Im Netz vereint

Fünf AV-Receiver von Denon, Onkyo und Co. im Test

Wer als AV-Receiver dauerhaft seinem Besitzer dienen will, bringt Netzwerk-Fähigkeit mit. Unabhängig von der Preisklasse zieht sich dieser Trend wie ein roter Faden durch die IFA-Neuheiten-Parade.

AV-Receiver

© Hersteller

Fünf AV-Receiver von Denon, Onkyo und Co. im Test

Die Geräte im Test

Wie schnell doch ein Jahr vergeht. Die letzte IFA stand ganz im Zeichen des 3D-Bilds. An allen Ecken und Enden lockten Bildschirme und Leinwände mit mehr oder weniger räumlich wirkenden Film- oder Video-Beiträgen. Und die Receiver-Hersteller mühten sich redlich, durch Implementierung des HDMI-Standards 1.4a den Anschluss an diese Entwicklung zu halten.

Die Folge: Wer heute einen Marken-AV-Receiver kauft, kann davon ausgehen, dass dieser das Durchschleifen von 3D-Video beherrscht. In diesem Jahr wird dieses Thema bei den Receivern daher nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Sie sind für die Zukunft des räumlichen Sehens gewappnet, wenn der Besitzer irgendwann den Wunsch verspürt, flache Unterhaltung damit etwas aufzupeppen.

Jetzt richten die Receiver-Anbieter ihr Augenmerk auf den nächsten Schritt: Quer durch alle Klassen unterstützen die meisten neuen Receiver, die zur IFA der Öffentlichkeit vorgestellt werden, Netzwerk-Funktionalität. Ein Schritt, der dem Zeitgeist Rechnung trägt.

Nachvollziehbarer Nutzen

Während das 3D-Videobild im Moment eher einen kleinen Teil waschechter Heimkino-Freaks bedient, ist Musik aus einem zentralen digitalen Archiv oder aus dem Internet für die meisten deutschen AV-Fans inzwischen gängige Praxis.

Somit ist es logisch konsequent, wenn die Konstrukteure von Audio-Video-Steuerzentralen diese neuen, faszinierenden und vor allem ausgesprochen benutzerfreundlichen Programmquellen ins System integrieren.

Abgesehen vom Harman-Gerät, das nur MP3 und WMA beherrscht, lässt sich mit den getesteten Netzwerk-Receivern die Musik auch in anderen gängigen komprimierten und unkomprimierten Dateiformaten wie AAC oder FLAC von der Festplatte eines mit dem Netzwerk verbundenen Computers oder eines autarken NAS -Speichermediums (Network Attached Storage) auf die Anlage streamen. Um diese Funktion zu nutzen, muss der Besitzer seinen AV-Receiver über ein Ethernet-Kabel mit seinem Heimnetzwerk verbinden.

Ratgeber: Diese Apps steuern das Heimnetzwerk

Wer als Knotenpunkt einen Router mit Internet-Zugang verwendet, kann mit den fünf Testkandidaten sogar Webradio hören. Das bedeutet so etwas wie die Fortsetzung eines Weltempfängers mit anderen Mitteln. Nach Genres geordnet, stehen Tausende von Stationen rund um den Globus bereit, um am PC im Wohnzimmer direkt mit dem Receiver empfangen zu werden.

Apps von Denon, Onkyo und Yamaha

© Video Homevision

Die iPhone Apps von Denon, Onkyo und Yamaha laufen auch auf dem iPad, Pioneer hat eine eigene Anwendung.

Doch es gibt noch ein weiteres wichtiges Argument für Receiver mit Netzwerkzugang: Wenn das Netzwerk des Benutzers WLAN-Empfang ermöglicht, kann er sich mit dem iPhone, iPod touch oder iPad einloggen und mit den kostenlosen Apps von Denon, Pioneer, Onkyo oder Yamaha einen bisher unvorstellbaren Bedienungskomfort genießen.

Gerade wenn Musik von der Festplatte kommen soll, eignen sich die Smart Devices aus dem Hause Apple ganz besonders. Onkyo offeriert sogar eine ebenfalls kostenlose App für Besitzer von Android-Handys.

Was die Einbindung von Smartphones betrifft, hinkt Harman Kardon mit dem AVR 265 der Konkurrenz etwas hinterher, ebenso in Sachen Navigation im hauseigenen Musikarchiv. Bis man die gewünschte Musik gefunden hat, sollte man Geduld, Geschick und etwas Zeit mitbringen.

Harman/Kardon AVR 265

© Video Homevision

Der Harman/Kardon AVR 265 fügt sich vom Erscheinungsbild her nahtlos in die Ahnenreihe ein.

Aber es funktioniert. Wer sich überwiegend mit alten Medien beschäftigt - ganz alt dürfen sie wegen des fehlenden Phono-Eingangs aber auch nicht sein -, dürfte den Harman AVR 265 lieben. Er sieht schick und schlicht aus und klingt für seine Preisklasse hervorragend. Die souveräne, unsaubere Art, wie er ohne Härte Impulse wiedergibt, sein ausgesprochen satter und dabei sehr knackiger Bass und seine angenehme tonale Abstimmung sorgen für Gänsehaut beim Zuhörer. Damit die kräftigen Endstufen dabei nicht ins Schwitzen kommen, findet sich auf der Rückseite ein Ventilator.

Internet-Radio

© Video Homevision

Neben Tausenden von Webradio-Stationen unterstützen die Netzwerk-Receiver von Denon, Onkyo und Yamaha auch allerlei kostenpflichtige Online-Streaming-Dienste wie Napster oder Last.fm.

Gleich zwei Ventilatoren sitzen auf der Unterseite des ebenfalls sehr kräftigen Onkyo-Receivers. Doch der Nutzer muss ihnen schon einiges abverlangen, damit sich die Kühlaggregate zuschalten.

Musik aus der Luft

Dass man Luft nicht nur zum Kühlen verwenden kann, wissen Benutzer von iPhones oder Computern mit iTunes, der Musik-Software von Apple, schon lange. Via AirPlay, dem von Apple etablierten Standard zur bequemen drahtlosen und drahtgebundenen Übertragung von Audiodaten im Apple-Lossless-Format, lässt sich ganz lässig Musik hören.

Zumindest, wenn sich ein Denon AVR-3312 oder ein Pioneer VSX-LX 55 im Haus befindet. Denn diese beiden Receiver spielen mit Handys sowie Computern, die diesen Standard unterstützen, einwandfrei zusammen. Bisher ließ sich Denon von seinen Kunden noch einen kleinen Obolus für ein kostenpflichtiges Upgrade entrichten.

Klanglich birgt AirPlay zwar kleine Limits in Form einer zusätzlichen Konvertierung der Audio-Daten vom gängigen AAC- oder MP3-Format in den Apple Lossless Codec sowie einer Beschneidung der maximalen Sampling-Frequenz auf 48 kHz.

Doch das dürfte allenfalls einige ausgemachte Klangfetischisten stören. Für das normale Musikhören bei der Hausarbeit oder auf Partys reicht AirPlay allemal. Und es ist so schön praktisch, fast so etwas wie das Cinch-Kabel des Drahtlos-Zeitalters.

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Außer auf solche zukunftsorientierte Entwicklungsschwerpunkte konzentrierten sich die Entwickler auch auf die Schwachstelle im Einsatz heutiger High-Tech-Steuerzentralen: den Menschen. Der ist nur selten in der Lage, das ganze Potenzial seiner Investitionen wirklich auszunutzen.

Das haben die Hersteller inzwischen erkannt. Denon und Harman/Kardon setzen auf eine Kombination aus gut strukturierten und aufgeräumten Anschlussfeldern, deren Umfang sich auf das Wesentliche beschränkt, sowie auf logisch gegliederte Fernbedienungen.

Licht und Schatten

Zudem betreiben insbesondere Denon, Pioneer, Onkyo und Yamaha einen immensen Aufwand, um ihre GUIs (Graphical User Interfaces) zu verbessern. Diese unterstützen dank verbesserter On-Screen-Displays (OSD) jetzt mit Farbe, optimierter Menü-Struktur und grafischer Darstellung wesentliche Elemente der Grundeinstellung und den Betrieb der AV-Steuerzentalen.

Der neue Setup Wizard von Denon und die interaktive AV-Navigator-Software, die Pioneer für PC-Besitzer mitliefert, sollen neben dem Basis-Setup auch gerade das Anschließen und Einrichten von Audio- und Video-Quellen erleichtern. Das ist ein begrüßenswerter Schritt, zumal beide Marken in diesem Punkt gegenüber Onkyo auch einen gewissen Nachholbedarf hatten. Die Receiver von Onkyo waren schon immer vergleichsweise einfach in Betrieb zu nehmen.

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Besonders gut gefielen uns jedoch die im RX-V771 eingesetzten OSD-Menüs, die man bisher aus den Topmodellen von Yamaha kannte. Hier folgt die Form der Funktion und die ganze Arie mit den Grundeinstellungen verliert ihren Schrecken. Alles am Yamaha war logisch, wenn man davon absieht, dass erst einmal nichts zu machen war ohne Bedienungsanleitung, als wir versuchten, ein iPhone 3 GS anzuschließen.

Apps

© Video Homevision

Onkyo offeriert Android-Usern eine App für ihr Handy, um den TX-NR1009 fernzusteuern. Es geht also auch ohne Apple.

Klanglich ohne Tadel

Nichts zu meckern gab es dafür bei den fünf AV-Receivern in klanglicher Hinsicht. Alle fünf Testkandidaten machten ihrem Preis im Hörtest alle Ehre und meisterten sowohl die Stereo-als auch die Surround-Wiedergabe, ohne sich die geringste Blöße zu geben.

Pioneer sorgte, wie von der LX-Serie inzwischen gewohnt, mit dem VSX-LX55 für Gänsehaut-Feeling, und auch Harman knüpfte an die lange Tradition in Sachen Musikalität an, die so etwas wie ein Markenzeichen der Amerikaner darstellt.

Yamaha behielt die spritzige, schlanke Abstimmung der vergangenen Jahrgänge bei, Denon legte bei Surround etwas zu, dafür wirkte der Bass nicht mehr ganz so satt wie früher. Und Onkyo glättete am TX-NR1009 einige Kanten, die beim letzten Jahrgang die Harmonie leicht trübten.

Fazit

Grundsätzlich stimmt die Richtung: Noch nie gab es in allen Klassen so viel Gegenwert fürs Geld. Die Netzwerkfunktionen, allen voran Audio-Streaming oder Internet-Radio-Wiedergabe, sind zeitgemäß und überwiegend gut umgesetzt.

Was ich nicht verstehe: Mit einem Apple-Produkt komme ich intuitiv klar und kann sofort die gewünschten Funktionen benutzen - obwohl iPhone und iPad hochkomplexe Kleincomputer sind.

Wenn ich aber mein iPhone mit dem dazu gehörenden USB-Kabel an einen der Receiver anschließen will, um Musik aus meinem Archiv zu hören, passiert auf Anhieb nur beim AVR-3312 von Denon das, was ich erwarte: Ich schalte auf den Eingang um und sehe sofort den Inhalt meines Musikarchivs auf dem On-Screen-Display: übersichtlich und mit der Fernbedienung sofort zu steuern. Beim Harman müsste ich erst ein Dock kaufen, aber auch die anderen Receiver waren nicht so narrensicher wie der Denon.

Der Pioneer gibt Menüs nur mit seinem Adapter-Kabel aus, spielt aber immerhin auch mit der Apple-USB-Verbindung. Bei Onkyo und Yamaha ging erst mal gar nichts. Es blieb nur der Blick in die Anleitungen. Das ist nicht die Usability, die ich heute erwarte.

Download: Tabelle

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