E-Mail-Dienste im Test-Duell

GMail vs. GMX Topmail: Vergleich der Mail-Anbieter

Freemail-Anbieter gibt es viele: GMX, Web.de, Yahoo oder GMail. Lohnt es sich aber, Geld für einen E-Mail-Dienst auszugeben? Wir vergleichen im Test-Duell das kostenlose GMail von Google mit dem kostenpflichtigen GMX Topmail.

GMail vs. GMX - Topmail

© Montage: WEKA

GMail vs. GMX - Topmail

Wer einen E-Mail-Dienst sucht und Anbieter im Test vergleicht, mag sich die Frage stellen: Ist E-Mail in Zeiten von Facebook, Twitter und WhatsApp überhaupt noch nötig? Und ob! Wahrscheinlich werden in diesem Jahr in Deutschland so viele E-Mails verschickt wie nie zuvor. Eine aktuelle Studie geht von mehr als 537 Milliarden Nachrichten aus - Spam nicht mitgerechnet. Das wäre ein Zuwachs von sechs Prozent gegenüber 2014. E-Mail-Anbieter führen diesen Anstieg vor allem auf die zunehmende Mobilität zurück. Jeder dritte Anwender nutzt E-Mail auf dem Smartphone, sagt GMX.

Fakt ist: Die meisten Deutschen vertrauen heimischen E-Mail-Anbietern. Etwa ein Viertel der Bundesbürger hat eine Adresse von GMX, ein weiteres Viertel nutzt Web.de. Und mehr als zehn Prozent der Deutschen erledigen ihren Mailverkehr über T-Online. Lohnt es sich jedoch Geld für ein Mail-Konto auszugeben?

Um diese Frage zu beantworten, lassen wir in unserem Test-Duell das kostenpflichtige GMX Topmail gegen das kostenlose GMail antreten.

Google-Knowhow vs. E-Mail made in Germany

Sicher hat die Initiative E-Mail made in Germany ihren Teil dazu beigetragen, dass deutsche E-Mail-Provider so beliebt sind. GMX wie auch 1&1, die Telekom, Freenet, Strato und Web.de haben sich zur Einhaltung hoher Sicherheitsstandards verpflichtet. Neben der verschlüsselten Datenübertragung garantieren die E-Mail-Anbieter, dass Daten ausschließlich in Deutschland gespeichert und dabei deutsche Datenschutzstandards eingehalten werden. Die Mitglieder von E-Mail made in Germany nutzen nach eigenen Angaben nur Rechenzentren in Deutschland. Damit Anwender solche Nachrichten auf Anhieb erkennen, kennzeichnen die Websites und Apps sie diese mit einem Gütesiegel.

In dieser Hinsicht kämpft Google gegen einen schlechten Ruf. Doch der ist nicht immer begründet. Zwar mag es sein, dass manche Google-Dienste Nutzerdaten sammeln. Die grundlegenden Sicherheitsfunktionen von GMail kann man allerdings nicht beanstanden. GMail verfügt wie GMX über ausgeklügelte Schutzmechanismen, die Malware in ein- und ausgehenden Nachrichten erkennen und vernichten.

GMail Posteingang

© Hersteller

Luftiges Weiß: GMail zeigt sich im typischen Google-Look. Per E-Mail empfangene Dokumente lassen sich online bearbeiten.

Auch beim Thema Spam-Bekämpfung kann GMail mit GMX mithalten. Beide Dienste verfügen über selbstlernende Filter, die unerwünschte Werbung in die Ordner Spam (GMX) und Werbung (GMail) aussortieren. Nicht richtig erkannte Nachrichten sollte der Nutzer zuordnen, damit die Spam-Filter schneller lernen.

Zur grundlegenden Sicherheit beim E-Mailen gehört auch die verschlüsselte Datenübertragung. GMX und GMail nutzen die SSL-Verschlüsselung für den Abruf von E-Mails sowohl im POP3- als auch im IMAP-Verfahren. Für den Mail-Versand per SMTP stehen bei beiden STARTTLS, TLS sowie SSL zur Auswahl.

GMX nutzt als Standard STARTTLS über Port 587. Unterstützt das E-Mail-Programm kein STARTTLS, wird über Port 587 automatisch TLS aktiv. Alternativ kann der Nutzer die SSL-Verschlüsselung über Port 465 nutzen. Bei GMail ist SSL über Port 465 der Standard, TLS oder STARTTLS lassen sich über Port 587 nutzen. TLS ist allerdings nicht so sicher wie eine End-to-End-Verschlüsselung, z. B. per PGP. STARTTLS ist weniger sicher als TLS, da es bei Protokollfehlern auch unverschlüsselte Übertragungen ermöglicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: GMX-Nutzer sollten nach Möglichkeit TLS statt STARTTLS für SMTP aktiveren

GMX Posteingang

© Hersteller

Übersichtliches Blau: Die Bedienoberfläche von GMX TopMail wirkt aufgeräumt. Die Hauptfunktionen finden sich in der Menüleiste oben.

Dass GMX im Duell mit GMail mehr Sicherheitspunkte erhält, verdankt es ausschließlich der Option De-Mail. De-Mail ist ein rechtsverbindliches System, das nachweisliche und vertrauliche Online-Kommunikation garantiert. Absender und Empfänger von De-Mails sind eindeutig identifizierbar. Wer eine De-Mail-Adresse reserviert, muss sich daher ausweisen.

Lesetipp: E-Mails, Messenger und Telefonie verschlüsseln

GMX punktet mit dieser Option - vor allem, weil der Versand von einfachen De-Mails kostenlos ist. Andere Dienste verlangen hohe Gebühren. Eine zusätzliche Funktion von De-Mail ist das digitale Einschreiben, bei dem der Absender eine rechtsverbindliche Zustellbestätigung erhält. Bei GMX kostet eine Einschreiben-Mail 78 Cent.

Grundausstattung

E-Mail-Sicherheit ist wichtig, weshalb wir bis zu 25 von 100 Punkten dafür vergeben. Höher bewertet haben wir lediglich die Grundausstattung der Dienste, z. B. den verfügbaren Speicherplatz für E-Mails und die Anzahl der Adressen. Bis zu 50 Punkte können die Testkandidaten für E-Mail-Funktionen erreichen.

Unser Test offenbart große Unterschiede zwischen den drei GMX-Tarifen FreeMail, ProMail und TopMail. Das kostenlose FreeMail-Angebot bietet maximal 1,5 GByte Speicherplatz für E-Mails und büßt damit im Vergleich zu ProMail (5 GByte), TopMail (mindestens 10 GByte) und GMail (15 GByte für E-Mails und Daten) etliche Bewertungspunkte ein. Keine Frage: Wer sehr viel Post erhält und gelesene E-Mails längere Zeit aufheben muss, braucht mehr als 1,5 GByte Speicherplatz.

Ähnlich verhält es sich mit der Anzahl der E-Mail-Adressen. Bei ProMail erhält der Kunde 10 Adressen mit GMX-Endungen, bei TopMail sogar 50 GMX-Adressen. So viele Adressen sind praktisch, wenn der Account von mehreren Familienmitgliedern oder zugleich für private und geschäftliche Zwecke genutzt wird. Außerdem stehen in allen GMX-Tarifen 20 weitere Adressen mit lustigen Endungen wie hab-verschlafen.de zur Verfügung.

E-Mail Studie

© GMX/Web.de

E-Mail boomt: Eine aktuelle Studie zeigt den rasanten Anstieg des E-Mail-Verkehrs in Deutschland.

Wer sich bei GMail anmeldet, bekommt genau eine E-Mail-Adresse. Wenig bekannt ist, dass sich bei Google beliebig viele Aliasse nutzen lassen. Der Trick ist, hinter den vorderen Teil der E-Mail-Adresse ein Pluszeichen zu setzen und anschließend die gewünschte Zeichenkette anzufügen. max. mustermann@gmail.com kann beispielsweise max.mustermann+ebay@gmail.com für eBay nutzen.

Tipp: Mittels Filterung nach Empfänger werden die E-Mails automatisch in Ordner ein- oder als Spam aussortiert. Dennoch gewinnt GMX TopMail gegen GMail in der Testrubrik Grundausstattung. GMX punktet beispielsweise mit seinem POP3-Sammeldienst. Er kann Nachrichten von bis zu 20 anderen E-Mail-Accounts abholen - GMail ruft höchstens fünf externe Postfächer ab. Dateianhänge dürfen bei GMX TopMail bis zu 100 MByte groß sein, bei GMail maximal 25 MByte.

Mehr als nur E-Mail

GMX und GMail bieten viel mehr als nur E-Mail. Neben Speicherplatz für Nachrichten steht Speicherplatz für Daten bereit, der sich unterschiedlich nutzen lässt. Zum Beispiel können als E-Mail-Anhang empfangene Dateien online zwischengespeichert werden, genau wie Daten vom eigenen Rechner.

GMX trennt den Speicherplatz für Daten von jenem für E-Mails: Bei GMX FreeMail sind es zwei GByte, bei ProMail fünf GByte, bei TopMail zehn GByte. GMail bietet insgesamt 15 GByte Speicherplatz für E-Mails und Daten, eine Trennung gibt es nicht. Auch beim Zugriff auf den Datenspeicher unterscheiden sich der deutsche und der amerikanische Dienst.

Während GMX WebDAV erlaubt, mit dem sich der Web-Speicher wie ein lokales Laufwerk ansprechen lässt, setzt Google auf seine Drive-Apps. Ein Vorteil von Drive ist, dass er sich (kostenpflichtig) erweitern lässt. Für 1,99 US-Dollar monatlich erhält der Kunde 100 GByte Speicherplatz. Im Test punktet GMail außerdem dank Google Docs. Das Online-Office arbeitet perfekt mit GMail und Drive zusammen. Bekommt man beispielsweise ein Word-Dokument als E-Mail-Anhang, kann man es im Browser bearbeiten, online speichern oder korrigiert weiterleiten.

Mehr als nur E-Mail - damit meinen wir auch SMS, MMS und Fax. Diese Funktionen machen GMX zu einer Art Kommunikationszentrale. Weil GMail weder SMS- noch MMS-Funktionen bietet und Faxempfang sowie -versand nur über externe Faxdienste ermöglicht, verliert es ein paar Bewertungspunkte.

Selbst mit GMX FreeMail kann man jeden Monat bis zu zehn kostenlose SMS verschicken, wenn man sich bei der Anmeldung für das Plus-Upgrade entscheidet. Im Gegenzug bekommt man allerdings ab und zu Werbung per Mail oder SMS. Nützlich ist die Fax-Funktion, allerdings bietet nur GMX TopMail den kostenlosen Versand von bis zu zehn Faxen monatlich an. Im Tarif ist eine eigene Fax-Nummer enthalten.

Vergleichstabelle GMail vs. GMX

© PC Magazin

Fazit

GMX oder GMail? Da es gleich drei Tarife von GMX gibt, ist die Gegenüberstellung nicht ganz einfach. Und weil kostenlose mit kostenpflichtigen Diensten verglichen werden, dürfen die Kosten nicht unbeachtet bleiben. Lässt man sie allerdings außen vor, dann gibt es einen klaren Sieger des Duells: GMX TopMail mit 92 von 100 Punkten.

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Ob sich die monatlichen Ausgaben von 4,99 Euro lohnen, hängt hauptsächlich vom Nutzungsverhalten ab. Wer ausgiebig per E-Mail kommuniziert, sehr große Dateien, SMS und Faxe verschicken muss, investiert gut in GMX TopMail. Für viele Privatanwender sollten dagegen die kostenlosen Angebote GMX FreeMail (42 von 100 Punkten) und Google GMail (66 von 100 Punkten) vollkommen ausreichen. Im Vergleich mit FreeMail ist GMail sicherlich der innovativere Dienst, sieht man von der fehlenden Option De-Mail einmal ab.

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