder LTE.

Panasonic Lumix CM1 im Test

© Panasonic

Für Belichtungskorrekturen wechselt man ins Funktionsmenü, und ändert mittels Steuerrad am Objektiv oder am Display die Einstellung.

Bildqualität

Mit ihrem 20-Megapixel-Sensor im 1-Zoll-Format schafft die Panasonic eine hohe Grenzauflösung um 1600 LP/BH bis ISO 1600. Auf deutlich niedrigerem Niveau verlaufen die Messwerte für die Dead-Leaves, wobei vor allem die schnell abfallenden Dead-Leaves-Lowcontrast-Werte (nur noch 366 LP/BH bei ISO 800) die wenig befriedigende Feinzeichnung der Kamera bei höheren ISO-Einstellungen charakterisieren. Die hohen Prozentwerte für die Artefakte kommen auch nicht von ungefähr: Bereits ab ISO 800 zeigen niedrigkontrastige Strukturen auch unschöne Farbabweichungen.

Panasonic Lumix CM1 im Test

© Panasonic

Neben Mehrfeldsind Einzelfeld-, Verfolgungs- AF und Gesichtserkennung möglich. Eine generelle Umschaltmöglichkeit zwischen Einzelbild-AF und kontinuierlichem Autofokus gibt es nicht.

Im Vergleich dazu ist die Fujifilm X30 sauberer abgestimmt: Mit 12-Megapixel-Sensor in 2/3-Zoll-Größe ist sie zwar bei der Grenzauflösung unterlegen, liefert streckenweise aber höhere Dead-Leaves-Werte und Bildergebnisse mit weniger störenden Artefakten. Zwar rauschen die Bilder mehr, wirken aber auch etwas natürlicher. Die Dynamik ist bei beiden Kameras hoch (noch 8 Blenden bei ISO 6400). Wer Wert auf hohe Bildqualität legt, sollte beide Modelle möglichst nicht oberhalb ISO 400 einsetzen.

Stativ

© Fujifilm

Mangels Stativgewinde benötigt man einen Smartphone- Adapter aus dem Fachhandel, wenn man die CM1 bei längeren Belichtungszeiten einsetzen will - wie hier beim Praxistest.

Fazit

Im Vergleich der Fujifilm X30 und der Panasonic Lumix Smart Camera CM1 kann es keinen Sieger geben: zu unterschiedlich die Geräte- und Bedienkonzepte, das Design und die Ansprüche potentieller Interessenten. Wer sich für die Fujifilm X30 erwärmt, bekommt klassische Kameratechnik im zeitgemäßen Outfit; dazu gehört der hochwertige elektronische Sucher ebenso wie der wieselflinke Kontrast-AF. Die Panasonic ist dagegen Premium-Smartphone und Edel-Kompaktkamera in einem.

Den Vorteil ihres größeren Sensors kann sie im Vergleich zur Fujifilm aber nur bedingt ausspielen; da ist wohl noch Feintuning bei den Bildbearbeitungsalgorithmen gefragt. Gegenüber konventionellen Smartphones liefert die CM1 jedoch eine überlegene Bildqualität. Für eine Kamera ist die CM1 mit einem Preis um 900 Euro zu teuer, auch im Vergleich zur den 550 Euro der X30. Für ein Smartphone mit Vollausstattung plus 1-Zoll-Kamera passt der Preis dann wieder. Konzeptionell ist die Panasonic ein mutiger und aussichtsreicher Schritt.

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