Vergleichstest

Fünf Navis im Test

Fünf aktuelle PKW-Navis durften uns zeigen, ob sie tatsächlich so clever sind, wie ihre Hersteller behaupten.

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© Hersteller/Archiv

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Für unseren Test entschieden wir uns für Geräte mit einem Straßenpreis von knapp 200 Euro bis maximal 300 Euro. Zum Testbeginn standen uns dann die dazu passenden Navis der Hersteller a-rival, Garmin, Mio, Navigon und TomTom zur Verfügung.

Klar: Jedes Navi ist in der Lage, seinen Besitzer von A nach B zu lotsen. Doch das sollte nicht irgendwie erfolgen, sondern möglichst clever, also vorrangig schnell und staufrei.

Stau - was nun?

Gerät man mit dem Auto in einen Stau, bekommt der Spruch "Zeit ist Geld" gleich eine noch tiefere Bedeutung. Bedeutet er doch neben einem Zeitverlust zusätzlich noch einen mitunter merklich höheren Kraftstoffverbrauch, der sich bei den heutigen Spritpreisen sicherlich spürbar negativ im Geldbeutel bemerkbar macht. Ein geschickt gewählter "Umweg" kann manchmal ökonomisch betrachtet sinnvoller sein als permanent auf die kürzeste Strecke zu bestehen. Zumal wenn bekannt ist, dass man sich in einen Stau einreihen muss.

Navis, die Staumeldungen über TMC oder TMCpro empfangen können, bieten da schon einen gewissen Vorteil. Dennoch hat dieses Verfahren einige Mängel. Vor allem hat sich gezeigt, dass das TMC-basierende Verfahren manchmal gar nichts vom Stau weiß oder man bekommt eine Verkehrsbehinderung gemeldet, die sich aber schon längst wieder aufgelöst hat. Auch sollte man vorgeschlagene Stauumfahrungen keineswegs immer blindlings akzeptieren. Besser ist, genau abzuwägen, ob die vorgeschlagene Routenänderung tatsächlich soviel besser ist.

Ratgeber: Radarwarner auf dem Navi installieren

Außerdem ist nicht auszuschließen, dass auf der akzeptierten vermeintlich zeitgünstigeren Stauumfahrung kurze Zeit später ebenfalls ein Verkehrsstau gemeldet wird, der nun nach Berechnung des Navis noch mehr Zeit kosten würde. Akzeptiert man die jetzt angebotene wiederum zeitgünstigere Stauumfahrung, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die freundliche Stimme aus dem Navi dann permanent plappert: "Bitte wenden" und man zu dem Stau geleitet wird, dem man zuvor ausgewichen ist.

Spätestens dann fragt man sich, wo da nun die Zeitersparnis geblieben ist. Dieses Szenario ist keineswegs erfunden. Das ist dem Autor am Ende eines sonnigen Wochenendes bei der Heimfahrt von Garmisch-Partenkirchen nach München so ergangen.

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Intelligente Zielführung

Was also tun, wenn TMC und TMCpro immer den bitteren Beigeschmack einer mehr oder weniger unzuverlässigen Informationsquelle besitzt? Kein Problem: Modernere Technologien wie Live-Services sind längst erfunden und immer mehr im Kommen. Diese Technologie ist auf dem sicheren Weg, TMC und TMCpro abzulösen.

Dem Navi-Hersteller TomTom gebührt hierbei mit seinen HD-Traffic- und IQ-Routes-Technologien die Pionierrolle und dürfte anderen Navi-Herstellern beispielgebend sein. So beweist diese Technik in vielen Tests immer wieder, wie man damit mit dem PKW nicht nur ökonomischer, sondern auch stressfreier ans Ziel gelangt.

Möglich wird das vor allem dadurch, dass bei den Verfahren wesentlich mehr und vor allem aktuellere Informationen zum Verkehrsgeschehen ausgewertet werden, als das beim TMC(pro)-Verfahren geschieht. Während TMC Informationen nur über Radiosender empfangen kann, geschieht das bei HD Traffic über Mobilfunk, also über das Handy-Netz.

Ein großer Vorteil, denn hier wird sowohl der Sende- als auch der Empfangskanal genutzt. Damit lassen sich beispielsweise aktuelle Bewegungsmuster bei der Zielführung zeitnah berücksichtigen. Das geht sogar so weit, dass abhängig von Wochentag und Uhrzeit immer die effektivste Route zum Ziel angeboten werden kann.

Wie gut das funktioniert, zeigte uns das Tom-Tom GO LIVE 1000 im Test bei der Wahl der Strecke mit der Option "Autobahnen vermeiden". Unser Startpunkt befand sich in diesem Falle jeweils auf dem Lande westlich von München. Das Ziel war der WEKA-Verlag, der sich östlich von München befindet.

Vergleichstest: Vier Outdoor-Navis im Test

Während uns mit dieser Routingeinstellung alle anderen Navis über die mit einigen Baustellen belastete und fast immer überfüllte B471 mit den dafür üblichen häufigen "Stopp und Go"-Phasen lotsten, überraschte uns das TomTom mit seiner Routenführung:

Bereits der Weg vom Startpunkt zur B471 war ein anderer, auf dem wir sogar flotter vorankamen. Auf der B471 angelangt, stellten wir uns gedanklich schon auf den bekannten Straßenverlauf nördlich um München herum ein. Aber denkste: Zu unserem Erstaunen ging es nur ein kurzes Stück auf der B471 weiter, um dann direkt durch München gelotst zu werden.

Großes Staunen: Denn normalerweise hätten wir diese Route abgelehnt, da München zu dieser Tageszeit erfahrungsgemäß ein großes Staupotenzial bietet. Aber Test ist Test und so ließen wir es leicht zähneknirschend darauf ankommen.

Umso größer war unsere Überraschung, als uns das TomTom mit nur wenigen Ampelstopps perfekt durch die Stadt lotste, um dann zwischen Ismaning und Aschheim nicht weit vom Ziel wieder auf die B471 zu gelangen. Zeitersparnis: rund 15 Minuten. Ein angenehmer Nebeneffekt der Live-Technologie ist, dass man damit jederzeit Aktualisierungen zum Kartenmaterial oder zu Blitzern erhält oder bei Bedarf weitere Infos bekommt, beispielsweise zum Wetter oder zu aktuellen Spritpreisen.

So entpuppte sich auch der Zugriff auf die Suchmaschine Google als nützlich. Damit findet man beispielsweise eine Firma am Zielort, von der man gerade die Adresse nicht parat hat. Die Navigation dorthin lässt sich dann mit einem Fingertipp auf den entsprechenden Button sofort starten.

Experten-Meinung

Ich bin viel und meistens auch gerne mit dem Auto unterwegs. Daher ist es für mich besonders wichtig, bei Bedarf blitzschnell einen akzeptablen Kompromiss zwischen Stauwarnungen mit wirklich Zeit sparenden Ausweichstrecken und einem optimalen Spritverbrauch nutzen zu können. In diesem Vergleichstest hat mich das TomTom Navi am zuverlässigsten um den Stau gelotst und zeigte damit deutlich die Nachteile der TMC-Technologie gegenüber HD Traffic und IQ Routes.

Was ist eigentlich PhotoReal?

Viele Hersteller von PKW-Navigationsgeräten sind bestrebt, dem Fahrer eine möglichst reale Ansicht der Umgebung am Display des Navis zu zeigen. Das soll die Orientierung zusätzlich erleichtern. Vor allem an mehrspurigen Kreuzungen und bei mehrspurigen Abfahrten auf Autobahnen ist die Gefahr, sich doch einmal falsch einzuordnen, gegeben. Fahrspurassistenten im Navi sorgen hier für mehr Sicherheit.

Auf dem Display des Navis erscheinen je nach Hersteller die vorhandenen Spuren und die für die jeweilige Route korrekte Spur als feststehende oder animierte Grafik rechtzeitig. Garmin zeigt dabei beispielsweise beim nüvi 3790T bei der Verwendung des aktuellen Kartenmaterials eine photorealistische Ansicht der jeweiligen Kreuzung oder Autobahnabfahrt. Wichtige Straßenschilder werden dabei zusätzlich herangezoomt, noch bevor der Fahrer diese in der Realität erkennen und lesen kann.

Testsieger: TomTom GO LIVE 1000

Die kapazitive Technologie des 4,3-Zoll-Displays des TomTom GO LIVE 1000 lässt den Bildschirminhalt nicht nur sehr brillant erscheinen. Vielmehr bewirkt diese Eigenschaft, dass die Menü-Buttons lediglich einen vergleichsweise geringen Druckpunkt benötigen, um eine Aktion auszulösen. Das erlaubt Bedienmöglichkeiten, wie von modernen Smartphones gewohnt. HD Traffic sorgt zudem mit IQ Routes in den meisten Fällen für ein stressfreies Fahren durch das dickste Verkehrsgetümmel.

Anders als bei TMC funktioniert das auch jenseits der Autobahn auf Landstraßen und in Ortschaften. Dafür werden beim Routing zeitnahe und historische Bewegungsprofile berücksichtigt. HD Traffic ist beim Kauf des Geräts für zwei Jahre inklusive, danach kostet der Service 49,95 Euro pro Jahr. Das TomTom GO LIVE 1000 ist damit nicht nur für den Vielfahrer geeignet, auch wer täglich mit dem PKW in die Arbeit fährt, wird dieses Navi zu schätzen wissen.

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